Sollte ein Kind innerhalb von sechs Stunden nach dem Konsum von Säuglingsnahrung typische Symptome – insbesondere Erbrechen – zeigen, wenden Sie sich bitte unter Angabe des Produkts an die örtliche Lebensmittelaufsicht. Diese veranlasst weitere Erhebungen. Bei anhaltenden oder schweren Symptomen kontaktieren Sie bitte umgehend Ihre Kinderärztin oder Ihren Kinderarzt.
Neben Österreich haben auch Belgien, Dänemark, Frankreich, Luxemburg, Spanien und das Vereinigte Königreich Fälle gemeldet, die derzeit untersucht werden. Die gemeinsame Bewertung des Europäischen Zentrums für Seuchenkontrolle (ECDC) und der Europäischen Lebensmittelbehörde (EFSA) zeigt, dass die meisten gemeldeten Fälle leichte gastrointestinale Symptome aufwiesen. Es wurden aber auch einige Krankenhausaufenthalte aufgrund von Dehydrierung gemeldet.
Falldefinitionen
Bestätigter Fall
Ein bestätigter Fall einer Intoxikation durch das emetische Bacillus cereus-Toxin (Cereulid) wird definiert als ein Kind unter 36 Monaten mit gastrointestinalen Symptomen, insbesondere Erbrechen, bei dem der Krankheitsbeginn innerhalb von 6 Stunden nach dem Verzehr von Säuglingsanfangsnahrung auftritt und bei dem Cereulid in einer Stuhlprobe oder in der Charge der verzehrten Säuglingsnahrung in einer Konzentration nachgewiesen wurde, die den EFSA Referenzwert überschreitet und die entsprechende Lebensmittelprobe gemäß Gutachten als „nicht sicher für den menschlichen Verzehr“ eingestuft wurde.
Wahrscheinlicher Fall
Ein wahrscheinlicher Fall einer Intoxikation durch das emetische Bacillus cereus-Toxin (Cereulid) wird definiert als ein Kind unter 36 Monaten mit gastrointestinalen Symptomen, insbesondere Erbrechen, bei dem der Krankheitsbeginn innerhalb von 6 Stunden nach dem Verzehr von Säuglingsanfangsnahrung aus einer Charge, von der bekannt ist, dass sie Cereulid enthält, auftritt oder bei dem Cereulid in einer Charge der verzehrten Säuglingsnahrung in einer Konzentration nachgewiesen wurde, die unter dem EFSA Referenzwert liegt.
Untersuchungen von Säuglingsnahrung
Mit Stand 25.2.2026 hat die AGES im Rahmen der vom Gesundheitsministerium beauftragten Schwerpunktaktionen und sonstigen amtlichen Kontrollen 145 Proben Säuglingsnahrung von 9 verschiedenen Herstellern auf Cereulid untersucht:
- 120 Proben enthielten keine bestimmbaren Mengen an Cereulid
- In 25 Proben wurde Cereulid nachgewiesen. Die meisten Werte liegen deutlich unter dem von der EFSA ermittelten Wert, bei dem gesundheitliche Auswirkungen nicht ausgeschlossen werden können Es handelt sich dabei in allen Fällen um Produkte von Herstellern, die bereits Rückrufe ihrer Produkte durchgeführt haben
Weitere Proben werden derzeit noch untersucht.
Analytik Cereulid
Als Ursache für die Belastung von Säuglingsnahrung mit dem Bakterientoxin Cereulid gilt kontaminiertes ARA-Öl. Dieses Öl wird der Säuglingsnahrung als Quelle für mehrfach ungesättigten Fettsäuren zugesetzt, da diese Fettsäuren für die Entwicklung des Nervensystems und des Sehvermögens wichtig sind.
Nun liegt dieses ARA-Öl im Pulver der Säuglingsnahrung in Form winzigster Kapseln vor. Damit ist auch das Cereulid in dieser Kapsel eingeschlossen. Es hat sich gezeigt, dass es bei der bisher eingesetzten Standard-Untersuchungsmethode deutliche Unterschiede bei den Analyseergebnissen gibt, je nachdem, ob das Pulver untersucht wird oder die fertig zubereitete Säuglingsnahrung: im fertigen Flascherl lagen die Cereulid-Konzentrationen deutlich über jenen, die im Pulver gemessen wurden.
Nicht so bei der Untersuchungs-Methode der AGES. In der AGES wurde bereits vor vielen Jahren eine Analysenmethode für die Bestimmung von Cereulid etabliert, die laufend zur Untersuchung diverser Lebensmittel angewendet wird. Bei dieser Methode macht es keinen Unterschied, ob das Pulver oder die fertig zubereitete Nahrung untersucht werden: Die ermittelten Cereulid-Konzentrationen sind in beiden Fällen gleich.
Die Grundlage dafür liegt in der Aufbereitung der Proben, die es ermöglicht, die zu untersuchende Substanz zur Gänze aus dem Lebensmittel zu extrahieren. Ein weiterer Vorteil der AGES-Methode: Sie erlaubt auch bei weniger empfindlichen Geräten einen Nachweis von geringen Mengen an Cereulid.
Durch diese Methode und die enge Zusammenarbeit mit den Lebensmittelbehörden war Österreich das erste Land in der EU, in dem im Zuge der amtlichen Lebensmittelkontrolle mit Cereulid kontaminierte Proben entdeckt wurden. Die Europäische Kommission hat daher Ende Jänner allen Mitgliedstaaten die AGES-Methode für die Analytik von Cereulid zur Verfügung gestellt, um bei Bedarf eine Alternative zur Standard-Untersuchungsmethode etablieren zu können.
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