Richtige Ernährung für jedes Alter

Gesundheitsförderung in der Schwangerschaft & Stillzeit und für Kinder bis zum 10. Lebensjahr

Ein gesunder Lebensstil beginnt bereits im Mutterleib. Schon die bevorzugte Essensweise der Mutter während der Schwangerschaft kann die späteren Ernährungsgewohnheiten und die Geschmacksvorlieben der Kinder ein Leben lang prägen. Ernährungsdefizite, die während der Schwangerschaft und bis zum Ende des zweiten Lebensjahres erworben werden, lassen sich im späteren Leben nur sehr schwer wieder ausgleichen.

Zur Förderung einer ausgewogenen und den Bedürfnissen angepassten Ernährung sowie als praktischer Ratgeber für einen gesunden Lebensstil in der Schwangerschaft und Stillzeit wurde von uns das Programm "Richtig essen von Anfang an!" in Zusammenarbeit mit dem Dachverband der österreichischen Sozialversicherungsträger und dem Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz (BMSGPK) ins Leben gerufen.

Richtig Essen in der Schwangerschaft und Stillzeit

Die richtige Ernährung während der Schwangerschaft und Stillzeit ist wichtig, um die Versorgung mit Energie und Nährstoffen für das Wachstum und die Entwicklung des Babys zu gewährleisten und um der Mutter all das zu liefern, was sie selbst braucht.

Über die Muttermilch werden wichtige Nährstoffe an das Baby abgegeben und je nachdem, was die stillende Mutter zu sich nimmt, verändert sich auch der Geschmack der Muttermilch. Durch die Ernährung der Mutter in der Schwangerschaft und Stillzeit können auch die Vorlieben der Kinder für bestimmte Geschmacksrichtungen mitbeeinflusst werden.

Kalorienbedarf in der Schwangerschaft und Stillzeit

Schwangere haben einen erhöhten Kalorienbedarf, brauchen aber trotzdem nicht für zwei zu essen! Erst ab der 13. Schwangerschaftswoche steigt der Kalorienbedarf, der durch eine zusätzliche kleine Jause (1 Extraportion Getreideprodukte, 1 Extraportion Obst/Gemüse und 1 Extraportion Milchprodukte) gedeckt werden kann.  Ab der 28. Schwangerschaftswoche braucht die Mutter noch etwas mehr. So wird 1 Extraportion Pflanzenöl empfohlen, die auch in Form von Nüssen und Samen angeboten werden kann. Der Mehrbedarf ab der 28. Schwangerschaftswoche kann durch eine weitere zusätzliche kleine Jause oder durch eine größere Mahlzeit gedeckt werden. In der Stillzeit braucht die Mutter genauso viele Kalorien, wie es am Ende der Schwangerschaft empfohlen wird – jedoch nur, solange ausschließlich gestillt wird.

Vitamine und Mineralstoffe in der Schwangerschaft und Stillzeit

Stärker als der Energiebedarf erhöht sich während der Schwangerschaft und Stillzeit der Bedarf an Vitaminen (Vitamine der B-Gruppe - Vitamin B1, B2, B6, B12, Folat, Niacin - und an den antioxidativen Vitaminen A, C, E) und Mineralstoffen (Eisen, Zink, Jod, Phosphor und Magnesium). Damit Mutter und Kind gut versorgt sind, ist eine richtige und vielfältige Auswahl an Lebensmitteln mit einem hohen Anteil an Vitaminen, Mineralstoffen und sonstigen Schutzstoffen wichtig. Die Qualität der Lebensmittel spielt daher eine besondere Rolle.

Flüssigkeitsaufnahme in der Schwangerschaft und Stillzeit

In der Schwangerschaft und Stillzeit ist zudem auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten. So sollten in der Schwangerschaft mindesten 1,5 Liter Trinkwasser oder alkoholfreie und energiearme Getränke getrunken werden. Ab der Stillzeit kommt noch eine Extraportion hinzu.

