MOIST - Erfassung degradierter Moorflächen Österreichs und Beurteilung ihrer Eignung zur Regeneration
Zusammenfassung
Moore und Torfböden zählen in Österreich zu ökologisch und klimatisch bedeutsamen Landschafts- und Bodentypen: Sie regulieren den Wasserhaushalt, bieten spezialisierten Arten Lebensraum und speichern große Mengen an Kohlenstoff. Intakte Moore lagern im Zuge der Torfneubildung laufend Kohlenstoff ein. Durch historische und aktuelle Entwässerungen, Nutzungsintensivierungen sowie bauliche Eingriffe sind in Österreich bereits über 90 % der ursprünglichen Moorflächen stark verändert oder verloren gegangen.
Projektbeschreibung
Für Österreich liegt keine flächendeckende und alle Lebensräume berücksichtigende Erfassung dieser ehemaligen Moore in Kombination mit den noch existierenden Mooren vor. In einem ersten Schritt wurden Torfboden – Potentialkarten in unterschiedlichen Auflösungen modelliert. Basierend auf einer erweiterten Definition organischer Böden, die auch naturschutzfachliche Aspekte berücksichtigt, wurden als Datengrundlagen unterschiedliche existierende kartographische Aufzeichnungen (österreichische Bodenkarte, Finanzbodenschätzung, Moorschutzkatalog, Biotopkartierung, Karte der organischen Böden), Punktdaten und Fernerkundungsdaten herangezogen. Dabei wurde ein Verfahren entwickelt, heterogene Datensätze von Punktdaten für die Modellierung nutzbar zu machen. Eine Erweiterung der Datenbasis mit differenzierter Gewichtung der Eingangsdatensätze und gezielter Auswahl bodenkundlich relevanter Prädiktoren hätte die Präzision der Modellierung deutlich erhöhen können, ließ sich jedoch im zeitlichen Rahmen dieses Projekts nicht umsetzen.
Ergebnisse
Als ideale Rastergröße für die modellierte Karte kann eine Auflösung von 25 m vorgeschlagen werden. Die so generierte Karte wurde durch eine „Vor-Ort“-Analyse von 100 ausgewählten Punkten validiert. Dabei stellte sich heraus, dass die Karte einen guten Anhaltspunkt für das Vorkommen von ehemaligen Mooren liefern kann, jedoch in ihrer gegenwärtigen Form als Potenzialkarte nicht als alleinige Entscheidungsgrundlage für mögliche Restorationsmaßnahmen geeignet ist.
Die Indikatoren zur Beschreibung degradierter Moorflächen und zur Einschätzung, ob Flächen für eine Wiedervernässung geeignet sind, wurden in einem gemeinsamen, breit angelegten Dialogprozess entwickelt. Dabei arbeiteten Fachleute aus Wissenschaft, Naturschutz, Land- und Forstwirtschaft, Verwaltung und Praxis zusammen. Die Indikatoren wurden mittels Expert:innen-basierten Gewichtungen hinsichtlich ihrer Wichtigkeit einerseits zur Förderung der Biodiversität, andererseits zum Torferhalt im Sinne des Klimaschutzes bewertet. Der so entwickelte Bewertungskatalog stellt einen Kompromiss zwischen praktischer Umsetzbarkeit und fachlicher Beurteilung dar.
Dieser Bewertungsansatz wurde in einen österreichweit einheitlichen, rasterbasierten GIS-Workflow überführt und als strukturierter QGIS-Projektordner bereitgestellt. Dadurch steht ein flexibel nutzbares Geo-Tool zur Verfügung, mit dem Ergebnisse unmittelbar visualisiert, Layer kombiniert und über die QGIS-Symbologie situationsbezogen angepasst werden können.
Zur besseren Vergleichbarkeit und zur Unterstützung strategischer Entscheidungen wurden die Ergebnisse auch als Flächenstatistiken in acht Eignungsklassen nach NUTS-3-Regionen ausgewertet. Dabei wird je Region auch ausgewiesen, ob die Flächen innerhalb bzw. außerhalb der Kulisse des Moorinventars Österreich 2025 liegen. Ergänzend wurden Zusatzlayer zur Umsetzbarkeit als separate Informationsebenen bereitgestellt, die nicht in den Gesamteignungsindex einfließen, aber in einem zweiten Schritt als Filter beziehungsweise zur Priorisierung genutzt werden können.
Diese Karten können keine detaillierte „Vor-Ort“-Beurteilung und keine standortspezifische Maßnahmenplanung einschließlich der Berücksichtigung lokaler hydrologischer und vegetationsspezifischer Gegebenheiten ersetzen. Darüber hinaus sind auch mögliche Nutzungskonflikte sowie soziale und wirtschaftliche Aspekte zu berücksichtigen. Schlussendlich ist die Entscheidung, ob eine konkrete Fläche wiederhergestellt werden kann, nur einzelfallbezogen möglich.
Nutzen des Projekts
Die in diesem Projekt erarbeiteten Beurteilungsunterlagen bieten wissenschaftlich fundierte Orientierungs- und Planungsinstrumente, um die fachlichen Aspekte zusammenzufassen und die Entscheidungsfindung im Sinne einer erfolgreichen Umsetzung von Wiederherstellungsmaßnahmen zu unterstützen.
Projektdetails
Projekttitel: Erfassung degradierter Moorflächen Österreichs und Beurteilung ihrer Eignung zur Regeneration
Projektakronym: MOIST
Projektleitung: AGES, Dr. Andreas Baumgarten
Projektpartner: Bundesamt für Wasserwirtschaft (BAW-IKT), Bundesforschungs- und Ausbildungszentrum für Wald, Naturgefahren und Landschaft (BFW), Höhere Bundeslehr- und Forschungsanstalt für Landwirtschaft Raumberg-Gumpenstein (HBLFA Raumberg-Gumpenstein), Naturschutzbund Niederösterreich, Universität Wien (UNIVIE), Landwirtschaftskammer Österreich (LKÖ), Umweltbundesamt (UBA)
Finanzierung: Biodiversitätsfonds Call#2 des BMK (Auftragsnummer C321085)
Projektlaufzeit: 01.2024 – 10.2025
Weitere Informationen
Aktualisiert: 02.06.2026