Die Tollwutviren gehören der Familie der Rhabdoviridae, Gattung Lyssavirus an. Insgesamt werden derzeit 11 verschiedene Tollwutvirus-Stämme (Genotypen) unterschieden. 4 weitere Isolate befinden sich im Stadium der Überprüfung ob es sich dabei um Genotypen handelt.
Jährlich werden nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ca. 55.000 - 60.000 Menschen mit dem Rabiesvirus infiziert, wobei in den meisten Fällen Hunde als Überträger fungieren. Annähernd die Hälfte der Personen, die von tollwutverdächtigen Hunden gebissen werden, sind Kinder unter 15 Jahre.
Der letzte humane Todesfall infolge einer durch Wildtiere übertragenen silvatischen Tollwut wurde 1979 in Kärnten nach einem Fuchsbiss verzeichnet. Ein importierter Tollwut-Todesfall in Österreich wurde zuletzt im Jahr 2004 dokumentiert: ein Mann starb, nachdem er in Marokko von einem tollwütigen Hund gebissen worden war.
Die Tollwut kann je nach Wirtstieren in drei unterschiedlichen Formen auftreten:
Urbane Tollwut
Hunde bilden das Hauptreservoir und übertragen das Tollwutvirus auf andere Tiere und Menschen. Die Zirkulation des Tollwutvirus in der österreichischen Hundepopulation ist bereits seit 1950 erloschen.
Silvatische Wut
Es handelt sich dabei um eine durch Wildkarnivoren übertragene Tollwut. Hauptreservoir in Europa ist der Rotfuchs, in Osteuropa zusätzlich der Marderhund. Seit 2007 wurde in Österreich kein Tollwutvirus mehr bei Wildtieren detektiert.
Fledermaustollwut
Die Fledermaustollwut ist ein eigenständiges Infektionsgeschehen und steht nicht mit der silvatischen Wut in Zusammenhang. Sie konnte in Österreich bislang weder in Fledermäusen noch bei anderen Tieren sowie Menschen beobachtet werden.
Der Erreger wird durch den Speichel von infizierten Tieren, in den meisten Fällen durch einen Biss übertragen. Allerdings kann das Virus in seltenen Fällen auch unverletzte Schleimhäute und Schürfwunden als Eintrittspforte nutzen, wenn es zu einem direkten Kontakt mit Speichel kommt. Hunde und Katzen scheiden im Normalfall Rabiesviren im Speichel erst im Endstadium der Erkrankung aus. Es ist äußerst unwahrscheinlich, dass sie in diesem Stadium ein normales Verhalten aufweisen.
Ein Kontakt mit Blut, Urin oder Kot eines infizierten Tieres bzw. alleiniges Berühren oder Streicheln von erkrankten Tieren stellen kein Infektionsrisiko dar.
Umstritten ist die Exposition gegenüber Fledermäusen in deren Lebensräumen (Höhlen mit großer Fledermauspopulation) als relevantes Risiko für eine mögliche aerogene Übertragung. Die bloße Anwesenheit einer Fledermaus im gleichen Zimmer reicht nicht für eine Übertragung des Erregers aus. Der direkte Kontakt mit Fledermäusen stellt hingegen ein Infektionsrisiko dar. Tollwutkranke Fledermäuse werden oft am Boden liegend vorgefunden. Sie zeigen abnorme Verhaltensmuster, attackieren naheliegende Gegenstände, haben Orientierungsschwierigkeiten sowie Lähmungserscheinungen. Rabies-infizierte Fledermäuse ändern ihre Gewohnheiten, werden tagaktiv und befinden sich an Orten, an denen sie sich normalerweise nicht aufhalten.
Einige Fälle von Mensch-zu-Mensch-Übertragungen wurden publiziert. Als Hauptursache sind in diesem Zusammenhang Transplantationen zu erwähnen. Es wurden zudem Einzelfälle von Mensch-zu-Mensch-Übertragungen durch Bisse berichtet. Eine Übertragung im Rahmen der Pflege von Erkrankten wurde bisher nicht beobachtet.
Krankheitsverlauf
Rabies führt fast immer innerhalb von 14 Tagen nach Krankheitsbeginn zum Tod. Die Zeit zwischen Biss und Auftreten der ersten Symptome ist abhängig von der Bissstelle. Je weiter die Bissstelle vom zentralen Nervensystem entfernt ist, desto länger dauert es, bis die ersten Symptome auftreten. Je nachdem, ob ein starkes Erregungsstadium oder nur Lähmungserscheinungen das klinische Bild prägen, unterscheidet man auch zwischen rasender und stiller Wut.
Der klassische Verlauf der Krankheit umfasst drei Stadien:
Stadium prodromale (Prodromalstadium)
Unspezifische Symptome wie Zeichen eines grippalen Infektes, Schmerzen, Jucken oder Parästhesien (Missempfindungen) im Bereich der Bisswunde
Stadium irritationis (Exzitationsstadium)
Ungefähr 80 % der Patienten entwickeln die klassische Form der Tollwut ("rasende Wut"). Diese ist gekennzeichnet durch Episoden von Verwirrtheit, Agitiertheit und aggressivem Verhalten in Abwechslung mit bewusstseinsklaren Phasen. Weiters sind Fieber, vermehrter Speichelfluss, Schwitzen, erweiterte Pupillen und Gänsehaut beschrieben worden. Krampfanfälle kommen selten, meist im fortgeschrittenen Verlauf der Erkrankung, vor. Der Großteil der Patienten entwickelt, für die Tollwut charakteristisch, eine Hydrophobie. Es kommt schließlich zum Auftreten von schlaffen Paresen, Koma und Multiorganversagen.
Stadium paralyticum (Paralysestadium)
Bei der paralytischen Verlaufsform der Rabies ("stille Wut", ca. 20 % der Fälle) kommt es schon früh zu schlaffen Lähmungen und im weiteren Verlauf zu Schmerzen, Sensibilitätsstörungen und vegetativen Dysregulationen. Hydrophobie ist eher untypisch bei dieser Verlaufsform, kann aber vorkommen. Der Tod tritt schließlich durch Lähmung der Atemmuskulatur ein.