Lebensmittelbedingte Krankheitsausbrüche
Verbraucherinnen und Verbraucher erwarten hygienisch einwandfreie Lebensmittel und die Lebensmittelindustrie legt großen Wert auf die Qualität ihrer Produkte. Erkranken Menschen dennoch durch den Verzehr von mit Krankheitserregern verunreinigten Lebensmitteln, sollte versucht werden, die Ursachen herauszufinden.
In Einzelfällen ist es in der Regel nicht möglich, die Ursache der Krankheit in der Vielfalt der verzehrten Lebensmittel zu finden. Bei Gruppenkrankheiten, so genannten lebensmittelbedingten Ausbrüchen, besteht jedoch eine bessere Chance, das Lebensmittel zu finden, das als Übertragungsvehikel für den Krankheitserreger diente, indem charakteristische Ähnlichkeiten zwischen den Fällen herausgearbeitet werden.
Definition: Ein lebensmittelbedingter Krankheitsausbruch wird im Zoonosengesetz 2005 wie folgt definiert: Das unter gegebenen Umständen festgestellte Auftreten einer mit demselben Lebensmittel oder mit demselben Lebensmittelunternehmen in Zusammenhang stehenden oder wahrscheinlich in Zusammenhang stehenden Krankheit und/oder Infektion in mindestens zwei Fällen beim Menschen oder eine Situation, in der sich die festgestellten Fälle stärker häufen als erwartet.
Situation 2025
Im Jahr 2025 wurden insgesamt 33 lebensmittelbedingte Krankheitsausbrüche gemeldet, um einer weniger als im Jahr 2024. In Summe waren 354 Personen von den Ausbrüchen betroffen, 45 % mehr als im Jahr 2024 (194 Personen), jedoch deutlich weniger als 2019 (793 Personen) zu Vor-Corona-Zeiten. 110 Personen mussten in Verbindung mit den Ausbrüchen hospitalisiert werden (2024: 77, 2023: 38, 2022: 57, 2021: 27, 2020: 17, 2019: 159); es gab keinen Todesfall (2024: 2 Todesfälle, 2023: 1 Todesfall, 2022: 4 Todesfälle, 2021: 2 Todesfälle, 2020: kein Todesfall, 2019: ein Todesfall). Die durchschnittliche Personenanzahl pro Ausbruch war 10,7 und betraf zwischen zwei und 86 Personen im jeweiligen Ausbruch.
Die Anzahl der allgemeinen Ausbrüche im Jahr 2025 war 16 (48 %) - inkl. zwei internationalen Ausbrüchen und zwei Ausbrüchen, die vom Jahr 2023 andauerten - und jene der Haushaltsausbrüche war 17 (52 %).
Wie bereits in den Vorjahren (2024: 10 Ausbrüche; 2023: 15 Ausbrüche) war ein Teil der Ausbrüche (n = 8) mit Auslandsaufenthalten assoziiert.
Als häufigstes Ausbruchsagens trat Salmonella in Erscheinung (13 Ausbrüche, 278 Betroffene). An zweiter Stelle liegt Campylobacter (9 Ausbrüche, 39 Fälle), danach folgten drei Ausbrüche durch Norovirus (14 Personen) und zwei Ausbrüche verursacht durch Shigella spp. (5 Personen). Jeweils ein Ausbruch wurde durch die folgenden Erreger verursacht: nicht typisierter E. coli (zwei Personen), STEC (zwei Personen), Hepatitis A Virus (3 Fälle), Listeria monocytogenes (sechs Personen), Cereulid (3 Fälle) und Entamoeba histolytica (zwei Personen).
