Mykotoxine

Downloads Services Verwandte Inhalte
Zuletzt geändert: 27.02.2017

Mykotoxine sind Pilzgifte. Sie sind natürliche, sog. sekundäre Stoffwechselprodukte von Schimmelpilzen, die bei Menschen und Tieren eine toxische Wirkung zeigen, bzw. eine Mykotoxikose verursachen. Nicht zu den Mykotoxinen gezählt werden die Giftstoffe, die in bestimmten höheren Pilzen (z. B. Knollenblätterpilz) enthalten sind.

Im Gegensatz zu den Produkten des Primärstoffwechsels sind diese sekundären Stoffwechselprodukte nicht bei allen Organismen zu finden, sondern sind charakteristisch für ihren Produzenten.

Mehr Informationen

Mykotoxine sind Pilzgifte. Sie sind natürliche, sog. sekundäre Stoffwechselprodukte von Schimmelpilzen, die bei Menschen und Tieren eine toxische Wirkung zeigen, bzw. eine Mykotoxikose verursachen. Nicht zu den Mykotoxinen gezählt werden die Giftstoffe, die in bestimmten höheren Pilzen (z. B. Knollenblätterpilz) enthalten sind.

Im Gegensatz zu den Produkten des Primärstoffwechsels sind diese sekundären Stoffwechselprodukte nicht bei allen Organismen zu finden, sondern sind charakteristisch für ihren Produzenten.

Mehr Informationen

Wirkung

Wirkung

Nachfolgende Tabelle zeigt Wirkungen verschiedener Mykotoxine (DON = Deoxynivalenol, ZON = Zearalenon, T-2 = T-2 Toxin, NIV = Nivalenol, FUM = Fumonisine, OTA = Ochratoxin A, AFL = Aflatoxine)

Tabelle 1: Wirkungen ausgewählter Mykotoxine
  DON ZON T-2 NIV FUM OTA AFL
hautreizend     x x      
brechreizend x   x x      
immunsuppressiv x   x x   x  
nekrotisierend     x        
östrogen   x          
mutagen   (x)       (x) x
karzinogen         (x) (x) x
Nephrotoxisch         x x x
hepatotoxisch              

 

Besonders gefährdet sind Nutztiere (insbesonders Schwein, Geflügel und Pferd), die verschimmeltes Futtermittel verzehren. Kontaminiertes Futter ist für eine Reihe von Erkrankungen verantwortlich, wie z.B. das Östrogensyndrom bei Schweinen, Futterverweigerung oder Erkrankung von Truthähnen.

Während Mykotoxikosen früher bei Menschen eine häufige Krankheitsursache waren, die nicht selten sogar zum Tode führte (z.B. Mutterkornvergiftung), stellen Mykotoxine heute aufgrund einer hochwertigen Lebensmittelherstellung keine derartige akute Bedrohung für den Menschen mehr dar. Heute steht die Minimierung des Mykotoxinrisikos, welches auch nicht akute Auswirkungen, z.B. kanzerogene, ebenso berücksichtigt, im Vordergrund. EU Regelungen über Kontaminanten befassen sich nun auch in verstärktem Ausmaße mit der Mykotoxinproblematik und geben Höchstwerte bzw. Richtwerte vor (siehe auch beigefügter Überblick über Mykotoxin Richt- und Höchstwerte als pdf).

Sicherheit

Sicherheit

Durchführungsverordnung (EU) 884/2014 - Aflatoxinrisiko bei Einfuhr bestimmter Lebens- und Futtermittel  aus bestimmten Drittländern

Aflatoxine (Aflatoxin B1, B2, G1 und G2) sind z.Z. die gesundheitsschädlichsten Mykotoxine (kanzerogen), die mit Höchstgehalten geregelt sind (Verordnung (EG) Nr. 1881/2006, Richtlinie 2002/32/EG). Aflatoxine können in Nüssen, Gewürzen und Trockenfrüchten aber auch in Getreide/Mais vorkommen. Die EU ist bezüglich Aflatoxine in erster Linie mit einem Importproblem konfrontiert, da die kontaminierte Ware hauptsächlich aus Drittländern stammt. Um zu verhindern, dass nicht konforme Produkte in die europäische Gemeinschaft gelangen, wurden u.a. aufgrund Meldungen im Rahmen des europäischen Schnellwarnsystems (RASFF) nach Verordnung (EG) Nr. 178/2002 spezifische Regelungen in Kraft gesetzt (Verordnung (EU) 884/2014). Die VO benennt u.a. die wahrscheinlich mit Aflatoxinen kontaminierten Produkte mit ihren Ursprungsländern und legt dafür Kontrollfrequenzen fest.

