Trachtpflanzen

Honig- und Wildbienen brauchen für die Versorgung mit Eiweiß und Fett Blütenpollen, den sie im Flugkreis von den dort wachsenden Pflanzen sammeln. Pollen ist jedoch von unterschiedlicher Qualität und Wertigkeit im Hinblick auf seinen Protein-, Lipid-, und Vitamingehalt und den Anteil an essentiellen Aminosäuren sowie hinsichtlich der Verdaulichkeit.

Für Österreich liegen bislang keine flächendeckenden Untersuchungen zur Kenntnis der saisonal und regional von Bienen genutzten Pollenquellen und deren Diversität vor. Ziel des Projektmoduls war es, diese Lücke zu schließen, um zu diesen für die Volksentwicklung und Bienengesundheit wichtigen Fragen grundlegende Informationen zu erhalten. Dazu wurden ImkerInnen als freiwillige ProbenehmerInnen, sogenannten „Citizen Scientists“ oder „BürgerwissenschafterInnen“, eingebunden.

Die Pollenanalyse geschah zunächst grob über die Farbzuordnung eingetragener Pollenladungen zu fest vorgegebenen Terminen im Jahreslauf, in einer zweiten Ebene durch lichtmikroskopische Beurteilung und botanische Identifizierung pollenliefernder Pflanzen, die jedoch nicht in jedem Falle bis auf Artniveau erfolgen konnte.

Beim ersten Sammeltermin dominierte klar der Pollen von Weidenarten. Beim zweiten Termin war Pollen von Weiden und Apfel, Birne und Weißdorn, aber auch Raps und Roßkastanie stark vertreten. Beim dritten Termin dominierte Ahorn, gefolgt von Raps, anderen Kreuzblütlern und verschiedenen Hahnenfußverwandten. Ab dem vierten Sammeltermin wurden Weißklee, Wegerich, Senf und Rotklee vermehrt als Pollenquellen genutzt. Die Wegericharten und der Weißklee blieben dann bis zum 7. bzw. 8. Sammeltermin dominant. Ab dem 7. Termin wurden auch verschiedene spät blühende Korbblütler, Senf, Phacelia und Buchweizen stark von den Bienen gesammelt. Zum Saisonabschluss am 9. Termin war in beiden Jahren Efeupollen dominant.

Von speziellem Interesse waren dabei die im Spätsommer und noch bis weit in den Herbst hinein blühenden Begrünungen mit Phacelia tanacetifolia, Sinapis spp., Fagopyrum spp. und anderen Vertretern aus der Familie der Brassicaceae, die von Teilen der Imkerschaft kritisch gesehen werden im Hinblick auf eine Verlängerung der Bruttätigkeit und sich daraus ergebender Probleme mit der Bienengesundheit (Verlängerung der Vermehrungsperiode der Varroamilbe, Ruhr, Nosema) und den Überwinterungserfolg. Hier zeigte sich, dass es sowohl Bienenstände gibt, bei denen der Pollen der genanntenPflanzen in der Spätsommerpollenversorgung eine Rolle spielt, als auch Bienenstände, wo dies nicht der Fall ist.

Von besonderem Interesse in der Bewertung eines Standortes hinsichtlich der Pollendiversität ist der Vergleich zwischen Land und Stadt. Diese Fragestellung hilft uns beim Verständnis, welche Landnutzungstypen in der heute stark vom Menschen geprägten Natur die Honigbiene und andere Bestäuber am besten mit Pollen versorgen. Unsere Untersuchung liefert aufgrund der relativ wenigen in Städten untersuchten Bienenstände nur exemplarische Ergebnisse, die diese Vermutung, dass urbane Aufstellungsorte gute Pollenhabitate darstellen, stützen.

Im jedem Falle muss auch die Qualität der einzelnen Pollen beachtet werden, da der Pollen einzelner Pflanzen, etwa jener der Edelkastanie, einen deutlich höheren Nährwert für Honigbienen besitzen als etliche andere Pollenarten. Die laut unseren Untersuchungen am häufigsten annähernd in Reinform im Sammelgut vorkommenden Pollensorten sollten auf ihren Nährwert für Bienen untersucht werden. Dies könnte dann den Imkerinnen und Imkern die Möglichkeit geben, bei Bedarf gegenzusteuern und für ein entsprechend ausgewogenes Nahrungsangebot zu sorgen.

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