Legionellen

Legionella ssp.

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Zuletzt geändert: 25.09.2018
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Legionellen sind stäbchenförmige, sporenlose, gram-negative Bakterien, die in der Familie Legionellaceae zusammengefasst werden. In der einzigen Gattung Legionella werden über 40 benannte Spezies mit mehr als 60 unterschiedlichen Serogruppen subsummiert, von denen nur eine geringe Anzahl für den Menschen pathogen (krankheitserregend) ist. Die epidemiologisch bedeutendste Spezies ist Legionella pneumophila mit mindestens 15 Serogruppen, wobei die Serogruppe 1 in Österreich bei ca. 90 % der humanen Legionellosen nachgewiesen wurde.

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Legionellen sind stäbchenförmige, sporenlose, gram-negative Bakterien, die in der Familie Legionellaceae zusammengefasst werden. In der einzigen Gattung Legionella werden über 40 benannte Spezies mit mehr als 60 unterschiedlichen Serogruppen subsummiert, von denen nur eine geringe Anzahl für den Menschen pathogen (krankheitserregend) ist. Die epidemiologisch bedeutendste Spezies ist Legionella pneumophila mit mindestens 15 Serogruppen, wobei die Serogruppe 1 in Österreich bei ca. 90 % der humanen Legionellosen nachgewiesen wurde.

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Erkrankungen

Die Zahl der Personen, die an der Legionärskrankheit (Legionellose) erkranken, ist in den vergangenen Jahren europaweit gestiegen: Im Jahr 2016 wurden laut Europäischem Zentrum für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) 7.069 Fälle in Europa gemeldet (im Jahr 2013 waren es 5.830 gemeldete Fälle).

Auch in Österreich sind die Fallzahlen gestiegen: Wurden im Jahr 2013 100 Fälle dokumentiert, waren es im Jahr 2017 bereits 218 Fälle von Legionärskrankheit (bei einer Bevölkerung von 8,772 Millionen; im Vergleich dazu wurden in der Schweiz im Jahr 2017 insgesamt 490 Fälle bei einer Bevölkerungsgröße von 8,372 Millionen registriert). Die Legionärskrankheit (Legionellose) ist eine schwere, manchmal tödlich verlaufende Lungenentzündung, die durch Bakterien der Gattung Legionella (häufigste Art: Legionella pneumophila) verursacht wird. Während die Zahl der Legionellen-Ausbrüche über die Jahre konstant blieb, ist die Zahl der Einzelerkrankungen stark gestiegen.

Für den Anstieg der Fallzahlen in Österreich dürften mehrere Faktoren mit verantwortlich sein:

  • Erhöhung der Detektionsrate der Fälle von Legionärskrankheit bei Patienten mit Lungenentzündung durch den vermehrten Einsatz von Schnelltests (qualitativen Nachweis von Legionella pneumophila-Antigen in Harnproben der Patienten)
  • Erhöhung der Melderate der Fälle von Legionärskrankheit durch die elektronische Labormeldeverpflichtung seit Jahresbeginn 2014
  • Ein tatsächlicher Anstieg der Legionellose-Fälle als Folge der globalen Klimaveränderung wird diskutiert: Ein Zusammenhang zwischen einem besonders warmen, feuchten Sommer und einer erhöhten Fallzahl wurde 2014 in den Niederlanden und in England festgestellt. Im Frühjahr und Sommer 2017 beobachtete man in vielen Europäischen Ländern, auch in Österreich, eine Zahl der gemeldeten Fälle von Legionärskrankheit, die um bis zu 40 % über der erwarteten Fallzahl lag

Um das Bewusstsein der Ärzteschaft für diese Krankheit zu schärfen, haben die Österreichische Gesellschaft für Infektionskrankheiten und Tropenmedizin (ÖGIT) und die AGES Maßnahmen gesetzt: Eine neue Leitlinie der ÖGIT soll Diagnose, Behandlung und Vorbeugung der Krankheit optimieren. Zudem führt die AGES als Nationale Referenzzentrale für Legionella-Infektionen gemeinsam mit den Landessanitätsdirektionen Schulungen für AmtsärztInnen und sonstige MitarbeiterInnen von Gesundheitsbehörden und assoziierten Einrichtungen durch:

07.03.2018: Probenahme bei Legionellen- und lebensmittelbedingten Infektionen

Die Infektion mit Legionellen erfolgt durch das Einatmen von Aerosolen (= feinste Wassertröpfchen) oder feinsten Staubpartikeln, die mit Legionellen belastet sind. Das Trinken von Wasser, in dem Legionellen vorhanden sind, stellt kein gesundheitliches Risiko dar. Gefährdet sind vor allem Personen mit geschwächtem Immunsystem, mit chronischen Lungenerkrankungen sowie Raucher. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist derzeit nicht erwiesen.

