Campylobacter
Campylobacter spp.
Steckbrief
Campylobacter sind gramnegative, nicht sporenbildende spiralförmig gebogene Bakterien. Sie wachsen unter mikroaeroben Bedingungen (verminderter Sauerstoffgehalt), reagieren empfindlich auf saure und basische pH-Werte, werden durch Pasteurisieren sicher abgetötet. Die häufigsten Arten sind C. jejuni, das etwa 90 % der humanen Erkrankungsfälle (Campylobacteriose) verursacht, und C. coli.
Vorkommen
Infektionen durch Campylobacter sind weltweit verbreitet und treten gehäuft in der warmen Jahreszeit auf. Sie stellen neben den Salmonellen die bedeutendsten Erreger bakterieller Darmerkrankungen beim Menschen dar. Wie in den Jahren zuvor liegt in Österreich auch im Jahr 2025 die Campylobacteriose an erster Stelle der gemeldeten lebensmittelbedingten bakteriellen Infektionskrankheiten.
Erregerreservoir
Geflügel, Schweine, Rinder, Haustiere wie Hunde und Katzen sowie Wildtiere, insbesondere Vögel, können Träger von Campylobacter sein. Es handelt sich bei diesen Keimen um mögliche Darmbewohner dieser Tiere, bei denen sie nur selten Erkrankungen hervorrufen.
Infektionsweg
Die Campylobacteriose des Menschen gilt hauptsächlich als nahrungsmittelbedingte Infektion. Hauptinfektionsquellen stellen in erster Linie unzureichend erhitztes Geflügelfleisch, damit kontaminierte nicht erhitzte Speisen (z. B. nach Verwendung desselben Schneidbrettes ohne gründliche Reinigung nach Zerlegen des Geflügels) und Rohmilch dar. Eine direkte Übertragung von Mensch zu Mensch (fäkal-oral) ist selten.
Inkubationszeit
Meist 2 bis 5 Tage, abhängig von der aufgenommenen Keimzahl.
Symptomatik
Erkrankungen können sich durch hohes Fieber, wässrige bis blutige Durchfälle, Bauchschmerzen, Kopfweh und Müdigkeit äußern, die Erkrankung kann auch asymptomatisch, also ohne erkennbare Krankheitszeichen, verlaufen. Die Krankheit dauert durchschnittlich wenige Tage bis eine Woche, gelegentlich auch länger. Als Folgeerkrankung können u. a. Gelenkserkrankungen (z. B. reaktive Arthritis) und das Guillain-Barré-Syndrom (GBS), bei dem es zu Lähmungserscheinungen der peripheren Nerven kommt, auftreten.
Therapie
In der Regel ist eine Erkrankung selbstlimitierend und als Therapie der Ausgleich des Wasser- und Elektrolythaushaltes ausreichend. Kleinkinder sowie Patientinnen und Patienten, die hohes Fieber entwickeln oder immungeschwächt sind, können zusätzlich mit Antibiotika behandelt werden.
Vorbeugung
Hygiene bei der Speisenzubereitung, um Kreuzkontaminationen zwischen rohem Fleisch und anderen Lebensmitteln zu vermeiden. Schon sehr geringe Mengen des Erregers (ca. 500 Keime) können beim Menschen eine Infektion auslösen. Zum Vergleich: auf einem Gramm Geflügelhaut können mehr als 10.000 Keime (Kolonie-bildende Einheiten) gefunden werden.
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Situation in Österreich
Mensch
Das saisonale Auftreten von Campylobacteriosen zeigte in den vergangenen Jahren ein gleichartiges Muster: die wenigsten Erkrankungsfälle zwischen November und April, die meisten Fälle von Juni bis September. Ein annähernd gleiches Bild liefern die Isolationsraten thermotoleranter Campylobacter aus geschlachteten Masthühnerherden, mit den höchsten Werten in den Sommermonaten, die in der Folge im Sommer auf höhere Kontaminationsraten von frischem Hühnerfleisch im Einzelhandel schließen lassen und somit auf dieses Lebensmittel als bedeutendstes Erregervehikel für Campylobacter hinweisen.
Im Jahr 2025 wurden 7.154 Campylobacteriose-Fälle im EMS gemeldet. Von 3.205 spezifizierten Isolaten wurden 90 % als C. jejuni und 10 % als C. coli identifiziert. Das Antibiotikaresistenzmuster, insbesondere gegenüber Ciprofloxacin und Tetracyclin, stützt weiterhin Hühnerfleisch als wesentliche Infektionsquelle. Im Epidemiologischen Meldesystem (EMS) gemeldete Fälle (Datenstand 15.04.2026). Einzelne Nachmeldungen sind möglich.
Diagramm: Im Epidemiologischen Meldesystem (EMS) gemeldete Fälle (Datenstand 15.04.2026). Einzelne Nachmeldungen sind möglich.
Campylobacter-Fälle in Österreich
Lebensmittelbedingte Krankheitsausbrüche
Im Jahr 2025 wurden in Österreich neun durch Campylobacter spp. verursachte lebensmittelbedingte Krankheitsausbrüche gemeldet; betroffen waren 39 Personen. Insgesamt wurden 2025 in Österreich 33 lebensmittelbedingte Ausbrüche mit 354 betroffenen Personen berichtet. Campylobacter spp. und Salmonella spp. waren auch 2025 die am häufigsten identifizierten Erreger und verursachten gemeinsam 66 % aller Ausbrüche.
