Gesundheit für Mensch, Tier & Pflanze

Pferdenessel

Solanum carolinense

Steckbrief

Die Pferdenessel ist eine ausdauernde Staude aus der Familie der Nachtschattengewächse. Sie ist ein bedeutendes Unkraut in vielen landwirtschaftlichen Kulturen und im Grünland.

Aussehen

Die Pferdenessel wird bis zu 120 cm hoch, besitzt mit harten, dornenartigen Stacheln versehene Stängel und Blätter und hat violette bis weiße Blüten (Juli/August). Im Spätherbst reifen rundliche, 8-20 mm große, gelbe bis gelb-orange Beerenfrüchte, die jeweils 40-170 Samen enthalten können. Die Pflanze besitzt ein charakteristisches Wurzelsystem, bestehend aus einer Pfahlwurzel und horizontal wachsenden Wurzeln. Diese verlaufen in Bodentiefen bis 45 cm und werden mehrere Meter lang. 

Verbreitung

Die Pflanze stammt ursprünglich aus den Golfstaaten der USA und kommt dort gegenwärtig von Florida im Süden bis in den Norden in Ontario (Kanada) vor.   Das erstmalige Auftreten der Art in Österreich liegt aller Wahrscheinlichkeit nach in der Steiermark. Dort wurde die Art ab 1998 mehrfach am Rand eines Maisfelds in der Ortschaft Großklein beobachtet. Die Pferdenessel wurde später im Jahre 2004 in Pischeldorf (Kärnten) beschrieben. Die gegenwärtigen Vorkommen der Pferdenessel sind auf lokale, isolierte Populationen in der Steiermark und in Kärnten beschränkt, gleichwohl eine kleinräumige Ausbreitung in der Steiermark (Raum Leibnitz) beobachtet wurde. Vorkommen gibt es auch in den Nachbarländern u.a. in Italien und in Deutschland. 

Ausbreitung und Übertragung

Die Ausbreitung der Pflanzen erfolgt vegetativ durch Rhizome und generativ durch Samen. Aufgrund der meterlangen, horizontal verlaufenden Wurzeln kann die Pflanze innerhalb weniger Jahre eine große Fläche bedecken. Landwirtschaftliche Maschinen zerteilen bei der Bodenbearbeitung das Wurzelsystem und verschleppen dadurch Rhizomstücke innerhalb der Ackerfläche (diese haben eine enorme Regenerationsfähigkeit: Wurzelstücke > 2 cm können sich regenerieren). Eine Ausbreitung über größere Distanzen erfolgt durch Tiere, welche die Früchte verzehren, durch Rhizomstücke in Bodenmaterial, welches an landwirtschaftlichen Maschinen anhaftet und durch verunreinigtes Saatgut aus befallenen Ackerflächen. Modellierungen haben gezeigt, dass sich die Pferdenessel auf fast 73 % (entspricht ca. 19.950 km2) der landwirtschaftlich genutzten Fläche in Österreich ein günstiges Klima findet und sich etablieren kann.

Wirtschaftliche Bedeutung

Die Pferdenessel ist ein bedeutendes Unkraut in vielen landwirtschaftlichen Kulturen und im Grünland, denn sie hat viele Merkmale eines „idealen“ Unkrauts und Invasoren (d.h. eine hohe Samenproduktion & Regenerationsfähigkeit). Darüber hinaus stehen in den meisten Kulturen (u. a. in Ölkürbis, Kartoffel und Sojabohne) in Österreich keine ausreichend wirksamen Herbizide zur Verfügung. Eine Mahd vor der Blüte, eine Einzelpflanzenbehandlung mit nicht selektiven Herbiziden und der Anbau konkurrenzstarker Kulturen (Mais) können die Pferdenessel zurückdrängen. Eine Verschleppung von Samen oder Wurzelstücke in andere Flächen ist tunlichst zu vermeiden.

Vorbeugung und Bekämpfung

  • Es gilt möglichst rasch, aufkommende Populationen zu lokalisieren und einzudämmen. Die Beobachtungen zeigen, dass ein Befall eines Ackers oft vom Feldrand (Straßenrand) her geschieht, daher sollte hier das Augenmerk darauf liegen. 
  • Sehr kleine Population lassen sich womöglich noch händisch (Ausgraben) entfernen, gleichwohl das Wurzelsystem sehr tief reicht oder mit einer Spotbehandlung kontrollieren.
  • Informationen zur Wirksamkeit von Herbiziden sind rar. Unterdrückend (> 80 % Wirkungsgrad) wirkten in experimentellen Untersuchungen beispielsweise das Glyphosat und die Wirkstoffkombination Tritosulfuron + Dicamba (siehe Verzeichnis der in Österreich zugelassenen Pflanzenschutzmittel)

Fachinformation

Publikationen

Follak, S., 2019. Neues zur Pferdenessel. Der Pflanzenarzt 72(9-10), 22–23.

Follak, S., 2020. Distribution and small-scale spread of the invasive weed Solanum carolinense in Austria. EPPO Bulletin 50, 322–326. DOI: 10.1111/epp.12644.

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Aktualisiert: 28.06.2022

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