Amerikanische Rebzikade

Scaphoideus titanus

Warndienst
Zuletzt geändert: 11.06.2018
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Amerikanische Rebzikade

Die Amerikanische Rebzikade, Scaphoideus titanus, ist eine aus Nordamerika nach Europa eingeschleppte Zwergzikade, die in Europa die gefährliche Weinkrankheit „Goldgelbe Vergilbung der Rebe“ (Flavescence dorée) überträgt. Wahrscheinlich wurde die Amerikanische Rebzikade im Eistadium mit Amerikanischen Reben nach Frankreich gebracht, wo sie in den 1950-er Jahren erstmals entdeckt wurde. Seither breitet sie sich in Europa aus und wurde in folgenden Ländern festgestellt (Stand Ende 2016): Frankreich, Italien, Spanien, Portugal, Schweiz, Slowenien, Kroatien, Serbien, Österreich, Ungarn, Slowakei, Bosnien Herzegowina, Montenegro, Rumänien, Bulgarien und zuletzt in Tschechien. Die Amerikanische Rebzikade ist kein Quarantäneschädling.

Aussehen

Die erwachsene Amerikanische Rebzikade ist geflügelt und 5-6mm lang. Erkennungsmerkmale sind ihre spitze Kopfform, mittelbraune Bänder am Rücken und die kontrastreich gefärbten Flügeln, die weiße Stellen und dunkle Flügeladern aufweisen. Das erste Larvenstadium ist etwa 1,8 mm groß und durchscheinend weiß gefärbt. Am Körperende befinden sich zwei dunkle Punkte. Auch die anderen vier Larvenstadien zeigen diese beiden Punkte. Mit jeder Häutung werden die Larven größer und ihre Körperfarbe dunkler. Die Amerikanische Rebzikade durchläuft eine Generation im Jahr.

In Österreich beginnen die ersten Larven in der letzten Maiwoche zu schlüpfen. Der Schlupf dauert mehrere Wochen, sodass verschiedene Entwicklungsstadien gleichzeitig auftreten. Die jungen Larven sitzen häufig an den Stockaustrieben auf der Blattunterseite. Nach insgesamt fünf Larvenstadien, treten im Juli die erwachsenen, flugfähigen Zikaden auf. Ab Ende Juli legen die Weibchen ihre Eier am Rebstock unter die Rinde ab. Den Winter überdauert die Amerikanische Rebzikade im Eistadium.

Schadorganismus

An sich ist die Amerikanische Rebzikade kein Schädling. Sie überträgt jedoch den Erreger der wirtschaftlich bedeutsamen Goldgelbe Vergilbung der Rebe (Flavescence dorée). Dabei handelt es sich um Phytoplasmen, die als Zellparasiten in den Siebröhren der Rebe leben. Frisch geschlüpfte Larven der Amerikanischen Rebzikade sind immer Flavescence dorée-frei. Saugen die Zikaden an einer mit Flavescence dorée infizierten Rebe nehmen sie die Erreger mit dem Saftstrom auf. Nach einer Latenzzeit von 3-4 Wochen, in der sich die Krankheitserreger in der Amerikanischen Rebzikade vermehren und vom Darmtrakt zur Speicheldrüse wandern, können die Zikaden die Krankheit weitergeben. Die größte Gefahr hinsichtlich der Verbreitung der Goldgelben Vergilbung geht von den erwachsenen Zikaden aus. Diese treten ab Mitte Juli bis Ende September auf. Aufgrund der engen Bindung der Amerikanische Rebzikade an die Rebe, kann es zu einer raschen Ausbreitung der Krankheit kommen.

Verbreitung

In Österreich wurden die ersten Individuen der Amerikanischen Rebzikade 2004 von ExpertInnen der AGES in Weingärten der Südost-Steiermark nachgewiesen. Ebendort wurden 2009 zum ersten Mal Weinstöcke festgestellt, die an der Goldgelben Vergilbung der Rebe erkrankt waren. Da die Flavescence dorée eine Quarantänekrankeit ist (EC Richtlinie 2000/29 Anhang II/A II und B), wurde 2010 von der Steiermärkischen Landesregierung die Verordnung vom 26. April 2010 über die Bekämpfung der Amerikanischen Rebzikade und der Goldgelben Vergilbung der Rebe erlassen. 2015 wurden erstmals im Burgenland einzelne Reben gefunden, die an Flavescence doree erkrankt waren. Infolge hat auch das Land Burgenland die Verordnung der Burgenländischen Landesregierung vom 28. Juni 2016 betreffend Maßnahmen zur Bekämpfung der Goldgelben Vergilbung der Rebe und der Amerikanischen Rebzikade erlassen.