Verordnung (EG) 669/2009 – Gefahren bei der Einfuhr von Lebensmitteln und Futtermitteln nicht tierischen Ursprungs

Diese Verordnung legt Bestimmungen für eine verstärkte amtliche Kontrolle bei der Einfuhr bestimmter Futter- und Lebensmittel nicht tierischen Ursprungs fest. Im Anhang I werden jene Futter- bzw. Lebensmittel mit ihren Ursprungsländern und der damit verbundenen Gefahr (z.B. Kontaminanten oder andere Schadstoffe) aufgelistet. Dafür werden wiederum konkrete Kontrollfrequenzen festgesetzt. Dieser Anhang wird mehrmals im Jahr aktualisiert.

Landwirtschaft

Landwirtschaft

In Österreich (im Gegensatz z.B. zu den skandinavischen Ländern) tritt die Mykotoxinproblematik am Feld auf. Besonders betroffen sind Getreide (Weizen, Hafer) und Mais, welche hauptsächlich durch den Befall mit den Feldpilzen der Gattung Fusarium mit Mykotoxinen kontaminiert werden.

Neben den in der Tabelle unten angeführten Fusarientoxinen sind noch folgende von Bedeutung: Fumonisin B1 und B2 in Mais bzw. Maisprodukten (F. proliferatum,), T-2 Toxin und HT-2 Toxin besonders in Hafer (F. sporotrichioides und F. langsethiae).

MaisWeizenHaferGebildete Toxine
F. subglutinans
F. graminearum


F. graminearum



F. avenaceum
F. poae

F. graminearum



F. avenaceum
F. poae
Moniliformin
Zearalenon,
Deoxynivalenol (Vomitoxin)
15-Acetyldeoxynivalenol
3-Acetyldeoxynivalenol
Moniliformin
Nivalenol

Tabelle: Wichtige Fusarien auf Getreide in Österreich mit ihren Fusarientoxinen (Auswahl)

Verpilzung

Verpilzung

Einflussfaktoren für die Verpilzung

Witterung: Warme und feuchte Bedingungen zur Blütezeit fördern die Fusarieninfektion.

Maiszünsler: Die Raupe des Maiszünslers begünstigt mit ihren Fraßschäden an den Maiskolben das Aufkommen von Fusarien.

Maisstoppeln am Feld: Der Pilz überwintert bei Nichteinarbeiten der Stoppeln am Feld. Bei Körnermais als Vorfrucht von Winterweizen ist zudem mit einem verstärkten Befall des Weizens zu rechnen.

Minimale Bodenbearbeitung: Die nichtwendende Bodenbearbeitung ist einer der Risikofaktoren hinsichtlich eines Befalls der Folgefrucht mit Fusarium (besonders auffällig bei Direktsaat nach Mais).

Sortenwahl: Bei Weizen gibt es für Sorten Einstufungen hinsichtlich seiner Resistenz gegenüber Fusarienbefall. Bei Mais ist besonders auf eine standortgerechte Sortenwahl zu achten.

Erntezeitpunkt: Da das Getreidekorn im reifen Zustand sehr anfällig gegenüber Pilzbefall ist, darf die Ernte nicht unnötig hinausgezögert werden. Niederschläge zur Zeit der Vollreife begünstigen den Pilzbefall.

Lagerung: Ist die Feuchtigkeit des Erntegutes unter 13 Prozent kommt es zu keiner nachträglichen Verpilzung durch Lagerpilze (z.B. Penicillium, Aspergillus). Unter 17 Prozent Feuchtigkeit werden aber auch kaum mehr Mykotoxine gebildet (Anm.: Im österreichischen Getreide spielen die Lagertoxine Aflatoxine und Ochratoxin A eine untergeordnete Rolle).

Reinigung des Erntegutes: Eine sorgfältige Reinigung kann den Fusarientoxingehalt stark reduzieren. Aspirieren und Gewichtsauslese sind am effektivsten. Hafer kann besser gereinigt werden als Weizen.

Untersuchung

Untersuchung

Aus heutiger Sicht und nach österreichischen Erfahrungen werden bei Getreide, Mais und deren Produkten sowie für Futtermittel nachfolgende Mykotoxinparameter zur Analyse vorgeschlagen (Tabelle unten).
Im Lebensmittelbereich sind Hinweise auf mögliche Mykotoxinbelastungen aus den einschlägigen Regelungen ableitbar (siehe auch Überblick über Mykotoxin Richt- und Höchstwerte).

