Spielzeug

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Zuletzt geändert: 27.01.2017

Als Spielzeug gelten gem. der Spielzeugverordnung 2011 Produkte, die, ausschließlich oder nicht ausschließlich, dazu bestimmt oder gestaltet sind, von Kindern unter 14 Jahren zum Spielen verwendet zu werden. Kinder stellen prinzipiell eine sehr schützenswerte Verbrauchergruppe dar, besonders Kinder unter drei Jahren. Regelmäßige Untersuchungen von Spielzeug durch die AGES zeigen, dass der Großteil der Spielzeuge sicher ist, dass aber auch immer wieder Produkte am Markt vorgefunden werden, die die Gesundheit der Kinder gefährden können.

Der Untersuchungs- und Prüfumfang von Spielzeug am AGES-Institut für Lebensmittelsicherheit Linz (LSL) ist daher umfangreich: Überprüft werden mechanische und physikalische Eigenschaften und Entflammbarkeit, chemische Eigenschaften wie Migration bestimmter Elemente (Blei, Cadmium, Quecksilber, Chrom usw.), Migration von Organozinnverbindungen, Prüfung auf Weichmacher insbesondere auf verbotene Phthalate, Prüfung auf verbotene Azofarbstoffe uvm. Auch sensorische Prüfungen, Prüfung auf Speichel- und Schweißechtheit und die Überprüfung der Kennzeichnung sind Teil der Untersuchungen.

Untersuchungen

Jährlich werden am LSL ca. 500 Spielzeugproben untersucht. Dabei hat sich herausgestellt, dass vor allem die physikalischen und mechanischen Eigenschaften der Spielzeuge eine akute Gefahr für die Gesundheit von Kindern darstellen können.

 

20122013201420152016
(Stand Nov.)
Anzahl untersuchter Proben563429445429427
  - davon nicht beanstandet in %63,2 %79,2 %77,5 %76,2 %62,5 %
  - davon beanstandet in %36,8 %21,8 %22,5 %23,8 %37,5 %
Beanstandungsgründe



Sicherheitsmängel*16,0 %6,3%13,0 %14,2 %23,0 %
  - davon gesundheitsschädlich4,4 %1,4 %3,2 %2,3 %4,2 %
  - davon Phtalate4,3 %0,5 %2,0 %4,7 %5,9 %
Kennzeichnungsmängel und formale Mängel**20,8 %14,5 %9,5 %9,6 %14,5 %
*Sicherheitsmängel bspw. zu lautes Spielzeug, zu hohe kinetische Energie (z. B. bei Geschossspielzeug), bakterielle Verunreinigung (z. B. verkeimte Seifenblasenlösungen), technische Mängel (z. B. ablösbare Teile) usw. Proben in dieser Kategorie wurden zum Teil auch wegen Kennzeichnungsmängeln beanstandet.
**ausschließlicher Beanstandungsgrund.

 

Da bekannt ist, dass Babys und Kleinkinder gerne alles in den Mund stecken, darf z. B. Spielzeug für Kinder unter 3 Jahren keine verschluckbaren Kleinteile enthalten, die ein Erstickungsrisiko darstellen. Gemäß EN 71 (Europäische Norm „Sicherheit von Spielzeug“) dürfen derartiges Spielzeug und ablösbare Teile des Spielzeugs nicht in einen speziell genormten, einem Kinderschlund nachempfundenen Kleinteile-Prüfzylinder passen. Spielzeug für Kinder unter 3 Jahren muss noch viele weitere spezielle Anforderungen erfüllen, die alle routinemäßig überprüft werden. Schnüre dürfen nur eine gewisse Länge aufweisen, damit sich kleine Kinder damit nicht strangulieren können, die Füllung von  Kuscheltieren darf keine Teile aufweisen, die eine Verletzungsgefahr darstellen könnten, Kühlbeißringe müssen eine entsprechend dicht und fest sein, sodass sie von den Kleinen nicht auf- bzw. durchgebissen werden können, das Spielzeug darf keine kleine Kugeln oder Saugnäpfe enthalten, die wiederum eine Erstickungsgefahr darstellen könnten uvm.