Empfehlungen für einen gesunden Lebensstil in der Schwangerschaft und Stillzeit

Vorsorglich sollte der Verzehr von Genussmitteln wie koffeinhaltige Getränke eingeschränkt werden. In der Schwangerschaft sollte völlig auf Genussmittel wie Alkohol und Zigaretten verzichtet werden. Um eine zu starke Gewichtszunahme während der Schwangerschaft zu vermeiden, sollten Mütter nicht nur weniger Mehlspeisen und Süßigkeiten zu sich nehmen, sondern sich auch mehr regelmäßig bewegen. Regelmäßige Bewegung in der Schwangerschaft kann positive Auswirkungen auf Mutter und Kind haben. So wird eine tägliche Bewegung von 30 Minuten in Form von Spazierengehen, Nordic Walking, Radfahren und Wassergymnastik empfohlen. Hochintensive oder exzessive Sportarten sollten hingegen gemieden werden.

Um Schwangere und Stillende über die aktuellen Ernährungsempfehlungen und über die richtige Lebensmittelauswahl in der Schwangerschaft und Stillzeit zu informieren, wurde  „Die Österreichische Ernährungspyramide für Schwangere und Stillende“ erarbeitet. Hier finden Sie auch Informationen darüber was noch in der Schwangerschaft und Stillzeit gemieden werden sollte.

Weiterführende Informationen:

Richtig Essen für Säuglinge und Kleinkinder

Der Grundstein für gesunde Ernährungsgewohnheiten wird bereits während der Schwangerschaft im Mutterleib und in der frühen Kindheit gelegt: Ernährungsdefizite, die während der Schwangerschaft und bis zum Ende des zweiten Lebensjahres erworben werden, lassen sich im späteren Leben nur sehr schwer wieder ausgleichen.

Beikostempfehlungen

Im Rahmen des Programms "Richtig essen von Anfang an!"  wurde gemeinsam mit Expertinnen und Experten im Bereich Ernährung und Kindergesundheit die „Österreichischen Beikostempfehlungen“ sowie die „Empfehlungen für die Ernährung von ein- bis dreijährigen Kindern“ und Empfehlungen für die Ernährung von vier- bis zehnjährigen Kindern erarbeitet. Damit stehen erstmals einheitliche, auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft basierende, Informationen zur Einführung von fester Nahrung (Beikost) und zur Ernährung von Kleinkindern und Kindern von vier bis zehn Jahren zur Verfügung. Die Empfehlungen im Detail sind auf der Website des Programms "Richtig essen von Anfang an!" zu finden.

Die neuen Empfehlungen berücksichtigen vor allem den individuellen Entwicklungsgrad des Säuglings und ermöglichen Eltern, auf die Bedürfnisse ihres Kindes zu reagieren.

Alter bei der Beikosteinführung

In den ersten Lebensmonaten ist ein Baby mit Stillen bzw. Säuglingsanfangsnahrung (Pre-Nahrung) bestens versorgt, später braucht das Baby jedoch mehr. Die Einführung von fester Nahrung (Beikost) sollte je nach individuellem Entwicklungsstand des Kleinkindes zwischen Beginn des 5. Lebensmonats (17. Woche) und Ende des 6. Lebensmonats (26. Woche) beginnen. Muttermilch und Säuglingsanfangsnahrung bleiben aber auch danach noch eine wichtige Nährstoffquelle.

Beikostempfehlungen für die Breisortenabfolge

Es gibt keine Reihenfolge in der Einführung von Beikost, wichtig ist aber, dass diese langsam und Schritt für Schritt erfolgt. Zu Beginn sind gut verfügbare Eisen- und Zinkquellen wie Fleisch und Getreide für die optimale Versorgung wichtig.