Jedes Jahr überwachen ExpertInnen der AGES in enger Kooperation mit den Landespflanzenschutzdiensten und Landwirtschaftskammern das Vorkommen der Amerikanischen Rebzikade und das Auftreten der Goldgelben Vergilbung der Rebe.

Die Monitoring-Untersuchungen von 2016 ergaben, dass sich die Amerikanische Rebzikade in der Südost-Steiermark und im Burgenland etwas ausgebreitet hat. In Niederösterreich wurde das Auftreten der Amerikanischen Rebzikade in der Thermenregion, Carnuntum und im östlichen Weinviertel überwacht, besonders intensiv entlang der Grenze zur Slowakei und Tschechien. Erstmals wurden Larven an einigen grenznahen Standorten im nordöstlichen Weinviertel und zwei adulte Amerikanische Rebzikaden in Berg gefunden.

Bekämpfungsmaßnahmen

Eine sehr wichtige vorbeugende Maßnahme ist die Verwendung von gesundem Rebmaterial. Da die direkte Bekämpfung der Phytoplasmen derzeit nicht möglich ist, mit Ausnahme der Heißwasserbehandlung von Rebstecklingen, konzentrieren sich die Bekämpfungsmaßnahmen auf die Reduzierung des Vektors, die Amerikanische Rebzikade, und die unverzügliche Rodung von erkrankten Stöcken.
Um die Ansteckung der Larven mit Flavescence dorée zu unterbinden, ist die Verwendung von geeigneten Pflanzenschutzmitteln ab dem dritten Larvenstadium sinnvoll (Amtliches Pflanzenschutzmittelregister: www.baes.gv.at/pflanzenschutzmittel/pflanzenschutzmittelregister/
Dabei ist zu beachten, dass die Larven über mehrere Wochen hinweg schlüpfen. Eine zweite Behandlung zur Erfassung der später geschlüpften Larven kann notwendig sein. Grundsätzlich sollte die Vektorbekämpfung immer auf Basis der Erhebungen aus dem Monitoring und den Empfehlungen des entsprechenden Landespflanzenschutzdienstes sowie der Landwirtschaftskammer erfolgen. Die aktuellen Informationen zum Monitoring der Amerikanischen Rebzikade können über den Rebschutzdienst bzw. insect-watch abgerufen werden (https://rebschutzdienst.at)
Im Herbst ist eine genaue visuelle Kontrolle der Reben auf Vergilbungssymptome ganz wichtig. Bei Verdacht wird eine Pflanzenuntersuchung empfohlen, um Verwechslungsmöglichkeiten mit anderen Vergilbungsursachen (z.B.: Stolbur) auszuschließen. Denn nur wenn die Ansteckungsquellen schnell entfernt werden, kann die Ausbreitung der Goldgelben Vergilbung verhindert werden.

Amtlicher Pflanzenschutzdienst Steiermark:
www.verwaltung.steiermark.at/cms/ziel/74835560/DE/, Tel: +43 (316) 877-6601
Ansprechpartner: Herr Dipl.-Ing. Josef Pusterhofer, Frau Dr. Juliane Blaha

Landwirtschaftskammer Burgenland:
www.lk-bgld.at, Tel.: +43 (0) 2682 - 702
Ansprechpartner: Herr Ing. Gerhard Steinhofer, Herr Daniel Pachinger

Kontakt:

