Hämorrhagische Krankheit der Kaninchen (RHD) und European Brown Hare Syndrom (EBHS)
Rabbit hemorrhagic disease, European Brown Hare Syndrome
Steckbrief
Die Hämorrhagische Krankheit der Kaninchen (RHD), als auch das European Brown Hare Syndrome (EBHS) sind virale Erkrankungen. RHD kann bei Wild- und Hauskaninchen und mittlerweile auch bei Feldhasen auftreten. Für das EBHS sind lediglich Feldhasen empfänglich. Beide Krankheiten sind für den Menschen ungefährlich.
Vorkommen
Weltweit
Wirtstiere
Haus- und Wildkaninchen (RHD), Feldhasen (RHD, EBHS)
Infektionsweg
Direkt von Tier zu Tier (über Sekrete und Exkrete), indirekt über verunreinigtes Wasser, Einstreu, Futter, Kleidung, Schuhe, Gegenstände, Hände, blutsaugende Insekten (insbesondere bei RHD).
Inkubationszeit
1-3 Tage
Symptomatik
Plötzliche Todesfälle ohne klinische Symptomatik oder nach akut auftretender Mattigkeit, Appetitlosigkeit, hohem Fieber (> 40 °C), blutigem Nasenausfluss sowie gelegentlich respiratorischen und neurologischen Symptomen. Erkrankte Tiere verenden in der Regel nach 12-72 Stunden.
Therapie
Es gibt keine Therapie
Vorbeugung
Für die RHD sind Impfstoffe verfügbar. Biosicherheitsmaßnahmen zur Verhinderung der Einschleppung in den Bestand sind sinnvoll.
Situation in Österreich
RHD wird bei Haus- und Wildkaninchen in Österreich immer wieder beobachtet. Größere Ausbrüche bei Wildkaninchen wurden 2016 in Wien und 2022 in der Steiermark nachgewiesen. 2025 wurden in der AGES 8 Fälle von RHD bei Hauskaninchen diagnostiziert, weitere 10 Fälle wurden uns über die Veterinärmedizinische Universität Wien eingemeldet.
2025 konnten keine EBHS Fälle in der AGES festgestellt werden, während die Veterinärmedizinische Universität Wien über 5 Fälle berichtete.
Fachinformation
Die Hämorrhagische Krankheit der Kaninchen (rabbit hemorrhagic disease, RHD oder Chinaseuche) kann bei seuchenhaftem Auftreten hohe wirtschaftliche Verluste in der Kaninchenfleisch- und Pelzindustrie verursachen. Ein Ausbruch hat signifikante negative ökologische Auswirkungen auf wilde Kaninchenpopulationen und indirekt auch auf deren Fressfeinde. Die RHD ist seit den 1980er Jahren bekannt.
Erreger:
Der Erreger der Hämorrhagischen Krankheit der Kaninchen ist das RHD-Virus (RHDV), ein unbehülltes, einzelsträngiges RNA-Virus aus der Virusfamilie der Caliciviridae (Genus: Lagovirus). Das Virus ist außerhalb des Wirtes sehr widerstandsfähig. Im Jahr 2010 wurde in Frankreich vom Auftreten einer neuen Variante des RHD-Virus berichtet, welches als RHD-Virus 2 (RHDV-2) bezeichnet wird. Die Hämorrhagische Krankheit der Kaninchen (RHD) wurde erstmals 1984 in China beschrieben. Wenige Jahre später wurde ein seuchenhaftes Auftreten dieser Erkrankung auch in Europa festgestellt.
Eine sehr ähnliche Virusinfektion, ebenfalls verursacht durch ein Calicivirus aus dem Genus Lagovirus, war zuvor bei Feldhasen unter der Bezeichnung European Brown Hare Syndrome (EBHS) nachgewiesen worden.
Das Virus der Hämorrhagischen Krankheit der Kaninchen (RHDV) ist weltweit verbreitet. Die Ausbreitung erfolgte unter anderem auch durch Import/Export von Kaninchenfleisch. Ausgangspunkt für die Verbreitung des Virus in Australien war eine dem australischen Kontinent vorgelagerte Insel. Dort wurde das Virus experimentell zur Dezimierung der Wildkaninchenpopulation eingesetzt.
Das Wirtspektrum umfasst Haus- und Wildkaninchen (Oryctolagus cuniculus). Das klassische RHD-Virus ist sehr wirtspezifisch und nicht ansteckend für den Menschen und andere Säugetiere. Im Gegensatz zum „klassischen“ RHDV sind für das RHDV-2 auch Feldhasen empfänglich. An RHDV-2 können Kaninchen schon ab einem Alter von 10-15 Tagen erkranken. In Deutschland wurden erstmals 2014 Fälle von RHDV-2-Infektionen nachgewiesen, in Österreich im Jahr 2016. Über RHDV-Infektionen bei Haus- und Wildkaninchen wird in Österreich immer wieder berichtet.
