Zecken & Zeckenschutz

Infos zu Zecken & Krankheiten

Lyme-Borreliose und Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) sind in Österreich die häufigsten von Zecken übertragenen Erkrankungen. Selten sind AnaplasmoseSchildzecken-Rückfallfieber-Borreliose durch Borrelia miyamotoiNeoehrlichioseRickettsioseBabesiose und Alpha-Gal SyndromTularämie ist gewöhnlich eine Kontaktinfektion, wird aber sehr selten in bestimmten Gebieten auch von Zecken übertragen. Das Krim-Kongo-Hämorrhagische-Fieber wurde in Österreich noch nicht beobachtet.

Lyme-Borreliose

Die Lyme-Borreliose ist eine durch Spirochäten, das sind Bakterien der Gattung Borrelia, verursachte Infektionskrankheit. Über 30 Prozent der Ixodes ricinus-Zecken (gemeiner Holzbock; häufigste Zeckenart in Zentral- und Nordeuropa) sind mit Borrelien infiziert. Diese Bakterien befinden sich im Darm der Zecke und können nach einer etwa 12 Stunden (6-48 Stunden) dauernden Blutmahlzeit einer anhaftenden Zecke auf das Wirtstier/den Menschen übertragen werden.

Die Lyme-Borreliose ist die häufigste durch Ixodes ricinus-Zecken übertragene Infektionskrankheit auf der nördlichen Hemisphäre. Sie wird in Mitteleuropa und in den skandinavischen Ländern besonders häufig beobachtet. Aufgrund der Klimaerwärmung dehnt sich das Verbreitungsgebiet der infizierten Zecken kontinuierlich nach Norden aus. Ab ca. sieben Grad Celsius Bodentemperatur wird Ixodes ricinus aktiv. Eine Studie aus Österreich zeigte, dass das Risiko, eine Borrelien – Infektion nach einem Zeckenstich zu bekommen, bei 5% liegt. 3 % der Personen entwickelten das Erythema migrans (s.u.). Die Zahl der Lyme-Borreliose-Infektionen in Österreich wird auf 25.000 bis 70.000 pro Jahr geschätzt.

Symptome der Lyme-Borreliose zeigen sich an Haut, Nervensystem, Gelenken, Herz und Augen.

Krankheitssymptome der Lyme-Borreliose

Erythema migrans (Wanderröte) ist die häufigste Krankheitserscheinung der Lyme-Borreliose (> 80 Prozent aller Fälle). Das Erythema migrans entwickelt sich frühestens 3-6 Tage bis zu einigen Wochen nach dem Zeckenstich um die Zeckenstichstelle als sich vergrößernder roter oder blauroter Fleck mit oder ohne spätere zentrale Aufhellung. Der äußere Rand ist deutlich abgesetzt, oft intensiver gefärbt und nicht merklich erhaben. Ab einem Durchmesser von mindestens fünf Zentimetern wird die Diagnose vom erfahrenen Arzt klinisch gestellt. Falls der Durchmesser kleiner ist, sind für die Diagnose ein gesicherter Zeckenstich, ein mindestens zwei Tage verzögertes Auftreten des Erythems nach dem Zeckenstich und ein größer werdendes Erythem an der Zeckenstich-Stelle erforderlich.

Begleiterscheinungen wie lokaler Juckreiz/Brennen, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Gelenksschmerzen können beim Erythema migrans mit einer Häufigkeit von 40% auftreten.

Das Borrelien-Lymphozytom ist ein schmerzloser, blauroter Knoten oder Fleck, gewöhnlich am Ohrläppchen, Ohrmuschelrand, an der Brustwarze oder dem Hodensack. Es tritt häufiger bei Kindern (speziell am Ohr) auf als bei Erwachsenen.

Acrodermatitis chronica atrophicans (ACA) ist eine durch Lyme-Borrelien verursachte, chronisch fortschreitende, nicht spontan abheilende Hauterkrankung. ACA beginnt mit einer roten oder blauroten Veränderung der Haut, gewöhnlich an den Streckseiten von Armen oder Beinen, die lange bestehen bleiben kann. Später kommt es zum Schwinden aller Hautschichten (Hautatrophie), die Haut wird dünn „wie Zigarettenpapier“ und leicht verletzlich. Im betroffenen Hautbereich können Neuropathien (Schädigungen der Nerven) auftreten. Bei lang bestehender ACA werden auch die Gelenke im betroffenen Hautbereich in Mitleidenschaft gezogen. Über Knochenvorsprüngen können sich Hautverdickungen und langsam größer werdende, schmerzlose, fibroide Knoten (gutartige Tumoren) entwickeln. 

Die Lyme-Neuroborreliose tritt bei Erwachsenen hauptsächlich als Gehirnhaut-Entzündung und als sehr schmerzhafte Nervenwurzel-Entzündung auf (Garin-Bujadoux-Bannwarth-Syndrom). Selten werden Gehirn-Entzündung (Enzephalitis), Rückenmarks-Entzündung (Myelitis) und sehr selten eine Entzündung der Gehirn-Gefäße (zerebrale Vaskulitis) beobachtet.

Bei Kindern zeigt sich die Lyme-Neuroborreliose hauptsächlich als Gesichtslähmung (Fazialisparese) oder milde Gehirnhaut-Entzündung.

Die Lyme-Arthritis ist charakterisiert durch wiederkehrende Attacken oder andauernde, objektive Gelenksschwellung in einem großen Gelenk oder in wenigen großen Gelenken. Fast immer ist dabei das Kniegelenk betroffen. Der Ausschluss anderer Ursachen ist notwendig.

Die Lyme-Karditis tritt selten auf und ist charakterisiert durch Reizleitungsstörungen und Herzrhythmusstörung; vereinzelt wurden auch Herzmuskelentzündung (Myokarditis) und Entzündung aller Herzwandschichten (Pankarditis) beobachtet. Der Ausschluss anderer Ursachen ist notwendig.

Augen-Entzündungen durch Erreger der Lyme-Borreliose werden sehr selten beobachtet. Sie können die Bindehaut (Konjunktivitis), Regenbogenhaut (Uveitis), Lederhaut (Episkleritis) und Hornhaut (Keratitis) sowie auch den Sehnervkopf (Papillitis) betreffen.

Prävention

Ein Impfstoff steht derzeit nicht zur Verfügung.

