Grüne Reiswanze

Nezara viridula

Zuletzt geändert: 15.03.2021
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Tierseuchenkategorien:

Steckbrief

Die Grüne Reiswanze ist eine Wanze, die hauptsächlich Hülsenfrüchte, aber auch zahlreiche Gemüse-, Obst- und Ackerkulturen sowie Ziergehölze und -pflanzen befällt. Sie verursacht Saugschäden an Früchten, wodurch es zu Fleckenbildung, Verkorkungen und Deformationen kommt.

Aussehen

Die Grüne Reiswanze gehört zur Familie der Baumwanzen und ist ca. 14-16 mm lang, 8 mm breit und meist grün gefärbt, wobei es auch andere Farbformen (u.a. rot, orange) gibt.

Sie sieht der Grünen Stinkwanze (Palomena prasina) sehr ähnlich, jedoch kann die Grüne Reiswanze sehr gut anhand der weißen Punktreihe am unteren Ende des Halsschildes und den hell gefärbten durchsichtigen Teil der Flügel von der Grünen Stinkwanze unterschieden werden.

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Grüne Reiswanze: erwachsenes Tier (links) mit Larve (rechts)
Grüne Reiswanze mit Larve
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Larve der Grünen Reiswanze
Larve auf Blatt
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Verwechslungsmöglichkeit: Grüne Stinkwanze
Grüne Stinkwanze

Biologie

Die Weibchen der Grünen Reiswanze legen ihre zuerst gelblichen und später rot gefärbten Eier in Gelegen auf der Blattunterseite ab. Die daraus schlüpfenden Larven durchlaufen fünf, sehr variabel gefärbte Stadien. Sie halten sich meist gruppenweise auf den Pflanzen auf, wo sie genauso wie die erwachsenen Tiere vor allem an Früchten, aber auch an Blättern saugen.

Im Herbst verlassen sie ihre Wirtspflanzen um sich ein Überwinterungsquartier (u.a. Bodenstreu, Gebäude) zu suchen. In Europa werden nur eine bis maximal vier (in wärmeren Gebieten) Generationen ausgebildet. In Regionen mit einer durchschnittlichen Temperatur von unter 5°C im Januar und einer mittleren geringsten Jahrestemperatur von unter -3°C, kann die Grüne Reiswanze den Winter nicht überleben.

Schadsymptome

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Larven an unreifen Gojibeeren mit Saugschäden
Gojibeeren mit Saugschäden, befallen mit Grünen Reiswanzen Larven

Die Grüne Reiswanze verursacht Saugschäden an Früchten verschiedenster Pflanzen. Als Pflanzensauger ist sie in der Lage, mit ihrem Saugrüssel Pflanzengewebe von Früchten, Samen, Blättern und Trieben anzustechen, um sich vom Pflanzensaft zu ernähren. Durch diese Saugtätigkeit kommt es zu Fleckenbildung, Verkorkungen und Deformationen. Früchte werden unansehnlich, können vorzeitig abfallen und sind nicht mehr vermarktungsfähig.

Zusätzlich werden Geschmacksbeeinträchtigungen durch die Absonderung eines unangenehm riechenden Sekrets verursacht. Die Einstichstellen können anderen Schaderregern als Eintrittspforten dienen.

Wirtspflanzen

Die Grüne Reiswanze kann sich von unterschiedlichsten Pflanzenarten aus allen Kulturbereichen ernähren. Zu ihren Hauptwirtspflanzen gehören Hülsenfrüchtler (u.a. Sojabohne), aber auch Gemüse-, Obst- und Ackerkulturen sowie Ziergehölze und -pflanzen werden gerne von ihr aufgesucht. Besonders einjährige, krautige Kulturen werden insbesondere zur Zeit der Frucht- und Samenbildung befallen.

Verbreitung

In Europa war die Grüne Reiswanze anfänglich nur im Mittelmehrraum verbreitet. Aufgrund der Klimaerwärmung breitet sie sich jedoch zunehmend Richtung Norden aus. Bis 2015 konnten in Österreich nur Einzeltiere festgestellt werden. Seither wurden jedoch vor allem in urbanen Regionen (Wien und Graz) zahlreiche Larven und erwachsene Tiere in Hausgärten und Glashäusern nachgewiesen, was auf eine temporäre Reproduktion der Wanzen hinweist.

Bislang wurden in Österreich keine wirtschaftlich relevanten Schäden an Freilandkulturen verzeichnet, jedoch trat die Grüne Reiswanze in den vergangenen Jahren (Spätsommer) in städtischen Kleingartenanlagen und Gemeinschaftsgärten vermehrt in Erscheinung. Auch an Gemüse im geschützten Anbau hat die Grüne Reiswanze bereits Schäden verursacht.

Die Sterberate der Tiere im Winter hat in Österreich bislang ein dauerhaftes Bestehen der Wanzenpopulationen verhindert, jedoch muss, bedingt durch die zunehmend milderen Winter, die weitere Entwicklung der Art beobachtet werden. Des Weiteren ist eine erfolgreiche Überwinterung in geschützten Bereichen (beispielsweise bei Konstruktionsteilen in geheizten Glashäusern) nicht auszuschließen.

Starke Vermehrung kann in Jahren mit trocken-heißen Sommerbedingungen beobachtet werden.

Vorbeugung und Bekämpfung

  • Regelmäßige Pflanzenkontrollen um betroffene Einzelpflanzen frühestmöglich zu erkennen und von Eigelegen bzw. Larven durch Absammeln zu befreien.
  • Um ein Zufliegen der Wanzen ins Glashaus zu verhindern, können engmaschige (1-1,5 mm) Insektenschutzgitter bei den Lüftungen angebracht werden.
  • Pheromonfallen können sich zur Reduktion der Wanzen bei niedrigen Populationsdichten oder zur Flugüberwachung, nicht jedoch zum Massenfang im Herbst, eignen.
  • Als natürliche Gegenspieler werden Eiparasitoide (Schlupfwespe Trissolcus basalis) und Endoparsiten (Raupenfliege Trichopoda pennipes) beschrieben. Allerdings sind diese in Österreich nicht kommerziell erhältlich.
  • Eine direkte Bekämpfung mit zugelassenen Insektiziden gegen saugende Insekten ist möglich, jedoch schwierig, weil meist gegen die adulten Wanzen keine ausreichende Wirkung erzielt werden kann.
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