Amerikanische Rebzikade

Scaphoideus titanus

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Zuletzt geändert: 28.09.2020
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Tierseuchenkategorien:

Die Amerikanische Rebzikade (Scaphoideus titanus) ist eine aus Nordamerika nach Europa eingeschleppte Zwergzikade. Wahrscheinlich wurden ihre Eier mit Rebmaterial zunächst nach Frankreich gebracht, wo sie in den 1950-er Jahren erstmals entdeckt wurde. Seither breitet sie sich in Europa stark aus. Die Amerikanische Rebzikade überträgt den Erreger der wirtschaftlich bedeutsamen Rebkrankheit „Flavescence dorée“ (Goldgelbe Vergilbung der Rebe), eine meldepflichtige Quarantänekrankheit nach EU-VO 2016/2031.

Informationsfolder: Flavescence dorée und die Amerikanische Rebzikade

Aussehen

Die erwachsene Amerikanische Rebzikade ist geflügelt und 5-6mm lang. Erkennungsmerkmale sind ihre spitze Kopfform, mittelbraune Bänder am Rücken und die kontrastreich gefärbten Flügeln, die weiße Stellen und dunkle Flügeladern aufweisen. Das erste Larvenstadium ist etwa 1,8 mm groß und durchscheinend weiß gefärbt. Am Körperende befinden sich zwei dunkle Punkte. Auch die anderen vier Larvenstadien zeigen diese beiden Punkte. Mit jeder Häutung werden die Larven größer und ihre Körperfarbe dunkler. Die Amerikanische Rebzikade durchläuft eine Generation im Jahr.

In Österreich beginnen die ersten Larven in der letzten Maiwoche zu schlüpfen. Der Schlupf dauert mehrere Wochen, sodass verschiedene Entwicklungsstadien gleichzeitig auftreten. Die jungen Larven sitzen häufig an den Stockaustrieben auf der Blattunterseite. Nach insgesamt fünf Larvenstadien, treten im Juli die erwachsenen, flugfähigen Zikaden auf. Ab Ende Juli legen die Weibchen ihre Eier am Rebstock unter die Rinde ab. Den Winter überdauert die Amerikanische Rebzikade im Eistadium.

Schadorganismus

An sich ist die Amerikanische Rebzikade kein Schädling. Sie überträgt jedoch den Erreger der wirtschaftlich bedeutsamen Goldgelbe Vergilbung der Rebe (Flavescence dorée). Dabei handelt es sich um Phytoplasmen, die als Zellparasiten in den Siebröhren der Rebe leben. Frisch geschlüpfte Larven der Amerikanischen Rebzikade sind immer Flavescence dorée-frei. Saugen die Zikaden an einer mit Flavescence dorée infizierten Rebe nehmen sie die Erreger mit dem Saftstrom auf. Nach einer Latenzzeit von 3-4 Wochen, in der sich die Krankheitserreger in der Amerikanischen Rebzikade vermehren und vom Darmtrakt zur Speicheldrüse wandern, können die Zikaden die Krankheit weitergeben. Die größte Gefahr hinsichtlich der Verbreitung der Goldgelben Vergilbung geht von den erwachsenen Zikaden aus. Diese treten ab Mitte Juli bis Ende September auf. Aufgrund der engen Bindung der Amerikanische Rebzikade an die Rebe, kann es zu einer raschen Ausbreitung der Krankheit kommen.

Verbreitung

Die Amerikanische Rebzikade tritt in Europa in folgenden Ländern auf (Stand 2019): Frankreich, Italien, Spanien, Portugal, Schweiz, Slowenien, Kroatien, Serbien, Österreich, Ungarn, Slowakei, Bosnien und Herzegowina, Montenegro, Rumänien, Bulgarien, Moldawien, Tschechien und in der Ukraine. In Österreich wurde sie erstmals 2004 in Weingärten der Südost-Steiermark festgestellt. Seit dem Erstnachweis, wird in einem jährlichen Monitoring die Verbreitung und die Entwicklung der Amerikanischen Rebzikade in den Weinbaugebieten in Ost-Österreich von ExpertInnen der AGES in enger Kooperation mit den Landespflanzenschutzdiensten und Landwirtschaftskammern überwacht, um rechtzeitig notwenige Maßnahmen ergreifen zu können und Schäden zu verhindern. Bislang tritt die Amerikanische Rebzikade in folgenden Bundesländern in Österreich auf, regional zum Teil in stark unterschiedlicher Anzahl: Steiermark, Burgenland und in Niederösterreich.