Auch Spielzeuge für Kinder ab 3 Jahren müssen viele verschiedene Anforderungen, natürlich auch abhängig von der jeweiligen Spielzeugkategorie, erfüllen, um als sicher zu gelten. Spielzeug für etwas ältere Kinder darf Kleinteile enthalten, muss jedoch mit einem gut lesbaren und geeigneten Hinweis, dass das Spielzeug nicht für Kinder unter drei Jahren geeignet ist, ergänzt durch einen kurzen Hinweis auf die Gefahren, die diese Einschränkung begründen, versehen werden. Bei Geschoßspielzeug (z. B. Spielzeugpistolen) wird untersucht, ob das Spielzeug die Grenzwerte für die kinetische Energie einhält. Ist diese Energie zu hoch, besteht eine Verletzungsgefahr. So kann es im wahrsten Sinn des Wortes „in´s Auge gehen“ wenn Kinder beim Spielen die kleinen Kunststoffkügelchen aufeinander schießen. Bei Geschoßspielzeug mit Saugnapfpfeilen wird insbesondere überprüft, ob die Saugnäpfe fest genug angebracht sind, da leicht ablösende Saugnäpfe eine Erstickungsgefahr darstellen.

Weiters wird bei akustischem Spielzeug - wie Spielzeughandys - der Schalldruckpegel überprüft, da zu lautes Spielzeug Gehörschäden verursachen kann. Spielzeug, das das Gewicht des Kindes tragen soll – wie Spielzeugfahrräder und –roller – werden hinsichtlich ihrer Festigkeit und ihres Aufbaus überprüft. Diese müssen u.a. so gestaltet sein, dass sich Kinder beim Spielen nicht zwischen sich bewegenden Teilen die Finger einquetschen können. Auch die Einhaltung von Anforderungen, die generell, d.h. für alle Spielzeuge gelten, wird überwacht. Dazu zählt beispielsweise, dass Spielzeug keine scharfen Kanten oder Spitzen aufweisen darf, die eine Verletzungsgefahr darstellen könnten.

Zusätzlich zur Überprüfung der physikalischen und chemischen Eigenschaften erfolgt auch jeweils die Prüfung hinsichtlich Entflammbarkeit. So müssen beispielsweise Faschingskostüme für Kinder entweder nicht entflammbar sein oder sie dürfen nur so langsam brennen, dass im Ernstfall, d.h. wenn das Kostüm Feuer gefangen hat, genügend Zeit zum Ausziehen zur Verfügung steht ohne dass das Kind dem Risiko von Verbrennungen ausgesetzt ist.

VerbraucherInnen werden in den Medien durch entsprechende Produktwarnungen über solche gefährliche Spielzeuge informiert. Stellen Spielzeuge ein ernstes Risiko dar und können auch andere Mitgliedstaaten betroffen sein, erfolgt eine europaweite Meldung im sogenannten RAPEX-System (Rapid Exchange of Information System - das Schnellwarnsystem der EU für alle gefährlichen Konsumgüter, mit Ausnahme von Lebens- und Arzneimitteln sowie medizinischen Geräten). Siehe Service Produktwarnungen.

Rechtliches

Spielzeug zählt zu den Gebrauchsgegenständen und unterliegt dem Lebensmittelsicherheits- und Verbraucherschutzgesetz (LMSVG). Gemäß LMSVG ist es verboten, Gebrauchsgegenstände, die gesundheitsschädlich oder für den bestimmungsgemäßen Gebrauch ungeeignet sind oder den speziellen Verordnungen nicht entsprechen, in Verkehr zu bringen.

