Biologie und Zoologie

Zuletzt geändert: 07.12.2018

Zecken (Ixodida) gehören zur Klasse der Spinnentiere und Unterklasse der Milben. Adulte (erwachsene) Tiere haben acht Beine, der Körper ist linsenartig geformt. Da Zecken Parasiten sind, benötigen sie einen anderen Organismus als Wirt zum Überleben. Sie saugen daher Blut an Wirbeltieren und können Vektoren (Überträger) von Krankheiten sein.

Zeckenarten in Österreich

Bisher wurden 18 heimische Zeckenarten in Österreich beschrieben, die häufigsten sind Ixodes ricinus (gemeiner Holzbock), Dermacentor reticulatus (Auwaldzecke) und Haemaphysalis concinna (Reliktzecke). Zusätzlich kann über Urlaubsreisen mit Haustieren noch eine weitere Art eingeschleppt werden: Rhipicephalus sanguineus (Braune Hundezecke). Darüber hinaus können z.B. über Zugvögel noch zwei weitere Zeckenarten zu uns gelangen: Hyalomma marginatum und Hyalomma rufipes.

Erstnachweis von Hyalomma marginatum

Im Oktober 2018 wurde in Österreich erstmals die Zeckenart Hyalomma marginatum von der Veterinärmedizinischen Universität Wien nachgewiesen. Der Nachweis dieser 5 bis 6 Millimeter großen Zecke ist insofern bedeutsam, da sie ein Vektor für Rickettsien und das Krim-Kongo-Fieber-Virus (CCHFV) ist. Molekularbiologische Untersuchungen der AGES haben keinen Virus-Nachweis ergeben, allerdings wurde Rickettsia aeschlimannii bei dem entdeckten Exemplar erstmals in Österreich nachgewiesen.

Hinsichtlich der Artzusammensetzung stellt Ixodes ricinus (gemeiner Holzbock) ca. 95 Prozent der Zeckenfauna in Österreich dar (Abb. 1).

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Abb. 1. Zusammensetzung der Arten von 713 gefangenen Zecken aus dem Freiland.

Es gibt eine jahreszeitliche Abfolge in der Aktivität der Zecken (Abb. 2). Als erste im Jahr kann man die kältetolerantere Auwaldzecke (D. reticulatus) treffen, gefolgt von dem gemeinen Holzbock (I. ricinus). Während der heißen Sommermonate geht deren Aktivität etwas zurück und man kann z.B. auf den Haustieren die Reliktzecke (H. concinna) finden. (Duscher et al. Parasites & Vectors 2013, 6:76)

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Abb. 2. Zeckenarten zu verschiedenen Zeitpunkten im Jahr (insgesamt 689 Zecken gesammelt von 83 Hunden).

Ixodes ricinus – gemeiner Holzbock

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Gemeiner Holzbock

Familie: Schildzecken (Ixodidae)
Vorkommen: in ganz Europa weit verbreitet (gesamter europäischer Kontinent von den Inseln und Halbinseln im Norden, über das gesamte Festland bis in den südlichen Mittelmeerraum)
Aktivitätsschwerpunkte: Frühling/Frühsommer, Spätsommer/Frühherbst
Überträger von: Borrelien, FSME-Viren, Anaplasmen, Rickettsien, Babesien, Francisella tularensis

Dermacentor reticulatus – Auwaldzecke

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Auwaldzecke

Familie: Schildzecken (Ixodidae)
Vorkommen: von Westeuropa, den Britischen Inseln über Mittel- und Osteuropa bis nach Zentral- und Ostasien, nicht in Nordeuropa und nicht im mediterranen Raum
Aktivitätsschwerpunkte: Frühsommer, Spätsommer/Herbst
Überträger von: Babesien, FSME-Viren, Francisella tularensis, Rickettsien

Haemaphysalis concinna – Reliktzecke

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Reliktzecke (Weibchen)

Familie: Schildzecken (Ixodidae)
Vorkommen: West-, Mittel- und Osteuropa bis nach China und Japan
Aktivitätsschwerpunkte: März, April, Oktober
Überträger von: FSME-Viren, Francisella tularensis, Rickettsien

