Folge 018 - Unsichtbare Gefahr aus der Dusche: Was Sie über Legionellen wissen müssen
1976 sterben in Philadelphia 29 Menschen an einer rätselhaften Atemwegserkrankung. Erst Monate später gelingt es dem Epidemiologen Joseph McDade, den Auslöser zu identifizieren: Legionellen in einem Kühlturm. Die Entdeckung des bis dahin unbekannten Erregers gilt bis heute als Meilenstein der Infektionsepidemiologie. Knapp 50 Jahre später sind Legionellen weiterhin ein relevantes Gesundheitsthema. In Österreich wurden 2025 rund 400 Fälle gemeldet, etwa doppelt so viele wie vor zehn Jahren.
Gleichzeitig lässt sich das persönliche Risiko mit einfachen Maßnahmen deutlich reduzieren. In dieser Folge von „Mut zum Risiko“ spricht Moderatorin Elisabeth Dottolo mit Florian Heger, Leiter der Abteilung Mikrobiologie am Zentrum für anthropogene Infektionen der AGES. Gemeinsam beleuchten sie die Geschichte der Legionellen, erklären die biologischen Besonderheiten der Bakterien und zeigen anhand des Legionellen-Ausbruchs in Vorarlberg 2024/25, wie moderne Ausbruchsaufklärung mit CSI Methoden und Detektivarbeit funktioniert.
Praktische Maßnahmen, die wirklich helfen
Florian Heger bringt es im Gespräch auf den Punkt: Legionellen mögen es warm und ruhig. Wer beides verhindert, schaltet das Risiko drastisch. Also folgendes tun:
- Warmwasser auf 60 Grad Celsius: Boiler auf mindestens 60 °C einstellen. Am Auslass sollten mindestens 55 °C ankommen, auch am hintersten Wasserhahn im Haus
- Nach Urlaub spülen: Alle ungenutzten Leitungen vor dem ersten Duschen 3–5 Minuten mit heißem Wasser durchspülen. Bei 7 bis 14 Tagen Abwesenheit ist das Pflicht
- Selten genutzte Stellen: Kellerdusche, Gäste-WC, Garten-Waschbecken: regelmäßig spülen oder als Totleitung rückbauen lassen. Ein Biofilm dort kontaminiert das ganze System
- Temperatur selbst messen: Heißes Wasser aufdrehen und Temperatur messen. Unter 55 °C: Installateurin anrufen. Diese einfache Prüfung zeigt sofort, ob das System sicher ist
- Keine Solardusche: Gummischlauch und Kunststofftanks, die lange in der Sonne stehen, sind ein potentielles Legionellen-Paradies. Solarduschen im Garten bergen ein erhöhtes Risiko
- Im Hotel: Dusche kurz vorlaufen lassen, besonders in wenig ausgelasteten Betrieben oder nach langer Reise
Drei Fakten, die viele überraschen
- Trinken ist kein Risiko. Die Magensäure tötet Legionellen ab. Gefährlich ist nur das Einatmen von Aerosolen beim Duschen, in Kühltürmen, bei Solarduschen
- Krankenhäuser sind sehr sicher. Nur rund 1 Prozent der österreichischen Legionellen-Infektionen passieren im Krankenhaus. Der größte Risikofaktor ist die eigene Dusche (80 Prozent der Infektionen)
- Österreich ist Vorzeigemodell. Weil bei der AGES Wasserisolate und menschliche Isolate zusammenkommen, können Ausbrüche präziser aufgeklärt werden als in anderen Ländern
Seriöse Quellen zum Querchecken
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Aktualisiert: 09.10.2025