Neuartiges Orthobunyavirus
Shamonda-like Virus (FLI, 2026)
Steckbrief
Anfang August 2026 meldeten das deutsche Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) und das Institut für Virologie und Immunologie (IVI) in der Schweiz zeitgleich den Nachweis eines neuartigen Orthobunyavirus in Rindern aus mehreren Rinderbeständen in Süddeutschland und der Schweiz. Auch in Frankreich kam es zu vergleichbaren Krankheitsfällen mit Virusnachweisen. Aufgrund genetischer Untersuchungen wurde das neuartige Virus vorübergehend „Shamonda-like“-Virus bezeichnet, weil es genetisch die höchste Übereinstimmung mit dem Shamonda Virus besitzt, das bisher vor allem in Afrika nachgewiesen wurde. Dieses wird ebenso wie das hierzulande seit 2012 vorkommende Schmallenbergvirus (SBV) und das Virus der Blauzungenkrankheit über Gnitzen übertragen und die Infektion kann zu fieberhaften Allgemeinerkrankungen mit Fressunlust, Durchfall und Milchleistungsrückgang führen, aber auch zu Aborten und Missbildungen bei neugeborenen Kälbern, Lämmern und Zicklein. Menschen sind für die Infektion in Analogie zu SBV und Shamonda Virus vermutlich nicht empfänglich, das muss allerdings erst durch weitere Untersuchungen auch für das neue „Shamonda-like“-Virus bestätigt werden. In Österreich gab es derzeit noch keine Nachweise des neuen Virus; die AGES arbeitet mit hoher Priorität an der Einführung eines Nachweisverfahrens für die Infektion.
Vorkommen
Afrika, Japan, seit Sommer 2026 Frankreich, Schweiz, Süddeutschland
Wirtstiere
In Analogie zu SBV und Shamondavirus vermutlich Haus- und Wildwiederkäuer
Infektionsweg
Die Übertragung erfolgt vermutlich durch den Biss von Gnitzen bzw. auch von infizierten Muttertieren auf die Feten
Inkubationszeit
In Analogie zu SBV vermutlich wenige Tage
Symptomatik
Durchfall, Fieber und Milchleistungsrückgang wurden bisher beschrieben. Ob es beim Shamonda-like Virus auch wie bei SBV und Shamondavirus zu Aborten und Missbildungen bei Jungtieren kommen kann, ist noch nicht geklärt.
Therapie
Es gibt keine ursächliche Therapie. Erkrankte Tiere können unterstützend mit fiebersenkenden und entzündungshemmenden Medikamenten behandelt werden. Entsprechende Nebenwirkungen bzw. Kontraindikationen sind den jeweiligen Packungsbeilagen zu entnehmen. Bei SBV führt der Großteil der Infektionen nicht zu klinischer Erkrankung, sodass die Ausbreitung erst nachträglich über Antikörperuntersuchungen nachgewiesen wird.
Vorbeugung
Derzeit gibt es für das neuartige Shamonda-like Virus noch keine Impfstoffe auf dem Markt.
Situation in Österreich
Noch gab es in Österreich keinen Nachweis des neuen Shamonda-like Virus. Die Diagnostik wird derzeit aufgebaut. Die Erkrankung ist nicht meldepflichtig.
Fachinformation
Das neue Shamonda-like Virus ist ein behülltes RNA-Virus mit einzelsträngigem, segmentiertem Genom aus der Familie Bunyaviridae, Genus Orthobunyavirus. Verwandte Viren (SBV, Shamonda-, Aino- und Akabane-Virus; „Simbu-Serogruppe“) sind in Australien, Asien und Afrika verbreitet und rufen dort in der Regel zunächst nur eine sehr milde Klinik hervor. Werden allerdings trächtige Tiere infiziert, so können zeitverzögert zum Teil erhebliche kongenitale Schäden, Frühgeburten und Störungen im Fruchtbarkeitsgeschehen auftreten.
Nach heutigem Wissensstand ist von keiner Gefährdung des Menschen durch diese Viren auszugehen.
Sobald verfügbar, wird die Untersuchung auf das neue Shamonda-like Virus privat zu bezahlen sein. Nachdem die Erkrankung bzw. Infektion nicht meldepflichtig ist, bleibt der Nachweis tierseuchenrechtlich ohne Konsequenzen.
Übertragung
Die Übertragung erfolgt wie bei SBV und Shamondavirus vermutlich durch Gnitzen (Culicoides spp.). Wahrscheinlich können naive Muttertiere die Infektion auf die Feten transplazentar übertragen, wodurch es bei Letzteren zu Störungen in der nervalen Entwicklung kommen kann.
Symptomatik
bei akuter Infektion: In den meisten Fällen kommt es bei Viren der Simbu-Serogruppe zu keiner oder nur einer gering ausgeprägten und kurzzeitigen klinischen Symptomatik, die durch Fieber, Durchfall oder Milchleistungsrückgang gekennzeichnet ist. Im Zuge der akuten Infektion kann es bei trächtigen Tieren vermutlich auch zu Aborten kommen.
bei transplazentarer Infektion: Werden trächtige, naive Muttertiere in einem empfänglichen Zeitraum infiziert (beim Schaf vermutlich zwischen dem 30. und 50. Tag, beim Rind etwa während des 75. bis 175. Trächtigkeitstages), kann die Infektion bei SBV zu schweren Missbildungen an Extremitäten (Arthrogrypose) und Kopf (Hydrocephalie, Torticollis, Hydranencenphalie) führen. Die Geburt missgebildeter und/oder lebensschwacher Jungtiere erfolgt abhängig vom Infektionszeitpunkt und der Tragezeit der unterschiedlichen betroffenen Tierarten im Winter und Frühling. Ob diese Erscheinungen auch beim Shamonda-like Virus auftreten, muss noch geklärt werden.
Diagnostik
Die Untersuchung auf Antikörper aus Blut (Serum) erlaubt eine Aussage, ob das Tier Kontakt mit dem Virus hatte. Derzeit sind noch keine kommerziell erhältlichen ELISA-Tests verfügbar. Sobald es gelungen ist, das Virus zu isolieren, kann ein Serumneutralisationstest durchgeführt werden.
Die Untersuchung mittels PCR erfolgt aus Blut (EDTA-Blut oder Serum), Organen (v. a. Milz) sowie Abortmaterial; bei missgebildeten euthanasierten oder verendeten Jungtieren kann neben Blut und Milz auch die Untersuchung des Gehirnes oder Rückenmarkes zielführend sein: Die PCR weist das Virus bzw. Virusbestandteile direkt nach. Die Dauer der Nachweisbarkeit des neuen Shamonda-like Virus in Blut bzw. Geweben ist noch nicht bekannt. Im Blut ist Schmallenbergvirus nur für wenige Tage nachweisbar. Ob das Shamonda-like Virus auch im Samen ausgeschieden werden kann, ist ebenfalls noch nicht erforscht.
In allen Fällen sollte der Probenversand an das Labor idealerweise unter Beigabe von Kühlmitteln und Berücksichtigung der entsprechenden Transportbestimmungen (UN3373) durch ein dazu berechtigtes Logistikunternehmen durchgeführt werden.
Kontakt
Institut für veterinärmedizinische Untersuchungen Mödling
- vetmed.moedling@ages.at
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Robert Koch-Gasse 17
2340 Mödling
Aktualisiert: 06.08.2026