Behandlung

Die Behandlung der Lyme-Borreliose erfolgt mit geeigneten, oral oder intravenös zu verabreichenden Antibiotika über einen Zeitraum von 10 bis 14 Tagen, in Einzelfällen über vier Wochen. 

Vorkommen in Österreich

In Österreich erkranken 25.000 bis 70.000 Menschen pro Jahr an Lyme-Borreliose.

Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)

Die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), auch Zecken-Enzephalitis genannt, wird durch das FSME-Virus, das sich im Speichel mancher Zecken befindet, ausgelöst. Die Zecke überträgt die Viren sofort nach erfolgtem Stich. Das FSME-Virus vermehrt sich in menschlichen Nervenzellen. Die Erkrankung ist meldepflichtig und verläuft im typischen Fall in zwei Phasen.

Symptome

In der ersten Phase treten rund sieben Tage bis zwei Wochen nach dem Zeckenstich grippeartige Beschwerden wie Kopfschmerzen, Fieber, Müdigkeit oder Gelenkbeschwerden auf. Diese Symptome (Krankheitszeichen) verschwinden nach wenigen Tagen, und an einen Zusammenhang mit einem Zeckenstich wird nur selten gedacht. Für die meisten Patienten ist damit die Krankheit vorüber und sie sind wahrscheinlich lebenslänglich immun gegen FSME-Viren.

Bei etwa fünf bis 15 Prozent der Patienten kommt es nach einem beschwerdefreien Intervall zu einer zweiten Krankheitsphase mit Befall des zentralen Nervensystems. Die Symptome dieser Hirnhaut- oder Hirnentzündung sind starke Kopfschmerzen, Lichtscheue, Schwindel, Konzentrationsstörungen, Sprechstörungen, sowie Gehstörungen. Diese Krankheitszeichen können Wochen bis Monate andauern. Bei schweren Verläufen können Lähmungen der Arme, Beine oder der Gesichtsnerven auftreten und zu bleibenden Behinderungen führen. Etwa ein Prozent der Patienten mit neurologischen Symptomen stirbt an FSME. Bei Kindern verläuft die Krankheit in den meisten Fällen mild, das heißt ohne schwere oder bleibende Schädigungen.

Prävention

Vor der Infektion mit FSME schützt eine Impfung. Gegen die Krankheit gibt es keine spezifische Therapie, die Behandlung zielt auf eine Linderung der Symptome ab.

Vorkommen in Österreich

Österreich gehört zu den am stärksten von der FSME betroffenen Gebieten Europas. In allen Bundesländern kommen mit FSME-Viren belastete Zecken vor. Jährlich werden aus allen Bundesländern Krankheitsfälle gemeldet.

Jahr Anzahl
2000 12
2001 23
2002 36
2003 52
2004 32
2005 62
2006 53
2007 33
2008 65
2009 60
2010 67
2011 103
2012 49
2013 100
2014 81
2015 79
2016 95
2017 123
2018 171
2019 106
2020 250
2021 (Stand 20.05.2022) 135

Quelle: BMSGPK Jahresstatistiken meldepflichtiger Infektionserkrankungen

Anaplasmose

Anaplasmen (Anaplasma phagocytophilum) sind kleine, gramnegative (besitzen eine Schutzkapsel, die sie vor Infektionen bekämpfenden weißen Blutkörperchen schützt) pleomorphe (können ein unterschiedliches Erscheinungsbild annehmen) Stäbchen-Bakterien, die sich primär in Wirtszellen vermehren, also obligat intrazellulär sind. In den befallenen Zellen im Blut, den weißen Blutkörperchen (Granulozyten), liegen Anaplasmen als kleine maulbeerartige Einschlüsse vor, Morulae genannt. Beim Menschen können sie gelegentlich eine sehr fieberhafte Erkrankung, die Humane Granulozytäre Anaplasmose, verursachen.

In der Tiermedizin ist der Krankheitserreger seit 1932 bekannt, über die erste Infektion beim Menschen wurde in den 1990-er Jahren berichtet. Die Übertragung auf Menschen erfolgt durch Zeckenstiche. Der häufigste Überträger in Europa ist der Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus).

Symptome

Bis zu 75 Prozent von Anaplasmen-Infektionen verlaufen ohne erkennbare Krankheitszeichen (Symptome). Nach einer Inkubationszeit von etwa 5 bis 30 Tagen kann es zu grippeähnlichen Symptomen (hohes Fieber, Kopf-, Glieder-, Muskel- und Gelenkschmerzen) kommen. Selten treten Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall (Diarrhoe) auf. Bei Menschen mit beeinträchtigtem Immunsystem können schwere Komplikationen wie Multiorganversagen, Gehirnhautentzündung und ein akutes Atemnotsyndrom auftreten. Die Sterblichkeit der unbehandelten Anaplasmose soll bei 2 bis 3 Prozent liegen.

Prävention

Ein Impfstoff steht derzeit nicht zur Verfügung.

Vorkommen in Österreich

Erstmalig wurde Anaplasma phagocytophilum-DNA im Gemeinen Holzbock (Ixodes ricinus) und Rotwild im Jahr 2002 nachgewiesen. Das Vorkommen von Anaplasmen in Zecken und Rotwild wurde seitdem wiederholt bestätigt. Humane Erkrankungen mit Infektionsquelle in Österreich sind sehr selten aber auch schwere Verläufe wurden dokumentiert.

Neoehrlichiose

Diese Krankheit wird durch das obligat intrazelluläre Bakterium Neoehrlichia mikurensis verursacht und sie wurde erstmals 2010 beschrieben. Infektionen wurden in der Folge auch bei Personen aus Schweden, Deutschland, der Tschechischen Republik, Österreich und China nachgewiesen.

Symptome

Die Symptome (Krankheitszeichen) der Neoehrlichiose sind unspezifisch: Nach einer Inkubationszeit von circa 7 bis 14 Tagen kommt es zu Unwohlsein, Muskel- und Gelenkschmerz, hohem Fieber bis zu 40 °C sowie Gewichtsverlust. Weitere in der Literatur beschriebene Symptome umfassen unter anderem Kopfschmerz, Husten, Übelkeit und Erbrechen. Die Dauer des Fiebers wird mit bis zu acht Monaten angegeben. In der Labordiagnostik zeigt sich eine Anämie (Blutarmut).

Prävention

Ein Impfstoff steht derzeit nicht zur Verfügung.

