Orientalische Fruchtfliege

Bactrocera dorsalis

Zuletzt geändert: 14.06.2021
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Tierseuchenkategorien:

Steckbrief

Die Orientalische Fruchtfliege ist ein bedeutender nicht heimischer Schaderreger an Früchten vieler verschiedener Obst- und Gemüsekulturen und zählt zu den prioritären Quarantäneschädlingen in der Europäischen Union. Durch den Fraß der Larven (Maden) wird das Fruchtfleisch zerstört und die Früchte ungenießbar. 

Aussehen

Die Orientalische Fruchtfliege gehört zur Familie der Fruchtfliegen (Tephritidae). Die Art ist unter einer Reihe von Synonymen bekannt, darunter Bactrocera invadens, B. papayae und B. philippinensis. Sie ist die zentrale Art im gleichnamigen Artenkomplex (Bactrocera dorsalis complex), welcher eine Vielzahl teilweise kaum unterscheidbarer Arten beinhaltet.

Die erwachsenen Fliegen sind ca. 5 mm groß und überwiegend schwarz oder dunkel gefärbt, weisen jedoch auch gelb gefärbte Bereiche auf, wie z.B. ein gelbes Rückenschildchen. Die Flügel besitzen einen durchgängigen dunklen Streifen am vorderen Flügelrand.

Die Larven (Maden) sind weiß bis cremefarben, im letzten Larvenstadium bis zu 1 cm lang, und besitzen einen schwarzen Mundhaken.

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Adulte Orientalische Fruchtfliege
Orientalische Fruchtfliege, Ansicht von oben

Die Abbildung der Adulten Orientalischen Fruchtfliege "Bactrocera dorsalis" von G. Goergen IITA ist lizenziert unter CC BY 4.0

Biologie

Die Weibchen der Orientalischen Fruchtfliege legen die Eier unter die Haut reifender Früchte. Daraus schlüpfen die Larven, welche dort ihrer Fraßtätigkeit nachgehen und sich entwickeln. Anschließend verlassen sie die Früchte und lassen sich zu Boden fallen. Im Erdreich unter der Wirtspflanze erfolgt die Verpuppung und aus den Puppen schlüpfen die erwachsenen Tiere. Der gesamte Entwicklungszyklus ist temperaturabhängig und dauert unter optimalen Bedingungen (23° - 32°C) nur wenige Wochen. Die Adulten können mehrere Monate alt werden und die Weibchen in dieser Zeit mehrere hundert Eier ablegen.

Schadsymptome

Befallene Früchte weisen punktförmige Einstichstellen von der Eiablage auf. In den Früchten findet man die fressenden Larven, welche das Fruchtfleisch zerstören. In der Folge kann dies auch zum Faulen der Frucht führen. Dadurch können erhebliche Schäden im Inneren der Frucht auftreten, noch bevor Symptome äußerlich gut sichtbar sind. In frühen Stadien des Befalls sind alle Schadsymptome nur schwer erkennbar. Da diese Fruchtfliegenart nur Früchte befällt, kommt es zu keiner Schädigung der anderen Pflanzenteile, wie Blätter, Stamm, Äste oder Wurzeln.

Wirtspflanzen

Die Orientalische Fruchtfliege ist eine sehr polyphage Fruchtfliege (d.h. sie kann sich von vielen verschiedenen Pflanzen ernähren) und hat mit über 300 verschiedenen Pflanzenarten, an dessen Früchten eine Entwicklung möglich ist, das breiteste Wirtspflanzenspektrum aller Bactrocera-Arten. 

Zu den Hauptwirtspflanzen zählen unter anderem Mangos (Magnifera indica), Orangen (Citrus sinensi) und andere Zitrusfrüchte. Eine Vielzahl von Wild- und Kulturpflanzen würde jedoch potentiell auch in Europa zur Verfügung stehen wie zum Beispiel Pfirsich (Prunus persica), Marille (P. armeniaca), Pflaume (P. domestica), Apfel (Malus domestica), Birne (Pyrus spp.) sowie Tomate (Solanum lycopersicum), Paprika (Capsicum spp.) und andere früchtetragende Pflanzenarten.

