Schadstoffbelastung in der Luft
Saubere Luft ist ein essenzielles Gut für unsere Gesundheit und unser Ökosystem. Die größte Gesundheitsgefahr geht von überhöhten Konzentrationen an Feinstaub, Ozon und Stickstoffdioxid aus, da diese Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen begünstigen können. Österreich hat sich hier zum Ziel gesetzt, die WHO- und EU-Luftqualitätsrichtlinien umzusetzen.
Luftschadstoffe entstehen vor allem durch äußere Einflüsse wie Verkehr, Industrie, Kraftwerke oder Verbrennungsanlagen. Dabei gelangen unerwünschte gasförmige oder partikelgebundene Stoffe – etwa Schwermetalle, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAKs) und Dioxine – in die Umgebungsluft. Diese Emissionen können über weite Strecken transportiert werden und sich durch Niederschlag oder Staub auf Organismen, Gewässer, Oberflächen oder Böden ablagern. Werden diese Schadstoffe von Pflanzen aufgenommen oder auf Oberflächen angereichert, spricht man von Immission.
Zur Messung der Schadstoffbelastung in der Luft kommen unterschiedliche Systeme und Ansätze zum Einsatz. Einer davon ist das sogenannte Umwelt-Biomonitoring.
Biomonitoring
Umwelteinflüsse und -veränderungen können mithilfe von Biomonitoring analysiert werden. Dabei werden biologische Systeme wie Pflanzen zur räumlichen und zeitlichen Überwachung der Luftqualität eingesetzt. Dadurch können Rückschlüsse auf Emmissionsquellen wie Industrie und Verkehr gezogen werden.
Aktive Biomonitoring-Systeme werden vor allem zum Monitoring und zur Überwachung bekannter Emissionsquellen eingesetzt. Bei diesen wird Welsches Weidelgras (Lolium multiflorum), als (Akkumulations-)Indikator für Futtermittel, oder Grünkohl, als (Akkumulations-)Indikator für Lebensmittel, unter festgelegten Bedingungen gemäß VDI-Normen (Saatgut, Pflanzerde, Düngung) im Gewächshaus angebaut. Anschließend werden die Pflanzen in das Untersuchungsgebiet gebracht, wo sie in einer Höhe von etwa 1,5 Metern angebracht werden. Nach einer festgelegten Expositionsdauer werden die Pflanzen geerntet, aufbereitet und analysiert. Der Pflanztopf wird anschließend durch einen neuen ersetzt, wodurch jährlich mehrere Messperioden möglich sind. Die analysierten Ergebnisse werden bewertet und auch mit regionalen und überregionalen unbelasteten Hintergrunddaten verglichen.
Passive Biomonitoring-Systeme werden hauptsächlich nach Schadensfällen (zum Beispiel Brand einer Industrieanlage) eingesetzt, aber auch für ergänzende Messungen zum aktiven Biomonitoring verwendet. Im passiven Biomonitoring werden in freier Natur wachsende Pflanzen wie etwa Wiesengras, Baumblätter, Löwenzahn oder Fichtennadeln beprobt und analysiert. Die analysierten Ergebnisse werden ebenfalls mit regionalen und überregionalen unbelasteten Hintergrunds Daten verglichen und bewertet.
Bei vielen Umweltverträglichkeits-Prüfungsverfahren ist das Biomonitoring ein wesentlicher Bestandteil. Wir verfügen als akkreditierte Inspektionsstelle über langjährige Erfahrung im Bereich des Biomonitorings.
Immissionsmessung am Beispiel von Welschem Weidelgras
Immissionsmessungen im Rahmen des aktiven Biomonitorings dienen der räumlichen und zeitlichen Überwachung der Luftqualität. Sie ermöglichen es, Rückschlüsse auf mögliche Emissionsquellen zu ziehen. Dabei werden unter standardisierten Bedingungen gezogene Pflanzen gezielt im Untersuchungsgebiet ausgesetzt. Häufig kommt dafür Welsches Weidelgras (gemäß VDI 3957 Blatt 2) zum Einsatz. Vergleichbare Verfahren existieren auch für andere Pflanzenarten wie Grünkohl, Löwenzahn oder Wiesengras.
