Gesundheit für Mensch, Tier & Pflanze

Antiparasitika

Antiparasitika

Steckbrief

Beschreibung

Antiparasitika sind Arzneimittel, die gegen Parasiten eingesetzt werden. Parasiten halten sich entweder im Körper des Wirtes (z. B. Würmer) oder auf der Körperoberfläche (z.B. Zecken, Flöhe, Milben) auf. Antiparasitika werden in der Tiermedizin eingesetzt, um einem Befall mit Parasiten entgegenzuwirken.

Viele Antiparasitika kann man folgenden chemischen Verbindungsklassen zuordnen:

  • Avermectine: wirken gegen Endo- als auch Ektoparasiten
  • Benzimidazole und Imidazothiazole (Levamisol): wirken gegen Endoparasiten
  • Salicylsäure-/Phenolderivate (inkl. Salicylanilide)/Benzolsulfonamide: wirken gegen Endoparasiten
  • Organophosphatverbindungen und Pyrethroide: wirken gegen Ektoparasiten

Vorkommen

Werden Antiparasitika angewendet, können sie in den Organismus und damit in tierische Lebensmittel gelangen.

Gesundheitsrisiko

Gesetzliche Regelung

Für tierische Gewebe (Muskel, Fett, Leber und Nieren), teilweise für Milch und für Eier (Flubendazol) existieren in der Verordnung (EU) 37/2010, in der die Höchstmengen für Tierarzneimittelrückstände in Nahrungsmitteln tierischen Ursprungs festgelegt sind, Grenzwerte. Diese liegen, wie auch bei den meisten anderen Arzneimitteln, bei Milch wesentlich niedriger als bei den anderen Matrices. Das Verabreichen einiger Antiparasitika (z.B. Mebendazol) ist bei milchliefernden Tieren ausdrücklich verboten. Blut und Harn sind in der oben genannten Verordnung nicht geregelt.

Viele Fremdsubstanzen (z. B. auch Medikamente) werden im Organismus von Enzymen chemisch modifiziert. Deshalb werden bei vielen Arzneimitteln nicht nur die ursprünglichen Substanzen (Muttersubstanzen), sondern auch ihre Metaboliten als Markerrückstände definiert und die Rückstandshöchstmengen als Summengrenzwert festgelegt. Nähere Informationen zum Metabolismus von Antiparasitika und Markerrückständen finden Sie unter Fachinformation.

Situation in Österreich

Der nationale Rückstandskontrollplan sieht vor, dass jährlich um 450 Proben (Muskel und Milch) untersucht werden. In den letzten Jahren kam es zu keinen Grenzwertüberschreitungen.

Fachinformation

Metabolismus der Antiparasitika und Markerrückstände

Bei einem Großteil der (Pro-)Benzimidazole wird nicht nur das ursprüngliche Arzneimittel (Muttersubstanz), sondern auch die Metaboliten als Markerrückstände in der Verordnung (EU) 37/2010 definiert und die Rückstandshöchstmengen als Summengrenzwerte festgelegt.

Probenzimidazole wie Netobimin und Febantel sind Verbindungen, die als solche keine Benzimidazolstruktur enthalten, die bildet sich erst im Organismus. Netobimin wird im Gastrointestinaltrakt zum anthelmintisch wirksamen Albendazol umgeformt. Dieses wird dann zu Albendazolsulfoxid (Albendazoloxid oder Ricobendazol) und weiter zu Albendazolsulfon oxidiert, das durch Deacetylierung der Carbamatgruppe in Albendazol-2-aminosulfon umgewandelt wird. Albendazol und Albendazolsulfoxid sind nicht nur Stoffwechselprodukte von Netobimin, sondern auch Wirkstoffe von Wurmmitteln. Für den jeweiligen Summengrenzwert werden alle nachfolgenden Substanzen dieser Stoffwechselreihe einbezogen.

Ähnlich ist der Fall für Febantel: zuerst entsteht Fenbendazol (ein Benzimidazol), dann Oxfendazol (Fenbendazolsulfoxid) und Oxfendazolsulfon, wobei auch hier Fenbendazol und Oxfendazol Arzneimittel sind.