Bekämpfung und Prävention der RHD erfolgt über Impfprophylaxe und Verhinderung der Einschleppung in Kaninchenbestände. Es wird berichtet, dass monovalente RHDV-Impfstoffe nach Grundimmunisierung gefolgt von halbjährlichen Auffrischungsimpfungen einen zusätzlichen Schutz gegen schwere klinische Ausprägungen einer RHDV-2-Infektion bieten. Seit Herbst 2016 ist für Mastkaninchen europaweit ein spezifischer RHDV-2 Impfstoff zugelassen. Bei den verschiedenen am Markt erhältlichen Impfstoffen sollte auf die Abdeckung von RHDV-2 und die empfohlenen Impfabstände geachtet werden. Detaillierte Informationen über Impfungen erhalten Sie bei Ihrem Tierarzt.
Übertragung
Die Erregerübertragung erfolgt direkt von Tier zu Tier (über Sekrete und Exkrete) und indirekt über kontaminierte unbelebte und belebte Vektoren (z. B. verunreinigtes Wasser, Futter, Einstreu, Kleidung, Schuhe, Gegenstände, Hände, blutsaugende Insekten). Die Erregeraufnahme kann oral, nasal, konjunktival und parenteral über blutsaugende Insekten erfolgen.
Symptomatik
Die Erkrankung ist durch einen meist perakuten Verlauf gekennzeichnet, der mit einer nekrotisierenden Hepatitis (Leberentzündung) und generalisierten Gerinnungsstörung einhergeht. Erkrankte Tiere verenden in der Regel nach 12-72 Stunden. Die Inkubationszeit beträgt 1-3 Tage. Jungtiere bis zu einem Alter von ca. 2 Monaten erkranken nicht an klassischer RHDV-Infektion (juvenile Resistenz), während sie aber schon an RHDV-2-Infektion erkranken können.
Der perakute/akute Verlauf zeichnet sich durch plötzliche Todesfälle ohne klinische Symptomatik oder nach akut auftretender Mattigkeit, Appetitlosigkeit, hohem Fieber (> 40 °C), blutigem Nasenausfluss sowie gelegentlich respiratorischen und neurologischen Symptomen (z. B. Opisthotonus, Paralysen, Ataxie) aus.
Der subakute/chronische Verlauf hingegen kommt selten vor und ist gekennzeichnet durch eine mildere klinische Symptomatik: Ikterus, Appetitlosigkeit, Lethargie. Eine Rekonvaleszenz nach der Erkrankung ist eher untypisch.
Der Erreger vom European Brown Hare Syndrome (EBHS) ist das EBHS-Virus (EBHSV), ein ebenfalls unbehülltes, einzelsträngiges RNA-Virus aus der Virusfamilie der Caliciviridae (Genus: Lagovirus). Das Virus ist eng verwandt mit dem RHD-Virus und löst sehr ähnliche seuchenhafte Krankheitsverläufe bei Feldhasen aus. Die zuvor beschriebenen Charakteristiken der hämorrhagischen Krankheit der Kaninchen treffen überwiegend auch auf das EBHS zu. Wesentliche Unterschiede zur RHD bestehen in der Wirtspezifität (nur Feldhasen erkranken) sowie darin, dass bei Feldhasen unter 50 Tagen eine Jungtierimmunität besteht. Für EBHS sind keine Impfstoffe verfügbar.
Diagnostik
Hauptbefunde der Obduktion bei verendeten Kaninchen sind eine trockene, brüchige, zunderfarbene Leber, Stauungsorgane, kleinere Blutungen, Milzschwellung und Lungenödem. Bei RHDV-2 Infektionen können die makroskopischen Befunde auch unspezifisch ausfallen.
Histologisch dominiert eine akute Hepatitis bedingt durch den virusinduzierten Untergang zahlreicher Leberzellen und akute Stauungsorgane mit begleitenden Blutungen infolge Blutgerinnungsstörungen und Mikrothrombenbildung. Anhand der Obduktions- und histologischen Befunde ist die Diagnose von RHD relativ sicher, eine Unterscheidung zwischen RHDV und RHDV-2 ist jedoch nicht möglich. Die Unterscheidung erfolgt mittels molekularbiologischer Methoden.
Bei einem Verdacht wird empfohlen, den Tierkörper zur pathologischen Untersuchung an einschlägige Institute, z. B. an das Institut für Veterinärmedizinische Untersuchungen Mödling einzuschicken.
Kontakt
Institut für veterinärmedizinische Untersuchungen Mödling
- vetmed.moedling@ages.at
- +43 50 555 38112
-
Robert Koch-Gasse 17
2340 Mödling
Aktualisiert: 10.07.2026