Spielzeug ist im Detail in der Spielzeugverordnung 2011 geregelt, die wiederum auf der der Europäischen Spielzeugrichtlinie 2009/48/EG beruht. Gemäß der Spielzeugverordnung 2011 darf Spielzeug nur in Verkehr gebracht werden, wenn es die allgemeinen Sicherheitsanforderungen erfüllt, wonach es bei bestimmungsgemäßem oder vorauszusehendem Gebrauch entsprechend dem Verhalten von Kindern die Sicherheit oder Gesundheit der Benutzer oder Dritter nicht gefährden darf. Weiters muss Spielzeug mit den entsprechenden Warnhinweisen und Gebrauchsvorschriften versehen sein und es muss das „CE-Zeichen“ tragen. Während die Spielzeugverordnung sozusagen den Rahmen vorgibt, sind viele detaillierte Anforderungen in den harmonisierten Europäischen Normen enthalten. Bei Spielzeug ist dies insbesondere die EN 71 „Sicherheit von Spielzeug“. Diese besteht derzeit aus den Teilen 1 bis 14. Für alle Spielzeuge relevant sind die Teile 1 bis 3. Teil 1 befasst sich mit den physikalischen und mechanischen Eigenschaften, Teil 2 mit der Entflammbarkeit, Teil 3 mit der Migration bestimmter Elemente. Andere Teile befassen sich z.B. mit bestimmten Spielzeugen, wie Teil 7, der für Fingermalfarben gilt.

Bezüglich der chemischen Anforderungen finden sich neben jenen, die direkt in der Spielzeugverordnung festgelegt sind (wie z.B. Migrationsgrenzwerte für Element, Grenzwerte für allergene Duftstoffe und Nitrosamine) auch Grenzwerte in der Europäischen Chemikalienverordnung REACH (REACH steht für Registration, Evaluation, Authorisation and Restriction of Chemicals, d.h. für Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung von Chemikalien). Hier sind u.a. Höchstgehalte für Phthalate, Azofarbstoffe, Benzol und polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe festgelegt.

Anforderungen hinsichtlich der Kennzeichnung von Spielzeug sind insbesondere in der Spielzeugkennzeichnungsverordnung festgelegt.

Tipps

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CE Kennzeichnung
CE Kennzeichnung
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Altersempfehlung 0-3 Jahre
Altersempfehlung 0-3 Jahre
  1. Kaufen Sie nur Spielzeug, das das CE-Zeichen aufweist. Damit bestätigt der Hersteller, dass das Spielzeug den Anforderungen der Spielzeugrichtlinie entspricht.
  2. Beachten Sie immer Warnhinweise und Gebrauchsanleitungen, insbesondere Altersempfehlungen. Das Symbol (0-3) weist beispielsweise darauf hin, dass dieses Spielzeug nicht für Kinder unter 3 Jahren geeignet ist. Zusätzlich muss angegeben werden, warum dies so ist (Erstickungsgefahr durch Kleinteile, Strangulierungsgefahr durch Schnur, etc.).
  3. Wählen Sie Spielzeug dem Alter und den Fähigkeiten des Kindes entsprechend aus – zu einfaches Spielzeug erzeugt Langeweile, zu kompliziertes Spielzeug erzeugt Frust.
  4. Testen Sie bei Spielzeug für Kinder unter 3 Jahren, ob diese keine ablösbaren Kleinteile enthalten – Ziehen sie beispielweise an den Knopfaugen eines Plüschtieres, bevor Sie dieses ihrem Kind zum Spielen überlassen. Da Kleinkinder gerne alles in den Mund stecken, können kleine Teile, die sich vom Spielzeug leicht ablösen lassen, eine Erstickungsgefahr darstellen.
  5. Verlängern Sie nicht die Schnüre von Nachziehspielzeug, im Extremfall kann dadurch eine Strangulierungsgefahr für kleine Kinder entstehen.
  6. Halten Sie Spielzeughandys selbst kurz ans Ohr – empfinden Sie die ertönenden Klänge und Melodien als unangenehm laut, können sie für Ihr Kind eine Gefahr darstellen.
  7. Spielt Ihr Kind gern mit Pfeil und Bogen oder ähnlichem Spielzeug? Viele derartige Spielzeugsets beinhalten Pfeile mit Saugnäpfen. Prüfen Sie, ob diese Saugnäpfe fest am Pfeil angebracht sind. Saugnäpfe, die leicht ablösbar sind, können eine Erstickungsgefahr darstellen, wenn sich Kinder einen solchen Pfeil in den Mund schießen. Der Pfeil wird herausgezogen, der Saugnapf kann jedoch im Rachen stecken bleiben.
  8. Aufblasbares Wasserspielzeug macht den Kindern viel Spaß und regt zur Bewegung an. Denken Sie aber bitte immer daran, dass dies Spielzeug ist und keine Schwimmhilfe.
  9. Kunststoffspielzeug, das Licht und Witterung ausgesetzt ist, altert schneller. Überprüfen Sie daher immer, ob z.B. das Sandspielzeug Ihrer Kleinen noch in Ordnung ist. Von altem, brüchigen Kunststoff können Teile abbrechen, die scharfe Kanten aufweisen und eine Verletzungsgefahr darstellen, aber auch Kleinteile können sich lösen, die wiederum eine Erstickungsgefahr darstellen können.
  10. Achten Sie bitte darauf, dass kleine Kinder nicht mit für sie ungeeignetem Spielzeug von größeren Geschwistern spielen und vergessen Sie nie auf die prinzipielle Aufsichtspflicht.