Mag. Gudrun Strauß
Tel.: 05 0555 33313
gudrun.straussno@Spam@agesno.Spam.at

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Amerikanische Rebzikade

Die Amerikanische Rebzikade, Scaphoideus titanus, ist eine aus Nordamerika nach Europa eingeschleppte Zwergzikade, die in Europa die gefährliche Weinkrankheit „Goldgelbe Vergilbung der Rebe“ (Flavescence dorée) überträgt. Wahrscheinlich wurde die Amerikanische Rebzikade im Eistadium mit Amerikanischen Reben nach Frankreich gebracht, wo sie in den 1950-er Jahren erstmals entdeckt wurde. Seither breitet sie sich in Europa aus und wurde in folgenden Ländern festgestellt (Stand Ende 2016): Frankreich, Italien, Spanien, Portugal, Schweiz, Slowenien, Kroatien, Serbien, Österreich, Ungarn, Slowakei, Bosnien Herzegowina, Montenegro, Rumänien, Bulgarien und zuletzt in Tschechien. Die Amerikanische Rebzikade ist kein Quarantäneschädling.

Aussehen

Die erwachsene Amerikanische Rebzikade ist geflügelt und 5-6mm lang. Erkennungsmerkmale sind ihre spitze Kopfform, mittelbraune Bänder am Rücken und die kontrastreich gefärbten Flügeln, die weiße Stellen und dunkle Flügeladern aufweisen. Das erste Larvenstadium ist etwa 1,8 mm groß und durchscheinend weiß gefärbt. Am Körperende befinden sich zwei dunkle Punkte. Auch die anderen vier Larvenstadien zeigen diese beiden Punkte. Mit jeder Häutung werden die Larven größer und ihre Körperfarbe dunkler. Die Amerikanische Rebzikade durchläuft eine Generation im Jahr.

In Österreich beginnen die ersten Larven in der letzten Maiwoche zu schlüpfen. Der Schlupf dauert mehrere Wochen, sodass verschiedene Entwicklungsstadien gleichzeitig auftreten. Die jungen Larven sitzen häufig an den Stockaustrieben auf der Blattunterseite. Nach insgesamt fünf Larvenstadien, treten im Juli die erwachsenen, flugfähigen Zikaden auf. Ab Ende Juli legen die Weibchen ihre Eier am Rebstock unter die Rinde ab. Den Winter überdauert die Amerikanische Rebzikade im Eistadium.

Schadorganismus

An sich ist die Amerikanische Rebzikade kein Schädling. Sie überträgt jedoch den Erreger der wirtschaftlich bedeutsamen Goldgelbe Vergilbung der Rebe (Flavescence dorée). Dabei handelt es sich um Phytoplasmen, die als Zellparasiten in den Siebröhren der Rebe leben. Frisch geschlüpfte Larven der Amerikanischen Rebzikade sind immer Flavescence dorée-frei. Saugen die Zikaden an einer mit Flavescence dorée infizierten Rebe nehmen sie die Erreger mit dem Saftstrom auf. Nach einer Latenzzeit von 3-4 Wochen, in der sich die Krankheitserreger in der Amerikanischen Rebzikade vermehren und vom Darmtrakt zur Speicheldrüse wandern, können die Zikaden die Krankheit weitergeben. Die größte Gefahr hinsichtlich der Verbreitung der Goldgelben Vergilbung geht von den erwachsenen Zikaden aus. Diese treten ab Mitte Juli bis Ende September auf. Aufgrund der engen Bindung der Amerikanische Rebzikade an die Rebe, kann es zu einer raschen Ausbreitung der Krankheit kommen.

Verbreitung

In Österreich wurden die ersten Individuen der Amerikanischen Rebzikade 2004 von ExpertInnen der AGES in Weingärten der Südost-Steiermark nachgewiesen. Ebendort wurden 2009 zum ersten Mal Weinstöcke festgestellt, die an der Goldgelben Vergilbung der Rebe erkrankt waren. Da die Flavescence dorée eine Quarantänekrankeit ist (EC Richtlinie 2000/29 Anhang II/A II und B), wurde 2010 von der Steiermärkischen Landesregierung die Verordnung vom 26. April 2010 über die Bekämpfung der Amerikanischen Rebzikade und der Goldgelben Vergilbung der Rebe erlassen. 2015 wurden erstmals im Burgenland einzelne Reben gefunden, die an Flavescence doree erkrankt waren. Infolge hat auch das Land Burgenland die Verordnung der Burgenländischen Landesregierung vom 28. Juni 2016 betreffend Maßnahmen zur Bekämpfung der Goldgelben Vergilbung der Rebe und der Amerikanischen Rebzikade erlassen.

