Flavescence dorée
Flavescence dorée
Steckbrief
Flavescence dorée ist eine Quarantänekrankheit, die durch zellwandlose Bakterien, sogenannte Phytoplasmen, hervorgerufen wird und bei Weinreben zu Vergilbungen führt. Daher wird diese Krankheit auch Goldgelbe Vergilbung genannt.
Aktuelle Information
Flavescence dorée kann große Schäden im Weinbau verursachen. In der EU ist diese Krankheit daher als Unionsquarantäne-Schaderreger gelistet und das Auftreten ist meldepflichtig. Hauptüberträger von Flavescence dorée ist die Amerikanische Rebzikade.
Biologie
Das Flavescence dorée Phytoplasma benötigt für sein Überleben spezielle Pflanzenzellen, die so genannten Siebzellen des Bastgewebes von Wurzel, Stamm, Trieb und Blatt. Phytoplasmen sind generell obligate Parasiten, d.h. sie können außerhalb ihres Wirtes nicht überleben.
Der Befall durch Phytoplasmen verursacht in der Pflanze Stoffwechselstörungen, in Folge kommt es zu Vergilbungssymptomen, Wachstumsstörungen und manchmal zum Absterben der Weinreben. Dieses Krankheitsbild kann auch durch andere rebpathogene Phytoplasmen (z.B. Candidatus Phytoplasma solani, der Erreger der Schwarzholzkrankheit) hervorgerufen werden. Daher können Phytoplasmen nur durch eine molekulargenetische PCR-Analyse nachgewiesen und differenziert werden.
Schadsymptome
Fast alle Organe der Rebe (Triebe, Blätter, Gescheine und Trauben) können krankhafte Veränderungen zeigen.
Symptome an den Blütenständen (Gescheinen) und Beeren
Gescheine und Beeren können bei einem Befall mit Flavescence dorée vertrocknen. Auch Befruchtungsstörungen (Abstoßen von Blüten oder Beeren) treten auf. Durch die schlechte Reifung der Beeren (hoher Säuregehalt und niedriges Mostgewicht) und Bittertöne wird die Qualität des Erntegutes stark vermindert.
Symptome an den Blättern
Im Sommer tritt an den Blättern eine frühzeitige Herbstfärbung auf. Diese Farbveränderungen der Blätter können das ganze Blatt oder nur Teile davon betreffen. Bei Weißweinsorten sind die Blätter vergilbt, bei Rotweinsorten leuchtend rot. Die Blätter werden brüchig und zeigen manchmal einen metallischen Glanz. Typisch sind die nach unten gerollt Blattränder, wobei die Stärke des Einrollens sortenabhängig ist. Die Blattadern sind vergilbt und werden bei Fortschreiten der Krankheit braun (das Gewebe stirbt ab).
Symptome an den Trieben
Die Internodien (=Zwischenräume zwischen den Blättern) der Geiztriebe sind häufig verkürzt, die jüngeren Blätter manchmal dachziegelartig am Trieb angeordnet. Der Trieb selbst verholzt schlecht bis gar nicht. Unverholzte Triebe sind gummiartig elastisch und können nach unten hängen.
Verwechslungsmöglichkeiten
Ähnliche Symptome wie bei Flavescence dorée sind auch bei der Blattrollkrankheit, einer Viruserkrankung, zu finden. Das wesentliche Unterscheidungsmerkmal sind die Blattadern: Bei der Viruserkrankung bleiben die Blattadern grün, bei Phytoplasmen verfärben sie sich gelb.
Wirtspflanzen
Die Hauptwirtspflanzen sind Weinreben (Vitis vinifera, Vitis riparia). Der Erreger kann aber auch in Wildpflanzen wie z. B. der Gewöhnliche Waldrebe (Clematis vitalba) oder dem invasiven Götterbaum (Ailanthus altissima) gefunden werden.
Verbreitung
Flavescence dorée ist derzeit nur in europäischen Weinbaugebieten zu finden. Sie tritt in folgenden Ländern auf (Stand 2025): Frankreich, Italien, Portugal, Schweiz, Slowenien, Kroatien, Serbien, Ungarn, Montenegro, Rumänien, Spanien, Tschechien, Slowakei und Österreich.
In Österreich wurde das Auftreten erstmalig im Jahr 2009 in der Südoststeiermark festgestellt. Derzeit gibt es Krankheitsausbrüche in steirischen und burgenländischen Weinbaugebieten (Stand 2025).
Ausbreitung und Übertragung
Das Flavescence dorée phytoplasma wird durch die Amerikanische Rebzikade (Scaphoideus titanus) von Weinrebe zu Weinrebe übertragen. Die Amerikanische Rebzikade saugt ausschließlich an Reben und ist mit ihrem gesamten Lebenszyklus an diese gebunden.
