Gesundheit für Mensch, Tier, Pflanze & Umwelt

One Health auf dem Teller: Unser Essen verbindet Mensch, Tier, Pflanze und Umwelt

Symposium von AGES und Karl Landsteiner Privatuniversität in Krems stellt die Ernährung in den Mittelpunkt des One-Health-Ansatzes

Unser Essen macht sichtbar, wie eng die Gesundheit von Menschen, Tieren, Pflanzen und Umwelt miteinander verbunden ist. Der Boden, auf dem das Getreide wächst, das Wasser, in dem Fische leben, und die Tiere, von denen Milch, Eier und Fleisch stammen: Was dort geschieht, wirkt sich bis auf unseren Teller aus. Beim Symposium „One Health – Gemeinsam gesund: Mensch, Tier, Umwelt“ beleuchteten hochkarätige Expert:innen mehrerer österreichischer Universitäten und der AGES diese Zusammenhänge.

„Als Gesundheitsuniversität bilden wir die nächste Generation von Ärzt:innen und Gesundheitsfachleuten im vernetzten Denken über Mensch, Tier und Umwelt aus“, sagte Andrea Olschewski, Rektorin der Karl Landsteiner Privatuniversität. „Ernährung ist der Ort, an dem Medizin, Umwelt und Landwirtschaft zusammentreffen. Wer Menschen gesund halten will, muss verstehen, was in ihren Lebensmitteln steckt, woher sie kommen und unter welchen Bedingungen sie entstehen.“

„Nirgends wird One Health so greifbar wie bei unserem Essen. Entlang der Lebensmittelkette, vom Boden bis zum Teller, zeigt sich, wie eng die Gesundheit von Mensch, Tier, Pflanze und Umwelt miteinander verbunden ist“, betonte Johannes Pleiner-Duxneuner, Geschäftsführer der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES). „Darum ist One Health für uns mehr als ein Konzept: Es ist die Grundlage dafür, gemeinsam mit nationalen und europäischen Partnern an gesunden und nachhaltigen Agrar- und Lebensmittelsystemen zu arbeiten.“

Vom Boden bis zum Teller

Das Symposium in Krems brachte Human- und Veterinärmediziner:innen, Agrar-, Umwelt- und Wasserwissenschafter:innen an einen Tisch.

Am Anfang steht der Boden: Bis zu 80 Prozent der weltweiten Erntegüter weisen messbare Spuren von Schimmelpilzgiften auf. Der Klimawandel verschärft das Problem auch bei uns, machte Rudolf Krska (BOKU) in seinem Beitrag deutlich. Eine ebenso zentrale Rolle spielen (Trink)Wasserressourcen: Diese sind nicht mehr zu jeder Zeit und jedem Ort in unerschöpflicher Menge vorhanden, betonte Andreas Farnleitner (TU Wien und Karl Landsteiner Privatuniversität, ICC Water & Health). Gemeinsam mit Regina Sommer (MedUni Wien, ICC Water & Health) wird die Bedeutung von einwandfreiem Wasser für den menschlichen Gebrauch bis hin zur Wasserhygiene in Gesundheitseinrichtungen beleuchtet.

Wie Gewässer, Tiere und Ernährung zusammenhängen, veranschaulichte Martin Kainz (Universität für Weiterbildung Krems) am Waldviertler Karpfen: Eine 200-Gramm-Portion kann mehr Omega-3-Fettsäuren liefern, als die WHO pro Tag empfiehlt – Voraussetzung dafür ist ein intaktes Teichökosystem. AGES-Expertin Johanna Keßner stellte das Projekt AquaFeed vor, das untersucht, wie Fischfutter regional und nachhaltig in Österreich produziert und dabei Schlachtnebenprodukte von Fischen im Sinne der Kreislaufwirtschaft genutzt werden können. Petra Weiermayer (Universität Witten/Herdecke) beleuchtete die Rolle der integrativen Veterinärmedizin im One-Health-Ansatz.

Auf dem Teller angekommen, wirkt all das auf den Menschen. Umweltstress verändert Pflanzen bis auf die Ebene ihrer Proteine und kann damit auch deren biologische Eigenschaften beeinflussen, erklärte Victor Zevallos (Karl Landsteiner Privatuniversität). Sepp Fegerl (klu Academy) zeigte, wie Ernährung, Darm, Leber, Mikrobiom und Immunsystem zusammenspielen. Für Kurt Widhalm (MedUni Wien) spielt Ernährung eine wichtige Rolle beim Klimaschutz: Rund 20 Prozent der Treibhausgase in Österreich sind darauf zurückzuführen. Er plädierte deshalb für weniger Fleisch und mehr Regionalität und Saisonalität.

Wie komplex diese Zusammenhänge sind, zeigen Antibiotikaresistenzen, die Wolfgang Graninger (MedUni Wien) aus humanmedizinischer Sicht beleuchtete. Resistenzgene können auch über Gülle in landwirtschaftliche Böden gelangen und zwischen Umwelt, Tier und Mensch zirkulieren, erklärte Markus Wögerbauer (AGES). Über das Abwasser schließt sich der Kreis: Claudia Kolm (Karl Landsteiner Privatuniversität, ICC Water & Health) stellt eine neue EU-Richtlinie vor, die künftig eine verpflichtende Überwachung antimikrobieller Resistenzen im kommunalen Abwasser großer Siedlungsgebiete vorsieht.

Das Symposium zeigte damit: Gesunde Ernährung beginnt lange bevor Lebensmittel auf unserem Teller landen.

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