Empfehlungen für die Beikost werden regelmäßig wissenschaftlich überprüft und angepasst. Wurde vor einigen Jahren noch von der Gabe von allergenen Lebensmitteln abgeraten, so gilt dieses Prinzip schon lange nicht mehr. Allergene Lebensmittel zu meiden hat keinen präventiven Effekt. Im Gegenteil, es gibt Hinweise dafür, dass Fischkonsum im ersten Lebensjahr einen Schutzeffekt auf die Entwicklung allergischer Erkrankungen hat. Wann Eltern ihren Kindern Beikost anbieten, ob sie das in der Früh, zu Mittag oder am Abend tun, ist frei zu entscheiden.

Beikostempfehlungen für die Flüssigkeitsaufnahme

Während des ausschließlichen Stillens sind keine zusätzlichen Getränke nötig. Wird mit der Beikost begonnen, kann nach Bedarf Flüssigkeit angeboten werden. Ab dem 10. Monat braucht ein Kind aber regelmäßig Flüssigkeit in Form von Getränken, idealerweise Trinkwasser.

Es gibt Lebensmittel, die für Säuglinge nicht geeignet sind. Verzichtet werden sollte auf Salz, Zucker, Honig und Süßungsmittel – das gilt vor allem auch bei Getränken. Säuglinge und Kleinkinder sollten auch keine ganzen oder grob gehackten Nüsse und Erdnüsse essen: Diese können eingeatmet werden und in die Lunge geraten. Fein gerieben und vermischt mit Breien stellen sie kein Problem dar. Ebenfalls verzichten sollte man auf fettreiche Raubfische wie z. B. Thunfisch, Schwertfisch, Heilbutt, Hecht, Butterfisch, Königsmakrele – sie können am ehesten mit Schwermetallen belastet sein. Gut eignen sich Saibling, Lachs und Forelle.

Mit unserem Online-Tool „Lebensmittel unter der Lupe“ können Sie den Nährstoffgehalt, vor allem den Zucker- und Salzgehalt, in Säugling- und Kleinkindprodukten, Quetschies vergleichen.

Essen Lernen durch Nachahmung

Säuglinge sind von Natur aus kritisch gegenüber neuen Lebensmitteln. Wichtig ist, dass ein Kind nicht zum Essen gezwungen wird. Vielmehr sollten Eltern neue Lebensmittel mehrmals anbieten und selbst ein gutes Vorbild sein. Kinder lernen durch Nachahmung. Das Essverhalten der Eltern prägt das Essverhalten des Kindes.

Weiterführende Informationen über die richtige Ernährung für Kinder bis zum 10. Lebensjahr finden sie hier.

Richtig Essen in der Schule

Checkliste für eine gesunde Schulverpflegung

Kinder und Jugendliche verbringen viel Zeit in der Schule. Die Lebenswelt Schule ist ein Ort des Lernens und des sozialen Miteinanders. Immer häufiger wird nicht nur die Jause, sondern auch das Mittagessen miteinander eingenommen. Eine gesundheitsförderliche Schulverpflegung unterstützt die Schülerinnen und Schüler dabei, sich gesund zu ernähren und den schulischen Alltag gut zu bewältigen.

Im Rahmen des Programms „Richtig essen von Anfang an!“ ist ein Werkzeug für Schulen und ihre Erhalterinnen und Erhalter entstanden, das bei der Gestaltung der schulischen Verpflegung eine Hilfestellung geben kann: die „Checkliste für die Schulverpflegung“.

Die Checkliste kann zur Selbsteinschätzung verwendet werden und einen Überblick darüber schaffen, welche Bereiche einer gesundheitsförderlichen Schulverpflegung bereits erfüllt werden und wo es noch Verbesserungsmöglichkeiten gibt. Ein ausführliches Begleitdokument mit zahlreichen vertiefenden Informationen, Tipps und Links liefert zudem weitere Unterstützung bei der Umsetzung. Beide Dokumente sollen neben Schulerhalterinnen und Schulerhaltern auch alle weiteren Personen unterstützen, die eine Rolle bei der Gestaltung der schulischen Gemeinschaftsverpflegung spielen (z. B. Schulleiterinnen/Schulleiter, Pädagoginnen/Pädagogen, Eltern/Erziehungsberechtigte, Verpflegerinnen/Verpfleger).

