Holunderblüten
Steckbrief
Der Holunder wächst nicht nur gern in der Nähe von Menschen, er dient uns auch seit jeher zu Nahrungs- und Heilzwecken. Sowohl seine hellen, weiß leuchtenden Blüten, als auch seine dunklen schwarzen Beeren haben in Küche und Hausapotheke ihren Platz. Viele Märchen und Lieder handeln vom Strauch der Holle und verraten ein wenig über seine einstige Zauberkraft.
Verwendung

Als Heilpflanze hat der Schwarze Holunder eine lange Tradition. Bereits in der Antike galt er als universell einsetzbare Arzneipflanze. Erst Jahrhunderte später setzte man den Holunder bei Fieber und Infekten der Atemwege ein.
Holunder galt durch seine vielfältigen Einsatzmöglichkeiten bei Krankheiten und als wichtiger Vitamin C-Lieferant als „Apotheke der armen Leute“.
In der Volkskunde und Mythologie galt der Holler als ein „heiliger Baum der Ahnen“ und als eine Art „Tor in die Anderswelt“ und durfte nicht gefällt werden. Aus der germanischen Göttin Hel oder Holle, der er geweiht war, wurde später im Grimm-Märchen die „Frau Holle“. Der Holler ist ebenso zweideutig wie seine Göttin, er ist zugleich Heiler aber auch giftig, blüht leuchtend weiß, hat aber dunkle Beeren.
Kulturholunder wird in Österreich seit den 70ern genutzt. An der Forschungsanstalt Klosterneuburg, einer unserer Genbanken, wurde die Hauptsorte Haschberg, selektiert.
Trotz dieses hohen Stellenwerts in der traditionellen Medizin liegen nur wenige wissenschaftliche Untersuchungen vor. Ein wässriger Auszug aus Holunderblüten zeigte in Laborversuchen Hinweise auf eine immunmodulierende Wirkung, Inhaltsstoffe der Früchte zeigen antivirale Effekte.
Die heute handelsübliche pharmazeutische Droge besteht aus den getrockneten Blüten von Sambucus nigra L. und wird als schweißtreibendes Mittel bei Erkältungskrankheiten eingesetzt.
Die Blüten enthalten neben ätherischem Öl Flavonoide, Triterpene, Triterpensäuren, Mineralstoffe, Gerb- und Schleimstoffe. Aus den Blütenständen bereitet man seit jeher Hollerpalatschinken oder süßen Holunderblütensirup zu oder trocknet sie als Teedroge für die kalte Jahreszeit.
Die Beeren waren ein wichtiger Vitaminspender in der kargen Winterzeit. Sie wurden und werden zu Sirup oder oft gemeinsam mit anderen Früchten zu Hollerkoch und Marmelade eingekocht. Durch das Kochen werden unverdauliche Stoffe, die zu Verdauungsbeschwerden und Brechreiz führen können, unschädlich gemacht. Die frischen Früchte sind nicht zum Verzehr geeignet.
Botanik
Von den weltweit neun Hollerarten kommen drei in Europa bzw. Österreich vor. Zwei davon sind ungenießbar bzw. sogar giftig. Einzig der Schwarze Holunder ist für den Menschen teilweise genießbar, ja sogar heilsam. Der Strauch, selten ein Bäumchen, gehört zur Familie der Schneeballgewächse (Viburnaceae) und wird bis zu 7 m hoch.
Die Blätter des Holunders sind gegenständig, unpaarig gefiedert, zugespitzt und am Rand gesägt.
Im Juni entfaltet der Holler mit seinen cremeweißen, gelblich leuchtenden, flachen Trugdolden einen süßlichen Geruch. Die schwarz-violetten Früchte reifen von August bis Oktober.
Verbreitung
Als stickstoffliebende Pflanze ist der Hollerbusch seit jeher ein treuer Begleiter der Menschen. Man findet ihn von Europa bis Asien in frischen bis feuchten Edel-Laubwäldern, vor allem in Auwäldern, in Gebüschen, an Waldrändern, Gewässerufern, Lichtungen, in Gärten und an anderen Ruderalplätzen (vom Menschen geprägte Plätze).
Der Holunder bevorzugt folglich feuchte, lehmige Böden mit hohem Humus- und Kalkgehalt, kommt aber auch mit anderen Böden gut zurecht. Der Holunder ist eine selbst und fremdbestäubende Art. Die feinen Samen verbreiten Vögel mit ihren Ausscheidungen kilometerweit in der Natur.
Service
Die Erhaltung der Vielfalt ist uns ein großes Anliegen, daher lagern in unserer Genbank rund 5.400 Muster von Saatgut und Pflanzen. Mit der Genbank für landwirtschaftliche Kulturpflanzen, Medizinal- und Aromapflanzen leisten wir einen bedeutenden Beitrag zum Erhalt der Biodiversität.
Aktualisiert: 28.08.2025