Jahrmarkt-Spielzeug

Die im Auftrag des Gesundheitsministeriums an der AGES in regelmäßigen Abständen durchgeführten Aktionen zum Thema „Untersuchung von Billigspielzeug von Jahrmärkten“ zeigen ein erschreckendes Bild. 2008 wiesen 75 Prozent der Proben Mängel auf, bei 12 Prozent der Proben waren die Kinder einem ernsten Risiko ausgesetzt, sodass diese als „gesundheitsschädlich“ beurteilt werden mussten. 2010 stellte sich die Situation ganz ähnlich dar, 60 Prozent aller Proben wurden beanstandet, 15 Prozent wiederum als „gesundheitsschädlich“. 2012 zeigte sich eine leichte Besserung, allerdings wurden wiederum 57 Prozent der Proben beanstandet, 7 Prozent als „gesundheitsschädlich“. Die Aktion 2014 wird bis Ende des Jahres durchgeführt, um auch Proben von den Weihnachtsmärkten erfassen zu können. Bisher zeichnet sich erfreulicherweise wieder eine zumindest leichte Verbesserung gegenüber den Vorjahren ab.

Wo liegen die Gefahren und wie können Sie als Eltern ihre Kinder schützen?

Es hat sich gezeigt, dass bei zwei Spielzeugkategorien das Gefährdungspotenzial besonders hoch ist: Die eine Gruppe sind die Spielzeuge für Kinder unter drei Jahren. Die zweite Spielzeugkategorie, die immer wieder zu Beanstandungen führt, ist die der Geschoßspielzeuge.

Spielzeuge für Kinder unter drei Jahren: Kinder dieser Altersgruppe nehmen gerne alles in den Mund und lutschen, saugen und beißen daran herum. So manches am Jahrmarkt angebotene Produkt hat schon eine lange Lebensdauer hinter sich, wurde meist im Freien ausgestellt und daher insbesondere der UV-Strahlung ausgesetzt. Kunststoff altert unter diesen Bedingungen schneller und wird brüchig. Dadurch ist wiederum die Wahrscheinlichkeit, dass vom Spielzeug kleine Teile abbrechen und diese verschluckt werden, größer.