Welsches Weidelgras (Lolium multiflorum) wird im Gewächshaus unter genau definierten Bedingungen (z. B. Saatgut, Pflanzerde, Düngung) angezogen und anschließend in das Untersuchungsgebiet gebracht. Dort wird es in etwa 1,5 m Höhe für rund vier Wochen exponiert. Nach der Expositionszeit wird das Gras geerntet, aufbereitet und analysiert. Anschließend wird der Pflanztopf durch einen neuen ersetzt, wodurch zwischen Mai und September mindestens fünf monatliche Messperioden pro Jahr möglich sind.
Das Welsche Weidelgras dient dabei als Akkumulationsindikator: Es nimmt in der Luft vorhandene Stoffe sowohl an seiner Oberfläche als auch im Pflanzeninneren auf und macht dadurch Umweltveränderungen sichtbar. Durch den Vergleich der Analyseergebnisse mit regionalen und überregionalen Hintergrunddaten können unter anderem folgende Fragestellungen beurteilt werden:
- Sind Immissionen nachweisbar, die über dem üblichen Hintergrundniveau liegen?
- Wie stark sind diese Immissionen ausgeprägt (gering, deutlich, erhöht)?
- Erfordern die festgestellten Schadstoffeinträge weitere Untersuchungen an natürlich vorkommenden Pflanzen? Sind Tiere und in weiterer Folge Menschen durch den Verzehr vor Ort wachsender Pflanzen in ihrer Gesundheit gefährdet?
Welsches Weidelgras eignet sich sowohl zum Nachweis anorganischer Elemente wie Blei, Cadmium, Quecksilber oder Antimon als auch organischer Schadstoffe wie Dioxine (PCDD/F), polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), Hexachlorbenzol (HCB) oder polychlorierte Biphenyle (PCB). Das aktive Biomonitoring wird unter anderem zur Überwachung von Emittenten (z. B. Industrie, Verkehr) sowie im Rahmen großräumiger Messnetze eingesetzt. Zur Bewertung der Messergebnisse werden die entsprechenden Hintergrunddaten (OmH – Orientierungswerte für maximale Hintergrundgehalte) herangezogen und mit den aktuellen Messergebnissen verglichen.
Services
Biologische Immissionsmessungen
Inspektionsstelle gem. EN ISO/IEC 17020 (Id. Nr.: 0371). Weitere Informationen zur Akkreditierung und zum Akkreditierungsumfang: Akkreditierung Austria
Methoden (Inspektionsmethoden)
- Aktives Biomonitoring gemäß VDI 3957 Bl. 2 (Immissionsmessungen mit standardisierter Graskultur) und gemäß VDI 3857 Bl. 2 (Beurteilungswerte für immissionsbedingte Stoffanreicherungen in standardisierten Graskulturen)
- Passives Biomonitoring gemäß VDI 3957 Bl. 1, 3, 5, 10, 11, 15 (Immissionsmessungen mittels Pflanzen, wie Wiesengras, Baumblätter, Grünkohl, Maispflanzen u. Ä.)
Anwendung (Beispiele)
Diverse UVP-Verfahren, Überwachung von Anlagen (Beweissicherung bezüglich Emissionen), Immissionskontrollen nach einem Schadereignis etc.
Zusätzliche Leistungen
Begutachtung und Kundenberatung
Untersuchungsumfang
- (Schad)elemente insbesonders Schwermetalle
- Organische Schadstoffe (z.B. PAK, PCB, HCB, PCDD/F)
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Kontakt
Abteilung Kontaminantenanalytik
Aktualisiert: 20.03.2026