Lebensmittel
Im Jahr 2025 wurden insgesamt 202 Lebensmittelproben auf Campylobacter untersucht; 69 Proben waren positiv. Campylobacter wurde ausschließlich in Geflügel nachgewiesen: in frischem Geflügelfleisch (Huhn, Pute, Ente, Gans), Geflügelinnereien oder Geflügelfleischzubereitungen, die zum Durcherhitzen bestimmt sind.
Frisches Hühnerfleisch wurde an verschiedenen Probenahmestellen untersucht (n = 66); 36 Proben waren positiv. Im Einzelhandel waren 28 von 51 untersuchten Proben positiv. Frisches Putenfleisch zeigte eine Nachweisrate von 17,6 % (3 positive Proben von 17). Rohmilch (n = 12) war negativ. In 48 verzehrsfertigen sonstigen Lebensmitteln (Fleischerzeugnisse, zubereitete Speisen) wurde Campylobacter nicht nachgewiesen.
Das Prozesshygiene-Kriterium Campylobacter (VO (EU) 2017/1495 im Rahmen der VO (EU) 2073/2005) ist in Österreich seit 1.1.2018 in Kraft. Im Jahr 2025 wurden 1.041 Halshautproben analysiert; Campylobacter wurde aus 430 Proben isoliert (41,3 %). In 70 Proben wurden >1.000 KBE/g gezählt (6,7 %). Damit zeigt sich eine Verbesserung der Schlachthygiene von 2022 (13,3 %) bis 2025 (6,7 %).
Untersuchte Lebensmittel 2024
Tier
Seit 2004 sind vom Bund, gemeinsam mit beauftragten Tierärztinnen, Tierärzten und der AGES, Monitoring-Programme gemäß der Überwachungsprogramme-Verordnung durchgeführt worden. Der EU-Durchführungsbeschluss sieht seit 2014 im 2-Jahresrhythmus (in geraden Jahren) Untersuchungen von Masthühner- und Putenherden auf thermotolerante Campylobacter sowie die Empfindlichkeitsprüfung der Isolate gegenüber Antibiotika vor. In Österreich gibt es darüber hinaus kein zusätzliches Programm für Campylobacter in Tieren außerhalb des AMR-Monitorings gemäß CID (EU) 2020/1729.
AMR-Monitoring 2025 – Mastschweine
Im Jahr 2025 wurde das AMR-Monitoring bei Mastschweinen gemäß CID (EU) 2020/1729 durchgeführt. Von 185 analysierten Proben wurde Campylobacter in 181 Proben isoliert (97,8 %). Alle Isolate wurden als C. coli identifiziert; in einer Probe wurde zusätzlich ein C. jejuni-Isolat nachgewiesen. Empfindlichkeitsprüfungen wurden mit 178 C. coli-Isolaten durchgeführt. 10,1 % der C. coli-Isolate waren gegenüber allen getesteten Antibiotika empfindlich. Sehr hohe Resistenzraten wurden gegen Tetracycline (77,5 %) und hohe Resistenzraten gegen Fluorchinolone (56,2 %) beobachtet. Niedrige Resistenz wurde gegen Erythromycin (5,1 %) gefunden; sechs Isolate zeigten MIC-Werte >512 mg/L, jedoch nicht aufgrund des erm(B)-Gens. Je zwei bzw. ein Isolat waren gegen Gentamicin bzw. Chloramphenicol resistent.
Untersuchte Herden von Masthühnern und Puten
Fachinformation Humanmedizin
Diagnostik: Der Nachweis des Erregers erfolgt meist durch Anzucht aus dem Stuhl. An der nationalen Referenzzentrale für Campylobacter führen wir folgende Untersuchungen durch:
- Spezies-/Genusdifferenzierung von Campylobacter und verwandten Genera (biochemisch, MALDI-TOF, PCR, Sequenzierung)
- Antibiotikaresistenztestung: Ermittlung der Resistenz von Isolaten aus Mensch, Tier, Lebensmittel und Umwelt gegenüber klinisch relevanten bzw. epidemiologisch wichtigen Antibiotika auf Basis der minimalen Hemmkonzentration
- Wahrnehmung der Aufgaben im Rahmen der Zoonosen-Überwachungsrichtlinie 2003/99/EG
- Molekularbiologische Feintypisierung (mittels PFGE, MLST) von Isolaten im Rahmen der laborgestützten infektionsepidemiologischen Aufklärung von Infektionsquellen und -wegen
- Qualitativer und quantitativer Nachweis von Campylobacter in Lebensmitteln
Wir führen auch eine Stammsammlung (Human-, Veterinär-, Futtermittel- und Lebensmittelisolate), führen Ringversuche durch und bieten Beratung.
Für den Versand der Stämme eignen sich am besten frische Kulturen in Amies-Transportmedium mit Aktivkohle. Es sollten unbedingt Reinkulturen eingesandt werden. Einsendungen sollten stets mit der Angabe zur Herkunft der Isolate sowie mit den notwendigen klinischen und epidemiologischen Daten versehen sein. Bitte hierzu das entsprechende Einsendeformular verwenden.
Kontakt
Leitung
Mag. Dr. Sandra Köberl-Jelovcan
- sandra.koeberl-jelovcan@ages.at
- +43 50 555 61262
-
Beethovenstraße 6
8010 Graz
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Aktualisiert: 06.08.2026