Kleiner Bienenstockkäfer

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Zuletzt geändert: 17.06.2021

Aufhebung der Verkehrsbeschränkungen für Bienen, Hummeln und Imkerei-Ausrüstung aus Sizilien

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AGES-Informationsfolder Kleiner Bienenstockkäfer

In Sizilien war sowohl im November 2014 als auch im Juni 2019 Befall durch den Kleinen Bienenstockkäfer bei einzelnen Bienenständen festgestellt worden. Diese Fälle ließen sich jeweils auf vereinzelte Ereignisse der Verschleppung vom Festland zurückführen und durch strenge Bekämpfungsmaßnahmen, begleitet von einem umfangreichen Monitoring, tilgen.

Aufgrund der erfolgreichen Tilgung des Kleinen Bienenstockkäfers aus der Region Sizilien konnte die Situation im Durchführungsbeschluss (EU) 2021/597 der Kommission neu bewertet werden. Der Beschluss besagt, dass das Verbot der Versendung von Honigbienen, Hummeln, unverarbeiteten Imkerei-Nebenerzeugnissen, Imkerei-Ausrüstung und für den menschlichen Verzehr bestimmte Imkereierzeugnissen in Waben ab 21.4.2021 nur mehr für die Region Kalabrien gilt.

Der Kleine Bienenstockkäfer ist in Süd-Italien seit 2014 etabliert

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Kleiner Bienenstockkäfer

In der Region Kalabrien, dem Bereich des Erstauftretens im Jahr 2014, gab es in Bienenvölkern trotz der sehr rigoros und laufend durchgeführten Überwachungs- und Bekämpfungsmaßnahmen seither jedes Jahr Funde des Kleinen Bienenstockkäfers. Damit ist dieser Schädling als in dieser Region etabliert zu betrachten.

Ab 2015 wurden durch die Veterinärbehörden in Kalabrien und Sizilien Überwachungsableger (sogenannte „Sentinel-Völker“) aufgestellt, um ein Bild über die Befallssituation zu erhalten.
Im übrigen Italien ergaben die Monitoringaktivitäten bislang keine Funde des Kleinen Bienenstockkäfers.

Die Daten der bestätigten Fälle erhalten Sie auf folgenden websites in Tabellenform sowie in Abbildungen:

http://www.izsvenezie.com/aethina-tumida-in-italy/ (englisch)
http://www.izsvenezie.it/aethina-tumida-in-italia/
(italienisch)

Herkunft und bisher bekannte Verbreitungsgebiete

Der Kleine Bienenstockkäfer stammt ursprünglich aus Afrika südlich der Sahara. Er gehört systematisch zur Familie der Glanzkäfer. Ausgehend von diesem Vorkommen tauchte er 1996 in den USA auf, 2002 in Australien. Inzwischen wurde dieser gefährliche Bienenschädling in viele weitere Länder verschleppt und es gibt Vorkommen in Nord-, Mittel- und Südamerika, auf den Philippinen, in Südkorea und seit 2014 in Süditalien. Für Europa ist Letzteres bereits die zweite Einschleppung. Erstmals waren dessen Larven in Königinnenversandkäfigen nach einem Königinnenimport von Texas nach Portugal (2004) entdeckt worden. Durch die rasche Entdeckung und die rigorosen behördlichen Maßnahmen erfolgte aber keine Etablierung und der Befall konnte wieder getilgt werden.

Die durch einen Befall verursachten Schäden umfassen nicht nur direkte Schäden an Bienenvölkern, sondern auch schwere wirtschaftliche Verluste aufgrund von Import- und Exportsperren für Bienen und Königinnen aus Befallsgebieten.

Befall bzw. Verdacht sind anzeigepflichtig!

Gemäß dem neuen EU-Tiergesundheitsrecht (Verordnung [EU] 2016/429) und den Verordnungen [EU] 2018/1629 sowie 2018/1882 sind sowohl ein Befall mit dem Kleinen Bienenstockkäfer als auch der Verdacht seines Vorkommens anzeigepflichtig.