Geschoßspielzeuge: Viele dieser Produkte – oft als „Softguns“ bezeichnet - sind vor allem wegen der hohen kinetischen Energie nicht für Kinder unter 18 Jahren geeignet. Dieser Hinweis auf der Verpackung wird aber, insbesondere auf Jahrmärkten, oft ignoriert und die Produkte werden auch an Kinder unter 14 Jahren verkauft. Im Jahr 2013 wurde eine Softairwaffenverordnungerlassen, derzufolge die Abgabe und der Verkauf von Softairwaffen, sogenannten Softguns, an Personen unter 18 Jahren und auf Märkten und marktähnlichen Veranstaltungen verboten ist.

Beachten Sie bitte die Tipps zum Thema Spielkzeugsicherheit.

Zahlreiche Informationen zu Kinderspielzeug finden Sie auf der Homepage des BM für Gesundheit unter VerbraucherInnengesundheit/Spielzeug

Geschoßspielzeug

Geschoßspielzeug

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Geschoßspielzeug mit Kunststoffkugeln und Saugnapfgeschoßen
Geschoßspielzeug mit Kunststoffkugeln und Saugnapfgeschoßen

In den vergangenen Jahren wurden von der AGES Institut für Lebensmittelsicherheit Linz (LSL) sowohl bei den routinemäßigen Planproben als auch speziell im Rahmen von Schwerpunktaktionen verschiedene Arten von Geschoßspielzeugen untersucht. Insbesondere in den Jahren 2010 und 2011 war die Beanstandungsquote bei dieser Spielzeugkategorie erschreckend hoch (ca. 30 Prozent der Proben wiesen Mängel auf, ca. 10 Prozent wiesen derart schwerwiegende Mängel auf, dass eine Beurteilung als „gesundheitsschädlich“ erfolgte). Obwohl sich 2013 und 2014 eine deutliche Besserung der Situation zeigte, befinden sich auf dem Markt nach wie vor vereinzelt Geschoßspielzeuge, die den Anforderungen der Spielzeugverordnung bzw. der Norm EN 71 („Sicherheit von Spielzeug“) nicht entsprechen.
 
Je nach Art der verwendeten Geschoße bzw. nach Spielzeugtyp wurden folgende Gefahren identifiziert:

  • äußere Verletzungen auf Grund einer zu hohen kinetischen Energie
  • Erstickung auf Grund leicht ablösbarer Saugnäpfe
  • Gehörschäden auf Grund eines zu hohen Schalldruckpegels

Insbesondere bei Spielzeugpistolen, die die typischen kleinen Kunststoffkugeln als Munition verwenden, wurden immer wieder Exemplare gefunden, die eine viel zu hohe kinetische Energie aufweisen.

Es besteht die Gefahr von äußeren Verletzungen, wenn Kinder, absichtlich oder unabsichtlich, beim Spielen aufeinander schießen. Die Augen sind dabei besonders gefährdet. Da es vorkommen kann, dass sich Kinder beim Spielen Geschoße gegenseitig in den Mund schießen, müssen Saugnapfgeschoße eine gewisse Mindestlänge aufweisen, damit sie in einem solchen Fall leicht wieder aus dem Rachenraum herausgezogen werden können. Genauso wichtig ist, dass sich bei derartigen Geschoßen die Saugnäpfe nicht leicht ablösen lassen. Ansonsten besteht die Gefahr, dass beim Herausziehen der Saugnapf im Rachen zurückbleibt und somit wiederum eine Erstickungsgefahr darstellt. Es versteht sich, dass Spielzeug zum Schießen knallen muss. Zum Teil ist der Schallpegel dieser Spielzeuge aber so hoch, dass das Gehör der Kinder gefährdet werden kann.