Die „Checkliste für die Schulverpflegung“ wurde von Expertinnen und Experten im Bereich der Gemeinschaftsverpflegung bzw. Ernährung erstellt. Im Juni 2019 erfolgte die einstimmige Annahme durch die Nationale Ernährungskommission (NEK).

Leitlinie Schulbuffet für eine gesunde Schulverpflegung

Die "Leitlinie Schulbuffet" enthält ernährungswissenschaftliche Empfehlungen für ein gesundheitsförderliches Speisen- und Getränkeangebot an österreichischen Schulbuffets und wurde von Expertinnen und Experten im Bereich Ernährung und öffentliche Gesundheit, unter anderem von unseren Expertinnen und Experten, unter Einbindung der betroffenen Verkehrskreise und der nationalen Ernährungskommission erarbeitet. Die "Leitlinie Schulbuffet" wurde im Jahr 2011 vom Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz (BMSGPK) veröffentlicht.

Die Leitlinie enthält Empfehlungen für elf Warengruppen, wie beispielsweise Getränke und Backwaren, sowie Tipps zu deren Umsetzung. Bei der Zusammensetzung des Warenkorbs sind Mengenverhältnisse sowie die Präsentation der Produkte wesentlich. Es wurde auf Verbote verzichtet, so sind beispielsweise auch Süßigkeiten und Mehlspeisen am Schulbuffet erlaubt, jedoch in geringerer Menge. Gesundheitsförderliche Waren sollen im Vordergrund präsentiert werden, um sie für Schülerinnen und Schüler sichtbar zu machen.

Unser Schulbuffet und Leitlinie Schulbuffet

"Unser Schulbuffet" ist eine österreichweite Initiative, die von uns, in Zusammenarbeit mit dem BMSGPK, zur Verbesserung der Pausenverpflegung an Schulen umgesetzt wurde. Die Initiative richtet sich an Buffetbetreiberinnen und Buffetbetreiber, die ihr Warenangebot optimieren wollen. Sie werden bei der Umsetzung eines gesundheitsförderlichen Speisen- und Getränkeangebots laut "Leitlinie Schulbuffet" durch mobile Coaches vor Ort, praxisnah und mit Begleitmaßnahmen unterstützt.

Im Rahmen der Initiative "Unser Schulbuffet" wurden in den Jahren 2011 bis 2014 österreichweit Buffetbetriebe an mehr als 300 Schulstandorten betreut. Mehr als 250 Standorte erfüllten den Großteil der Empfehlungen der "Leitlinie Schulbuffet" und konnten somit vom mobilen Team ausgezeichnet werden. Der Zugang zu einem gesundheitsförderlichen Warenangebot wurde mehr als 200.000 Schülerinnen und Schüler ermöglicht.

Evaluierung „Unser Schulbuffet“

In den Jahren 2012 und 2013 wurde die Initiative "Unser Schulbuffet" von unseren Expertinnen und Experten (im Bereich Integrative Risikobewertung, Daten und Statistik) begleitend evaluiert. Das Ziel der Evaluierung war, die Qualität des Maßnahmen-Roll-Outs während der Planung und Durchführung zu reflektieren und bei Bedarf zu verbessern, sowie den Erfolg der Initiative zu überprüfen. Die Evaluierung ergab, dass die überwiegende Mehrheit (93 %) der Buffetbetreiberinnen und Buffetbetreiber die Initiative positiv bewertete. Als wichtigste Erfolgsfaktoren wurden die professionelle Unterstützung durch die mobilen Coaches sowie die Fokussierung auf die Zielgruppe "Buffetbetriebe" genannt. Zudem gab der Großteil der Buffetbetreiberinnen und Buffetbetreiber an, dass ein Schulbuffet, das den Empfehlungen der "Leitlinie Schulbuffet" entspricht, vom wirtschaftlichen Standpunkt aus langfristig umsetzbar ist. Auch die gelungene Vernetzung der Buffetbetreiberinnen und Buffetbetreiber untereinander im Rahmen von Jahrestagungen und regional organisierten Stammtischen, sowie mit weiteren schulinternen Partnern wurde als gelungen angesehen.