Gesetzliche Regelungen zur Einfuhr von Bienen

Da auch für Österreich die Gefahr besteht, dass der Käfer eingeschleppt wird, ist es unbedingt notwendig, die gesetzlichen Regelungen zur Einfuhr von Bienen einzuhalten. Die EU-Vorschriften für den innergemeinschaftlichen Handel mit lebenden Bienen und Hummeln besagen, dass „Bienen/Hummeln aus Gebieten stammen müssen, in denen in einem Umkreis von mindestens 100 km Radius keine Beschränkungen im Zusammenhang mit dem Verdacht oder dem bestätigten Vorkommen des Kleinen Bienenstockkäfers in Kraft sind“ (Teil 2 von Annex E zu Richtlinie 92/65/EWG). Da die ganze Region Kalabrien als Überwachungszone Beschränkungen unterworfen ist (nach 2021/597/EU), ist eine Verbringung von Bienenvölkern aus der Region Kalabrien, sowie einer diese Region umfassenden 100 km breiten Pufferzone, nicht erlaubt.

Durch die Änderungen vom 20. November 2017 (Durchführungsbeschluss (EU) 2017/2174 vom 20. November 2017 zur Änderung des Anhangs E der Richtlinie 92/65/EWG der Regelungen für den Handel mit Bienen und Hummeln), gelten für den Transport von Königinnen in Käfigen (einzelne Königin mit höchstens 20 Pflegebienen pro Käfig) kleinere Mindestabstände zu Befallsgebieten des Kleinen Bienenstockkäfers:

Die minimale Entfernung zu den Grenzen einer Schutzzone mit einem Radius von mindestens 20 km um ein bestätigtes Auftreten des Kleinen Bienenstockkäfers muss mindestens 30 km betragen. Dies bedeutet daher mindestens 50 km Distanz zu einem bestätigten Fall. Dies gilt aber nur unter der Voraussetzung, dass regelmäßige behördliche Kontrollen des Gebietes mit genau definierter statistischer Zuverlässigkeit stattfinden. Für die Verbringung von Hummelvölkern gilt nun nur mehr die Einschränkung, dass die Zucht in einer von der Außenwelt abgeschirmten Einrichtung stattfinden muss.

Grundvoraussetzung für jede Verbringung sind gültige Veterinärzeugnisse des Herkunftslandes, die Meldung der Verbringung über TRACES und die Meldung an die zuständige Veterinärbehörde des Empfängerlandes. Damit sind sowohl die Behörden des Herkunfts- als auch des Aufnahmelandes über die Verbringung von Bienen (Hummeln) informiert und können gezielte Kontrollen durchführen.

Aussehen und Lebensweise des Kleinen Bienenstockkäfers

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Adulter Kleiner Bienenstockkäfer

Der erwachsene Käfer ist 5-7 mm lang, 2,5-3,5 mm breit, nach dem Schlüpfen hell gefärbt, später bis braunschwarz. Die Larve wird bis 1 cm lang, ist cremeweiß, besitzt drei Beinpaare und hat am Rücken zwei Borstenreihen.
Die Eier haben ca. 2/3 der Größe von Bieneneiern und werden meist in Häufchen oder einzeln in Ritzen abgelegt.

Erwachsene Käfer leben im Bienenvolk, können aber auch außerhalb überleben. Im Gegensatz zur Varroamilbe ist er nicht auf Bienen als Transportmittel angewiesen, sondern kann selbst aktiv mindestens 10 km weit fliegen, um ein Bienenvolk aufzusuchen. Nach dem Eindringen in das Volk legt das Weibchen in mehreren Schüben eine große Anzahl von Eiern ab. Die Larve schlüpft aus dem Ei und frisst im Bienenvolk Brut, Pollenvorräte und Honig. Ausgewachsen verlässt sie das Bienenvolk und verpuppt sich in der Erde in der Nähe des Bienenvolkes. Je nach Klima sind 1 bis 6 Generationen im Jahr möglich. Die erwachsenen Käfer können in der Wintertraube überwintern und dadurch auch in kalten Regionen überleben (z. B. USA, Kanada).

Informationsfolder Kleiner Bienenstockkäfer

Vorsorgemaßnahmen zur Verhinderung einer Einschleppung

Da die Möglichkeit eines bisher nicht identifizierten Vorkommens dieses Schädlings besteht, sollten aus Gründen der Vorsorge weder Bienenvölker noch Bienenköniginnen aus Italien verbracht bzw. im Zuge von Wanderungen nach Österreich rückverbracht werden. Die Vorschriften für den innergemeinschaftlichen Handel mit lebenden Bienen und Hummeln besagen, dass "Bienen/Hummeln aus Gebieten stammen müssen, in denen in einem Umkreis von mindestens 100 km Radius keine Beschränkungen im Zusammenhang mit dem Verdacht oder dem bestätigten Vorkommen des Kleinen Bienenstockkäfers in Kraft sind" (Teil 2 von Annex E zu Richtlinie 92/65/EEC).

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