Virus-Hepatitis und der Öffentliche Gesundheitsdienst in Österreich

Die Erreger der virusbedingten Hepatitis gehören in verschiedene Gruppen von Viren. Die Schwere und die Dauer einer Erkrankung hängt vom Virustyp ab: So sind Hepatitis B-Virus und Hepatitis C-Virus die häufigsten Ursachen für Leberzirrhosen und Leberkrebs. Dem Thema Virus-Hepatitis und seiner Bedeutung für die Öffentliche Gesundheit widmen sich ExpertInnen am 27. Juli bei der Fachtagung „Virus-Hepatitis und der Öffentliche Gesundheitsdienst in Österreich“ an der AGES, der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH.

In Österreich sind Hepatitis-Infektionen meldepflichtig. Zwischen 2009 und 2016 wurden 561 Fälle von Hepatitis A gemeldet, 6.311 Fälle von Hepatitis B, 9.425 Fälle von Hepatitis C, 36 Fälle von Hepatitis D und 143 Fälle von Hepatitis E. Von diesen Erkrankten wurden 196 als verstorben gemeldet. Gegen Hepatitis A und Hepatitis B steht eine Impfung zur Verfügung; gegen Hepatitis C steht neuerdings eine effektive Kombinationstherapie zur Verfügung.

Fachtagung 27. Juli 2017 - Link zu Programm & Anmeldung

Hepatitis A

Die Übertragung erfolgt durch kontaminierte Lebensmittel und durch  Kontakt-/Schmierinfektionen. Ausbrüche von Hepatitis A-Erkrankungen können durch kontaminierte Lebensmittel verursacht werden, wie z. B. ein europaweiter Ausbruch mit über 1.300 Fällen in den Jahren 2013/2014, der durch Tiefkühlbeeren verursacht wurde. „Seit Juni 2016 wird in 15 europäischen Ländern, darunter auch Österreich, ein starker Anstieg der Hepatitis A Virus-Aktivität beobachtet. Betroffen sind diesmal hauptsächlich junge, erwachsene Männer, die Sex mit Männern haben“, sagt Univ.-Prof. Stefan Aberle von Zentrum für Virologie der medizinischen Universität Wien. Insgesamt wurden bei diesem europaweiten Ausbruch bislang über 1.500 bestätigte Hepatitis A Fälle gemeldet. „Auch in Österreich wurde ein Anstieg der Hepatitis A-Fälle beobachtet. Allein heuer wurden bis Juni 124 Infektionen gemeldet, der Großteil bei 25 bis 44-jährigen Männern“, so Aberle. Hepatitis A heilt in der Regel innerhalb weniger Wochen aus und hinterlässt eine lebenslange Immunität gegen Hepatitis A-Virus. Die durchschnittliche Letalitätsrate liegt bei ca. 0,3 %. Die Inkubationszeit dieser fäkal-oral übertragenen Erkrankung beträgt 3 - 6 Wochen. Bei der Hepatitis A gibt es keinen chronischen Verlauf, die Erkrankung heilt meist völlig aus. Die Impfung ist sehr wirksam, aber nicht im kostenfreien Impfprogramm enthalten.

Hepatitis B

Eine Übertragung erfolgt v. a. durch unsterile Instrumente (Kanülen, Spritzen), ist aber auch über kontaminiertes Blut, Sperma/Zervixsekret („sexuell“), sowie Speichel („oral“) möglich; besonders wichtig ist die Mutter-Kind Übertragung („perinatal“). Die Impfung gegen Hepatitis B ist im kostenfreien Impfprogramm enthalten und es wird im Rahmen der 6-fach Impfung nach dem 2 + 1 Schema im 3., 5. und 12. (-14.) Lebensmonat geimpft. Nach der Grundimmunisierung im Säuglings- bzw. Kleinkindalter ist eine Auffrischungsimpfung ab dem vollendeten 6. bis zum vollendeten 15. Lebensjahr empfohlen. Etwa 10 % der sonst gesunden Erwachsenen mit akuter Hepatitis B werden chronisch. „Patienten mit chronischer Hepatitis B-Virus-Infektion sind meinst asymptomatisch oder leiden unter unspezifischen Beschwerden wie allgemeiner Müdigkeit bzw. einem Spannungsgefühl im rechten Oberbauch. Erst wenn eine chronische Hepatitis B-Virus-Infektion die Leber soweit geschädigt hat, dass eine fortgeschrittene Leberzirrhose oder ein Leberzellkarzinom aufgetreten ist, kann die Erkrankung symptomatisch werden“ erklärt Univ.-Prof. Heinz Zoller von der Medizinischen Universität Innsbruck. In diesen späten Erkrankungsstadien kann oft nur noch eine Lebertransplantation die Erkrankung heilen. Eine chronische Hepatitis B-Virus-Infektion führt jedoch nicht bei allen Betroffenen zu solch schweren Krankheitsmanifestationen. Die Inkubationszeit dieser Erkrankung beträgt 2 - 3 Monate.

Hepatitis C

Die Übertragung ähnelt der des Hepatitis B -Virus. Die geschätzte Seroprävalenz von Hepatitis C liegt in der Allgemeinbevölkerung westeuropäischer Länder zwischen 0,1 % und 1,1 %. Eine besonders hohe Seroprävalenz findet sich bei Personen mit mehrjährigem, intravenösem Drogengebrauch. Eine weitere Risikogruppen sind Strafgefangene: „Im Bereich des Justizressorts wurden im Jahr 2016 von 77 Langzeitinsassen mit Hepatitis C Virus-Infektion 51 mit der neuen Kombinationstherapie behandelt. Alleine die Kosten der Medikamente beliefen sich dabei auf 1.200.000 Euro“, so Dr. Margit Winterleitner, Chefärztin des Bundesministeriums für Justiz. Die Inkubationszeit dieser Erkrankung variiert von 2 Wochen bis zu 6 Monate.

