Mikroplastik ist überall - in unserer Umwelt, im menschlichen Körper und in den Schlagzeilen. Medial zugespitzte Berichte über Kunststoffteilchen wie „Der Mensch isst pro Woche eine Kreditkarte“ oder „Im Gehirn befindet sich so viel Plastik wie in einem Plastiklöffel“ prägen die öffentliche Debatte, obwohl sie wissenschaftlich zum Teil widerlegt sind und noch keine Aussage über tatsächliche gesundheitliche Wirkungen erlauben. „Die Forschung zu Mikroplastik hat in den vergangenen Jahren enorme Fortschritte gemacht. Nach aktuellem Stand der Wissenschaft stellt Mikroplastik eher ein geringes Gesundheitsrisiko für den Menschen dar. Dennoch bestehen Datenlücken, die für eine wissenschaftliche Risikobewertung geklärt werden müssen“, sagt AGES-Geschäftsführer Johannes Pleiner-Duxneuner.
„Grundsätzlich kann Mikroplastik in die Nahrung gelangen“, betont auch Andreas Hensel, Präsident des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR): „Wissenschaftliche Hinweise darauf, dass Mikroplastik in Lebensmitteln ein gesundheitliches Risiko darstellt, liegen derzeit nicht vor. Mit unserer Forschung wollen wir Wissenslücken zur Partikelgröße, zum Gehalt in Lebensmitteln sowie zur Wirkung auf die menschliche Gesundheit schließen.“ Bei einer Verbraucher:innen-Informationsveranstaltung der AGES in Kooperation mit dem Deutschen BfR und dem Forschungsverbund „Umwelt und Klima“ der Universität Wien wird der aktuelle Wissensstand zu Mikroplastik in Menschen und Umwelt von Expertinnen und Experten eingeordnet und Fragen über Risiken, Wahrnehmung und Verantwortung sachlich diskutiert.
Mikroplastik ist ein komplexes Thema, das Umwelt, Gesundheit und Politik gleichermaßen betrifft. „Veranstaltungen wie diese helfen, wissenschaftliche Erkenntnisse verständlich zu vermitteln und gemeinsam Lösungen zu diskutieren“, so Thilo Hofmann, Co-Direktor des Environment and Climate Research Hub (ECH) der Uni Wien: „Ein oft unterschätzter Faktor ist der Reifenabrieb: Er ist eine der größten Quellen für Mikroplastik und darin enthaltene Schadstoffe in der Umwelt. Durchschnittlich entsteht pro Person rund ein Kilogramm Mikroplastik pro Jahr allein durch den Abrieb von Autoreifen.“ Österreich ist diesbezüglich auf europäischer Ebene aktiv und verfügt über einen nationalen Aktionsplan Mikroplastik.
Die Veranstaltung „Mikroplastik verstehen!“ ist eine wichtige Gelegenheit für alle, die sich jenseits von Schlagzeilen mit Mikroplastik und möglichen Lösungsansätzen beschäftigen wollen. Die Erforschung gesundheitlicher Auswirkungen von Mikro- und Nanoplastik auf den Menschen hat erst 2015 richtig Fahrt aufgenommen. Allerdings verführt der Befund „konnte nachgewiesen werden“ oft zur Dramatisierung und birgt kaum Aussagekraft zu einer möglichen Gesundheitsgefährdung. Expertinnen und Experten aus der Risikokommunikation und -Bewertung, der Pharmazie und Analytik, der Krebsforschung und Pathologie sowie der Mikrobiom- und Mikroplastikforschung bringen uns auf den neuesten Stand. Eine Podiumsdiskussion beleuchtet die gesellschaftlichen und regulatorischen Herausforderungen und stellt die Frage, was wir von Mikroplastik für kommenden Innovationen lernen können, indem ein technischer Fortschritt auch bis zu seinen Rückständen und Folgen durchdacht wird.