Nitrofurane

Zuletzt geändert: 16.06.2020

Rückstände von Nitrofuranen in Lebensmitteln

Aufgrund ihrer kanzerogenen Wirkung wurden Nitrofurane in der EU schon vor mehr als 15 Jahren in den Anhang IV (Verzeichnis der pharmakologisch wirksamen Stoffe, für die keine Höchstwerte festgelegt werden können) der Verordnung (EWG) 2377/90 aufgenommen. Daher ist die Anwendung von Nitrofuranen bei lebensmittelliefernden Tieren verboten. Dieses Verbot wurde Anfang 2010 durch die Verordnung (EU) 37/2010 (Tabelle 2) übernommen, welche die Anhänge oben zitierter Verordnung ersetzt.

Durch Abspaltung der Nitrofuran-Gruppe im Molekül werden Nitrofurane im Organismus rasch metabolisiert:

    Muttersubstanz                Metabolit
    Furaltadon                           AMOZ
    Furazolidon                          AOZ
    Nitrofurantoin                      AHD
    Nitrofurazon (Nitrofural)       Semicarbacid

Ein großer Teil der frei gesetzten Seitenketten bindet kovalent an Proteine des Gewebes und wird z.B. in Muskel und Leber nur langsam abgebaut. Daher werden nicht die Muttersubstanzen sondern die Metaboliten analysiert, um möglichst lange eine missbräuchliche Anwendung von Nitrofuranen nachweisen zu können.

Zum Zwecke des Gesundheitsschutzes wurde - um ausreichend empfindliche Analysen zu gewährleisten - für die Nitrofuran-Metaboliten ein MRPL (minimum required performance limit) von 1 µg/kg  festgesetzt (Entscheidung der Kommission 2003/181/EG). Dieser Wert ist eine Mindestleistungsgrenze und kein Grenzwert, d.h. die angewendete Analysenmethode muss mindestens 1 µg/kg nachweisen können. Resultate auch unter 1 µg/kg sind, sofern sie mit einer Bestätigungsmethode abgesichert sind, als positiv zu beurteilen.

Wird in Lebensmitteln tierischen Ursprungs Semicarbazid gefunden, ist bei der Interpretation des Resultats Vorsicht geboten. Diese relativ einfache Verbindung muss nicht von einer illegalen Anwendung von Nitrofurazon herrühren, es gibt noch andere Quellen:

  • Migration aus Kunststoffverpackungen in Lebensmittel, z.B. wurde Azodicarbonamid, das zu einem geringen Prozentsatz zu Semicarbazid reagieren kann, zur Herstellung von geschäumten Kunststoffdichtungen in Metalldeckeln verwendet. Seit August 2005 ist die Anwendung verboten.
  • In manchen Nicht-EU-Staaten darf Azodicarbonamid bei der Mehlbehandlung als Oxidationsmittel eingesetzt werden; so kann es z.B. zu einer Kontamination des Fleisches aus der Panier kommen.
  • Bei der Produktion von Eipulver kann Semicarbazid gebildet werden.

Für die Kontrolle inländischer Lebensmittel auf Nitrofuranmetaboliten gibt es im Sinne des vorbeugenden Verbraucherschutzes im Rahmen des Nationalen Rückstandskontrollplans (NRKP) ein umfassendes Untersuchungsprogramm.

Weiters werden im Rahmen von Aktionen der amtlichen Lebensmittelkontrolle sowie im Verdachtsfall Proben untersucht. Besonderes Augenmerk wird auf die Kontrolle von Produkten aus Ländern außerhalb der EU gelegt (z.B. Shrimps und Garnelen aus dem südost-asiatischen Raum).

Die Abteilung Tierarzneimittel, Hormone und Kontaminanten des Instituts für Lebensmittelsicherheit Wien analysiert Nitrofuranmetaboliten und Nitrofuran-Muttersubstanzen in diversesten Probenarten und ist auch Nationales Referenzlabor für diese Untersuchungen.

Probenarten

  • Leber (aufgrund der höheren Konzentration und damit der besseren Nachweisbarkeit der Nitrofuran-Metaboliten in Leber als in Muskel werden im Rahmen des NRKP Leberproben vom geschlachteten Tier untersucht)
  • Fleisch
  • Aquakultur (Shrimps, Garnelen, Fisch)
  • Milch
  • Eier und Eipräparate
  • Honig
  • Babynahrung und sonstige Lebensmittelproben
  • Futtermittel (da hier keine Metabolisierung erfolgt, werden die Nitrofuran-Muttersubstanzen analysiert)

Untersuchungsmethode

Bei der Probenaufarbeitung werden die kovalent gebundenen Nitrofuran-Metaboliten durch milde saure Hydrolyse freigesetzt.
Nach Derivatisierung mit Nitrobenzaldehyd werden die entsprechenden Derivate von AMOZ, AOZ, AHD und Semicarbazid mittels LC/MS-MS gemessen.
(Gemäß der Entscheidung der Kommission 2002/657/EG ist eine massenspektroskopische Methode für die Bestätigung von verbotenen Substanzen erforderlich.)

Die Nachweisgrenzen liegen bei bzw. unter 0,1 µg/kg.

Gesetzliche Grundlagen

  • Verordnung (EU) Nr. 37/2010 der Kommission vom 22. Dezember 2009 über pharmakologisch wirksame Stoffe und ihre Einstufung hinsichtlich der Rückstandshöchstmengen in Lebensmitteln tierischen Ursprungs (ABl. EU Nr. L 15 vom 20.1.2010).
  • Entscheidung der Kommission 2003/181/EG vom 13. März 2003 hinsichtlich der Festlegung von Mindestleistungsgrenzen (MRPL) für bestimmte Rückstände in Lebensmitteln tierischen Ursprungs (ABl. EU Nr. L 71 vom 15.03.2003).
  • Entscheidung der Kommission 2002/657/EG vom 12. August 2002 zur Umsetzung der Richtlinie 96/23/EG des Rates betreffend die Durchführung von Analysenmethoden und Auswertung von Ergebnissen (ABl. EG Nr. L 221 vom 17.8.2002).
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