Vorkommen in Österreich

Rund vier Prozent der Zecken sind mit dem Bakterium Neoehrlichia mikurensis infiziert. In Wien und Tirol sind die Zecken mit knapp über acht Prozent am häufigsten betroffen. Humane Erkrankungen mit Infektionsquelle in Österreich wurden wiederholt dokumentiert, aber fast ausschließlich bei PatientInnen mit einer Beeinträchtigung des Immunsystems, wie etwa bei Leukämie, Rheuma oder nach Organ-Transplantation. Eine Studie aus Österreich, die an der Medizinischen Universität Wien durchgeführt wurde, zeigte, dass der Erreger bei 2,5 % von gesunden Personen nach einem Zeckenstich nachweisbar war, ohne dass es zu einer Erkrankung kam.

Rickettsiose

Rickettsien sind weltweit verbreitete, obligat intrazelluläre Bakterien (vermehren sich primär in Wirtszellen), die sich ausschließlich in lebenden Zellen vermehren können. Man findet sie in Zecken sowie in Milben, Flöhen und Läusen. Nur wenige Rickettsien-Arten sind Krankheitserreger des Menschen.

Die durch Zecken übertragenen Rickettsien werden als Zeckenstichfieber-Gruppe zusammengefasst.

Zu ihr gehört das in Amerika beheimatete Rocky-Mountain-Fleckfieber, hervorgerufen durch Rickettsia rickettsii, und eine durch R. parkeri hervorgerufene Rickettsiose. Als Überträger fungieren dort Dermacentor variabilis, D. andersonii und Amblyomma maculatum.

Zum Rickettsia conorii-Komplex gehören unter anderem das Mittelmeer-Zeckenstichfieber, übertragen durch die Braune Hundezecke (Rhipicephalus sanguineus). Zudem wurde 2002 von der Universität Marseille der Fall eines 36-jährigen Patienten berichtet, der nach einem Zeckenstich durch Hyalomma marginatum in Marokko an einem fieberhaften Infekt mit generalisiertem Hautausschlag erkrankte, verursacht durch Rickettsia aeschlimannii. Weitere Rickettsienarten in Europa sind R. helvetica, R. monacensis, R. raoultii und R. slovaca. Die beiden letztgenannten verursachen eine Erkrankung, die als TIBOLA (tick-borne lymphadenopathy) oder SENLAT (schalp eschar and neck lymphadenopathy after tick bite) bezeichnet wird und hauptsächlich nach Stichen von Dermacentor Zecken auftritt.

Das Läuse-Fleckfieber ist eine durch Rickettsia prowazekii verursachte meldepflichtige Infektionskrankheit. Es ist eine typische Erkrankung der Unkultur, die in Krieg- und Notzeiten auftritt und vor allem durch die Kleiderlaus übertragen wird.

Symptome

Beim Rocky-Mountain-Fleckfieber beträgt die Inkubationszeit wenige Tage bis zu zwei Wochen. Symptome sind plötzlich ansteigendes Fieber, Kopfschmerz, Übelkeit mit Erbrechen, Muskelschmerzen und Hautausschlag an Handgelenken, Fußknöcheln und Unterarmen. Der Ausschlag ist nur etwa bei jeder zweiten Patientin bzw. jedem zweiten Patienten zu beobachten.

Das Mittelmeer-Zeckenstichfieber ist eine schwer verlaufende Erkrankung mit hohem Fieber, starken Muskel- und Gelenksschmerzen, Müdigkeit sowie Abgeschlagenheit. Patientinnen und Patienten mit Grunderkrankungen sind in deutlich höherem Maß gefährdet.

Bei TIBOLA / SENLAT entsteht eine Hautveränderung an der Zeckenstichstelle, die einer Zigarettenstummelverbrennung ähnelt und als Eschar bezeichnet wird. Häufig tritt sie an der Kopfhaut auf. Außerdem findet man eine Vergrößerung von Lymphknoten im Nacken- und Halsbereich. Begleitsymptome sind Fieber, Abgeschlagenheit und Hautausschläge. SENLAT kann aber auch durch andere Erreger ausgelöst werden. So wurde in Österreich erstmalig SENLAT nach einer Borrelien-Infektion nachgewiesen.

Beim Läuse-Fleckfieber kommt es nach einer Inkubationszeit von 10 bis 14 Tagen zu Schüttelfrost, zunehmend hohem Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen und Bewusstseinstrübung (wenn das Gehirn mit betroffen ist). Typisch ist ein blau- bis rotfleckiger Hautausschlag.

Prävention

Ein Impfstoff steht derzeit nicht zur Verfügung.

Vorkommen in Österreich

Rund 17 Prozent der Ixodes ricinus-Zecken sind mit Rickettsien (R. helvetica, R. raoultii, R. monacensis, R.slovaca) infiziert. Im Raum Wien war etwa jede zweite Zecke mit Rickettsien infiziert, gefolgt von Kärnten (23,8 Prozent positiv) und Niederösterreich (18,8 Prozent positiv). Humane Erkrankungen mit Infektionsquelle in Österreich wurden in den letzten Jahrzehnten nicht dokumentiert.

Dem Läuse-Fleckfieber kam in Österreich noch bis in die Nachkriegsjahre große Bedeutung zu.

Rückfallfieber-Borreliosen

Borrelia miyamotoi-Borreliose

Borrelia miyamotoi wurde 1995 in Ixodes persulcatus-Zecken auf Hokkaido, Japan, entdeckt. Das Besondere daran war, dass eine neue Rückfallfieber-Borrelien-Art in Schildzecken entdeckt wurde. Vektoren aller anderen Zecken-Rückfallfieber-Borrelien sind Lederzecken. Erst 2011 wurden Erkrankungsfälle durch B. miyamotoi aus Russland und nachfolgend aus den USA, Europa und Japan berichtet. Die Erkrankung verläuft mit grippeartigen Symptomen wie Fieber, Müdigkeit, Kopfschmerzen und Schüttelfrost. Eine Meningoenzephalitis durch B. miyamotoi wurde bei einem schwer immungeschwächten Patienten berichtet. Man hat die Bezeichnung Schildzecken-Rückfallfieber-Borreliose vorgeschlagen. Allerdings gibt es bisher noch keine klaren Falldefinitionen für eine durch B. miyamotoi induzierte Erkrankung.