Legionellen vermehren sich vor allem in komplexen Wassernetzen von Großgebäuden wie Krankenhäusern, Pflege- und Altersheimen, Beherbergungsbetrieben und Bädern. Diese Bakterien können aber auch in Wasserversorgungsanlagen von Wohnanlagen und in anderen wasserführenden Systemen, z. B. von Kühltürmen, Whirlpools, Befeuchtungsanlagen, Innen-Dekorationsbrunnen, Beckenbädern, Autowaschanlagen oder in natürlichen Thermalquellen und deren Verteilungssystemen gute Vermehrungsbedingungen vorfinden und auf eine für den Menschen bedenkliche Anzahl ansteigen. Legionellen vermehren sich bei Temperaturen zwischen 25 °C und 45 °C und stagnierendem Wasser in Biofilmen, das sind Schleimschichten, in denen Mikroorganismen eingebettet sind. Erst bei Temperaturen über 60 °C sterben Legionellen rasch ab.

Legionärskrankheit in Österreich
JahrLegionellose-Fälledavon TodesfälleLetalität
20131001414 %
2014135128,9 %
201516063,8 %
201616174,3 %
2017218104,6 %

 

 

 

Übertragung

Das Einatmen von legionellenbelasteten Aerosolen (feinsten Wassertröpfchen) oder Feinstäuben kann zu einer schweren Lungenentzündung, der so genannten Legionärskrankheit, führen. Das Trinken von legionellenbelastetem Wasser stellt kein gesundheitliches Risiko dar. Ein erhöhtes Risiko haben Personen mit geschwächtem Immunsystem, mit chronischen Lungenerkrankungen sowie Raucher. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist nicht möglich.

Infektion über Pflanzenerde

In Europa wird die Legionärskrankheit hauptsächlich durch Legionella pneumophila verursacht. Es gibt aber auch andere Legionellenarten, die in der Umwelt weit verbreitet sind und unter Umständen ebenfalls zu einer Infektion führen können. Weltweit, v. a. in Australien, aber auch in Europa, werden zunehmend Fälle von Legionärskrankheit registriert, die durch die Art Legionella longbeachae verursacht wurden. Als Infektionsquelle dient in diesen Fällen wahrscheinlich handelsübliche Pflanzenerde, so auch bei einem Todesfall in Österreich im Jahr 2008. Das Risiko, durch Einatmen legionellenhaltiger feinster Staupartikel aus Pflanzenerde oder Kompost an der Legionärskrankheit zu erkranken, ist sehr gering. Im Jahr 2009 wurden zwei Fälle von der AGES dokumentiert.

In Australien, wo Infektionen mit Legionella longbeachae weiter verbreitet sind, wird Pflanzenerde mit einem Risikohinweis gekennzeichnet und empfohlen, die Erde vor Verwendung zu befeuchten, um Staubentwicklung zu vermeiden, Gartenhandschuhe zu tragen und die Hände nach der Arbeit gründlich zu waschen. Auch das Tragen von Feinstaub-Atemschutzmasken wird manchmal für den Umgang mit Pflanzenerde angeraten.

Prävention

Nach der Entdeckung der Infektionskrankheit im Jahr 1976 wurden in vielen Ländern nationale Überwachungs-Systeme für Legionella-Infektion eingerichtet. In Österreich ist jeder Verdachts-, Erkrankungs- und Todesfall meldepflichtig. Die epidemiologische Überwachung auf Basis der Meldungen von ÄrztInnen und Laboratorien gemeinsam mit dem Überwachungssystem der Nationalen Referenzzentrale für Legionella-Infektion ermöglicht eine rasche Identifizierung von Clustern (das heißt Häufungen von Fällen). Durch die zuständigen Bezirksverwaltungsbehörden mit Unterstützung durch InfektionsepidemiologInnen der AGES kann eine adäquate Ausbruchsabklärung mit prompter Identifikation und Eliminierung der Infektionsquelle erfolgen.

Umfangreiche Informationen zur Prävention siehe Downloadbereich: Legionellen Folder


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