Hepatitis D

Das Hepatitis D-Virus benötigt für die Infektion die Hülle des Hepatitis B-Virus. Hepatitis D tritt somit stets zusammen mit Hepatitis B auf und führt in 70 bis 90 % der Fälle zu schweren chronischen Verläufen.

Hepatitis E

Die Übertragung ähnelt der des Hepatitis A -Virus. Die meisten Menschen, die sich mit Hepatitis E infizieren, zeigen aber keine oder nur leichte Symptome. Erkrankungsfälle durch Hepatitis E betreffen vor allem immungeschwächte Personen, insbesondere Transplantationspatienten; bei ihnen kann es auch zu Todesfällen kommen. Die Europäische Lebensmittelbehörde EFSA benennt in einer jüngst veröffentlichten wissenschaftlichen Stellungnahme rohes bzw. nicht ausreichend durcherhitztes Schweinefleisch als Hauptursache für Hepatitis E-Infektionen beim Menschen: In den vergangenen 10 Jahren wurden in den EU-Mitgliedstaaten über 21.000 Infektionen gemeldet. Am Institut für veterinärmedizinische Untersuchungen Mödling der AGES wurden in den vergangenen Jahren Untersuchungen zum Vorkommen von Hepatitis E Genotyp 3-Antigen und Antikörpern bei Haus- und Wildschweinen durchgeführt. „Eine Untersuchung von 1.152 Schlachtschweinen aus 72 konventionellen Betrieben in Österreich ergab, dass bei 64 Schweinen (6 %) aus 30 Betrieben Hepatitis E-Virusgenom in Leber oder Kot nachgewiesen werden konnte“, so Univ.-Prof. Friedrich Schmoll, Leiter des Geschäftsfeldes Tiergesundheit der AGES. Von 75 getesteten Wildschweinen wurde bei 17 (23 %) Hepatitis E Virus mittels PCR nachgewiesen. Die Inkubationszeit dieser Erkrankung variiert von 2 Wochen bis zu 2 Monaten.

Blutspendewesen und Hepatitis-Screening

Österreichweit werden pro Jahr 350.000 Vollblutspenden von ungefähr 220.000 Blutspendern geleistet, die von den Blutspende-Diensten neben anderen über Blut übertragbaren Infektionskrankheiten auf Hepatitis A, B und C sowie teilweise Hepatitis E überwacht werden. Im Zeitraum 2009 bis 2017 wurde bei 1,33 Millionen Blutspenden ein einziges Mal Hepatitis A-Virus nachgewiesen. Bei Hepatitis B-Virus war eine von 10.400 Spenden positiv. Bei Hepatitis C lag das Verhältnis im Zeitraum 2013 - 2017 bei 1 zu 37.884 (644.026 getestete Spenden), bei Hepatitis E im Zeitraum 2016-2017 bei 1 zu 5.369 (155.691 getestete Spenden). „Die Testung auf Hepatitis B und C erfolgt sowohl serologisch als auch molekularbiologisch. Dadurch konnte z. B. für Hepatitis C das Restrisiko für eine Übertragung über ein Blutprodukt auf 1:10 Millionen gesenkt werden“, so Dr. Ursula Kreil von der Blutspendezentrale für Wien, Niederösterreich und Burgenland des Österreichischen Roten Kreuzes.

Hepatitis-Überwachung

Die amtliche Erfassung von Hepatitis-Infektionen stellt die Basis für zielgerichtete Interventionen der Gesundheitsbehörden dar. „Die Herausforderung ist heute eine repräsentative Erfassung der Kontinuität der Versorgung bei Hepatitis B und C, analog zum Vorgehen bei HIV-Infektionen“, so Univ.-Prof. Robert Zangerle von der Medizinischen Universität Innsbruck. Während bei HIV, ausgehend von den Diagnosen, inzwischen sehr ausgeklügelte Modelle existieren, die eine Berechnung von Gesamtzahl und des Zeitpunkts auch der nicht-diagnostizierten Infektionen erlauben, ist dies bei Hepatitis B und C in nur sehr rudimentärer Form möglich. Die österreichische Hepatitis C-Surveillance basiert auf einer verpflichtenden Meldung von Fällen einer neu diagnostizierten akuten Hepatitis C oder chronischen Hepatitis C-Virusinfektion. Neben der verpflichtenden Arztmeldung besteht seit 2014 auch für Laboratorien eine gesetzliche Verpflichtung, den Fall einer Hepatitis C-Infektion in das epidemiologische Meldesystem (EMS) elektronisch einzupflegen. Eine aktuelle Evaluierung der Hepatitis C-Surveillance durch die AGES (Abteilung für Infektionsepidemiologie & Surveillance) im Auftrag des Gesundheitsministeriums sieht Verbesserungspotenzial. Die Autoren empfehlen u. a. die Zusammenführung der nationalen Hepatitis C-Surveillancedaten des Epidemiologischen Meldesystems EMS mit Hepatitis C-Daten anderer Quellen, wie z. B. Haftanstalten und Hepatitis-C-Behandlungszentren. Ziel ist eine zuverlässige laufende Bewertung der epidemiologischen Entwicklung der Hepatitis C in der österreichischen Bevölkerung.

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