Zulassungskosten für Landwirtschaftliche Erhaltungssorten und für besondere Bedingungen gezüchtete Gemüsesorten

In der EU unterliegen grundsätzlich alle Sorten von landwirtschaftlichen Pflanzenarten einem Zulassungs- und Registrierungsprozess. Die EU ermöglicht jedoch in ihrer Richtlinie 2008/62/EG Ausnahmeregelungen für die Zulassung von Landsorten (= ErHaltungsSorten, EHS) und anderen Sorten, die an die natürlichen örtlichen und regionalen Gegebenheiten angepasst und von genetischer Erosion und möglichem Verlust bedroht sind. Dies gilt auch für das Inverkehrbringen von Saatgut bzw. Pflanzkartoffeln dieser Erhaltungssorten. Eine analoge Richtlinie (RL 2009/145/EG) besteht auch für den Anbau spezieller Gemüsesorten (= unter Besonderen Bedingungen Gezüchteten Sorten, BBGS) für 37 Arten wie z.B. Karotte, Rhabarber, Spargel, Spinat oder Tomate.
Beide Richtlinien sind in Österreich voll inhaltlich umgesetzt. In der Österreichischen Sortenliste (ÖSL) sind zurzeit 16 landwirtschaftliche und 87 Gemüse-BBGS aufgeführt. Zusätzlich befinden sich ständig mehrere Sorten in diesem vereinfachten Zulassungsverfahren.
Die von der EU gewünschte Sonderstellung dieser Erhaltungs- und BBGS-Sorten für eine umweltgerechte und biodiversitätsfördernde Produktion spiegelt sich auch in den herabgesetzten Anforderungsbedingungen (z.B. keine Wert-/Registerprüfung) an diese Sorten und den dafür deutlich geringeren Kosten in der Sortenzulassung wider.


Kosten in € für die Zulassung einer Pflanzensorte in Österreich

Zulassungs-Verfahren

Antrags-bearbeitung

Register-prüfung

Wert-

prüfung

Prüf-

bericht

Summe

Zulassung

Jährliche

Listung in ÖSL

Winterweizen, Normal-V

225,55

1.142,36

3.214,83

169,80

4.752,54

23,36

Winterweizen, EHS-V

225,55

0

0

0

225,55

23,36

Gemüse, Normal-V

132,04

1.100 – 2.000

0

0

max. ca 2.132.-

23,36

Gemüse, BBGS-V

132,04

0

0

0

132,04

23,36



In der Antragsbearbeitung wird bei allen EHS bzw. BBGS festgestellt, ob es sich bei der vorliegenden Sorte um eine „genetische Ressource“ im Sinne der Verordnung handelt. In allen bisher durchgeführten Beurteilungen wurde den vorgestellten Sorten dieser Status zuerkannt.
Von landwirtschaftlichen Erhaltungssorten dürfen in Österreich gleich große Mengen wie für konventionelle Sorten, die sich im Zulassungsverfahren befinden, in Verkehr gebracht werden. Diese Saatgutmenge beträgt z.B. bei Winterweizen je Erhaltungssorte maximal 173.900 kg Saatgut/Jahr. Die Saatgutmenge aller Erhaltungssorten ist bei Winterweizen mit zehn Prozent des nationalen Saatgutaufkommens gedeckelt. Dies bedeutet, dass bei dieser für die Ernährungssicherung wichtigen Pflanzenart ca. 5.800 t Saatgut/Jahr für die Aussaat von ca. 35.000 Hektar vermarktet werden kann.
Saatgut von Gemüse-BBGS-Sorten darf in Kleinpackungen in unbeschränkter Menge vermarktet werden.
Bisher wurden die möglichen Saatgutmengen bei landwirtschaftlichen Erhaltungssorten (EHS) in Österreich noch nie in Anspruch genommen.

Link zum kompletten aktuellen Sortenordnungsgebührentarif 2017.

 

 

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