Ein wichtiger langanhaltender länderübergreifender Ausbruch lebensmittelbedingter Infektionen, wurde durch den Erreger Salmonella Strathcona ST2559 CT3910 verursacht. Dieser Ausbruch betraf in Österreich im Jahr 2025 52 Erkrankungsfälle mit 20 Krankenhausaufenthalten. Zwischen 2023 und dem 30. September 2025 wurden in 17 EU-/EWR-Ländern insgesamt 437 bestätigte Fälle von S. Strathcona ST2559 identifiziert. Kleine Tomaten aus Sizilien wurden als Infektionsquelle bestätigt. Als Reaktion darauf wurden von der italienischen Lebensmittelsicherheitsbehörde umfassende Untersuchungen durchgeführt. Der Nachweis von Salmonella Strathcona in einer Probe von Bewässerungswasser, die auf dem Gelände eines Tomatenproduzenten in Sizilien entnommen wurde, bestätigte die Rolle der Umwelt als Quelle der Kontamination von Tomaten. Diese Ergebnisse verdeutlichten zugleich die Notwendigkeit eines multidisziplinären Ansatzes, der neben lebensmittelbezogenen Untersuchungen auch Umweltbewertungen einbezieht, um das Risiko einer Kontamination mit Salmonella wirksam zu reduzieren.
Ein weiterer lebensmittelbedingter Ausbruch mit starker Evidenz war ein länderübergreifender Ausbruch in Österreich und Deutschland, verursacht durch Salmonella Infantis ST603 CT28911. In Österreich führte dieser Ausbruch zu 20 Erkrankungsfällen und zehn Krankenhausaufenthalten. Durch die Ermittlungen konnte die Infektionsquelle rasch identifiziert und mikrobiologisch bestätigt werden: Bio-Cashewmus mit Himbeeren eines Unternehmens in Deutschland. Das betroffene Unternehmen hat die Produkte daraufhin vom Markt genommen und mehrfach einen öffentlichen Produktrückruf für das Produkt „dmBio Cashewmus Himbeere“ durchgeführt. Der Rückruf umfasste alle Chargen mit einem Mindesthaltbarkeitsdatum bis zum 28. April 2026.
Ein weiterer Ausbruch lebensmittelbedingter Erkrankungen mit starker Evidenz bestand bereits seit dem Jahr 2023. Verursacht wurde er durch Listeria monocytogenes Sg IIa/ST101/CT7699. Im Jahr 2023 wurde eine Person durch den Verzehr kontaminierter Lebensmittel infiziert. Im Jahr 2024 waren vier Personen von diesem Ausbruch betroffen; alle mussten hospitalisiert werden, und eine Person verstarb infolge der Infektion. Im Jahr 2025 wurden sechs weitere Fälle registriert, wobei ebenfalls alle betroffenen Personen hospitalisiert werden mussten. Als kontaminierte Lebensmittel wurden Fleisch und Fleischerzeugnisse identifiziert.
| Jahr | 2006 | 2007 | 2008 | 2009 | 2010 | 2011 | 2012 | 2013 | 2014 | 2015 | 2016 | 2017 | 2018 | 2019 | 2020 | 2021 | 2022 | 2023 | 2024 | 2025 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| lebensmittelbedingte Ausbrüche | 609 | 438 | 368 | 351 | 193 | 232 | 122 | 133 | 96 | 78 | 80 | 69 | 52 | 48 | 22 | 22 | 28 | 43 | 34 | 33 |
| - davon durch Salmonellen | 452 | 305 | 223 | 207 | 98 | 100 | 53 | 47 | 47 | 34 | 37 | 32 | 21 | 17 | 7 | 9 | 11 | 21 | 17 | 13 |
