Gelsen-Monitoring Programme der AGES

In Österreich wurden bisher etwa 50 verschiedene Arten von Gelsen (Stechmücken) nachgewiesen. Diese sind nicht nur lästig, sie können auch Vektoren (= Überträger) von humanpathogenen Krankheitserregern wie z.B. dem West-Nil-Virus sein. Besonders exotische Gelsenarten (z. B. die Tigermücke Aedes albopictus), die sich erst in den vergangenen Jahrzehnten in Europa angesiedelt haben, sind oft potenzielle Überträger einer Vielzahl an Krankheitserregern, wie z.B. des Dengue-Virus oder Chikungunya-Virus. Da die verschiedenen Gelsearten sich in ihrer Kapazität, Krankheiten zu übertragen unterscheiden, ist es wesentlich zu erfassen, welche Arten in Österreich vorkommen und wie hoch ihre Durchseuchung mit Humanpathogenen ist.

Österreichweites Gelsen-Monitoring

In allen neun Bundesländern werden an bislang 37 ausgewählten Standorten Gelsen mittels speziellen Fallen gesammelt und ihre Art bestimmt. Die angestrebte Menge liegt bei etwa 5.000 Exemplaren pro Jahr. Besonderes Augenmerk gilt der Suche nach den Arten Aedes japonicus (Asiatische Buschmücke) oder Aedes albopictus (Asiatische Tigermücke). In Kooperation mit der Veterinärmedizinischen Universität Wien werden die gesammelten Gelsen anschließend mittels molekularbiologischer Methoden auf West-Nile-Virus, Usutu-Virus, Sindbis-Virus, und Tahyna-Virus untersucht. Gegebenenfalls kann mittels Nukleinsäure-Sequenzierung auch der Virustyp bestimmt werden.

Stechmückenmonitoring

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Österreichkarte: West Nil Virus in Österreich 2020
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Funde Funde von West Nil Virus

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Die Gelsen-Arten, die im Rahmen der Monitoring-Programme gefangen wurden, sind in der obigen Karte, nach Bundesländern gegliedert, dargestellt. Um einen besseren Überblick über die Arten in Österreich zu bekommen, wurden die Ergebnisse der Gelsen-Monitoring-Programme der AGES durch Untersuchungen anderer Institute ergänzt. Daten zum Vorkommen von Gelsen wurden dankenswerterweise zur Verfügung gestellt vom Landesmuseum Kärnten, Abteilung für Zoologie und der Universität Salzburg, Fachbereich Biowissenschaften. Des Weiteren werden Funde dargestellt, die mittels der Mosquito Alert-App gemeldet wurden.

Im Rahmen dieses Monitoring-Programms konnte im August 2011 Aedes japonicus japonicus erstmals in Österreich (südliche Steiermark) nachgewiesen. Im selben Jahr wurde in einer einzigen Probe aus Niederösterreich (Bezirk St. Pölten Land) in einer heimischen Haus-Gelse (Culex pipiens) West Nil Virus nachgewiesen. Die Zahl der Gelsen-Fallen soll in Zusammenarbeit mit den Landesbehörden und dem Bundesministerium für Gesundheit und Frauen weiter optimiert und so das Monitoring verfeinert werden. Ein Teil der Stechmückenfauna wurde  im Rahmen des AGES Klimafondprojekts VectorBorneDiseases (KR14AC7K11954 des 7th Call Austrian Climate Research Programme) und von der Veterinärmedizinischen Universität Wien im Rahmen von ERA-Net BiodivERsA (GC-INVAMOFECT, nationale Fördergeber FWF I-1437, ANR-13-EBID-0007-01 und DFG BiodivERsA KL 2087/6-1 als Teil der 2012-13 BiodivERsA Ausschreibung) erhoben.

Gelsen-Monitoring-Programm am Flughafen Wien-Schwechat

Seit 2018 wird von der AGES am Flughafen Wien-Schwechat ein Gelsen-Monitoring-Programm durchgeführt, da Flughäfen wie auch Häfen einen möglichen Eingangspunkt („Point of entry“) für gebietsfremde Gelsen darstellen. Es wird daher unter anderem von dem European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) als auch der World Health Organization (WHO) empfohlen, Stechmücken-Monitoring Programme an Flughäfen durchzuführen. Durch diese Programme kann erfasst werden, ob exotische Stechmückenarten eingeschleppt werden. Gegebenenfalls können somit rasch Gegenmaßnahmen ergriffen werden, um ein weiteres Ausbreiten dieser Arten zu verhindern. Ein besonderes Augenmerk gilt hierbei der asiatischen Tigermücke (Aedes albopictus), die sich in den letzten Jahren bereits massiv in Europa ausbreiten konnte und ein pozentieller Vektor für eine Vielzahl an Krankheitserregern ist.

Österreichweites Monitoring zur Erfassung gebietsfremder Gelsenarten

Da das Problem der Ausbreitung gebietsfremder Gelsenarten europaweit besteht, wurde das EU-Projekt AIM-COST (Aedes invasive mosquitoes - European Cooperation in Science and Technology) initiiert. Das Hauptziel von AIM-COST ist der Aufbau eines grenzüberschreitenden Netzwerks von Partnern in ganz Europa, um das Management des Risikos der Einschleppung und Verbreitung von gebietsfremden Aedes-Arten (insbesondere der Asiatischen Tigermücke) kostengünstig anzugehen. Zu diesem Ziel fand 2020 das Pilotprojekt AIMsurv statt, bei dem die 22 teilnehmenden Länder erstmals nach einem einheitlichen Schema ein Monitoringprojekt durchführten. In Österreich wurde diese Studie durch die AGES in Kooperation mit der der Veterinärmedizinischen Universität Wien organisiert und mit Hilfe mehrerer Projektpartner (Biologische Station Illmitz, Gelsenbekaempfung Leithaauen, Inatura, Landesmuseum Klagenfurt, Museum Johanneum (Graz), Universität Innsbruck, Universität Salzburg, Verein Biologische Gelsenregulierung March-Thaya-Auen) durchgeführt. Im Rahmen dieses Monitorings werden mittels Ovitraps („Eigelegefallen“), nach europäisch einheitlichen Standards, das Auftreten und die Verbreitung gebietsfremder und potentiell invasiver Gelsenarten erfasst.

Bereits im Rahme der Pilotstudie 2020 konnte erstmals ein Überblick über die bisherige Verbreitung der Japanischen Buschmücke im Land generiert werden. Des Weiteren wurde die Tigermücke an einem Standort in Tirol sowie erstmals in Niederösterreich nachgewiesen.

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