Ein Rückgang bei den Beanstandungen ist insbesondere bezüglich der „Kugerl-Pistolen“ zu verzeichnen. Hier scheint die 2013 erlassene Softairwaffenverordnung 2013 zu greifen, derzufolge die Abgabe und der Verkauf von Softairwaffen, sogenannten Softguns, an Personen unter 18 Jahren und auf Märkten und marktähnlichen Veranstaltungen verboten ist. Zuvor wurden derartige Softguns v.a. auf Jahrmärkten gerne an Spielzeugständen als „normales Spielzeug“ uneingeschränkt an Kinder verkauft. Gerade diese Softguns wiesen aber oft eine extrem hohe kinetische Energie auf.

Eltern und allen Aufsichtspersonen kann daher nur geraten werden, ein paar Selbsttests durchzuführen, bevor sie das Spielzeug einem Kind überlassen: Lassen Sie es einmal knallen, lassen Sie sich einmal bewusst anschießen (z. B. am Unterarm), ziehen Sie am Saugnapf: Dröhnen Ihnen die Ohren, schmerzt die „Einschussstelle“, löst sich der Saugnapf? Wenn ja, ist das Spielzeug nicht für Ihr Kind geeignet. 

Information für Hersteller

Information für Hersteller

Als „Hersteller“ gilt jede natürliche oder juristische Person, die ein Spielzeug herstellt bzw. entwickeln oder herstellen lässt und dieses Spielzeug unter ihrem eigenen Namen oder ihrer eigenen Marke vermarktet.

Pflichten des Herstellers

  • gewährleisten, dass Spielzeug „sicher“ ist (den Anforderungen der Spielzeugverordnung 2011 entspricht)
  • Sicherheits- und Konformitätsbewertung durchführen
  • Technische Unterlagen erstellen und aufbewahren (10 Jahre)
  • EG-Konformitätserklärung ausstellen und aufbewahren (10 Jahre)
  • CE-Zeichen anbringen
  • Konformität bei Serienfertigung sicherstellen
  • Sofern notwendig, Stichproben entnehmen und Prüfungen durchführen
  • Verzeichnis über Beschwerden, nichtkonforme Produkte und Produktrückrufe führen
  • Identifikationskennzeichen anbringen
  • Gebrauchsanleitung und Sicherheitsinformation beifügen
  • Behörde auf begründetes Verlangen alle Informationen und Unterlagen aushändigen
  • mit Behörde kooperieren zur Abwendung von Gefahren

Erstmaliges In-Verkehr-Bringen

Vor dem erstmaligen In-Verkehr-Bringen eines Spielzeugs müssen für jedes Spielzeug, unabhängig von der Stückzahl in der es verkauft werden soll, folgende Schritte durchlaufen werden:

  • klären, ob es sich tatsächlich um Spielzeug handelt (manche Spielzeug fallen in sogenannte Grauzonenbereiche, z.B. Scooter, die Spielzeug oder Sportgerät sein können)
  • feststellen, für welche Altersstufe das Spielzeug bestimmt ist. Für Spielzeug für Kinder unter 3 Jahren wie Babyrasseln, Beißringe, Plüschtiere, etc. gelten beispielsweise zusätzlich Anforderungen hinsichtlich der physikalischen Eigenschaften, die berücksichtigt werden müssen
  • Sicherheitsbewertung durchführen, d.h. eine Liste erstellen, ob und wenn ja welche chemischen, physikalischen/mechanischen, elektrischen, Entflammbarkeits-, Hygiene- und Radioaktivitätsgefahren von dem Spielzeug ausgehen können, und wie hoch die mögliche Exposition gegenüber diesen Gefahren ist.
    Beispiel Plüschtier:

    • Chemische Gefahren: ja, z.B. Azofarbstoffe im Stoff; Exposition hoch (intensiver Hautkontakt)
    • Physikalische/mechanische Gefahren: ja, z.B. ablösbare Kleinteile (angenähte Augen); Exposition hoch
    • Elektrische Gefahren: nein (es sei denn, das Plüschtier ist batteriebetrieben und kann z.B. Tiergeräusche erzeugen)
    • Entflammbarkeitsgefahren: ja, Stoff kann Feuer fangen; Exposition mittel
    • Hygienegefahren: ja, Stoff kann schmutzig werden; Exposition mittel
    • Radioaktivitätsgefahren: nein