| - davon durch Campylobacter | 137 | 108 | 118 | 120 | 82 | 116 | 61 | 58 | 40 | 32 | 40 | 24 | 24 | 22 | 10 | 6 | 8 | 12 | 7 | 9 |
| Anzahl der Erkrankten (in Verbindung mit lebensmittelbedingten Ausbrüchen) | 2.530 | 1.715 | 1.376 | 1.330 | 838 | 789 | 561 | 568 | 790 | 333 | 436 | 227 | 222 | 793 | 70 | 95 | 127 | 223 | 194 | 354 |
| - in Verbindung mit Ausbrüchen Erkrankte je 100.000 Bewohner | 30,7 | 20,7 | 16,5 | 15,9 | 10,0 | 9,4 | 6,7 | 6,7 | 9,3 | 3,9 | 5,0 | 2,6 | 2,5 | 9,0 | 0,7 | 1,0 | 1,4 | 2,4 | 2,1 | 3,8 |
| - davon im Krankenhaus behandelt | 493 | 286 | 338 | 223 | 155 | 179 | 179 | 108 | 121 | 86 | 68 | 56 | 58 | 159 | 20 | 30 | 56 | 39 | 77 | 110 |
| - Anzahl der Todesfälle | 3 | 1 | 0 | 6 | 2 | 0 | 0 | 0 | 1 | 0 | 0 | 2 | 0 | 1 | 1 | 4 | 3 | 1 | 2 | 0 |
Arten von Ausbrüchen
Auf Basis des österreichischen Zoonosengesetzes sammeln wir jährlich die Ausbruchsdaten und leiten diese an die EU weiter. Für diese Berichterstattung ergeben sich bestimmte Klassifizierungen: Ausbrüche, bei denen nur Mitglieder eines einzigen Haushaltes betroffen sind, werden als Haushaltsausbruch gewertet. Sind Personen aus mehreren Haushalten betroffen, wird dies als allgemeiner Ausbruch gezählt. Den Großteil (ca. 75 %) machen jedes Jahr Haushaltsausbrüche aus, weil es häufig nicht gelingt, Erkrankungsfälle verschiedener Haushaltsausbrüche epidemiologisch durch Identifizierung eines einzigen ursächlichen Lebensmittels miteinander in Verbindung zu setzen.
Ausbruchsabklärung
Das Ziel der Ausbruchserhebung ist es, nicht nur den gerade stattfindenden Ausbruch zu stoppen, sondern vor allem derartige Erkrankungen in Zukunft generell zu verhindern.
Durch detaillierte und systematische Suche kann es gelingen, sowohl das Infektionsvehikel, also jenes Lebensmittel, welches das infektiöse Agens zum Menschen übertrug, und das Reservoir, das den Lebensraum eines infektiösen Agens darstellt, ausfindig zu machen. Nur dann ist es möglich, zielgerichtete und sinnvolle Interventionen zu setzen. Diese Maßnahmen sollen darin resultieren, dass die Ausbruchsursache, nämlich der Infektionserreger, aus der Lebensmittelkette eliminiert wird und die Konsumenten diesem Agens nicht mehr ausgesetzt sind.
Schön zeigt sich das präventivmedizinische Potential einer Ausbruchsabklärung an folgendem historischen Beispiel: Im Juli 2004 ist es gelungen, einen lebensmittelbedingten Ausbruch, verursacht durch Salmonella Enteritidis Phagentyp 36, einem in Österreich sehr seltenen Salmonellentypen, von dem 38 Personen in vier Bundesländern betroffen waren, abzuklären und auf eine Legehennenherde zurückzuführen. Die Herde wurde ausgemerzt, der Betrieb gründlich gereinigt und desinfiziert; anschließend wurden neue Legehennen eingestallt. Aufgrund dieser getroffenen Maßnahmen ist in Österreich seitdem kein einziger weiterer Erkrankungsfall durch Salmonella Enteritidis Phagentyp 36 bekannt geworden.