Verbreitung

Die Orientalische Fruchtfliege ist im tropischen Asien und Ozeanien beheimatet sowie in Afrika südlich der Sahara nachgewiesen. Dabei dürfte die Präsenz am afrikanischen Kontinent bereits auf Verschleppungen aus den vergangenen zwei Jahrzehnten zurückzuführen sein. Einzelne Verschleppungen sind auch für andere Regionen bzw. Kontinente bekannt, z.B. die Vereinigten Arabischen Emirate. In Österreich wurden in den vergangenen Jahren einzelne Exemplare der Orientalischen Fruchtfliege gefunden. Dabei handelt es sich aber um keine etablierte Population. Eine Etablierung dieser tropischen Fruchtfliegenart kann aufgrund der Witterungsbedingungen im Winter in Österreich derzeit ausgeschlossen werden. Auch aus anderen Ländern der Europäischen Union ist bis jetzt noch keine etablierte Population bekannt.

Ausbreitung und Übertragung

Die Verbreitung der Orientalischen Fruchtfliege kann aktiv oder passiv erfolgen. Die wichtigste Verbreitungsart ist die Verschleppung mittels befallener Früchte (Handelsware, Gepäck von Reisenden) in zuvor nicht befallene Gebiete. Außerdem kann die Orientalischen Fruchtfliege passiv durch Windverfrachtung über größere Distanzen verbreitet werden. Die aktive Verbreitung erfolgt durch den Flug der Adulten.

Wirtschaftliche Bedeutung

Die Orientalische Fruchtfliege zählt zu den bedeutendsten schädlichen Fruchtfliegenarten weltweit und kann nach der Einschleppung potentiell zu großen Schäden an den Früchten von Wirtspflanzen führen. 

Vorbeugung und Bekämpfung

  • Feststellen des Auftretens (Monitoring): Anbringung geeigneter Fruchtfliegenfallen (z.B. Delta-Fallen, McPhail-Fallen, …) zum Abfangen der Adulten unter Verwendung von spezifischen Lockstoffen:

    • Parapheromon (Methyl-Eugenol) zum Anlocken von männlichen Tieren
    • auf Proteinbasis, zum Anlocken von weiblichen Fliegen

  • Aktuell gibt es in Österreich keine gegen diesen Schaderreger zugelassenen Pflanzenschutzmittel (siehe Verzeichnis der in Österreich zugelassenen/genehmigten Pflanzenschutzmittel)

Bitte beachten Sie die Meldepflicht im Falle eines Auftretens und nehmen Sie Kontakt zum Amtlichen Pflanzenschutzdienst auf.

Phytosanitärer Status

Außereuropäische Fruchtfliegen (Tephritidae) wie Bactrocera dorsalis sind als Unionsquarantäneschädlinge der Europäischen Union gelistet und unterliegen dadurch gesetzlichen Regelungen zur Verhinderung der Einschleppung und Ausbreitung in die bzw. in den Mitgliedsstaaten der EU. Bitte beachten Sie die Meldepflicht im Falle eines Auftretens und nehmen Sie Kontakt zum Amtlichen Pflanzenschutzdienst ihres Bundeslandes auf.

Fachinformation

 Forschung

Seitens der AGES und der amtlichen Pflanzenschutzdienste der Bundesländer werden seit 2012 kontinuierlich Monitorings zum Auftreten dieser und anderer wichtiger Fruchtfliegenarten in Österreich durchgeführt. 

Zudem beteiligt sich die AGES an verschiedenen europäischen und internationalen Kooperationen und Projekten zu Fruchtfliegen. (Weiterführende Informationen: siehe Links)

Publikationen

Milonas, P., Egartner, A. & Ivanova, I. (2020); Development and implementation of early detection tools and effective management strategies for invasive non-European and other selected fruit fly species of economic importance (FLY DETECT). Zenodo. http://doi.org/10.5281/zenodo.3732297 

Egartner, A., Lethmayer, C., Gottsberger, R. A. & S. Blümel (2019): Survey on Bactrocera spp. (Tephritidae, Diptera) in Austria. Bulletin OEPP/EPPO Bulletin 49(3). https://doi.org/10.1111/epp.12604

Lethmayer, C. & Egartner, A. (2019): Invasive Fliegen im heimischen Obstbau. Besseres Obst (8): 7-8

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