Der Stoffwechsel von Avermectinen verläuft nicht so rasch und ausgeprägt. Sie bestehen zum Teil aus einem Gemisch von verschiedenen Komponenten, die nicht Isomere sind, sondern sich durch kleine Seitengruppen (Methyl-, Ethyl, Hydroxygruppen) chemisch geringfügig unterscheiden. Zum Beispiel besteht Abamectin zu mehr als 80 % aus der B1a- und zu weniger als 20 % aus der B2b-Komponente. Im Fall solcher Stoffgemische dienen als Markerrückstände für die jeweiligen Grenzwerte der Verordnung (EU) 37/2010 die Hauptkomponenten (B1a).

Substanzklassen

Avermectine (einschließlich Milbemycine wie Moxidectin), die keine antibakterielle Wirkung aufweisen, haben als gemeinsames Merkmal ein makrozyklisches Lakton in ihrer Molekülstruktur. Sie binden an Glutamat-aktivierte Chloridkanäle, die typisch für wirbellose Tiere wie Nematoden und Arthropoden sind. Das erhöht die Membranpermeabilität von Nerven- und Muskelzellen, wodurch deren Aktivität gehemmt wird und zum Tod der Parasiten führt. Avermectine sind Stoffwechselprodukte von Strahlenpilzarten (Streptomyces), die nachträglich zum Teil chemisch modifiziert werden. Aufgrund der insektiziden und akariziden Wirkung der Avermectine wird ein Vertreter, Abamectin, auch als Pflanzenschutzmittel eingesetzt.

Benzimidazole sind Anthelminthika (Wurmmittel), deren Wirkmechanismus auf einer Bindung an bestimmte Proteine der Parasitenzellen, den sogenannten Tubulinen, beruht. Dadurch wird die Bildung der Mikrotubuli gestört und es kommt zu einer Beeinträchtigung wichtiger struktureller (Zytoskelett) und funktioneller (Aufnahme und intrazellulärer Transport von Nährstoffen) Vorgänge in den Zellen, sodass die Würmer absterben und nach einigen Tagen ausgeschieden werden. Das gemeinsame Merkmal dieser Substanzklasse ist ein Benzimidazol-Kern in ihrer Molekülstruktur.

Levamisol ist das L-Isomer von Tetramisol, das zu gleichen Teilen die L- und R-Form beinhaltet. Anthelmintisch wirksam ist nur das L-Isomer, das die cholinerge Reizleitung beeinträchtigt und so zur Lähmung und zum Tod des Parasiten führt.

Untersuchungsspektrum und Analysemethoden

In der Abteilung Tierarzneimittel, Hormone und Kontaminanten des Instituts für Lebensmittelsicherheit Wien analysieren wir Antiparasitika der Substanzklassen Avermectine, Benzimidazole inkl. Levamisol und Salicylsäure-/Phenolderivate (inkl. Salicylanilide)/Benzolsulfonamide routinemäßig in tierischen Geweben und Milch und sind auch Nationales Referenzlabor  für diese Untersuchungen.

Die regelmäßige Teilnahme an internationalen Ringversuchen und an Workshops des für Antiparasitika zuständigen EU-Referenzlabors (EURL) in Berlin sichern die Qualität der Ergebnisse und eine stetige Weiterentwicklung der Analysenmethoden auf den neuesten Stand der Technik und Forschung.

Die einzelnen Substanzgruppen werden mit jeweils einer eigenen Analysemethode (betreffend Probenaufarbeitung und Messung) untersucht:

  • Avermectine: Analysemethode: HPLC mit Fluoreszenzdetektion (HPLC-FLD)
  • Benzimidazole inkl. Levamisol: Analysemethode: HPLC mit massenspektrometrischer Detektion (LC-MSMS)
    Für ein rasches Screening von Avermectinen und Benzimidazolen inkl. Levamisol in Milch wird zusätzlich ein Chemolumineszenz-Immunoassay eingesetzt.
  • Salicylsäure-/Phenolderivate (inkl. Salicylanilide)/Benzolsulfonamide: Analysemethode: HPLC mit massenspektrometrischer Detektion (LC-MSMS)

Gesetzliche Grundlagen

Verordnung (EU) Nr. 37/2010 der Kommission vom 22. Dezember 2009 über pharmakologisch wirksame Stoffe und ihre Einstufung hinsichtlich der Rückstandshöchstmengen in Lebensmitteln tierischen Ursprungs (ABl. EU Nr. L 15 vom 20.1.2010).

Kontakt

Abteilung Tierarzneimittel, Hormone und Kontaminanten

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Aktualisiert: 14.04.2022

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