Virenmonitoring

Zuletzt geändert: 17.05.2019

Das Forschungsprojekt "Zukunft Biene" geht in die zweite Runde. Das Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus (BMNT) hat ein Folgeprojekt namens "Zukunft Biene 2" genehmigt. Der Projektfokus liegt speziell auf den verschiedenen Bienenviren, aber natürlich werden auch weiterhin Daten zu den Winterverlusten der österreichischen Imker erhoben. "Zukunft Biene 2" ist zu einem großen Teil als „Citizen Science“-Projekt konzipiert. Unter Einbindung von Imkerinnen und Imker aus ganz Österreich als Hobby-ForscherInnen wird der Gesundheitszustand heimischer Honigbienen in ihren unterschiedlichen Lebensumwelten untersucht. Unter Mitarbeit der Bevölkerung können wissenschaftliche Fragestellungen in kürzerer Zeit umfassender erhoben und bearbeitet werden.

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Mit dem Flügelverkrüppelungsvirus (DWV) infizierte Honigbiene: Biene mit Varroamilbe und Flügelstummeln als DWV-Symptom.
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Mit dem Sackbrutvirus (SBV) infizierte Strecklarve mit aufsitzender Varroamilbe.
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Bei schwarzsüchtigen Bienen gibt erst ein Test Gewissheit, ob ein Befall durch das Chronische Bienenparalyse Virus (CBPV) vorliegt.

Zukunft Biene 2 - Erfolgreicher Start des Virenmonitorings für Imker

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"Wir machen den Viren-Check bei unseren Bienen weil es eine wertvolle Unterstützung ist, um meine Bienenvölker vor den Auswirkungen des Varroa-Befalls zu schützen", Manfred Sackl, Imker aus Kärnten.

Welches sind die häufigsten Bienenviren in Österreich und stehen diese Viren in Verbindung mit hohen Winterverlusten heimischer Bienenvölker? Zur Beantwortung dieser Fragen arbeiten 200 Imkerinnen und Imker aus ganz Österreich als Citizen Scientists beim "Zukunft Biene"-Folgeprojekt mit. Die Bienenstände für diese Studie wurden mittels Zufallsauswahl aus freiwilligen Meldungen einer Facebook-Kampagne der AGES sowie einem Aufruf in der Imker-Zeitschrift "Bienen aktuell" und von "Biene Österreich" ausgesucht.

In "Zukunft Biene 2" werden in Projekt-Modul A die Völker von 200 Bienenständen in ganz Österreich drei Jahre lang kostenlos auf die sieben wichtigsten Bienenviren untersucht. Es gilt die Frage zu klären: Welches sind die häufigsten Bienenviren in Österreich und stehen sie in Verbindung mit hohen Winterverlusten? Gleichzeitig werden grundlegende und notwendige Informationen über Bienenviren gesammelt.

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Die Imkerin sucht im Probenvolk die korrekte Wabe für die Probenahme.
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Pro Volk werden zehn Arbeiterinnen in einem Königinnenversandkäfig eingefangen, der mit Futter ausgestattet ist.
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Fünf Käfige mit lebenden Bienen werden per Post zur AGES - Abteilung Bienenkunde und Bienenschutz geschickt.
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Die Bienen werden in der AGES durch Kälte abgetötet und exakt zehn Bienen werden für die Analyse abgezählt.
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Das homogenisierte Konzentrat wird abgefüllt – nun steht es für die Virusanalyse bereit.

Im September 2018 sendeten die Hobby-ForscherInnen Bienenproben ihrer Bienenstände. In den letzten Wochen sind bei der AGES 198 Päckchen eingelangt. Damit haben 99% der ausgewählten Teilnehmerinnen und Teilnehmer die erste von drei Probenahmen erfolgreich abgeschlossen.

Die Probennahmen wurden von den Imkerinnen und Imkern selber durchgeführt, die Materialien und Anleitung wurden ihnen von uns zur Verfügung gestellt. Sie beprobten jeweils fünf ihrer Bienenvölker, indem sie fünf Königinnenkäfige mit jeweils etwa zehn Bienen füllten. Danach gaben sie in einem Fragebogen detaillierte Informationen über ihre Betriebsweise bekannt.

Viele der Teilnehmerinnen und Teilnehmer erfüllten dann noch eine freiwillige Zusatzaufgabe: sie sahen die Probenvölker auf Krankheitssymptome durch, die mit Virenbefall in Verbindung stehen können, und trugen auch diese Beobachtungen in den Fragebogen ein.

Die Königinnenkäfige wurden gemeinsam mit dem Fragebogen per Post an die Abteilung Bienenkunde und Bienenschutz der AGES verschickt. Dort angekommen wurden die Päckchen sofort tiefgekühlt und die Bienen damit schnell und schonend abgetötet.

Der Virus-Level der eingesandten Bienen wird in den nächsten Monaten festgestellt und den Imkerinnen und Imkern bekannt gegeben.