Prävention
Ein Impfstoff steht derzeit nicht zur Verfügung

Vorkommen in Österreich
In Österreich wurde das Vorkommen von Borrelia miyamotoi in Zecken erstmals im Jahr 2015 belegt. Ein Erkrankungsfall wurde bisher in Österreich erst einmal dokumentiert.

Zecken- und Läuse-Rückfallfieber

Das Zecken-Rückfallfieber tritt in erster Linie in Afrika, Asien, Amerika (Nord-, Mittel- und Süd), im Nahen Osten, in Süd-Russland sowie sporadisch im Mittelmeerraum (Spanien, Portugal) auf.
Lederzecken der Gattung Ornithodorus sind Reservoir und Überträger der Rückfallfieber-Borrelien – mit Ausnahme von B. duttonii, wofür der Mensch selbst das Reservoir darstellt.

Das Läuse-Rückfallfieber ist eine meldepflichtige Infektionskrankheit, die durch Borrelia recurrentis verursacht wird. Es ist eine typische Erkrankung der Unkultur, die in Kriegs- und Notzeiten auftritt und vor allem durch die Kleiderlaus, nur selten durch Zecken, übertragen wird.

Symptome

Nach einer Inkubationszeit von 1–14 Tagen (häufig etwa fünf Tage) beginnt die Erkrankung mit plötzlichem hohen Fieber, Gelenk-, Kopf-, Brust- und Gliederschmerzen, Übelkeit und teilweise Atemnot. Es können Husten und ein kleinfleckiges Exanthem (Hautausschlag) hinzutreten. Auch verstärkte Blutungsneigung mit Nasenbluten und Einblutungen in die Haut sind nicht selten, ebenso Bewusstseinseintrübung und Gelbfärbung der Haut (Ikterus).
Der erste Fieberschub dauert etwa 5–7 Tage, gefolgt von einem fieber- und symptomfreien Intervall von 1–21 Tagen (häufig 5–7 Tage). Die folgenden Fieberanfälle nehmen in der Regel an Dauer und Intensität ab. Zudem kann auch das Zentralnervensystem in Form einer Hirnhautentzündung (Meningitis) befallen werden. Die Rückfallfieber-Borreliose kann mit Antibiotika behandelt werden, unbehandelt liegt die Sterblichkeit bei etwa 20 Prozent. 

Prävention

Ein Impfstoff steht derzeit nicht zur Verfügung.

Vorkommen in Österreich

In Österreich erworbene (autochthone) Fälle sind nicht bekannt. Bei uns in den letzten Jahren nachgewiesene Zecken- und Läuse-Rückfallfieber-Fälle waren ausnahmslos importierte Erkrankungen.

Tularämie

Die Tularämie (Hasenpest) ist eine meldepflichtige Infektionskrankheit, die durch Francisella tularensis, ein gramnegatives (besitzen eine Schutzkapsel, die sie vor Infektionen bekämpfenden weißen Blutkörperchen schützt) Bakterium, das österreichweit vor allem in den österreichisch-slowakischen Grenzlandschaften entlang der March, endemisch (örtlich begrenzt) ist, verursacht wird. Verschiedene Kleinsäuger wie Nager und Hasen fungieren als Reservoir. In Mäusen aus diesen Gebieten lassen sich Mischinfektionen mit verschiedenen Borrelienarten und mit Francisella tularensis nachweisen.

Francisella tularensis kommt sowohl in Dermacentor- als auch in Ixodes ricinus-Zecken vor. Infektionswege sind gewöhnlich Haut- oder Schleimhautkontakt mit infektiösem Tiermaterial, der Verzehr von nicht ausreichend erhitztem kontaminiertem Fleisch oder anderen Lebensmitteln, sowie Aufnahme von kontaminiertem Wasser oder Inhalation von kontaminiertem Staub.

Symptome

Bei der Übertragung durch Zeckenstich entsteht um die Stichstelle ein ausgestanztes Geschwür (Eschar-ähnlich), gefolgt von regionaler Lymphadenitis (Lymphknotenentzündung) und gelegentlich Fieber (ulzeroglanduläre Form). Bei der aerogenen Übertragung kann eine hochfieberhafte Lungenentzündung entstehen. Die mikrobiologische Diagnostik ist insbesondere wegen der Abgrenzung gegenüber Rickettsiosen und der Durchführung einer geeigneten Therapie notwendig.

Prävention

Ein Impfstoff steht derzeit nicht zur Verfügung.

Vorkommen in Österreich

Von den in der Westslowakei in den Jahren 1985 bis 1998 beobachteten 418 Tularämie-Fällen wurden 45 durch Zeckenstich übertragen. In Österreich wurden zwischen 01.01.2009 und 31.03.2018 insgesamt 42 Fälle von Tularämie beim Menschen gemeldet, der genaue Übertragungsweg ist in den meisten Fällen nicht bekannt. Eine Übertragung durch Zecken wurde vor kurzem bei einem Kind aus Salzburg dokumentiert.

Babesiose

Babesien sind einzellige Parasiten, die die roten Blutkörperchen von Wirbeltieren befallen. Die Übertragung auf Menschen erfolgt durch Zeckenstich. Der häufigste Überträger in Europa ist der Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus). Die Auwaldzecke (Dermacentor reticulatus) ist ein Überträger von Babesia canis canis, dem Erreger der Babesiose des Hundes („Hundemalaria“).

Symptome

Beim Menschen wird die Erkrankung selten diagnostiziert. Eine Infektion verläuft häufig klinisch unauffällig, also ohne Symptome. Treten Symptome auf, ähneln sie in manchen Aspekten der Malaria. Die Inkubationszeit beträgt circa ein bis drei Wochen. Es kann zu Fieber, Anämie (Blutarmut) und Ikterus (Gelbsucht) kommen. Bei akuten Fällen tritt häufig kaffeebraun bis rot gefärbter Harn auf.

Prävention

Ein Impfstoff steht derzeit nicht zur Verfügung.

Vorkommen in Österreich

In Österreich wurden bislang Babesia divergensBabesia venatorum und Babesia microti in Zecken nachgewiesen. Humane Erkrankungen mit Infektionsquelle in Österreich wurden beschrieben.