 

ABZONFUMERGOTAFLOTABemerkung
Getreide, Futtergetreide, Getreideprodukte (Weizen, Triticale >> Roggen, Gerste)Ergot bei Roggen
Getreide, Futtergetreide, Getreideprodukte (Weizen, Triticale >> Roggen, Gerste)Importware
Ergot bei Roggen
Soja, Sojaprodukte
Hafer, Haferprodukte, Getreideprodukte mit Hafer
Hafer, Haferprodukte, Getreideprodukte mit HaferImportware
Mais, Maisprodukte, Getreideprodukte mit Mais
Mais, Maisprodukte, Getreideprodukte mit MaisImportware
Gras, Heu, ...

 

Tabelle: Ausgewählte Mykotoxine-Analyseempfehlungen (Vorschlag) ●  Empfehlung;  
A = A-Trichothecene (T-2 Toxin, HT-2 Toxin)
B = B-Trichothecene (Deoxynivalenol, Nivalenol, 3-Acetyldeoxynivalenol, 15-Acetyldeoxynivalenol und Fusarenon X); ZON = Zearalenon; ERGOT = Ergotalkaloide; FUM = Fumonisine B1 und B2; AFL = Aflatoxine B1, B2, G1, G2; OTA = Ochratoxin A

Analyse

Analyse

Die Abteilung Kontaminantenanalytik (KONA) des Institutes Lebensmittelsicherheit Linz ist als nationales Referenzlabor für Mykotoxine nominiert.

Aufgrund einer sehr heterogenen Mykotoxin-Verteilung in den einzelnen Produkten, ist für die Beurteilung des Mykotoxinrisikos eine standardisierte Probenahme eine der wichtigsten Voraussetzungen. Sowohl das Probenahmeverfahren als auch Kriterien für Probenaufbereitung und Analysenmethoden sind für Lebensmittel in der Verordnung (EG) Nr. 401/2006 bzw. für Futtermittel in der Verordnung (EG) Nr. 152/2009 festgelegt. Weiters sei auf eine Reihe von einschlägigen Normen (EN) verwiesen.

Zur Bestimmung von Mykotoxinen in Rohgetreide, Futtermittel und Lebensmittel werden im KONA der AGES GmbH akkreditierte Spezialanalyseverfahren angewendet. Die Tabelle gibt das jeweilige Analysenprinzip wider.

ParameterExtraktionClean upDerivatisierungTrennverfahrenDetektion
A-Trichothecene (T-2, HT-2)Acetonitril/WasserMycosep, IASMSTFAGCMS
B-TrichotheceneAcetonitril/WasserMycosepTMSGC (2 Säulen)EC
15+2 MykotoxineAcetonitril/Wasser/EssigsäureHPLCMS-MS
DeoxynivalenolAcetonitril/WasserIASHPLCDAD
ZearalenonAcetonitril/WasserIASHPLCFL
Fumonisin B1, B2Acetonitril/Methanol/WasserIASOPA (Vorsäulenderiv.)HPLCFL
Ochratoxin AAcetonitril/WasserIASHPLCFL
Aflatoxin B1, B2, G1, G2Aceton/Wasser bzw. Methanol/WasserIASPBPB (Nach-säulenderiv.)HPLCFL
Aflatoxin M1WasserIASHPLCFL
ErgotalkaloideEthylacetat/Methanol/PropanolSPEHPLCFL
PatulinEthylacetat/HexanSPEHPLCDAD
AlternariatoxineAcetonitril/Methanol/WasserSPEHPLCFL

 

Tabelle: Analyseverfahren (akkreditierte Spezialanalytik) - Prinzip

A-Trichothecene (Bestimmung mittels Isotopenverdünnungs-GC/MS) = T-2 Toxin, HT-2 Toxin;
B-Trichothecene = Deoxynivalenol, Nivalenol, 3-Acetyldeoxynivalenol, 15-Acetyldeoxynivalenol und Fusarenon X;
IAS = Immunaffinitätssäule; SPE = Festphasenextraktion
MSTFA, TMS: Derivatisierung durch Silylierung; PBPB: Pyridiniumbromidperbromid: OPA: Orthophthaldialdehyd
GC = Gaschromatographie; HPLC = Hochleistungsflüssigkeitschromatographie
EC:  Elektroneneinfangdetektor; FL: Fluoreszenzdetektor; DAD = Diodenarraydetektor
MS= Massenspektrometrie (MS-MS = Dilute & Shoot Methode mittels Stabilisotopenverdünnungsanalyse und Tripelquadrupol-Tandem-Massenspektrometrie)


x