San-José-Schildlaus

Comstockaspis perniciosa

Zuletzt geändert: 29.07.2021
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Tierseuchenkategorien:

Steckbrief

Die San-José-Schildlaus ist die wichtigste Schildlausart auf Obstgehölzen und kann große Schäden hervorrufen. Wenn keine Bekämpfung der San-José-Schildlaus erfolgt, können innerhalb weniger Jahre die betroffenen Gehölze absterben.

Aussehen

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San-José-Schildlaus (Männchen, Larve, Weibchen) und Schadbild auf Apfel
Zeichnung der San-José-Schildlaus (Männchen, Larve, Weibchen) und den verursachten Schaden (rote Punkte) auf Apfel

Die San-José-Schildlaus gehört unter den Schildläusen (Coccoidea) zu den Deckelschildläusen (Diaspididae), die dadurch charakterisiert sind, dass ein „Deckel“ ihren Körper bedeckt.
Die erwachsenen Schildläuse sind zitronengelbe, sackförmige Gebilde und verbergen sich unter Schilddeckeln. Im Gegensatz zu den plumpen, beinlosen und fest-sitzenden Weibchen, besitzen die Männchen einen segmentierten Körper mit Fühlern, Beinen und Flügeln und können ihren Deckel verlassen.

Die kleinen, gelb gefärbten Junglarven leben auch unter Schilddeckeln, sind aber frei beweglich.

Biologie

Die San-José-Schildlaus überwintert meist als festgesaugte Junglaus (1. Larvenstadium) am Baum. Bis Mai entwickeln sich die Larven zu geschlechtsreifen, unbeweglichen Weibchen bzw. zu frei beweglichen, geflügelten Männchen. Die nur kurz lebenden Männchen suchen die Weibchen zur Paarung auf. Nach ca. 30 – 40 Tagen bringt das Weibchen die Junglarven lebendgebärend zur Welt, in einem Zeitraum von sechs bis acht Wochen bis zu 400 Larven. Die Larven (Wanderlarven) sind frei beweglich und saugen sich in der Nähe des Muttertieres fest. Sie bilden ihr eigenes Schild aus, wo ihre Entwicklung in mehreren Larvenstadien erfolgt - weibliche Schildläuse durchlaufen zwei Larvenstadien, männliche hingegen vier Larvenstadien, bis sie geschlechtsreif werden. Bei günstigen Entwicklungsbedingungen sind sie schon nach 33 bis 40 Tagen fortpflanzungsreif. Pro Jahr gibt es normalerweise zwei Generationen, in heißen und trockenen Jahren sind auch drei Generationen möglich. Der erste Larvenlauf erfolgt etwa Mitte Juni, der zweite Ende August, der eventuell dritte dann ab Mitte Oktober.

Als Pflanzensauger besitzt die San-José-Schildlaus einen stechenden Saugrüssel, mit dem sie in die Rinde sticht und die Zellen aussaugt.

Schadsymptome

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Rindenschaden verursacht durch San-José-Schildläuse
Riss in der Rinde, rot gefärbt

Das Auftreten ist durch die unbeweglichen Schildchen auf der Rinde der befallenen Gehölze charakterisiert. Bei der San-José-Schildlaus sind zu Beginn 1-2 mm große, kreisrunde oder längliche, gelbbraune bis schwarzgraue Schilddeckel erkennbar.

Durch die rasche Vermehrungsfähigkeit sind innerhalb kurzer Zeit bereits dicht zusammenhängende Krusten auf der Rinde zu sehen, die sich in Schuppen abkratzen lassen. Bei starkem Befall sieht die Rinde wie mit Asche bestäubt aus und wird an vielen Stellen rissig.

Unter den Schilddeckeln verbergen sich die erwachsenen Schildläuse. Die kleinen, gelben Junglarven sind frei beweglich und als helle Pünktchen von Juni bis Oktober an den Befallsstellen zu finden. Zu dieser Zeit werden auch Blätter und Früchte befallen, hier vorwiegend die Kelch- und Stielgrube. Der Befall ist bei hellrindigen Obstsorten, Früchten und Blättern sehr auffällig, da um die festgesaugte Schildlaus ein roter Hof entsteht.

Wirtspflanzen

Die meisten Obstgehölze sind Wirtspflanzen der San-José-Schildlaus, hier vor allem Apfel, Birne, Pfirsich, Zwetschken, Himbeeren und Brombeeren, aber auch Nussbäume und viele Laubbäume, Sträucher und Ziergehölze.

Verbreitung

Die San-José-Schildlaus stammt ursprünglich aus Ostasien und hat sich inzwischen über viele Teile der Welt verbreitet. Sie ist auch in Österreich weit verbreitet.

Ausbreitung und Übertragung

Die Verbreitung der San-José-Schildlaus erfolgt durch die freibeweglichen Jungläuse, die auf der Pflanze nach geeigneten Stellen suchen und dabei vom Wind passiv vertragen werden können. Sie können sich aber auch an Insekten, Vögeln oder anderen Tieren festklammern und durch sie verbreitet werden (Phoresie).

Eine viel größere Bedeutung kommt aber der Verbreitung durch den Handel (über große Entfernungen) zu, wie durch Verschleppung mit befallener Baumschulware.

Wirtschaftliche Bedeutung

Die San-José-Schildlaus ist eine der gefährlichsten Schildlausarten und kann an vielen Obstkulturen erhebliche Schäden und Ernteausfälle verursachen. Ohne Bekämpfungsmaßnahmen können die betroffenen Obstgehölze innerhalb weniger Jahre auch absterben.

Vorbeugung und Bekämpfung

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San-José-Schildlaus-Zehrwespe (Encarsia perniciosi) parasitiert San-José-Schildlaus
Mikroskopische Aufnahme der San-José-Schildlaus-Zehrwespe, die in der San-José-Schildlaus heranwächst

Vorbeugende Maßnahmen

  • biologische Bekämpfung: Schutz der natürlichen Feinde, insbesondere der parasitischen San-José-Schildlaus-Zehrwespe (Encarsia (= Prospaltella) perniciosi)

Direkte Maßnahmen

  • Entfernen und Vernichten stark befallener Gehölze
  • Winter- und Austriebsbehandlungen mit Austriebsspritzmitteln während der Vegetationsruhe (Knospenstadium I) und vom Knospenaufbruch bis zum Mausohrstadium (II – IV) (siehe Verzeichnis der in Österreich zugelassenen Pflanzenschutzmittel).
  • Sommerbehandlungen zur Zeit des Larvenlaufs mit Pflanzenschutzmitteln zur Bekämpfung von Schildläusen, die im Verzeichnis der in Österreich zugelassenen Pflanzenschutzmittel gelistet sind.

Fachinformation

Publikationen

Kahrer, A. & Lethmayer, C. (2009): Schildläuse im Obstbau. – Der Baumwärter, 22-24.

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