Der Schaderreger kann auch durch latent infiziertes Pflanzmaterial verbreitet werden.
Wirtschaftliche Bedeutung
Die epidemische Verbreitung und die erheblichen Kosten für Bekämpfungsmaßnahmen (Rodung der Reben, zusätzlicher Betriebsmittel-Einsatz zur Bekämpfung des Krankheitsüberträgers, indirekte Schäden durch Ertragsausfall bzw. Zusatzkosten für Neuauspflanzungen) begründen die hohe ökonomische Relevanz von Flavescence dorée für den Weinbau.
Vorbeugung und Bekämpfung
- Im Falle eines Auftretens von Flavescence dorée (positiver Laborbefund) muss der amtliche Landespflanzenschutzdienst verständigt werden (Meldepflicht bei Quarantänekrankheiten). Die zuständigen Landespflanzenschutzbehörden veranlassen daraufhin die erforderlichen Maßnahmen zur Tilgung bzw. Eindämmung der Krankheit.
- Da die Krankheit im Feld nicht wirksam bekämpft werden kann, müssen befallene Rebstöcke – und ab Überschreiten einer bestimmten Schadschwelle sogar die gesamte Rebfläche – gerodet werden, um die Infektionsquellen im Weingarten zu entfernen.
- Rückschnittsmaßnahmen, wie sie z.B. bei der Schwarzholzkrankheit (Stolbur) durchgeführt werden sind nicht zu empfehlen, da sie die Erkrankung maskieren und die zurückgeschnittenen Reben einen gefährlichen Ausgangspunkt für eine weitere Verbreitung darstellen.
- Um die Verbreitung der Krankheit einzudämmen, muss die Amerikanischen Rebzikade bekämpft werden (siehe Verzeichnis der in Österreich zugelassenen Pflanzenschutzmittel).
Phytosanitärer Status
Flavescence dorée ist nach EU-VO 2016/2031 eine meldepflichtige Unionsquarantänekrankheit.
Fachinformation
Laboruntersuchungen im Nationalen Referenzlabor für Pflanzengesundheit
Wir führen derzeit folgende Laboruntersuchungen in unserem ISO 17025 akkreditierten Labor durch:
- Molekulargenetische Untersuchungen an Weinreben oder anderen Wirtspflanzen auf Infektionen durch Phytoplasmen
- Molekulargenetische Untersuchungen von Rebzikaden auf Infektionen durch Phytoplasmen
- Stammdifferenzierungen für Flavescence dorée phytoplasma
Publikationen
Strauß, G., Reisenzein, H. 2024. Investigations on the transmission pathway of 16SrV-C phytoplasma from Clematis vitalba to Vitis vinifera by Phlogotettix cyclops. IOBC-WPRS Bulletin, 171, 113-119.
Reisenzein, H., Strauss, G., 2019. Sporadic outbreaks of „flavescence dorée“ in Austrian vineyards and the role of Phlogottetix cyclops as potential vector. Phytopathogenic Mollicutes 9(1), 61-62.
Strauss, G., Reisenzein, H., 2018. First detection of Flavescence dorée phytoplasma in Phlogotettix cyclops (Hemiptera, Cicadellidae) and considerations on its possible role as vector in Austrian vineyards . Integrated Protection in Viticulture IOBC-WPRS Bulletin 139, 12-21.
Kopacka, I., Steffek, R., Strauß, G., Reisenzein, H., 2017. Modeling spatial and temporal spread of Flavescence dorée in two Austrian vine growing areas. IOBC-WPRS Bulletin 128, 66-74.
Strauß, G., Reisenzein, H., Steffek, R., Schwarz, M., 2014. The role of grapevine arbours as overlooked sources of „flavescence dorée” and Scaphoideus titanus in southeastern vineyards of Austria. In: Bertaccini, A. (Ed.), Phytoplasmas and phytoplasma disease management: how to reduce their economic impact. IPWG – International Phytoplasmologist Working Group, 239-245.
Steffek, R., Reisenzein, H., Strauss, G., Leichtfried, T., Hofrichter, J., Kopacka, I., Schwarz, M., Pusterhofer, J., Biedermann, R., Renner, W., Klement, J., Luttenberger, W., Welzl, A.G., Kleissner, A., Alt, R., 2011. VitisCLIM, a project modelling spread and economic impact of Grapevine Flavescence dorée phytoplasma in Austrian viticulture under a climate change scenario. Bulletin of Insectology 64 (Supplement), 191-192.
Reisenzein, H., Steffek, R., 2011. First outbreaks of grapevine “flavescence dorée” in Austrian viticulture. Bulletin of Insectology, 64 (Supplement), 223-224.
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Aktualisiert: 02.04.2026