Krim-Kongo-Hämorrhagisches-Fieber

Diese Erkrankung wird durch das Krim-Kongo-Fieber-Virus (CCHFV) verursacht. Die Übertragung des Virus erfolgt durch Hyalomma-Zecken, die unter anderem in wärmeren Regionen Südosteuropas (Bulgarien, Kosovo) und Asiens (Türkei) vorkommen. Über 30 Hyalomma-Arten wurden als Überträger identifiziert. Haus- und Wildtiere, z.B. Kühe, Schafe, Kamele oder Ziegen fungieren als Wirte zur Verbreitung des Erregers. Erstmals wurde das Virus 1956 in Afrika (Kongo) aus der Blutprobe eines Erkrankten isoliert. Das Krankheitsbild "Hämorrhagisches Krim-Fieber" war schon seit 1944 bekannt.

Eine Übertragung des Erregers kann auch durch direkten Kontakt mit Blut oder Fleisch von infizierten Tieren erfolgen. Auch nosokomiale Infektionen (Ansteckungen in Krankenhäusern) wurden wiederholt dokumentiert. Im August 2016 verstarb in Spanien erstmals eine Person am Krim-Kongo-Fieber, die in Spanien durch einen Zeckenstich infiziert worden ist.

Symptome

Die Krankheitszeichen treten meist drei bis sieben Tage nach der Ansteckung auf. Die Krankheit beginnt plötzlich mit hohem Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, Erbrechen, und Durchfall. Im weiteren Krankheitsverlauf kann es zu Hautausschlägen und allgemeinen Blutungen kommen. Die Sterblichkeitsrate liegt zwischen 2 und 50 Prozent.

Prävention

Ein Impfstoff steht derzeit nicht zur Verfügung. Als Vorbeugemaßnahme wird in betroffenen Gebieten der Schutz vor Zeckenstichen empfohlen (Insektenschutzmittel, geschlossene helle Kleidung, regelmäßige Selbstuntersuchung nach Zecken).

Vorkommen in Österreich

Seit 2015 wurden Hyalomma-Zecken wiederholt in Deutschland nachgewiesen. Im Oktober 2018 gelang der Veterinärmedizinischen Universität Wien der erstmalige Nachweis von Hyalomma marginatum in Österreich. Die Zecke erwies sich als frei von Krim-Kongo-Fieber-Virus (CCHFV). Humane Erkrankungen mit Infektionsquelle in Österreich wurden bislang noch nie dokumentiert.

Alpha-Gal Syndrom

Diese Allergie auf den Zucker Galactose-alpha-1,3-Galactose (Alpha-Gal) wird bei manchen Menschen durch den Stich bestimmter Zeckenarten verursacht. Erstmals beschrieben wurde das Alpha-Gal Syndrom 2009 in den USA. In der Folge wurde diese Form der Allergie auch bei Personen auf weiteren Kontinenten, darunter Europa (Schweden, Norwegen, Deutschland, Schweiz, Italien, Frankreich, Österreich), nachgewiesen.

Symptome

Die Reaktionen treten 3 bis 7 Stunden nach dem Verzehr von Säugetierprodukten (rotem Fleisch, Gelatine, Milchprodukten, etc.) auf, beginnend mit starkem Juckreiz, oft am gesamten Körper, teilweise begleitet durch Hautausschläge (Urticaria). Bei starken Reaktionen kann es zu Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall (Diarrhoe), geschwollenen Händen bis hin zu Atemnot, Blutdruckabfall und Ohnmacht (anaphylaktischen Reaktionen) kommen.

Prävention

Gegen diese Allergie gibt es keine spezifische Therapie. Patientinnen und Patienten wird empfohlen rotes Fleisch (Rind, Schwein, Schaf, Wild, etc.) sowie Gelatine zu meiden. Sollten auch Milchprodukte Beschwerden verursachen, sind auch diese zu meiden. Betroffenen Patientinnen und Patienten wird meist ein Notfallset mit Medikamenten verschrieben.

Vorkommen in Österreich

In Österreich erworbene Fälle sind bekannt.

Quellen

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Prävention und Entfernung

So schützen Sie sich vor Zeckenstichen

Einen absoluten Schutz vor Zeckenstichen gibt es nicht. Bei Aufenthalt im hohen Gras, Gebüsch oder Unterholz, bietet das Tragen geschlossener Kleidung (feste Schuhe, lange Hosen, lange Ärmel) einen gewissen Schutz. Dadurch wird es einer Zecke erschwert, eine geeignete Hautstelle für eine Blutmahlzeit zu finden. Werden die Hosenbeine zudem in die Socken gesteckt, ist die Zecke gezwungen, auf der Kleidung nach oben zu laufen, was ihre Auffindung erleichtert. Hosen und Socken sollten eine helle Farbe haben, damit die dunklen Zecken besser erkannt werden. Eine Kopfbedeckung ist bei Kindern empfehlenswert.

Ergänzen Sie gegebenenfalls die Wander- bzw. Ausflugsapotheke mit einer spitz zulaufenden, stabilen Pinzette um anhaftende Zecken gleich entfernen zu können.

Kontakt vermeiden!

Bewegen Sie sich auf breiten Wegen auf dem ausgetretenen, mittleren Wegteil. Meiden Sie Gebüsche und Dickicht und gehen Sie nicht durch hohes Gras.

Zeckenschutzmittel

Die Anwendung von Insektenschutzmittel auf offenliegender Haut bietet auch einen gewissen Schutz und kann das Risiko eines Zeckenstichs verringern. Falls geeignet (keine Fleckenbildung) sollten Repellents (abstoßend wirkende unschädliche Stoffe zur Abwehr von Zecken) auch auf die Kleidung aufgetragen werden.

Impfung

Gegen die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) gibt es eine Impfung, die entsprechend des österreichischen Impfplans empfohlen wird.

Kontrolle von Körper und Kleidung

Da Zecken nicht sofort zustechen, sondern auf der Suche nach einer geeigneten Stichstelle zunächst auf dem Körper bzw. der Kleidung umherlaufen, können sie durch regelmäßiges Absuchen bereits vor dem Stechen entfernt werden. Nach einem Einstich dauert es bis zu zwei Tage, bis Borrelien (Bakterien) übertragen werden. Das rechtzeitige Entfernen von Zecken vermindert daher das Risiko einer Infektion mit Borrelien erheblich. Die Übertragung von FSME-Viren erfolgt dagegen schon innerhalb kurzer Zeit nach dem Stich.