Jedes Jahr überwachen ExpertInnen der AGES in enger Kooperation mit den Landespflanzenschutzdiensten und Landwirtschaftskammern das Vorkommen der Amerikanischen Rebzikade und das Auftreten der Goldgelben Vergilbung der Rebe.

Die Monitoring-Untersuchungen von 2016 ergaben, dass sich die Amerikanische Rebzikade in der Südost-Steiermark und im Burgenland etwas ausgebreitet hat. In Niederösterreich wurde das Auftreten der Amerikanischen Rebzikade in der Thermenregion, Carnuntum und im östlichen Weinviertel überwacht, besonders intensiv entlang der Grenze zur Slowakei und Tschechien. Erstmals wurden Larven an einigen grenznahen Standorten im nordöstlichen Weinviertel und zwei adulte Amerikanische Rebzikaden in Berg gefunden.

Bekämpfungsmaßnahmen

Eine sehr wichtige vorbeugende Maßnahme ist die Verwendung von gesundem Rebmaterial. Da die direkte Bekämpfung der Phytoplasmen derzeit nicht möglich ist, mit Ausnahme der Heißwasserbehandlung von Rebstecklingen, konzentrieren sich die Bekämpfungsmaßnahmen auf die Reduzierung des Vektors, die Amerikanische Rebzikade, und die unverzügliche Rodung von erkrankten Stöcken.
Um die Ansteckung der Larven mit Flavescence dorée zu unterbinden, ist die Verwendung von geeigneten Pflanzenschutzmitteln ab dem dritten Larvenstadium sinnvoll (Amtliches Pflanzenschutzmittelregister: www.baes.gv.at/pflanzenschutzmittel/pflanzenschutzmittelregister/
Dabei ist zu beachten, dass die Larven über mehrere Wochen hinweg schlüpfen. Eine zweite Behandlung zur Erfassung der später geschlüpften Larven kann notwendig sein. Grundsätzlich sollte die Vektorbekämpfung immer auf Basis der Erhebungen aus dem Monitoring und den Empfehlungen des entsprechenden Landespflanzenschutzdienstes sowie der Landwirtschaftskammer erfolgen. Die aktuellen Informationen zum Monitoring der Amerikanischen Rebzikade können über den Rebschutzdienst bzw. insect-watch abgerufen werden (https://rebschutzdienst.at)
Im Herbst ist eine genaue visuelle Kontrolle der Reben auf Vergilbungssymptome ganz wichtig. Bei Verdacht wird eine Pflanzenuntersuchung empfohlen, um Verwechslungsmöglichkeiten mit anderen Vergilbungsursachen (z.B.: Stolbur) auszuschließen. Denn nur wenn die Ansteckungsquellen schnell entfernt werden, kann die Ausbreitung der Goldgelben Vergilbung verhindert werden.

Amtlicher Pflanzenschutzdienst Steiermark:
www.verwaltung.steiermark.at/cms/ziel/74835560/DE/, Tel: +43 (316) 877-6601
Ansprechpartner: Herr Dipl.-Ing. Josef Pusterhofer, Frau Dr. Juliane Blaha

Landwirtschaftskammer Burgenland:
www.lk-bgld.at, Tel.: +43 (0) 2682 - 702
Ansprechpartner: Herr Ing. Gerhard Steinhofer, Herr Daniel Pachinger

Kontakt:

Mag. Gudrun Strauß
Tel.: 05 0555 33313
gudrun.straussno@Spam@agesno.Spam.at

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Drittes Larvenstadium der Amerikanischen Rebzikade (Scaphoideus titanus)
Drittes Larvenstadium der Amerikanischen Rebzikade (Scaphoideus titanus)
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Blattunterseite eines Rebblattes mit vier jungen Larven der Amerikanischen Rebzikade (Scaphoideus titanus) und ihren Häutungsresten.
Blattunterseite eines Rebblattes mit vier jungen Larven der Amerikanischen Rebzikade (Scaphoideus titanus) und ihren Häutungsresten.

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