Paratuberkulose

Mycobacterium avium subspecies paratuberculosis (MAP)

E

Steckbrief

Bei der Paratuberkulose handelt es sich um eine chronische und unheilbare Darminfektion der Wiederkäuer

Vorkommen

Weltweit, wobei Regionen mit intensiver Wiederkäuerhaltung besonders betroffen sind

Wirtstiere

Hauswiederkäuer (z. B. Rind, Schaf, Ziege), Wildwiederkäuer (z. B. Hirsch), Wiederkäuer in Zoos

Infektionsweg

Die Infektion erfolgt hauptsächlich als Jungtier über erregerhältigen Kot, kotverschmutzte Milch und Zitzen sowie Kolostrum

Inkubationszeit

2 bis 10 Jahre

Symptomatik

Klinische Symptome entwickeln sich nach einer jahrelangen Inkubationszeit bei einem Teil der infizierten Tiere und äußern sich durch unstillbaren Durchfall bei erhaltener Fresslust. Der Kot ist schaumig und mit Gasblasen durchsetzt. Weitere Symptome sind hochgradige Abmagerung und Rückgang der Milchleistung. Beim kleinen Wiederkäuer tritt Abmagerung oft als einziges Symptom auf. Die Erkrankung führt unweigerlich zum Tod der betroffenen Tiere.

Therapie

Die Paratuberkulose ist unheilbar

Vorbeugung

Ein Impfstoff ist in Österreich nicht zugelassen

Situation in Österreich

In Österreich besteht seit April 2006 Anzeigepflicht für die klinische Form der Paratuberkulose bei Rindern, Schafen und Ziegen sowie Wildwiederkäuern in Gatterhaltung. Ziel dieses Überwachungsprogramms ist es, klinisch an Paratuberkulose erkrankte Tiere zu erfassen und aus den Beständen zu entfernen. Überdies erfolgen nach der labordiagnostischen Bestätigung gezielte Hygiene- und Managementmaßnahmen zur Senkung des Infektionsdruckes in den betroffenen Beständen.

Im Jahr 2021 gelangten Proben von 51 Rindern aus 44 Betrieben und von 68 Ziegen aus 6 Betrieben zur Untersuchung. Bei 17 Rindern aus 15 Betrieben sowie 64 Ziegen (4 Betriebe) wurde der klinische Verdacht einer Infektion mit MAP diagnostisch bestätigt.

Anzahl Paratuberkulose verdächtiger und positiv getesteter Rinder bzw. Betriebe

Anzahl Paratuberkulose verdächtiger und positiv getesteter Ziegen, Schafe und Gatterwild sowie Betriebe

Fachinformation

Die Infektion erfolgt überwiegend in den ersten Lebensmonaten. Am empfänglichsten sind Jungtiere, die Ansteckung erfolgt oft direkt nach der Geburt über erregerhältigen Kot, kotverschmutzte Milch und Zitzen sowie Kolostrum.

Die MAP-Bekämpfung wird durch verschiedene Faktoren erheblich erschwert. Während bei klinisch kranken Tieren die labordiagnostische Abklärung einer Infektion in der Regel keine Schwierigkeiten bereitet, lassen sich frühe Infektionsstadien aufgrund der langen Inkubationszeit, der intermittierenden Erregerausscheidung und der verhältnismäßig späten Serokonversion oft nur schwer erfassen. Da aber gerade den klinisch kranken Tieren aufgrund der hohen Erregerausscheidung die größte Bedeutung in der Verbreitung von MAP zukommt, zielt das Überwachungs- und Bekämpfungsprogramm vor allem auf die Erfassung und Ausmerzung der klinisch an Paratuberkulose erkrankten Tiere ab. Wird das tatsächliche Bestehen klinischer Paratuberkulose nachgewiesen und bestätigt, erfolgen nach der Keulung der betroffenen Tiere zusätzliche gezielte Hygiene- und Managementmaßnahmen zur Reduktion des Infektionsdruckes in den betroffenen Beständen.

Diagnostik

Aufgrund der Klinik kann nur eine Verdachtsdiagnose gestellt werden, die durch weiterführende Labordiagnostik verifiziert werden muss.

Folgende Methoden der Labordiagnostik kommen zur Anwendung:

  • Erregernachweis: bakteriologischer Kulturversuch und PCR
  • Nachweis von MAP-spezifischen Antikörpern: ELISA

Zur diagnostischen Abklärung klinischer Verdachtsfällen sind vom Amtstierarzt Blut- und Kotproben einzusenden. Bei verendeten oder getöteten Tieren erfolgt die Einsendung von Organmaterialien (Darmteile, Lymphknoten).

Kontakt

Institut für veterinärmedizinische Untersuchungen Linz

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Aktualisiert: 10.11.2022