Die Initiative geht weiter...

Seit Mitte 2014 wird die mobile Beratung zudem mit regionalen Kooperationspartnern in einigen Bundesländern (Kärnten, Niederösterreich und Steiermark) fortgeführt. Siehe Website des Gesundheitsministeriums: "Unser Schulbuffet".

Die gute Wahl für eine gesunde Schulverpflegung

Kennzeichnungssysteme im Test

Als Anknüpfung an den Erfolg der Initiative „Unser Schulbuffet“ wurde überprüft, ob Symbolkennzeichnungen verstärkt auf das gesunde Warenangebot aufmerksam machen können. Insgesamt wurden vier Kennzeichnungssysteme genauer unter die Lupe genommen. Zwei davon, das Logo „Bewusst Wählen“ und das „Ampelsystem“, haben es in den Praxistest geschafft. Mit dem aus Vorsorgemitteln der Bundesgesundheitsagentur finanzierten Pilotprojekt „Die gute Wahl“ wurde getestet, ob sich Schülerinnen und Schüler an Symbolkennzeichnungsmodellen hinsichtlich ihrer Lebensmittelauswahl orientieren und so die gesündere Wahl treffen. Des Weiteren wurde geprüft, ob die Kennzeichnung von Produkten am Schulbuffet für die Buffetbetreiberin bzw. den Buffetbetreiber im alltäglichen Arbeitsablauf praktikabel ist.

Es hat sich gezeigt, dass Symbolkennzeichnungsmodelle ohne umfassende Informationsmaßnahmen nicht wirksam sind. Für die Einführung eines Kennzeichnungssystems im Setting „Schulbuffet“ sind umfassende Adaptierungen einer Symbolkennzeichnung sowie Ernährungsbildung und praxisorientierte Maßnahmen erforderlich. Eine generelle Implementierung und verstärkte Einhaltung vorhandener und etablierter Leitlinien (wie z. B. „Leitlinie Schulbuffet“) ist zu empfehlen. Ein gesundheitsförderliches Angebot am Schulbuffet kann so einen wesentlichen Beitrag für die Gesundheit von Schülerinnen und Schülern leisten.

Weitere Details finden sich im Endbericht.

Nährwertinformationen

EU-Projekt JANPA

Die JANPA - Joint Action on Nutrition and Physical Activity war ein EU-weites Projekt zu gesunder Ernährung und körperlicher Bewegung für Kinder und Jugendliche, das vom dritten EU-Gesundheitsprogramm kofinanziert wurde. Gemeinsam verfolgte man das Ziel, Gesundheitsprobleme infolge von Übergewicht und Fettleibigkeit bei Kindern und Jugendlichen bis zum Jahr 2020 einzudämmen bzw. zu stoppen. Dazu wurden Daten und empfehlenswerte Methoden aus den 26 beteiligten Ländern ausgetauscht und gemeinsam bewertet. Wir haben in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz (BMSGPK) teilgenommen und Maßnahmen der Arbeitspakete „Nährwertinformationen“ und „Frühe Interventionsmaßnahmen“ umgesetzt.

Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist 1 von 3 Kindern im Alter von 6 bis 9 Jahren übergewichtig bzw. fettleibig (adipös). Trotz zahlreicher Initiativen auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene nehmen die Zahlen von Übergewicht und Fettleibigkeit (Adipositas) vor allem in jungen Jahren stetig zu. Schlechte Ernährung von Geburt an (sogar schon im Mutterleib) und Bewegungsmangel sind Faktoren, die zur Entwicklung von Übergewicht und Fettleibigkeit beitragen. Generell können durch Übergewicht und Fettleibigkeit Folgeerkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Typ-2-Diabetes etc. begünstigt werden.

