KNODIV – Förderung des österreichischen Knoblauchanbaus durch Erweiterung des Sortenspektrums

Zusammenfassung

Das Ziel des Projekts KNODIV war die Erweiterung des Sortenspektrums von Knoblauch für den Anbau in Österreich. Da beim vegetativ vermehrten Knoblauch eine Reihe von Virosen und Fusarien beträchtliche Ernteausfälle verursachen, wurden zehn ausgewählte Sorten von Pathogenen befreit und für den Aufbau einer heimischen Pflanzgutproduktion genutzt. Im Projekt konnte erfolgreich gezeigt werden, dass biotechnologische Methoden wie die Meristemkultur zur Viruseliminierung bei Knoblauchsorten sehr effektiv sind.

Projektbeschreibung

Der Anbau von Knoblauch in Österreich hat sich in den letzten zehn Jahren vervierfacht und auf ein Selbstversorgungsniveau von ca. 25 % eingependelt. Mit der Ausdehnung und Intensivierung des Anbaus in verschiedenen Regionen Österreichs ergeben sich für den Anbau neue Herausforderungen. Beim Knoblauchpflanzgut ist man in Österreich auf den Zukauf aus spanischen und französischen Vermehrungsbetrieben angewiesen und es ist schwierig bzw. unmöglich, regionale Sorten zu beziehen. Darüber hinaus zeigten Untersuchungen, dass importiertes Knoblauchpflanzgut stark mit phytopathogenen Erregern infiziert ist.

Der Ertragsausfall durch Virusbefall beträgt bis zu 50 % und kann bei Mischinfektionen mit anderen Viren höher ausfallen. Die Ertragseinbußen durch Fusariosen können ebenfalls groß sein. Eine direkte Bekämpfung der Knoblauchviren ist nicht möglich und Fusariosen können nur unzureichend bekämpft werden. Die einzig zielführende Maßnahme besteht in der Verwendung von gesundem Pflanzgut.

Das Ziel des Projekts KNODIV war eine Erweiterung des Sortenspektrums von Knoblauch für den Anbau in Österreich. Dazu erfolgte zunächst die Auswahl von zehn Sorten mithilfe von Erhalter:innen genetischer Ressourcen und Knoblauchproduzent:innen nach verschiedenen Kriterien (Produktionsbedingungen, Klimaanpassung, Krankheitsanfälligkeit, Vermarktungseignung). Anschließend wurden die zehn ausgewählten Sorten auf ihren Befall mit Viren und Pilze getestet und mithilfe einer von der AGES optimierten In-vitro-Methode von Pathogenen befreit und vermehrt.

Einen sehr wichtigen Schritt zur Produktion von gesundem Pflanzgut bildet der Übergang von In-vitro-Material zur Vermehrung auf dem Feld. Deshalb wurde im Rahmen des Projekts die Entwicklung einer praxisrelevanten Methode zur optimalen Akklimatisierung von In-vitro-Pflanzen im Glashaus und ihrer Auspflanzung angestrebt. Alternativ zu einer Akklimatisierung im Glashaus wurden in vitro erzeugte Brutzwiebel auch direkt ins Feld ausgepflanzt.

Diese Arbeiten bildeten die Voraussetzung für den Aufbau einer heimischen Pflanzgutproduktion. Die pathogen-befreiten Sorten können in vitro erhalten werden und bei Bedarf für die Produktion von neuem Ausgangsmaterial für die Vermehrung von gesundem Pflanzgut regional angepasster Knoblauchsorten zur Verfügung stehen.

Nutzen des Projekts

Wie bei allen vegetativ vermehrten Pflanzenarten ist auch bei Knoblauch die Pflanzgutqualität die Grundlage für die Produktion gesunder Pflanzen. Insbesondere gegen das Auftreten von Viruskrankheiten ist die Verwendung von virusfreiem Pflanzgut die einzige Bekämpfungsstrategie, da auf dem Feld eine Infektion mit verschiedenen Viren erfolgt, die auch mit dem Pflanzgut weiterverbreitet wird. Virusfreie Pflanzen, die mittels Gewebekultur hergestellt wurden, zeigten bei mehreren Sorten eine Zunahme des Knollengewichts um 30-200% im Vergleich zu infizierten Pflanzen. Aus diesen Gründen ist die Erzeugung von pathogen-freiem Pflanzgut von Sorten, die an die österreichischen Produktionsbedingungen angepasst sind, von hoher praktischer Relevanz zur Erhaltung der Konkurrenzfähigkeit der heimischen Knoblauchproduktion.

Ziel des Projekts KNODIV war es, den österreichischen Knoblauchproduzenten regional angepasste, ertragsstabile Knoblauchsorten für eine heimische Pflanzgutproduktion zur Verfügung zu stellen, die auch in vitro erhalten werden und bei Bedarf erneut pathogenfreies Material liefern können.

Ergebnisse

Im Projekt konnte erfolgreich gezeigt werden, dass biotechnologische Methoden wie die Meristemkultur zur Viruseliminierung bei Knoblauchsorten sehr effektiv sind. Die Meristemkultur erwies sich als effektive Methode zur Viruseliminierung, jedoch variierten die Erfolge stark zwischen den Sorten. Die Akklimatisierung ins Freiland bleibt eine Herausforderung: Sorten wie Red Toch zeigten gute Vermehrung, aber geringe Überlebensraten. Frühjahrspflanzungen in Hochbeeten oder Tunneln mit Lausvernetzung erwiesen sich als besonders geeignet für in vitro-Material. Die Sorten Deutscher Porzellan, Waldviertler- und Eibesbrunner Weingartenknoblauch und Striped Glacer und zeigten in allen Phasen – von der Pathogenfreimachung über die in vitro-Vermehrung bis zur Akklimatisierung – sehr gute Ergebnisse. Die Auspflanzung im Frühjahr unter geschützten Bedingungen (Hochbeete, Tunnel mit Lausvernetzung) führte zu kräftigen Pflanzen und markttauglichen Knollen. Die Ausfallrate konnte durch gezielte Maßnahmen auf 20–30 % reduziert werden. Auch die mehrjährige Akklimatisierung zeigte Fortschritte und legt den Grundstein für eine stabile Kulturentwicklung. Die erzeugten virusfreien Pflanzen sind eine wertvolle Basis für eine nachhaltige, regionale Pflanzgutproduktion in Österreich. Das Projekt beweist, dass innovative Vermehrungstechniken eine vielversprechende Perspektive für die heimische Knoblauchproduktion bieten.

Projektdetails

Projekttitel: Förderung des österreichischen Knoblauchanbaus durch Erweiterung des Sortenspektrums

Projektakronym: KNODIV

Projektleitung: Elisabeth Kopper, AGES

Finanzierung: Bundesministerium für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus – DAFNE

Projektlaufzeit: 23.05.2022 - 11.12.2025

Dieses Projekt wird im Rahmen des Ressortforschungsprogramms über dafne.at mit Mitteln des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Regionen und Wasserwirtschaft finanziert. Das BML unterstützt angewandte, problemorientierte und praxisnahe Forschung im Kompetenzbereich des Ressorts. 

Aktualisiert: 15.04.2026