Gesundheit für Mensch, Tier, Pflanze & Umwelt

NGT-AT untersucht Auswirkungen neuer genomischer Techniken auf die Landwirtschaft

| Lesezeit 5 min

Mit dem Forschungsprojekt "NGT-AT: Neue genomische Techniken (NGT) in Agrar- & Lebensmittelwirtschaft: Bedeutung der EU-NGT-Verordnung für Österreich" analysieren die AGES und die Bundesanstalt für Agrarwirtschaft und Bergbauernfragen (BAB) bis Ende 2027 die potenziellen agronomischen, betriebswirtschaftlichen und institutionellen Auswirkungen von NGT-1-Pflanzen in Österreich. Dies umfasst den Schutz der biologischen und gentechnikfreien Produktion, die Sicherung transparenter und praktikabler Produktionsketten und eine Bewertung möglicher agronomischer Potenziale.

Österreich gehört in Europa zu den Ländern mit dem am stärksten entwickelten und am breitesten etablierten System für gentechnikfreie und biologische Lebensmittelproduktion. Mit der neuen EU-Verordnung für neue genomische Techniken (NGT) werden so genannte “NGT-1-Pflanzen” nach einer behördlichen Prüfung und Bestätigung des Status als NGT-Pflanze der Kategorie 1 EU-rechtlich wie konventionell gezüchtete Pflanzen behandelt. Nach den Kriterien der EU-NGT-Verordnung können die genetischen Veränderungen der NGT-Pflanzen auch natürlich auftreten oder durch konventionelle Züchtung entstehen. Für eine wissenschaftliche, faktenbasierte und ergebnisoffene Herangehensweise an die Anpassung der entsprechenden Regulierungen in Österreich finanzieren die Bundesministerien für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft (BMLUK) und für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz (BMASGPK) die NGT-AT-Studie.

AGES und BAB analysieren bis Ende 2027 die möglichen Auswirkungen von NGT-1-Pflanzen in Österreich

Mit dem Forschungsprojekt „NGT-AT: Neue genomische Techniken (NGT) in Agrar- & Lebensmittelwirtschaft: Bedeutung der EU-NGT-Verordnung für Österreich“ analysieren die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) und die Bundesanstalt für Agrarwirtschaft und Bergbauernfragen (BAB) bis Ende 2027 die potenziellen agronomischen, betriebswirtschaftlichen und institutionellen Auswirkungen von NGT-1-Pflanzen in Österreich. Die neuen EU-rechtlichen Vorgaben werfen für Österreich insbesondere Fragen zur Absicherung der biologischen und gentechnikfreien Produktion sowie zur Trennung unterschiedlicher Produktions- und Vermarktungsketten auf. NGT-Pflanzen können aber auch Möglichkeiten bieten, wie zum Beispiel höhere Widerstandskraft gegen Pflanzenkrankheiten und Schädlinge, verbesserte Inhaltstoffe oder auch gezielte beziehungsweise beschleunigte Züchtung von trockenheitstoleranten Sorten. Hintergrund ist die im Juni 2026 veröffentlichte EU-NGT-Verordnung, die ab Mitte Juli 2028 anzuwenden sein wird. Das bedeutet, dass nach den ab Juli 2028 geltenden Bestimmungen derartige NGT-1-Pflanzen auch in Österreich auf den Markt kommen und angebaut werden dürfen.

Ziel: Mögliche Lösungsansätze für Koexistenz

Die NGT-AT-Studie wird von über 30 Expert:innen aus den Bereichen Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit, GVO-Analytik, Agrarökonomie und Kontrolle wissenschaftlich aufgearbeitet. „Im Zentrum des Forschungsprojektes steht die Frage, wie sich die Anwendung bzw. Nicht-Anwendung auf landwirtschaftliche Betriebe, vor- und nachgelagerte Sektoren sowie die Kontrolle auswirken könnte”, betont Projektleiterin Alexandra Ribarits von der AGES. Besonderes Augenmerk gilt den unterschiedlichen Produktionssystemen, insbesondere der konventionellen Landwirtschaft sowie der in Österreich wirtschaftlich bedeutenden biologischen und gentechnikfreien Produktion.

Für die Analyse wird anhand definierter Betriebe untersucht, welche Herausforderungen und Chancen entstehen, wenn einzelne konventionell wirtschaftende Betriebe NGT-1-Pflanzen nutzen, während andere Betriebe darauf verzichten. Dazu werden biologisch produzierende Betriebe herangezogen, die derzeit gentechnikfrei und NGT-frei produzieren. Die Annahmen dienen der Untersuchung möglicher Wechselwirkungen und erlauben Rückschlüsse für die gentechnikfreie Produktion. „Neben betriebsspezifischen Charakteristika und Kennzahlen wurden für alle Betriebe die räumliche Lage der selbstbewirtschafteten Flächen sowie der umliegenden Fremdflächen auf Schlagebene ausgewertet“, erläutert der BAB-Agrarökonom Julian Zeilinger.

Auf Basis dieser Daten werden mögliche Herausforderungen in Zusammenhang mit dem Anbau von NGT-1 Pflanzen identifiziert und mögliche Lösungsansätze für eine erfolgreiche parallele Produktion vertiefend in qualitativer Weise untersucht. Beim Ackerbau konzentriert sich das Projektteam auf Koexistenzfragen bei NGT-1- und Nicht-NGT-1-Flächen von ausgewählten Kulturen, wie zum Beispiel Kartoffel, Soja, Mais und Weizen im kleinstrukturierten Weinviertel. Bei der Milchviehhaltung im Voralpenland fokussiert sich das Projektteam auf die Verfügbarkeit von NGT-1-freien Futtermitteln, Feldfutter und in weiterer Folge Milch.

Einbindung der betroffenen Stakeholder

In das Projekt werden relevante Stakeholder entlang der Wertschöpfungskette eingebunden, um zentrale Wirkungszusammenhänge wie Saatgutbeschaffung, Futtermittelproduktion, Lagerung, Transport und Vermarktung zu identifizieren. Insgesamt schafft das Projekt eine fundierte Grundlage für die Bewertung der Einführung von NGT-1-Pflanzen und deren Auswirkungen entlang der Wertschöpfungskette. Ziel des Forschungsprojekts ist es, praxisnahe Handlungsanweisungen und Entscheidungsgrundlagen zu entwickeln – wie geht man mit der EU-Verordnung regulatorisch und praktisch um? Dazu fand am 31. August 2026 eine Auftaktveranstaltung mit Stakeholdern statt, bei der erste Analysen und weitere Schritte vorgestellt wurden.

Weitere Informationen zum Forschungsprojekt unter dem DAFNE-Link: NGT-AT: Neue genomische Techniken (NGT) in der Agrar- und Lebensmittelwirtschaft: Bedeutung der EU-NGT-Verordnung für Österreich

| Lesezeit 5 min
Jump to top