2019 wurde ihr Auftreten an 37 Standorten in Niederösterreich (Weinviertel, Carnuntum und Thermenregion), an 45 Standorten im Burgenland (Nord-Mittel- und Südburgenland), an 26 Standorten in der Steiermark (West-, Süd- und Südoststeiermark) und an drei Standorten in Wien überwacht.

Die Monitoring-Erhebungen von 2019 zeigen, dass sich die Amerikanische Rebzikade insgesamt ausgebreitet hat und ihre Anzahl stellenweise angestiegen ist. Von der Ausbreitung betroffen sind grenznahe Gebiete im östlichen Carnuntum und nordöstlichen Weinviertel. Erwachsene Amerikanische Rebzikaden wurden in der Saison 2019 erstmals in Dürnkrut, Großkrut, Seefeld und Mitterretzbach sowie in Edelstal und Prellenkirchen festgestellt.  In der Steiermark gab es nur eine geringfügige Ausbreitung zu einigen wenigen weiter nördlich gelegenen Standorten in der West- und Südoststeiermark, die Anzahl an Larven und Adulten ist jedoch insgesamt etwas angestiegen.

Auch im Burgenland und Niederösterreich ist an mehreren Monitoringstandorten die Zahl der Amerikanischen Rebzikaden im Vergleich zum Vorjahr angestiegen. Vor allem betrifft dies einzelne Standorte in Hainburg und Berg sowie Zagersdorf, Mörbisch, Lutzmannsburg und mehrere Standorte im Südburgenland. In Wien und der Thermenregion wurden 2019, so wie in den Vorjahren, keine Amerikanischen Rebzikaden festgestellt. 

Bekämpfungsmaßnahmen

Eine sehr wichtige vorbeugende Maßnahme ist die Verwendung von gesundem Rebmaterial. Da die direkte Bekämpfung der Phytoplasmen derzeit nicht möglich ist, mit Ausnahme der Heißwasserbehandlung von Rebstecklingen, konzentrieren sich die Bekämpfungsmaßnahmen auf die Reduzierung des Vektors, die Amerikanische Rebzikade, und die unverzügliche Rodung von erkrankten Stöcken.
Um die Ansteckung der Larven mit Flavescence dorée zu unterbinden, ist die Verwendung von geeigneten Pflanzenschutzmitteln ab dem dritten Larvenstadium sinnvoll (Amtliches Pflanzenschutzmittelregister)
Dabei ist zu beachten, dass die Larven über mehrere Wochen hinweg schlüpfen. Eine zweite Behandlung zur Erfassung der später geschlüpften Larven kann notwendig sein. Grundsätzlich sollte die Vektorbekämpfung immer auf Basis der Erhebungen aus dem Monitoring und den Empfehlungen des entsprechenden Landespflanzenschutzdienstes sowie der Landwirtschaftskammer erfolgen. Die aktuellen Informationen zum Monitoring der Amerikanischen Rebzikade können über den Rebschutzdienst bzw. insect-watch abgerufen werden (https://rebschutzdienst.at)
Im Herbst ist eine genaue visuelle Kontrolle der Reben auf Vergilbungssymptome ganz wichtig. Bei Verdacht wird eine Pflanzenuntersuchung empfohlen, um Verwechslungsmöglichkeiten mit anderen Vergilbungsursachen (z.B.: Stolbur) auszuschließen. Denn nur wenn die Ansteckungsquellen schnell entfernt werden, kann die Ausbreitung der Goldgelben Vergilbung verhindert werden.

Landwirtschaftskammer Burgenland
https://bgld.lko.at/
Ansprechpartner: Herr Daniel Pachinger, Herr Ing. Gerhard Steinhofer

Landwirtschaftskammer Niederösterreich
https://noe.lko.at/
Ansprechpartner: DI Johann Grassl

Amtlicher Pflanzenschutzdienst Steiermark
Ansprechpartner: Herr Dipl.-Ing. Harald Fragner

Amtlicher Pflanzenschutzdienst Wien
Ansprechpartner: DI Lorber Alexander, Ing. Moser Norbert  

Kontakt

Mag. Gudrun Strauß
Tel.: 05 0555 33313
gudrun.straussno@Spam@agesno.Spam.at

Die Amerikanische Rebzikade (Scaphoideus titanus) ist eine aus Nordamerika nach Europa eingeschleppte Zwergzikade. Wahrscheinlich wurden ihre Eier mit Rebmaterial zunächst nach Frankreich gebracht, wo sie in den 1950-er Jahren erstmals entdeckt wurde. Seither breitet sie sich in Europa stark aus. Die Amerikanische Rebzikade überträgt den Erreger der wirtschaftlich bedeutsamen Rebkrankheit „Flavescence dorée“ (Goldgelbe Vergilbung der Rebe), eine meldepflichtige Quarantänekrankheit nach EU-VO 2016/2031.

