Gemeiner Stechapfel
Datura stramonium
Steckbrief
Der Gemeine Stechapfel ist eine sommerannuelle, giftige Pflanze aus der Familie der Nachtschattengewächse. Die Pflanze ist in den letzten Jahrzehnten zu einem wichtigen Unkraut geworden.
Aussehen
Die Blätter des Gemeinen Stechapfels sind oberseits dunkelgrün, lang gestielt, eiförmig, spitz, gelappt und teilweise sehr groß (20 cm Durchmesser). Die Art zeichnet sich durch eine große Variabilität im Aussehen aus. Je nach Nährstoff-, Wasser- und Konkurrenzverhältnissen kann die Wuchshöhe zum Zeitpunkt der Samenreife von wenigen Zentimetern bis mehr als 150 cm variieren.
Die Trompetenblüten stehen aufrecht in den Astgabeln. Aus ihnen bildet sich eine charakteristische dicht bestachelte, walnussgroße Kapsel, in der sich tiefbraune bis schwarzen Samen befinden.
Verbreitung
Der Gemeine Stechapfel kommt in allen Bundesländern vor. Die Pflanze besiedelt vor allem nährstoffreiche Ruderalflächen (u.a. Müllplätze, Komposthaufen, städtische Brachen/Ödland) und Äcker.
Die Art ist erst in den letzten Jahrzehnten zu einem wichtigen Unkraut geworden. Ein verstärktes Auftreten wurde erstmals in den 1990er Jahren beobachtet. Die „Hotspots“ des Stechapfels in der Landwirtschaft befinden sich gegenwärtig in den warmen Tieflagen im nördlichen Burgenland und im östlichen Niederösterreich. In der Süd- und Südoststeiermark und in Oberösterreich konnten in den letzten Jahren Vorkommen in den Äckern beobachtet werden. Für Kärnten gibt es nur vereinzelte Nachweise in Äckern. Weiter im Westen sind bisher keine Vorkommen in Äckern beschrieben worden.
Die Landesfläche Österreichs, die für den Stechapfel unter den gegenwärtigen Klimabedingungen hoch bis sehr hoch geeignet ist, liegt bei über 70 % und umfasst mehr als 90 % der Ackerfläche.
Ausbreitung und Übertragung
Natürliche Ausbreitung: Samen werden aus den Kapseln beim Aufplatzen und auch durch Windbewegungen bis zu einer Entfernung von 1 bis 3 m von der Mutterpflanze verbreitet.
Anthropogene Ausbreitung: Samen werden mit Hilfe landwirtschaftlicher Geräte und Erntemaschinen über große Distanzen verschleppt.
Wirtschaftliche Bedeutung
Als Wärmekeimer läuft der Gemeine Stechapfel spät auf und ist daher auf Äckern besonders in sommereinjährigen Kulturen u.a. bei Mais, Sojabohne, Kartoffel, Sonnenblume und Hirse zu finden. Eine verstärkte Zunahme des Stechapfels wurde zuletzt auch in Gemüsekulturen beobachtet.
Besonders in Feldkulturen mit einer geringen Wuchshöhe kann der Gemeine Stechapfel eine hohe Konkurrenzkraft entfalten und für Ertragseinbußen sorgen. Deutlich problematischer ist, dass die gesamte Pflanze sehr stark giftig ist, denn sie enthält organische Verbindungen (Tropanalkaloide). Verunreinigungen entstehen dann, wenn das Erntegut mit Pflanzenteilen und Pflanzensäften des (grünen) Stechapfels während der Ernte in Kontakt kommt. Relativ geringe Mengen dieser Alkaloide können bei der Aufnahme mit der Nahrung zu Vergiftungen (Sinnestäuschungen, Übelkeit, Benommenheit, Atemlähmung) führen.
Vorbeugung und Bekämpfung
Indirekte und direkte Maßnahmen
- Ausbreitung bzw. Eintrag in die Äcker verhindern: Kontrolle der Randbereiche und Übergangsbereiche der Äcker (Feldraine, Brachen), Bodenmaterial, Erntemaschinen können mit Samen verunreinigt bzw. kontaminiert sein
- Fruchtfolge/Wechsel von Sommer- und Winterungen
- Dichte, gleichmäßige Bestände unterdrücken den Stechapfel besser. Aussaatstärke anpassen und auf hohe Saatgutqualität achten
- Mechanische Unkrautbekämpfung mit Striegel und Hacke. Der Striegel hat nur eine Wirkung bei kleinen Individuen. Scharhacken erfassen auch größere Pflanzen. Exemplare in der in der Reihe werden oftmals nur schlecht bekämpft.
- Auswahl und Einsatz wirksamer Herbizide in den Kulturen (Verzeichnis der in Österreich zugelassenen Pflanzenschutzmittel)
Kontrolle der Bestände
- Kontrollgang vor dem Bestandesschluss, aber spätestens vor der Ernte: Individuen müssen vor der Samenbildung entfernt werden.
- Entfernung am besten durch Herausreißen oder Ausgraben (Handschuhe tragen!).
- Entsorgung: Wenn die Pflanze vor der Ausbildung von Samenkapseln entfernt wird, kann das Pflanzenmaterial getrocknet werden, vorzugsweise unter kontrollierten Bedingungen auf Flächen, auf denen ein Austreiben mit Anwurzeln der ausgerissenen Pflanzen unterbunden wird. Nach der Blüte und zum Beginn der Kapselbildung sollten die Pflanzen vom Feld verbracht werden. Die Samenkapseln des Stechapfels reifen nach und können keimfähige Samen bilden. Betriebe sollten nach Möglichkeit das Pflanzenmaterial in qualitätsgesicherten Kompost- oder Biogasanlagen entsorgen.
Fachinformation
Publikationen
Follak S, Biçici UC, Griesbacher A, Kuchling S, Reiter E, Schwarz M, Treiblmeier M, Riegler-Nurscher P (2026): Datura stramonium L. in soybean in Austria: risk areas, extent of late-season infestation and management implications. Die Bodenkultur: Journal of Land Management, Food and Environment 77, 1–11.
Follak S, Biçici UC, Griesbacher A, Kuchling S, Reiter E, Schwarz M, Treiblmeier M, Riegler-Nurscher P (2025): Verunkrautung von Sojabohne mit Stechapfel. Der Pflanzenarzt 78(8), 12–15.
Follak S, Essl F, Glaser M, Hörmann GM (2025): Potenzielle Verbreitungsgebiete wichtiger Problemunkräuter. Der Pflanzenarzt 78(5) 16-18.
Follak S, Reiter E, Riegler-Nurscher P, Treiblmeier M (2024): Stechapfelerkennung mittels Drohnen. Der Pflanzenarzt 77(6-7), 14–15.
Follak S, Hochfellner L, Schwarz M (2023): Aufgepasst! Der Stechapfel wird immer mehr zum Problem. Der Pflanzenarzt 76 (6-7), 30–31.
Projekte
StopDatura: Strategien zur Vermeidung einer Kontamination von landwirtschaftlichen Kulturen mit Datura stramonium und seinen Alkaloiden
AgriWeedClim: Neue Unkrautarten unter dem Einfluss von Klima- und Landnutzungsänderungen in Mitteleuropa
Services
Aktualisiert: 15.06.2026