Innerhalb der EU ist der Anteil an übergewichtigen Kindern und Jugendlichen nicht nur ein besorgniserregendes Problem, sondern auch eine wirtschaftliche Belastung. Bis zu sieben Prozent des Gesundheitsbudgets werden jährlich für Folgeerkrankungen von Fettleibigkeit ausgegeben. Zur Vorbeugung von Gesundheitsproblemen, die durch ein zu hohes Körpergewicht verursacht werden, wurde von September 2015 bis November 2017 ein EU-weites Projekt zu Ernährung und körperlicher Betätigung umgesetzt – Joint Action on Nutrition and Physical Activity (JANPA). Im Projekt wurden folgende Schwerpunkte festgelegt:

  • Abschätzung finanzieller Folgen von Übergewicht und Fettleibigkeit
  • Verbesserung der Umsetzung von Maßnahmen zur Förderung gesunder Ernährung und Bewegung
  • Förderung der Nutzung von Nährwertinformationen
  • Beitrag zu einer gesünderen Schulumgebung

JANPA-Arbeitspaket - Nährwertinformationen

Im Arbeitspaket „Nährwertinformationen“ wurden Daten zur Kennzeichnung und zum Monitoring von Nährwertinformationen bzw. zur Lebensmitteloptimierung in den teilnehmenden Ländern gesammelt. Zusätzlich wurde erhoben, inwieweit Nährwertinformationen von verschiedenen Interessensgruppen verwendet bzw. verstanden werden.

Im Rahmen eines Pilotprojekts wurden in Österreich die Nährwertinformationen von zwei Lebensmittelproduktgruppen (Erfrischungsgetränke & Frühstückscerealien) erhoben, ausgewertet und analysiert. Mithilfe dieser Daten konnte ein Bild der Situation am österreichischen Markt gezeichnet werden. Gemeinsam mit Daten anderer am Pilotprojekt teilnehmenden Länder wurde dadurch ein Vergleich auf europäischer Ebene möglich.

JANPA-Arbeitspaket - Frühe Interventionsmaßnahmen

Im Fokus des Arbeitspaketes „Frühkindliche Interventionsmaßnahmen“ stand die Ermittlung wirksamer Strategien zur Förderung der gesunden Ernährung und Bewegung von Kindern. Im Fokus standen als Zielgruppe Schwangere, Stillende und Familien mit Kleinkindern. Besonderes Augenmerk lag auf der Übertragbarkeit von Maßnahmen und der Berücksichtigung sozialer Gleichheit. Von den beteiligten Ländern wurden Best-Practice-Modelle für frühe Interventionsmaßnahmen erhoben und analysiert. In Österreich wurden folgende Modelle als Modelle guter Praxis bewertet:

JANPA - Zentrale Lernerfahrungen

Im Zuge des Projektes wurde ein Kostenmodell entwickelt, welches allen europäischen Ländern zur Verfügung steht. Dieses soll in Zusammenarbeit mit Vorsorgeprojekten der OECD angewendet werden, um (Folge-)Kosten, die durch Übergewicht/Adipositas im Kindesalter entstehen, besser abschätzen zu können.

Um die Zusammensetzung von Lebensmitteln (bezogen auf ihren Zucker-, Salz-, Fett- und Energiegehalt) zu überwachen, sollen in weiteren europäischen Ländern Daten gesammelt werden. Diese Daten sollen einer realistischen Zielsetzung für Reformulierungsmaßnahmen dienen und einen Vergleich bzw. Wirkeffekte durchgeführter Strategien ermöglichen.

JANPA hat des Weiteren auch Kriterien identifiziert, die die Übertragbarkeit von Programmen zur Reduktion von Übergewicht und Adipositas vereinfachen sollen.

Eine eigens entwickelte Online-Datenbank bzw. -Toolbox soll dabei den Erfahrungsaustausch zwischen Expertinnen und Experten erleichtern.

