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Verteilung der Radionuklide im Waldökosystem

Der vorliegende Endbericht untersucht die Verteilung von Radionukliden – insbesondere Cäsium 137, Strontium 90 und Plutoniumisotopen – in österreichischen Waldökosystemen und die Belastung von Pilzen mit Cäsium 137.

Die Belastung mit Cs-137 geht in Österreich überwiegend auf die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl im Jahr 1986 zurück, wobei die Höhe des Eintrags stark von den lokalen Niederschlagsereignissen unmittelbar nach dem Unfall abhing. Dadurch weisen vor allem die Regionen Oberösterreich, Salzburg, die nordwestliche Steiermark sowie Teile Kärntens bis heute deutlich erhöhte Bodenaktivitäten auf. Ein kleinerer Teil des Cs-137 stammt aus den oberirdischen Kernwaffentests der 1950er bis 1980er Jahre. Da Radionuklide in Wäldern kaum durch landwirtschaftliche Bearbeitung aus dem System entfernt werden, verbleiben sie besonders lange in der Humusschicht und können dort von Pflanzen und Pilzen aufgenommen werden.

Die Studie basiert auf umfangreiche Probenahmen der Jahre 2022 und 2023. Es wurden zwei Projekte durchgeführt. Bei einem Projekt handelte es sich um ein Pilzmonitoring im Auftrag vom Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz (BMASGPK). Dieses konzentrierte sich darauf in Eierschwammerln, Steinpilze, Maronenröhrlinge und Parasole Cäsium 137 zu bestimmen. Dafür wurden aus vielen Gebieten in Österreich von allen Bundesländern (außer Wien) Proben gezogen. Dabei wurde darauf geachtet, dass die Pilze aus Standorten gesammelt wurden, die unterschiedlich stark von Tschernobyl betroffen waren.

Beim zweiten Projekt mit dem Titel „Verteilung der Radionuklide im Waldökosystem“ im Auftrag der Abteilung V/8 Strahlenschutz des damaligen Bundesministeriums für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie (BMK), welche jetzt im Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft (BMLUK) angesiedelt ist, wurden hauptsächlich Standorte ausgewählt, die von Tschernobyl stärker betroffen waren. Beprobt wurden verschiedene Wildpilze, wie etwa Frauentäubling, Goldröhrling, Ockertäubling, Reifpilz, Semmelstoppelpilz, Trompetenpfifferling und Violetter Lacktrichterling.

Insgesamt zeigt die Studie, dass Waldökosysteme Radionuklide über Jahrzehnte konservieren und dass Pilze ein zentrales Element im Transfer dieser Stoffe darstellen. Das Verhalten von Cs-137 und dessen Aufnahme in Pilze ist komplex und stark variabel. Für zukünftige radiologische Ereignisse liefern die gewonnenen Transferfaktoren jedoch eine wichtige Grundlage, um rasch abschätzen zu können, wie hoch potenzielle Pilzbelastungen ausfallen könnten und welche Arten in welchem Ausmaß betroffen wären.

Aktualisiert: 14.09.2022

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