Rhipicephalus sanguineus – Braune Hundezecke

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Braune Hundezecke (Weibchen)

Familie: Schildzecken (Ixodidae)
Vorkommen: Mittelmeerraum
Besonderheiten: Sie stechen vor allem Hunde, selten auch Menschen und andere Säugetiere
Überträger von: Rickettsien

Hyalomma marginatum

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Hyalomma marginatum

Familie: Schildzecken (Ixodidae)
Vorkommen: Nordafrika, europäischer Mittelmeerraum, Westen und Zentrum Asiens, Süden Russlands, Pakistan und Turkmenistan, im Oktober 2018 erstmals in Österreich
Besonderheiten: relativ groß mit Körperlänge von etwa 5 bis 6 Millimeter
Überträger von: Krim-Kongo-Fieber-Virus, Rickettsien

Ein Zyklus, drei Zeckenstadien

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3 Zeckenstadien v.l.n.r: Larve, Nymphe, adultes Männchen und adultes Weibchen.

Die Zeckenlarve schlüpft aus dem Ei, entwickelt sich zur Nymphe und schliesslich zur männlichen oder weiblichen Zecke.

In jedem Entwicklungsstadium nimmt die Zecke eine Blutmahlzeit zu sich, bei der sie über mehrere Tage in der Wirtshaut verankert Blut saugt. Zecken ernähren sich vom Blut von Säugetieren (Menschen), Nagern, Vögeln, Reptilien und Amphibien. Während dem Saugvorgang schwillt der Zeckenkörper an und wird kugelförmig. Sobald die Zecke satt ist, lässt sie sich auf den Boden fallen, wo sie die Blutmahlzeit verdaut und sich zum nächsten Stadium häutet.

Ein Zeckenzyklus

  • 3000 bis 5000 Eier
  • Dauer zwischen drei bis sechs Jahre, abhängig von Klima und Nahrungsangebot
  • Drei Blutmahlzeiten 

1. Stadium: Larve, geschlechtsneutral

Die Zeckenlarve schlüpft aus einem der rund 3000 Eier, die das Weibchen abgelegt hat. Sie besitzt nur drei Laufbeinpaare und erscheint blass hautfarbig bis transparent. Die Zeckenlarve sucht sich kleine Nagetiere oder Vögel, sticht zum ersten Mal zu und saugt rund zwei bis drei Tage, bis sie sich fallen lässt und sich nach einigen Monaten zur Nymphe häutet. Nach der Häutung tritt die Larve ins nächste Stadium über.

Die feuchtigkeitsbedürftige Larve findet man dicht am Erdboden und bis zu einer Höhe von etwa zehn cm. Hier trifft sie auf ihre bevorzugten Wirte: kleine Nager wie Rötelmäuse, Gelbhalsmäuse und Waldmäuse.

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Nr. 1: Zeckenlarve, Nr. 2: Nymphe, Nr. 3: adultes Männchen und adultes Weibchen.

2. Stadium: Nymphe, geschlechtsneutral

Die Nymphe, jetzt mit vier Laufbeinpaaren, trägt nach der Häutung einen stabilen Chitin-Panzer. In der Regel überwintert die Nymphe im mitteleuropäischen Klima, bevor sie sich für die Weiterentwicklung zur geschlechtsreifen Zecke den zweiten Zwischenwirt sucht. Die zweite Blutmahlzeit nimmt die Nymphe bei grösseren Nagetieren wie dem Eichhörnchen oder mittelgrossen Säugetieren wie Katze, Hase oder Fuchs ein. Nymphen stechen auch Menschen. Sobald sich die Nymphe ihren Platz auf dem Zwischenwirt ausgesucht und zugestochen hat, saugt sie sich für mehrere Tage mit einem breiartigen Gemisch aus Blut und Gewebe voll, lässt sich fallen und häutet sich zur adulten Zecke.

Nymphen steigen höher an den Pflanzen empor als Larven. Sie erreichen eine Höhe bis 50 cm über dem Boden und gelangen an grössere Tiere.

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Nymphe mit acht Beinen, Grösse rund ein Millimeter.