Informationsfolder: Flavescence dorée und die Amerikanische Rebzikade

Aussehen

Die erwachsene Amerikanische Rebzikade ist geflügelt und 5-6mm lang. Erkennungsmerkmale sind ihre spitze Kopfform, mittelbraune Bänder am Rücken und die kontrastreich gefärbten Flügeln, die weiße Stellen und dunkle Flügeladern aufweisen. Das erste Larvenstadium ist etwa 1,8 mm groß und durchscheinend weiß gefärbt. Am Körperende befinden sich zwei dunkle Punkte. Auch die anderen vier Larvenstadien zeigen diese beiden Punkte. Mit jeder Häutung werden die Larven größer und ihre Körperfarbe dunkler. Die Amerikanische Rebzikade durchläuft eine Generation im Jahr.

In Österreich beginnen die ersten Larven in der letzten Maiwoche zu schlüpfen. Der Schlupf dauert mehrere Wochen, sodass verschiedene Entwicklungsstadien gleichzeitig auftreten. Die jungen Larven sitzen häufig an den Stockaustrieben auf der Blattunterseite. Nach insgesamt fünf Larvenstadien, treten im Juli die erwachsenen, flugfähigen Zikaden auf. Ab Ende Juli legen die Weibchen ihre Eier am Rebstock unter die Rinde ab. Den Winter überdauert die Amerikanische Rebzikade im Eistadium.

Schadorganismus

An sich ist die Amerikanische Rebzikade kein Schädling. Sie überträgt jedoch den Erreger der wirtschaftlich bedeutsamen Goldgelbe Vergilbung der Rebe (Flavescence dorée). Dabei handelt es sich um Phytoplasmen, die als Zellparasiten in den Siebröhren der Rebe leben. Frisch geschlüpfte Larven der Amerikanischen Rebzikade sind immer Flavescence dorée-frei. Saugen die Zikaden an einer mit Flavescence dorée infizierten Rebe nehmen sie die Erreger mit dem Saftstrom auf. Nach einer Latenzzeit von 3-4 Wochen, in der sich die Krankheitserreger in der Amerikanischen Rebzikade vermehren und vom Darmtrakt zur Speicheldrüse wandern, können die Zikaden die Krankheit weitergeben. Die größte Gefahr hinsichtlich der Verbreitung der Goldgelben Vergilbung geht von den erwachsenen Zikaden aus. Diese treten ab Mitte Juli bis Ende September auf. Aufgrund der engen Bindung der Amerikanische Rebzikade an die Rebe, kann es zu einer raschen Ausbreitung der Krankheit kommen.

Verbreitung

Die Amerikanische Rebzikade tritt in Europa in folgenden Ländern auf (Stand 2019): Frankreich, Italien, Spanien, Portugal, Schweiz, Slowenien, Kroatien, Serbien, Österreich, Ungarn, Slowakei, Bosnien und Herzegowina, Montenegro, Rumänien, Bulgarien, Moldawien, Tschechien und in der Ukraine. In Österreich wurde sie erstmals 2004 in Weingärten der Südost-Steiermark festgestellt. Seit dem Erstnachweis, wird in einem jährlichen Monitoring die Verbreitung und die Entwicklung der Amerikanischen Rebzikade in den Weinbaugebieten in Ost-Österreich von ExpertInnen der AGES in enger Kooperation mit den Landespflanzenschutzdiensten und Landwirtschaftskammern überwacht, um rechtzeitig notwenige Maßnahmen ergreifen zu können und Schäden zu verhindern. Bislang tritt die Amerikanische Rebzikade in folgenden Bundesländern in Österreich auf, regional zum Teil in stark unterschiedlicher Anzahl: Steiermark, Burgenland und in Niederösterreich.

2019 wurde ihr Auftreten an 37 Standorten in Niederösterreich (Weinviertel, Carnuntum und Thermenregion), an 45 Standorten im Burgenland (Nord-Mittel- und Südburgenland), an 26 Standorten in der Steiermark (West-, Süd- und Südoststeiermark) und an drei Standorten in Wien überwacht.