  • Konformitätsbewertung, d.h. Nachweis erbringen, dass das Spielzeug den Anforderungen der Spielzeugverordnung entspricht und die festgestellten Gefahren „unter Kontrolle“ sind. Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten: Üblicherweise wird vom Hersteller zuerst überprüft, ob das Spielzeug den harmonisierten Normen entspricht (man spricht hier von „interner Fertigungskontrolle“). Bei Spielzeug ist dies insbesondere die EN 71 („Sicherheit von Spielzeug“), die derzeit aus den Teilen 1 bis 14 besteht. Teil 1 beschäftigt sich mit physikalischen/mechanischen Eigenschaften und enthält u.a. auch spezielle Anforderungen für Spielzeug für Kinder unter 3 Jahren. Wendet der Hersteller diese Normen nicht an oder stellt das Spielzeug Gefahren dar, die nicht durch die harmonisierten Normen abgedeckt sind, muss durch eine „benannte Stelle“ („notified body“) eine EG-Baumusterprüfung durchgeführt werden.

Tipp für Kleinunternehmer: Informationen zu Materialien bereits von Lieferanten einholen

Normen sind nur käuflich erwerbar. Eine Prüfung im Labor auf alle Gefahren, insbesondere hinsichtlich der chemischen Eigenschaften, ist sehr aufwendig und meist mit hohen Kosten verbunden. Werden zum Beispiel bei einem Plüschtier Stoffe in verschiedenen Farben verwendet, muss jede dieser Farben einzeln hinsichtlich Azofarbstoffe, Schwermetalle etc. getestet werden. Für Kleinbetriebe wird daher empfohlen, dass sie für „einfache“ Spielzeuge wie Plüsch-/Stofftiere von Lieferanten Bestätigungen für alle verwendeten Materialien einholen die beweisen, dass diese Materialien hinsichtlich der chemischen Eigenschaften die Anforderungen der Spielzeugverordnung 2011 erfüllen. Hier müssen aber wirklich alle Materialien berücksichtigt werden, d.h. bei Stofftieren nicht nur die verwendeten Stoffe, sondern z.B. auch das Nähgarn oder das Füllmaterial. Danach ist eine Prüfung des fertigen Spielzeugs nach EN 71-1 (mechanische/physikalische Eigenschaften) und nach EN 71-2 (Entflammbarkeit) durchzuführen.

Wenn nachgewiesen ist, dass alle Anforderungen erfüllt sind:

  • CE-Zeichen anbringen
  • alle anderen Kennzeichnungselemente anbringen (gegebenenfalls Warnhinweise, Gebrauchsanleitung, Name und Kontaktanschrift des Herstellers, Identifikationskennzeichen wie z.B. Chargennummer)
  • EG-Konformitätserklärung ausstellen und aufbewahren (wie diese auszusehen hat, ist in Anlage 3 der Spielzeugverordnung 2011 dargestellt)
  • Technische Unterlagen erstellen und aufbewahren (siehe Anlage 4 der Spielzeugverordnung 2011)

Auskunft und Untersuchung

Bei den angeführten Beispielen handelt es sich nur um „Beispiele“ und nicht um vollständige Aufzählungen. Der Umfang der notwendigen Prüfungen ist individuell an jedes Spielzeug anzupassen. Für Beratungsgespräche stehen wir gerne zur Verfügung. 

Spielzeugüberprüfungen werden von der AGES und von verschiedenen anderen Stellen durchgeführt: Liste benannter Stellen. Kontaktieren Sie unser Institut in Linz für weitere Informationen. Terminvereinbarungen unter +43 50 555-41730 und Kontakt.

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