3. Stadium: Adulte Zecke ♀ oder ♂

Nach der Häutung der Nymphe ist die adulte Zecke weiblich oder männlich ausgeprägt. Die ausgewachsene weibliche Zecke befällt grosse Wildtiere, Haustiere und Menschen für die letzte Blutmahlzeit. Der Saugvorgang eines ausgewachsenen Zecken-Weibchens dauert sieben bis elf Tage und das eigene Körpergewicht kann bis zum Hundertfachen zunehmen. Mittels Lockstoffen signalisiert das saugende Weibchen den adulten Männchen, dass es für die Fortpflanzung bereit ist. Bei der Paarung klettert das angelockte Männchen unter den Bauch des Weibchens, um ein Spermienpaket in deren Geschlechtöffnung abzugeben.

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Zecken bei der Paarung.
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Adultes Zecken-Weibchen bei der letzten Blutmahlzeit.
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Vollgesogene Zecken-Weibchen sehen einem reifen Ricinus-Samen täuschend ähnlich. Das hat der Schildzecke den wissenschaftlichen Namen Ixodes ricinus eingebracht.

4. Eiablage

Das befruchtete, vollgesogene Weibchen lässt sich nach gut einer Woche vom Endwirt fallen und sucht sich am Boden einen geschätzten Ort für die Eiablage. Die Eier werden mit einer wachsartigen Schutzschicht überzogen. Diese schützt das frische Ei vor dem Vertrocknen. Nach der Eiablage stirbt das Weibchen, der Kreislauf beginnt wieder von vorne.

Bauplan der Zecke

Die gemeine Zecke ist die größte Vertreterin der Milben.

"Zeckenkopf" Capitulum

Die Mundwerkzeuge der Zecke bestehen aus einem Stechappart mit Stechrüssel (Hypostom), Kieferfühler (Cheliceren) und Kiefertaster (Pedipalpen).

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Stechapparat mit Hypostom, Cheliceren und Pedipalpen (von innen nach aussen)
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Mit Widerhaken durchsetztes Hypostom, von der Unterseite aus betrachtet.

Haftorgan mit Klauen und Haftlappen

Am Ende des Beins ist das Haftorgan mit zwei Klauen und einem Haftlappen angebracht. Die Krallen geben Halt auf rauen, der Haftlappen auf glatten Oberflächen.

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Klaue Ambularcum und Haftlappen Pulvillus bilden zusammen das Haftorgan.
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Der Haftlappen in der Grossaufnahme.

Hallersches Organ

Zum Auffinden des Wirts kommt das Hallersche Organ zum Einsatz. In der Grube am letzten Beinsegment des vordersten Beinpaares treten Sinnesborsten des einzigartigen und hoch sensiblen Organs hervor. Dieser Chemorezeptor nimmt Stoffe wie Ammoniak, Kohlendioxid, Milch- und Buttersäure wahr und erkennt sich annähernde Wirtstiere.

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Letztes Beinsegment des vordersten Zeckenbeins mit der Sinnesgrube in Bildmitte.
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Vergrösserung des Hallerschen Organs mit hervortretenden Sinneshaaren.

Evolution

Der Ursprung der Zecke liegt vor ca. 300 Milionen Jahren im Karbon (Zeitalter der Farne). Noch ältere Funde der verwandten Skorpione und Milben sind mit Fossilienfunden nachgewiesen. Spätestens ab 70 Millionen Jahren vor unserer Zeit existieren die wichtigsten Gruppen der Ixodida, der Familie der Zecken.

Als natürliche Feinde der Zecken sind bisher festgestellt worden:

  • Pilzarten wie Metarhizium anisopliae und Beauveria bassiana, welche auf Zecken wachsen und diese abtöten.
  • Fadenwürmer (Nematoden), die Zecken befallen und töten.
  • Erzwespe (Ixodiphagus hookeri), die Eier in die Zecke ablegt. Geschlüpfte Wespenlarven fressen Zecken von innen her auf.
  • Beobachtungen, dass Waldameisen Schildzecken fressen, sind unter Wissenschaftern umstritten.
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