Lebensmittel unter der Lupe

Im Zuge des Pilotprojekts wurde vom Zentrum Ernährung und Prävention eine Nährstoffdatenbank nach einem internationalen Modell aufgebaut, insbesondere mit für Kinder relevante Produktgruppen, und diese in unserem Projekt "Lebensmittel unter der Lupe" (kurz: LeLu) realisiert. In dem Projekt "LeLu“ – kofinanziert aus den Mitteln „Gemeinsame Gesundheitsziele aus dem Rahmen-Pharmavertrag“ – werden seit Herbst 2017 von unserem Zentrum Ernährung und Prävention Daten zu Produktkategorien erhoben und ausgewertet, die gezielt an Kinder gerichtet sind. Die Ergebnisse sollen Nährwerte vergleichbar machen und Produktreformulierungen (z. B. die Reduktion von Salz, Zucker, Fett) durch die Lebensmittelunternehmen anregen. Außerdem sollen die Ergebnisse eine Hilfestellung für Eltern und Bezugspersonen darstellen um Lebensmittel miteinander vergleichen und umso eine gesündere und informierte Kaufentscheidung treffen zu können. Mehr Informationen finden Sie auch in dem Nährstoffmonitoring-Bericht 2017–2021.

Österreichisches Nährwertprofil

Kinder sind regelmäßig mit Werbung für Nahrungsmittel und Getränke konfrontiert, die einen übermäßigen Gehalt an Energie, Fett, Zucker und Salz (HFSS) aufweisen. Die Vermarktung von solchen Lebensmitteln an Kinder kann z. B. schon früh negative Auswirkungen haben, indem sie die Entwicklung von Vorlieben für bestimmte „ungesunde“ Lebensmittel, Geschmackspräferenzen und Ernährungsgewohnheiten fördert und so zur Entwicklung von Übergewicht bereits im Kindesalter beiträgt.

Um die Bewerbung von Lebensmitteln mit hohem Gehalt an Energie, Fett, Zucker oder Salz an Kinder vor, während und nach Kindersendungen zu lenken wurde ein „Österreichisches Nährwertprofil zur Lenkung von Lebensmittelwerbung an Kinder in audiovisuellen Medien“ entwickelt.

Das österreichische Nährwertprofil orientiert sich an dem „Nutrient Profile Model“ der Weltgesundheitsorganisation WHO. Das Modell der WHO wurde an österreichische Gegebenheiten adaptiert. Das österreichische Modell wurde unter anderem an nationale Empfehlungen (wie z. B. Ernährungsempfehlungen für Kinder von 4 bis 10 Jahren) sowie an das österreichische Produktsortiment angepasst und berücksichtigt das EU „Pledge Nutrition Criteria White Paper“.

Das Österreichische Nährwertprofil wurde im Rahmen des Gesundheitsförderungsprogramms „Richtig essen von Anfang an!“ erarbeitet und in der Nationalen Ernährungskommission fachlich diskutiert und abgestimmt.

Die Empfehlung der Nationalen Ernährungskommission zur Lenkung von Lebensmittelwerbung an Kinder in audiovisuellen Medien ist als Hilfestellung für jene gedacht, die mit diesem Thema arbeiten bzw. Werbung gestalten. Die Empfehlung soll dabei unterstützen, die große Verantwortung wahrzunehmen, die Gesundheit von Kindern zu schützen.

EU-Schulprogramm für Milch, Obst & Gemüse

Zur Förderung gesunder Ernährungsgewohnheiten bei Kindern

Gesunde Jause für Kinder

Obst und Gemüse sind gesund – das wissen die meisten Kinder. Doch in der Jausenbox verstecken sich oft andere Lebensmittel. Damit Kinder und Jugendliche öfter eine gesunde Jause essen, gibt es das EU-Schulprogramm für Milch, Obst und Gemüse. Europaweit wird dadurch einerseits die Verteilung von Obst, Gemüse, Milch und Milchprodukten an Kinderbetreuungseinrichtungen und Schulen gefördert. Andererseits können Schülerinnen und Schüler an Verkostungen teilnehmen. Außerdem erfahren sie bei Ausflügen auf einen Bauernhof mehr über Vielfalt, Herstellung und Produktion dieser Lebensmittel und durch die Anschaffung von Hochbeeten, eine neue Maßnahme des EU-Programms, soll dieses Wissen vertieft werden. Durch die Teilnahme  am EU-Schulprogramm profitieren alle Kinder gleichermaßen, da die geförderten Lebensmittel günstiger sind. Für Pädagoginnen und Pädagogen gibt es zudem Unterrichtsmaterialien, die Unterstützung im Schulalltag anbieten.