Was müssen teilnehmende ImkerInnen tun?

  • Bienenstand mit mindestens fünf Völkern auswählen und der AGES bekannt geben
  • Bienenproben bei ausgewählten Völkern selbstständig sammeln und versenden (Material und Anleitung werden von der AGES zur Verfügung gestellt)
  • Beantworten eines kurzen Fragebogens zu Betrieb und Bienenstand
  • Überwinterungsergebnisse der beprobten Völker und der anderen Völker des Standes im folgenden Frühjahr bekannt geben

Was bringt teilnehmenden ImkerInnen das Projekt?

  • Drei Jahre lang ein kostenloser Virencheck (1 Mal pro Jahr)
  • Jährliche Zusendung der Virenergebnisse in den beprobten Bienenvölkern
  • Auskunft über jährliche Veränderungen im Virenvorkommen
  • Ein geschärftes, auf Fakten basierendes Bild über den Gesundheitszustand ihrer Bienenvölker
  • Die Gewissheit, als ForscherIn etwas Nützliches zur Gesunderhaltung der eigenen Bienenvölker zu tun

Weiterführende Informationen erhalten Sie auf der Projekthomepage www.zukunft-biene.at. Bei Fragen zum Virenmonitoring wenden Sie sich an die Abteilung Bienenkunde und Bienenschutz der AGES unter der Email: virenmonitoringno@Spam@agesno.Spam.at

"Zukunft Biene 2 - Grundlagenforschungsprojekt zur Förderung des Bienenschutzes und der Bienengesundheit"

Ausgangslage

Nach derzeitigem Stand der Wissenschaft sind Bienenviren, wie beispielsweise das Flügeldeformationsvirus und das Akute Bienenparalyse Virus, mitverantwortlich für hohe Winterverluste. Aber auch andere Viren, wie das Sackbrutvirus oder das Chronische Bienenparalyse Virus, machen den Bienenvölkern sehr zu schaffen. Leider haben wir derzeit erst punktuelle Kenntnisse über das Vorkommen und die Häufigkeit dieser Bienenviren in Österreich. Untersuchungen auf Viren erfolgten bisher meist erst, wenn schon ein Schaden am Bienenvolk entstanden war. Forschungsergebnisse aus den USA und europäischen Nachbarländern zeigten, dass viele Viren ebenso häufig in unauffällig erscheinenden Völkern wie in deutlich geschädigten vorkommen.

Projektziel

Im Rahmen von "Zukunft Biene" wurde bereits ein Überblick über die Häufigkeit von drei Bienenviren in Österreich gewonnen. Dieses Wissen wird in einem mehrjährigen österreichischen Virenmonitoring der AGES vertieft und das Untersuchungsspektrum um weitere vier Viren erweitert. Die Vetmeduni Wien wird innovative Ansätze zur Verbesserung der Virusdiagnostik bei Honigbienen testen. Bislang werden Virusinfektionen bei Honigbienen durch den Nachweis des Viruserbgutes mittels "Polymerase-Kettenreaktion" (PCR) diagnostiziert. Diese PCR-Testverfahren sind sehr aufwändig und teuer und erfassen immer nur eine Virusspezies. Ziel des Moduls ist es daher, einen Virustest zu entwickeln, der virale Antigene (Proteine) nachweist. Die zu entwickelnden Testverfahren sind kostengünstig und automatisierbar, so dass die Imker künftig ohne großen finanziellen Aufwand die Gesundheit ihrer Völker testen und mit gezielten Maßnahmen auf den Virusbefall reagieren können. Die Universität Graz wird die COLOSS-Studie zu den Winterverlusten in Österreich weiter führen. Damit werden mit Abschluss von "Zukunft Biene 2" 14 Jahre ununterbrochene Winterverlustdaten vorliegen, aus denen wichtige Schlüsse über Trends und Zyklen gezogen werden können. Zusätzlich werden wichtige Fragen zur ökonomischen Bedeutung von Winterverlusten, zu Methoden der Winterverlusterhebung und zu den Problemen und Erwartungen von Jungimkern wissenschaftlich bearbeitet.

Forschungsthema: Bienengesundheit
Akronym: Zukunft Biene 2 - Grundlagenforschungsprojekt zur Förderung des Bienenschutzes und der Bienengesundheit
Projektlaufzeit: 12/2017 bis 09/2021  
Projektleitung: Univ.-Prof. Dr. Karl Crailsheim, Universität Graz
Projektkonsortium: Karl-Franzens-Universität Graz (Institut für Zoologie), Veterinärmedizinische Universität Wien (Institut für Virologie), AGES - Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH (Abteilung für Bienenkunde und Bienenschutz, Abteilung Molekularbiologie, Abteilung Statistik)
Projektförderung: Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus (BMNT), Bundesländer und Imkerdachverband Biene Österreich sowie Eigenmittel der Karl-Franzens-Universität Graz, der Veterinärmedizinischen Universität Wien und der AGES

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