Die Monitoring-Erhebungen von 2019 zeigen, dass sich die Amerikanische Rebzikade insgesamt ausgebreitet hat und ihre Anzahl stellenweise angestiegen ist. Von der Ausbreitung betroffen sind grenznahe Gebiete im östlichen Carnuntum und nordöstlichen Weinviertel. Erwachsene Amerikanische Rebzikaden wurden in der Saison 2019 erstmals in Dürnkrut, Großkrut, Seefeld und Mitterretzbach sowie in Edelstal und Prellenkirchen festgestellt.  In der Steiermark gab es nur eine geringfügige Ausbreitung zu einigen wenigen weiter nördlich gelegenen Standorten in der West- und Südoststeiermark, die Anzahl an Larven und Adulten ist jedoch insgesamt etwas angestiegen.

Auch im Burgenland und Niederösterreich ist an mehreren Monitoringstandorten die Zahl der Amerikanischen Rebzikaden im Vergleich zum Vorjahr angestiegen. Vor allem betrifft dies einzelne Standorte in Hainburg und Berg sowie Zagersdorf, Mörbisch, Lutzmannsburg und mehrere Standorte im Südburgenland. In Wien und der Thermenregion wurden 2019, so wie in den Vorjahren, keine Amerikanischen Rebzikaden festgestellt. 

Bekämpfungsmaßnahmen

Eine sehr wichtige vorbeugende Maßnahme ist die Verwendung von gesundem Rebmaterial. Da die direkte Bekämpfung der Phytoplasmen derzeit nicht möglich ist, mit Ausnahme der Heißwasserbehandlung von Rebstecklingen, konzentrieren sich die Bekämpfungsmaßnahmen auf die Reduzierung des Vektors, die Amerikanische Rebzikade, und die unverzügliche Rodung von erkrankten Stöcken.
Um die Ansteckung der Larven mit Flavescence dorée zu unterbinden, ist die Verwendung von geeigneten Pflanzenschutzmitteln ab dem dritten Larvenstadium sinnvoll (Amtliches Pflanzenschutzmittelregister)
Dabei ist zu beachten, dass die Larven über mehrere Wochen hinweg schlüpfen. Eine zweite Behandlung zur Erfassung der später geschlüpften Larven kann notwendig sein. Grundsätzlich sollte die Vektorbekämpfung immer auf Basis der Erhebungen aus dem Monitoring und den Empfehlungen des entsprechenden Landespflanzenschutzdienstes sowie der Landwirtschaftskammer erfolgen. Die aktuellen Informationen zum Monitoring der Amerikanischen Rebzikade können über den Rebschutzdienst bzw. insect-watch abgerufen werden (https://rebschutzdienst.at)
Im Herbst ist eine genaue visuelle Kontrolle der Reben auf Vergilbungssymptome ganz wichtig. Bei Verdacht wird eine Pflanzenuntersuchung empfohlen, um Verwechslungsmöglichkeiten mit anderen Vergilbungsursachen (z.B.: Stolbur) auszuschließen. Denn nur wenn die Ansteckungsquellen schnell entfernt werden, kann die Ausbreitung der Goldgelben Vergilbung verhindert werden.

Landwirtschaftskammer Burgenland
https://bgld.lko.at/
Ansprechpartner: Herr Daniel Pachinger, Herr Ing. Gerhard Steinhofer

Landwirtschaftskammer Niederösterreich
https://noe.lko.at/
Ansprechpartner: DI Johann Grassl

Amtlicher Pflanzenschutzdienst Steiermark
Ansprechpartner: Herr Dipl.-Ing. Harald Fragner

Amtlicher Pflanzenschutzdienst Wien
Ansprechpartner: DI Lorber Alexander, Ing. Moser Norbert  

Kontakt

Mag. Gudrun Strauß
Tel.: 05 0555 33313
gudrun.straussno@Spam@agesno.Spam.at

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Drittes Larvenstadium der Amerikanischen Rebzikade (Scaphoideus titanus)
Drittes Larvenstadium der Amerikanischen Rebzikade (Scaphoideus titanus)
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Blattunterseite eines Rebblattes mit vier jungen Larven der Amerikanischen Rebzikade (Scaphoideus titanus) und ihren Häutungsresten.
Blattunterseite eines Rebblattes mit vier jungen Larven der Amerikanischen Rebzikade (Scaphoideus titanus) und ihren Häutungsresten.

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