Unter unserer Leitung wurden mit finanziellen Mitteln der Europäischen Union im Auftrag der Agrarmarkt Austria Unterrichtsmaterialien und Videos erstellt.

Das EU-Schulprogramm wird unterstützt durch das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Regionen und Wasserwirtschaft, das Bundesministerium für Gesundheit, Soziales, Pflege und Konsumentenschutz und das Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung.

Profi-Quiz für Kinder

Kann man Butter selbst herstellen? Welches Obst wächst auf Bäumen?

Nicht alle Kinder können diese Fragen leicht beantworten. Daher wurden im Rahmen des EU-Schulprogramms für das Schuljahr 2019/2020 Quizfragen rund um die Themen Milch, Obst und Gemüse zusammengestellt. Kinder im Alter zwischen 6 und 10 Jahren können sich dadurch verstärkt Wissen über landwirtschaftliche Produkte, Umwelt oder Inhaltsstoffe aneignen. Aufgeteilt nach zwei Bereichen (Milch bzw. Obst/Gemüse) stehen jeweils 20 Fragen in unterschiedlichen Kategorien zur Verfügung.

Die Quizfragen stehen als PDF-Version zum Download zur Verfügung oder können online (als Desktop-Version) beantwortet werden.

Experimente für Kinder

Wieso wird ein geriebener Apfel braun? Wie wird Frischkäse hergestellt?

Im Schuljahr 2019/2020 wurden zehn verschiedene „Experimente für den Schulunterricht“ rund um die Themen Milch, Obst und Gemüse ausgearbeitet.

Die Anleitungen umfassen neben den erforderlichen Materialien die genauen Durchführungsschritte und wissenswerte Grundlagen, die hinter den zu beobachtenden Effekten stecken. Zusätzlich gibt es Videos zu den Experimenten, die zur Demonstration im Unterricht verwendet werden können – entweder vorab als Anleitung oder im Nachhinein als Erfolgskontrolle. Ein Forschungsprotokoll unterstützt die jungen Forscherinnen und Forscher dabei, selbstständig Hypothesen aufzustellen. Der Lerneffekt kann mittels Fragenset zu den jeweiligen Experimenten überprüft werden (Wissens-Check als PDF zum Download oder auch  online).

Die Unterrichtsunterlagen zu den Experimenten stehen als PDF-Version zum Download zur Verfügung oder können online (als Desktop-Version) beantwortet werden. Die Unterrichtsunterlagen ergänzen bereits etablierte Produktlieferungen in am EU-Schulprogramm teilnehmenden schulischen Einrichtungen.

Gesunde Ernährung macht Schule – Videos für Kinder

Im Schuljahr 2017/2018 wurden im Rahmen des Programms u. a. sieben Videos erstellt: In den fünf animierten Videos werden auf leicht verständliche Weise Tipps und Informationen rund um die Themen Milch, Obst und Gemüse gegeben. Die Animationen können auch mit Untertiteln in den Sprachen Deutsch, Englisch, Bosnisch-Serbisch-Kroatisch und Arabisch angesehen werden. In zwei weiteren Videos setzen sich Kinder und Ernährungsexpertinnen und Ernährungsexperten mit Fragen und Antworten zu den genannten Lebensmitteln und Empfehlungen dazu auseinander. Die Videos richten sich einerseits direkt an Kinder, andererseits aber auch an Eltern und das Lehrpersonal.

Aktualisiert: 06.09.2022