Nach einem Ausflug im Freien sollte der Körper systematisch und besonders an den bevorzugten Stichstellen auf anhaftende Zecken abgesucht werden: Schamgegend, Oberschenkelinnenseite, Bauchnabel und Umgebung, unter den Brüsten, Achselhöhlen, Schultern, Hals und Nacken, Haaransatz, Ohrmuschel und hinter den Ohren, in der Kniekehle und Armbeuge.

Achten Sie besonders auch auf die Larven und kleinen Nymphen: Sie sind sehr klein und können leicht übersehen werden, da sie fast wie Sommersprossen aussehen.

Kinder sollten unbedingt von Erwachsenen abgesucht werden, insbesondere an Kopf und Hals.

Da Zecken nicht sofort zustechen, könnten sie eventuell auch durch Duschen abgewaschen werden. Das Duschen kann das Absuchen aber nicht ersetzen, sondern sollte nur ergänzend durchgeführt werden. Hat die Zecke bereits gestochen, ist das Duschen in keinem Fall geeignet, um die Zecke zu entfernen.

Ziehen Sie sich nach einem Aufenthalt im Freien um und entfernen Sie anhaftende Zecken von getragener Kleidung, zum Beispiel mit einem Kleiderroller. Hängen Sie feuchte Kleidung zum Trocknen auf, denn darin überleben Zecken mehrere Stunden. Im Trockner getrocknete Kleidung ist frei von Zecken.

Haustiere transportieren Zecken ins Haus

Vorsicht ist bei Hunden und Katzen geboten, sie können im Freien aufgesammelte Zecken in die Wohnung/das Haus tragen. Sie sollten daher bei Freigang im Grünen auch Repellentien zur Zeckenabwehr erhalten und auf anhaftende Zecken abgesucht werden.

Bevorzugte Stichstellen beim Hund

Im Rahmen einer Studie (Duscher et al. Parasites & Vectors 2013, 6:76) wurden die Einstichorte von 700 Zecken auf 90 Hunden analysiert. Die rot eingefärbten Bereiche stellen die Bereiche mit mehr Zeckenfunden dar, bei den blauen Bereichen wurde eine geringere Zeckendichte festgestellt. Auffällig dabei ist, dass bei den Hunden vor allem Kopf, Hals und Brustbereich befallen sind. Dies sind auch die Lokalisationen, an denen die Zecken an ihren Wirt gelangen. Ungleich beim Menschen, wo sich die Zecken erst den Weg durch die Kleidung bahnen müssen, krabbeln die Zecken bei den Hunden die Haare entlang zur Haut und stechen, ohne viel Zeit zu verlieren, ein.

Zecken richtig entfernen

Zecke mit spitz zulaufender Pinzette ganz vorne hautnah beim Stechapparat fassen und mit möglichst gleichmäßigem Zug herausziehen. In der Haut verbleibende Reste werden als Fremdkörper von der Haut selbst herausgearbeitet.

Treten mehrere Tage oder Wochen nach der Zeckenentfernung Krankheitszeichen, wie eine sich vergrößernde Hautrötung, Fieber, Kopf- oder Gelenkschmerzen auf, ist ein Arztbesuch nötig.

Nicht ersticken

Nehmen Sie beim Entfernen der Zecken kein Öl, Wachs, Klebstoff, Nagellackentferner oder andere Substanzen zu Hilfe. Dies würde das Tier unnötig reizen und könnte dazu führen, dass es seinen Speichel und somit mögliche Infektionserreger abgibt.

Zecken entfernen bei Haustieren

Zecken lassen sich bei Haustieren nach demselben Schema wie bei Menschen entfernen.

Zecken richtig entsorgen

Falten Sie die Zecke in einem Klebestreifen z.B. TIXO ein und entsorgen Sie sie im Hausabfall, nicht im Kompost.

Biologie und Zoologie

Zecken (Ixodida) gehören zur Klasse der Spinnentiere und Unterklasse der Milben. Adulte (erwachsene) Tiere haben acht Beine, der Körper ist linsenartig geformt. Da Zecken Parasiten sind, benötigen sie einen anderen Organismus als Wirt zum Überleben. Sie saugen daher Blut an Wirbeltieren und können Vektoren (Überträger) von Krankheiten sein.

Zeckenarten in Österreich

Bisher wurden 18 heimische Zeckenarten in Österreich beschrieben, die häufigsten sind Ixodes ricinus (gemeiner Holzbock), Dermacentor reticulatus (Auwaldzecke) und Haemaphysalis concinna (Reliktzecke). Zusätzlich kann über Urlaubsreisen mit Haustieren noch eine weitere Art eingeschleppt werden: Rhipicephalus sanguineus (Braune Hundezecke). Darüber hinaus können z.B. über Zugvögel noch zwei weitere Zeckenarten zu uns gelangen: Hyalomma marginatum und Hyalomma rufipes.

Hinsichtlich der Artzusammensetzung stellt Ixodes ricinus (gemeiner Holzbock) ca. 95 Prozent der Zeckenfauna in Österreich dar (Abb. 1).

Es gibt eine jahreszeitliche Abfolge in der Aktivität der Zecken (Abb. 2). Als erste im Jahr kann man die kältetolerantere Auwaldzecke (D. reticulatus) treffen, gefolgt vom gemeinen Holzbock (I. ricinus). Während der heißen Sommermonate geht deren Aktivität etwas zurück und man kann z.B. auf Haustieren die Reliktzecke (H. concinna) finden. (Duscher et al. Parasites & Vectors 2013, 6:76)

Erstnachweis von Hyalomma marginatum

Im Oktober 2018 wurde in Österreich erstmals die Zeckenart Hyalomma marginatum (tropische Riesenzecke) von der Veterinärmedizinischen Universität Wien nachgewiesen. Der Nachweis dieser 5 bis 6 Millimeter großen Zecke ist insofern bedeutsam, da sie ein Vektor für Rickettsien (Bakterien) und das Krim-Kongo-Fieber-Virus (CCHFV) ist. Unsere molekularbiologischen Untersuchungen haben keinen Virus-Nachweis ergeben, allerdings wurde Rickettsia aeschlimannii bei dem entdeckten Exemplar erstmals in Österreich nachgewiesen.

Seit 2018 wurden in Österreich 10 Exemplare der tropischen Riesenzecke entdeckt. Wenn Sie glauben, eine tropische Riesenzecke gefunden zu haben, schicken Sie bitte ein Foto per E-Mail an zecken@ages.at.

