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Phytophthora ramorum

Phytophthora ramorum

Steckbrief

Bei Phytophtora ramorum handelt es sich um eine Pilzerkrankung, die eine Vielzahl von Pflanzen (sowohl Zierpflanzen als auch Forstpflanzen) befällt. Den Befall erkennt man an Blattflecken, Triebsterben und dunklen Verfärbungen der Rinde. Phytophthora ramorum ist auf der Liste der Unionsquarantäneschaderreger gelistet und zählt zu zählt zu jenen Krankheitserregern, die im Unionsgebiet nicht vorkommen. Dies gilt allerdings nur für die außereuropäischen Isolate.

Biologie

Phytophthora ramorum zählt zu den Oomyceten (Eipilze) und ist sehr gut an ein Leben im Wasser angepasst. Bei ausreichender Boden- oder Blattfeuchte werden rasch Sporangien in hoher Anzahl ausgebildet. Diese entlassen zahlreiche Zoosporen, die sich im Wasser aktiv fortbewegen können. So können sie ihre Wirtspflanzen erreichen. Zur Überdauerung werden dickwandige Chlamydosporen gebildet. Geschlechtliche Oosporen sind in der Natur noch nicht nachgewiesen worden. Phytophthora ramorum bevorzugt gemäßigte Temperaturen zwischen 15 und 25 °C.

Schadsymptome

Phytophthora ramorum verursacht drei verschiedene Schadbilder:

  • Blattflecken
  • Triebsterben
  • Kambiumnekrosen mit "Teerflecken" und Schleimfluss

Je nach Gehölzart können eine oder mehrere dieser Symptomausprägungen auftreten. Am häufigsten findet man Blattflecken. Diese können dunkelbraun bis schwarzbraun gefärbt sein, wie zum Beispiel bei Rhododendron, oder auch hellbraun bis dunkelbraun wie bei der Kalifornischen Rosskastanie. Die Flecken sind meist scharf begrenzt.

Wenn sie im Zusammenhang mit Triebinfektionen stehen, verläuft die Infektion über die Blattbasis hin zur Blattspitze. Die Mittelrippe ist dann stark verbräunt. Beim Triebsterben verfärben sich die infizierten Triebe meist dunkelbraun bis schwarzbraun. Die Verfärbung kann, je nach Gehölzart, entweder von der Triebspitze (Rhododendron), von der Triebmitte oder auch von der Triebbasis ausgehen.

Kambiumnekrosen findet man überwiegend an Pflanzen aus der Familie der Buchengewächse (Fagaceae, wie z.B. Buche (Fagus), Eiche (Quercus), Lithocarpus) und an Schneeball (Viburnum). Äußerlich kann man diese Nekrosen häufig anhand dunkler Verfärbungen der Rinde, so genannten "Teerflecken", kombiniert mit Schleimfluss, erkennen. Entfernt man die verfärbten Rindenbereiche, so findet man das Gewebe meist deutlich rot bis schwarzbraun verfärbt. Oft sind je nach Holzart zahlreiche scharf vom gesunden, aber auch vom erkrankten Gewebe abgegrenzte Bereiche in Form von rötlichen Linien sichtbar. Zu Beginn der Infektion sind diese Verfärbungen meist auf einige wenige, linsenförmige Stellen beschränkt. Mit Fortschreiten der Krankheit fließen diese immer mehr ineinander. Diese Stammnekrosen treten bevorzugt am Stammgrund auf und ziehen sich dann stammaufwärts. Mitunter kommt es jedoch auch zu Nekrosen im Kronenbereich, bei denen jedoch keine Verbindung zur Stammbasis beobachtet werden konnte.