Über das EMS, ein flächendeckendes Surveillance-System, werden seit 2009 bakterielle und virale Lebensmittelinfektionen und -vergiftungen gemeldet. Diese Meldezahlen müssen jedoch differenziert betrachtet werden: Zahlreiche Faktoren können zu einer Unterschätzung der tatsächlichen Erkrankungszahlen führen („underdetection/underreporting“). Je nach Erreger ist die Datenlage oft unterschiedlich gut: Für Salmonellen beispielsweise liegen Daten aus europaweiten Grundlagenstudien, Überwachungs- und Bekämpfungsprogrammen vor. Der Rückgang von Salmonellose-Erkrankungen ist ein Effekt von Maßnahmen, die aufgrund dieser Datenlage durchgeführt werden. Toxoplasmose hingegen ist nicht meldepflichtig, obwohl neue wissenschaftliche Erkenntnisse auf einen Zusammenhang mit Lebensmittel hinweisen. All diese Faktoren müssen bei der Einschätzung der tatsächlichen Bedeutung einer Krankheit für die öffentliche Gesundheit berücksichtigt werden.
Durchführung
Gemäß den Bestimmungen des Epidemiegesetzes haben die lokal zuständigen Bezirksverwaltungsbehörde durch die ihnen zur Verfügung stehenden Amtsärzt:innen über jede Anzeige sowie über je den Verdacht des Auftretens einer anzeigepflichtigen Krankheit – und damit auch im Falle von lebensmittelbedingten Krankheitsausbrüchen – unverzüglich die zur Feststellung der Krankheit und der Infektionsquelle erforderlichen Erhebungen und Untersuchungen einzuleiten. Darüber hinaus verpflichtet das Zoonosengesetz 2005 die jeweils zuständigen Behörden, lebensmittelbedingte Krankheitsausbrüche zu untersuchen und soweit möglich dabei angemessene epidemiologische und mikrobiologische Untersuchungen durchzuführen.
Die Behörden haben dabei die Möglichkeit Experten hinzu zu ziehen. Eine bloße Verstärkung von ungezielten Lebensmittelbeprobungen hat sich in der Vergangenheit wiederholt als nicht zielführend erwiesen. Bei vielen Ausbrüchen steht zum Zeitpunkt der Erhebungen das ursächliche Lebensmittel (bzw. die betroffene kontaminierte Charge des ursächlichen Produkts) für mikrobiologische Untersuchungen nicht mehr zur Verfügung.
Eine epidemiologische Studie kann in diesen Fällen Erkenntnisse bringen, die präventive Maßnahmen zur Vermeidung ähnlicher Zwischenfälle in der Zukunft ermöglichen. Die gewonnenen Erkenntnisse aus erfolgreich abgeklärten nationalen und internationalen Ausbrüchen der letzten Jahre haben die Notwendigkeit und den Nutzen von epidemiologischen Abklärungen außer Frage gestellt.
Forschungsprojekt „Data Flow Mapping in a Member State“
Im Projekt ‚Data Flow Mapping in a Member State‘ mit Fokus auf lebensmittelbedingte Krankheitsausbrüche, war das Ziel, die einzelnen Prozessschritte im Datenfluss zu dokumentieren. Die abgefragten Themen betrafen die einzelnen Player im Data Flow - von der Eingabe in das EMS über die Datenbereinigung, das Mapping bis zum Daten-transfer zur EFSA. Weiters wurden Angaben zum Datenformat und zu verwendeten Programmen bzw. Datenmodellen in den einzelnen Prozessschritten erhoben.
Für jene Schritte, wo am häufigsten zeitaufwendige Nachforschungen und Anpassungen identifiziert wurden, sollen in Zukunft gezielt Lösungen entwickelt werden, um sowohl den personellen Mehraufwand der Datenaufbereitung als auch die Fehleranfälligkeit zu reduzieren.
Genauere Details zu dem von der EFSA finanziell unterstützten Forschungsprojekts können dem Bericht für Österreich https://www.efsa.europa.eu/en/supporting/pub/en-9652 sowie dem Gesamteuropäischen Bericht https://www.efsa.europa.eu/en/supporting/pub/en-9654 entnommen werden.
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Aktualisiert: 06.08.2026