Familie: Schildzecken (Ixodidae)
Vorkommen: in ganz Europa weit verbreitet (gesamter europäischer Kontinent von den Inseln und Halbinseln im Norden, über das gesamte Festland bis in den südlichen Mittelmeerraum)
Aktivitätsschwerpunkte: Frühling/Frühsommer, Spätsommer/Frühherbst
Überträger von: Borrelien, FSME-Viren, Anaplasmen, Rickettsien, Babesien, Francisella tularensis

Familie: Schildzecken (Ixodidae)
Vorkommen: von Westeuropa, den Britischen Inseln über Mittel- und Osteuropa bis nach Zentral- und Ostasien, nicht in Nordeuropa und nicht im mediterranen Raum
Aktivitätsschwerpunkte: Frühsommer, Spätsommer/Herbst
Überträger von: Babesien, FSME-Viren, Francisella tularensis, Rickettsien

Familie: Schildzecken (Ixodidae)
Vorkommen: West-, Mittel- und Osteuropa bis nach China und Japan
Aktivitätsschwerpunkte: März bis August, Oktober
Überträger von: FSME-Viren, Francisella tularensis, Rickettsien

Familie: Schildzecken (Ixodidae)
Vorkommen: Mittelmeerraum
Besonderheiten: Sie stechen vor allem Hunde, selten auch Menschen und andere Säugetiere
Überträger von: Rickettsien

Familie: Schildzecken (Ixodidae)
Vorkommen: Nordafrika, europäischer Mittelmeerraum, Westen und Zentrum Asiens, Süden Russlands, Pakistan und Turkmenistan, im Oktober 2018 erstmals in Österreich
Besonderheiten: relativ groß mit Körperlänge von etwa 5 bis 6 Millimeter
Überträger von: Krim-Kongo-Fieber-Virus, Rickettsien

Ein Zyklus, drei Zeckenstadien

Die Zeckenlarve schlüpft aus dem Ei, entwickelt sich zur Nymphe und schließlich zur männlichen oder weiblichen Zecke.

In jedem Entwicklungsstadium nimmt die Zecke eine Blutmahlzeit zu sich, bei der sie über mehrere Tage in der Wirtshaut verankert Blut saugt. Zecken ernähren sich vom Blut von Säugetieren (auch Menschen), Vögeln, Reptilien und Amphibien. Während dem Saugvorgang schwillt der Zeckenkörper an und wird kugelförmig. Sobald die Zecke satt ist, lässt sie sich auf den Boden fallen, wo sie die Blutmahlzeit verdaut und sich zum nächsten Stadium häutet.

Ein Zeckenzyklus

  • 3.000 bis 5.000 Eier
  • Dauer zwischen drei bis sechs Jahre, abhängig von Klima und Nahrungsangebot
  • Drei Blutmahlzeiten 

1. Stadium: Larve, geschlechtsneutral

Die Zeckenlarve schlüpft aus einem der rund 3.000 Eier, die das Weibchen abgelegt hat. Sie besitzt nur drei Laufbeinpaare und erscheint blass hautfarbig bis transparent. Die Zeckenlarve sucht sich kleine Nagetiere oder Vögel, sticht zum ersten Mal zu und saugt rund zwei bis drei Tage, bis sie sich fallen lässt und sich nach einigen Monaten zur Nymphe häutet. Nach der Häutung tritt die Larve ins nächste Stadium über.

Die feuchtigkeitsbedürftige Larve findet man dicht am Erdboden und bis zu einer Höhe von etwa 10 cm. Hier trifft sie auf ihre bevorzugten Wirte: kleine Nager wie Rötelmäuse, Gelbhalsmäuse und Waldmäuse.

2. Stadium: Nymphe, geschlechtsneutral

Die Nymphe, jetzt mit vier Laufbeinpaaren, trägt nach der Häutung einen stabilen Chitin-Panzer. In der Regel überwintert die Nymphe im mitteleuropäischen Klima, bevor sie sich für die Weiterentwicklung zur geschlechtsreifen Zecke den zweiten Zwischenwirt sucht. Die zweite Blutmahlzeit nimmt die Nymphe bei größeren Nagetieren wie dem Eichhörnchen oder mittelgroßen Säugetieren wie Katzen, Hasen oder Füchsen ein. Nymphen stechen auch Menschen. Sobald sich die Nymphe ihren Platz auf dem Zwischenwirt ausgesucht und zugestochen hat, saugt sie sich für mehrere Tage mit einem breiartigen Gemisch aus Blut und Gewebe voll, lässt sich fallen und häutet sich zur adulten Zecke.

Nymphen steigen höher an den Pflanzen empor als Larven. Sie erreichen eine Höhe bis 50 cm über dem Boden und gelangen an größere Tiere.

3. Stadium: Adulte Zecke ♀ oder ♂

Nach der Häutung der Nymphe ist die adulte Zecke weiblich oder männlich ausgeprägt. Die ausgewachsene weibliche Zecke befällt große Wildtiere, Haustiere und Menschen für die letzte Blutmahlzeit. Der Saugvorgang eines ausgewachsenen Zecken-Weibchens dauert sieben bis elf Tage und das eigene Körpergewicht kann bis zum Hundertfachen zunehmen. Mittels Lockstoffen signalisiert das saugende Weibchen den adulten Männchen, dass es für die Fortpflanzung bereit ist. Bei der Paarung klettert das angelockte Männchen unter den Bauch des Weibchens, um ein Spermienpaket in deren Geschlechtöffnung abzugeben.

Eiablage

Das befruchtete, vollgesogene Weibchen lässt sich nach gut einer Woche vom Endwirt fallen und sucht sich am Boden einen geschützten Ort für die Eiablage. Die Eier werden mit einer wachsartigen Schutzschicht überzogen. Diese schützt das frische Ei vor dem Vertrocknen. Nach der Eiablage stirbt das Weibchen, der Kreislauf beginnt wieder von vorne.

Bauplan der Zecke

Die gemeine Zecke ist die größte Vertreterin der Milben.

"Zeckenkopf" Capitulum

Die Mundwerkzeuge der Zecke bestehen aus einem Stechapparat mit Stechrüssel (Hypostom), Kieferfühlern (Cheliceren) und Kiefertastern (Pedipalpen).

 

Haftorgan mit Klauen und Haftlappen

Am Ende des Beins ist das Haftorgan mit zwei Klauen und einem Haftlappen angebracht. Die Krallen geben Halt auf rauen, der Haftlappen auf glatten, Oberflächen.