Wirtspflanzen

Phytophthora ramorum hat einen extrem großen Wirtspflanzenkreis. Zu den bevorzugten Wirten zählen:

Acer macrophyllum, Acer pseudoplatanus, Adiantum aleuticum, Adiantum jordanii, Aesculus californica, Aesculus hippocastanum, Arbutus menziesii, Arbutus unedo, Arctostaphylos spp., Calluna vulgaris, Camellia spp., Castanea sativa, Fagus sylvatica, Frangula californica, Frangula purshiana, Fraxinus excelsior, Griselinia littoralis, Hamamelis virginiana, Heteromeles arbutifolia, Kalmia latifolia, Laurus nobilis, Leucothoe spp., Lithocarpus densiflorus, Lonicera hispidula, Magnolia spp., Michelia doltsopa, Nothofagus obliqua, Osmanthus heterophyllus, Parrotia persica, Photinia x fraseri, Pieris spp., Pseudotsuga menziesii, Quercus spp., Rhododendron spp. (mit Ausnahme von Rhododendron simsii), Rosa gymnocarpa, Salix caprea, Sequoia sempervirens, Syringa vulgaris, Taxus spp., Trientalis latifolia, Umbellularia californica, Vaccinium ovatum und Viburnum spp.

Verbreitung

Die Verbreitung von Phytophthtora ramurum erfolgt über infizierte Pflanzen, kontaminierte Erde und Wasser sowie Regen- und Nebeltropfen. In Europa tritt Phytophthora ramorum in erster Linie an Zierpflanzen auf und wurde auch mit dem Handel von Zierpflanzen verschleppt. Begünstigt wird dies dadurch, dass der Erreger auch latent in seinen Wirtspflanzen vorkommen kann. Dies bedeutet, dass der Erreger zwar die Pflanze befallen hat, es jedoch keine sichtbaren Symptome gibt.

Ausbreitung und Übertragung

Wunden stellen ideale Eintrittspforten für den Erreger dar, doch auch über natürlichen Öffnungen wie Stomata oder Lentizellen oder gesundes Gewebe kann der Erreger in die Pflanzen eindringen. Feucht-warme Witterung fördert die Krankheit. Neben hoher Luftfeuchtigkeit bevorzugt P. ramorum gemäßigte Temperaturen. Ein Überleben im Winter ist im Boden und in der Laubstreuschicht möglich.

Wirtschaftliche Bedeutung

Wirtschaftlich bedeutend ist Phytophthora ramorum vor allem für Baumschulen. Beim Import von möglichen Wirtspflanzen aus außereuropäischen Ländern müssen diese frei von Befall sein.

Vorbeugung und Bekämpfung

  • Verwendung von gesundem Pflanzmaterial
  • Sofortige Kontrolle von zugekauften Pflanzen auf Symptome beim Eintreffen im Betrieb
  • Regelmäßige Befallskontrollen während der Kultur
  • Staunässe und Überkopfbewässerung vermeiden
  • keine Überdüngung mit Stickstoff

Phytosanitärer Status

Phytophthora ramorum ist auf der Liste der Unionsquarantäneschaderreger gelistet und zählt zu zählt zu jenen Krankheitserregern, die im Unionsgebiet nicht vorkommen. Dies gilt allerdings nur für die außereuropäischen Isolate.

Fachinformation

Phytophthora ramorum bildet in Kultur auf Karottensaft- oder Möhrenschnitzel-Agar zahlreiche meist terminal stehende, dickwandige Chlamydosporen. Sie sind kugelig, hyalin bis leicht pigmentiert und ihr Durchmesser beträgt 20–91 µm (Durchschnitt 46–60 µm). Die semi-papillären Sporangien sind hyalin, elliptisch bis länglich-eiförmig und kurz gestielt. Die Gesamtgröße der der Sporangien 25–97 x 14–34 µm (Durchschnitt 54–56 x 27–28 µm). Das Verhältnis von Länge zu Breite liegt zwischen 1,8 und 2,4. Das Myzel ist koralloid und die Hyphen weisen keine Schwellungen auf. In Wasser keimen die Sporangien mit begeißelten Zoosporen.

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Aktualisiert: 08.04.2022

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