Bislang wurden über 250 Schimmelpilzarten entdeckt, die insgesamt über 300 verschiedene Mykotoxine produzieren. Darunter befinden sich allerdings nur einige wenige, die zur tatsächlichen Kontamination (Verunreinigung) von Futter- und Lebensmitteln führen können: Aflatoxine, Alternaria-Toxine, Fusarientoxine, Mutterkornalkaloide (Ergotalkaloide), Ochratoxine, Patulin, Citrinin.
Aflatoxine beispielsweise haben ein krebserzeugendes Potential und können das Erbgut schädigen. Werden einmalig oder über einen kurzen Zeitraum Lebensmittel verzehrt, die erhöhte Aflatoxinwerte aufweisen, ist nicht mit einer gesundheitlichen Beeinträchtigung zu rechnen. Als langfristige Folge können Nierenschäden, Leberschäden wie Leberzirrhose sowie Nieren- und Leberkrebs auftreten.
Strenge Kontrollen
In der EU gelten Höchstgehalte für bestimmte Mykotoxine in verschiedenen Lebensmittelgruppen, die von den Produzent:innen und Händler:innen verbindlich eingehalten werden müssen.
Lebensmittel werden im Rahmen der amtlichen Kontrolle regelmäßig auf Mykotoxine überprüft. Speziell Lebensmittel für Säuglinge und Kleinkinder als besonders sensible Bevölkerungsgruppe werden im Rahmen von gezielten Schwerpunktaktionen kontrolliert. Werden Höchstgehalte überschritten, müssen die betroffenen Lebensmittel umgehend vom Markt genommen werden.
In den vergangenen 3 Jahren wurden rund 2.400 Lebensmittelproben (z. B. Brot, Getreidebeikost, Kakako, Mais und Maisprodukte, Nüsse, Fruchtsäfte) auf Mykotoxine untersucht. In einer Probe (Rigatoni) aus dem Jahr 2023 wurde Aflatoxin B1 über dem Höchstwert gefunden.
Bei Futtermitteln wurden seit dem 1.1.2020 ca. 1400 Stichproben in der hoheitlichen Futtermittelkontrolle auch auf Aflatoxin B1 untersucht. Bei 37 Proben konnte Aflatoxin B1 nachgewiesen werden, alle Werte unter dem gesetzlich festgelegte Höchstgehalt für Aflatoxin B1. Bei allen anderen Proben konnte kein Aflatoxin B1 nachgewiesen werden.
Bei Mais führen wir seit 15 Jahren gemeinsam mit den Landwirtschaftskammern ein Mykotoxin-Vorerntemonitoring bei Körnermais durch, um bereits vor der Haupternte einen ersten Überblick über die Qualität zu erhalten. Dabei werden auch Aflatoxine untersucht – bisher gab es keinen Nachweis von Aflatoxin B1.
Zudem arbeiten wir aktuell an einem Forschungsprojekt, bei dem ein Mykotoxin-Prognosemodell, das auf Wetterdaten basiert, entwickelt wird. Im Projekt werden Mykotoxin-Analyseergebnisse mit Wetterdaten kombiniert. Darauf basierend werden Modelle entwickelt, die frühzeitig Prognosen zur Mykotoxinbelastung ermöglichen. So können rechtzeitig geeignete Gegenmaßnahmen ergriffen werden.
Einfluss Klimawandel
Schimmelpilze der Gattung Aspergillus kommen seit jeher schon bei uns vor. Schon seit den 1980-er Jahren weiß man, dass diese bei passenden klimatischen Bedingungen auch Aflatoxine bilden können. Modellierungen sagen zudem, dass sich Schimmelpilze im Zuge des Klimawandels pro Jahr 3 km Richtung Pole bewegen. Durch heißere Sommer steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Aflatoxine auch in österreichischen Lebens- und Futtermitteln zu finden werden sein.