Hallersches Organ

Zum Auffinden des Wirts kommt das Hallersche Organ zum Einsatz. In der Grube am letzten Beinsegment des vordersten Beinpaares treten Sinnesborsten des einzigartigen und hoch sensiblen Organs hervor. Dieser Chemorezeptor nimmt Stoffe wie Ammoniak, Kohlendioxid, Milch- und Buttersäure wahr und erkennt sich nähernde Wirtstiere.

Evolution

Der Ursprung der Zecke liegt vor ca. 300 Millionen Jahren im Karbon (Zeitalter der Farne). Noch ältere Funde der verwandten Skorpione und Milben sind mit Fossilienfunden nachgewiesen. Spätestens ab 70 Millionen Jahren vor unserer Zeit existieren die wichtigsten Gruppen der Ixodida, der Familie der Zecken.

Als natürliche Feinde der Zecken sind bisher festgestellt worden:

  • Pilzarten wie Metarhizium anisopliae und Beauveria bassiana, welche auf Zecken wachsen und diese abtöten.
  • Fadenwürmer (Nematoden), die Zecken befallen und töten.
  • Erzwespe (Ixodiphagus hookeri), die Eier in die Zecke ablegt. Geschlüpfte Wespenlarven fressen Zecken von innen her auf.
  • Beobachtungen, dass Waldameisen Schildzecken fressen, sind unter Wissenschafterinnen und Wissenschaftern umstritten.

Lebensraum und Mythen

Zecke lauert in Bodennähe

Die Zecke fällt nicht von Bäumen, sondern lebt am Boden auf der niedrigen Vegetation. Dort lauert sie auf ein vorbeikommendes Tier oder einen Menschen. Geht der Wirt an der lauernden Zecke vorbei, lässt sie sich von der Pflanze abstreifen und klammert sich an. Das Risiko, eine Zecke abzustreifen, ist im Winter wesentlich kleiner als zwischen März und Oktober.

Kinder sind besonders gefährdet

Für Kinder besteht aufgrund ihres Naturells und ihrer Größe ein erhöhtes Risiko. Das liegt daran, dass Kinder gerne dort spielen, wo Zecken vorkommen: im Gestrüpp, an Waldrändern, im hohen Gras. Zecken lassen sich bei Kindern gerne im Kopfbereich nieder.

Bevorzugte Lebensbedingungen

Zecken werden das ganze Jahr hindurch gefunden, kommen aber im Frühjahr und Herbst häufiger vor. In den Sommer- und Winterperioden, wenn es zu heiß, zu trocken oder zu kalt ist, sucht die Zecke Schutz am Boden. Ist der Boden begrünt und mit einer Streuschicht aus abgestorbenen Materialien bedeckt, kann sich die Zecke gut halten. Zecken überleben kurzzeitiges Einfrieren bei minus 20 Grad Celsius. Sobald die Wetterbedingungen es erlauben, klettern sie wieder auf die Vegetation und lauern auf einen Wirt.

Zecken haben sich mit dem Klimawandel ausgebreitet. Die Höhengrenze von 1.000 Meter über dem Meeresspiegel existiert schon lange nicht mehr. Einzelne Fundstellen liegen höher als 1.500 Meter über dem Meeresspiegel.

Typische Lebensräume von Zecken

Zecken leben am Boden oder auf der niedrigen Vegetation. Bleiben Sie daher im Freien auf den Wegen. Meiden Sie Gebüsche, Dickicht und hohes Gras.

Mythen über Zecken

"Zecken lassen sich von Bäumen auf ihre Opfer fallen."

Einerseits lassen sich Zecken vom Wirt/Mensch abstreifen, andererseits leben Zecken in Bodennähe und klettern selten über einen Meter in die Höhe. Weil Zecken nur kurze Distanzen zurücklegen, halten sie sich meist in Bodennähe auf und lauern auf Gräsern, Büschen und in der Krautschicht (erste Vegetationsschicht über dem Boden) auf Wirte für die nächste Blutmahlzeit. Mehr dazu finden Sie hier.

"Mit Öl, Butter und Klebstoff vorbehandelte Zecken lassen sich leichter entfernen."

Benutzen Sie nur eine spitz zulaufende Zeckenpinzette, einen Zeckenhaken oder lassen Sie die Zecke von einer Ärztin oder einem Arzt entfernen. Von einer chemischen Behandlung wird abgeraten, da Zecken nur sehr langsam ersticken und in dieser Zeit Krankheitserreger wie z.B. Borrelien übertragen werden können. Mehr dazu finden Sie hier.

"Ich kann mich nur in Risikogebieten mit einer durch Zecken übertragbaren Krankheit infizieren."

Auf den Zeckengefahrenkarten sind oft die FSME-Risikogebiete dargestellt. Das sind Gebiete, in denen Zecken besonders häufig den Erreger der Zecken-Enzephalitis in sich tragen. Aber überall, wo Zecken vorkommen, kann eine Zecke Krankheitserreger übertragen.

"Ich muss mich nur im Sommer vor Zecken schützen."

Stimmen Temperatur und Feuchtigkeit, kann die Zecke das ganze Jahr hindurch aktiv sein. In der Regel ist es den Zecken von Frühling bis Herbst am wohlsten und dann ist die Gefahr eines Zeckenstichs am größten. Zecken mögen Temperaturen von 10 bis 20 Grad Celsius und feuchtes Wetter. Mehr dazu finden Sie hier.

"Die Schutzimpfung wirkt gegen alle Zeckenkrankheiten."

Leider stimmt das nicht. Die Schutzimpfung schützt wirksam vor Infektionen mit dem Virus der Zecken-Enzephalitis. Vor der Infektion mit dem Borreliose-Bakterium schützt eine Zeckenimpfung aber nicht. Da nützen nur vorbeugende Schutzmaßnahmen wie die angepasste Kleidung, der Einsatz von Repellents und die Zeckenkontrolle während und nach dem Aufenthalt im Freien.

Dieses Projekt entstand in Kooperation mit der Veterinärmedizinischen Universität Wien und der Medizinischen Universität Wien im Auftrag des Bundesministeriums für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz.

Kontakt

Leitung

Dr. med. Mateusz Markowicz

Priv.-Doz. Dr. Georg Duscher

Aktualisiert: 10.10.2022

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