Zitrusbockkäfer

Anoplophora chinensis

Zuletzt geändert: 01.09.2021
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Tierseuchenkategorien:

Steckbrief

Der Name Zitrusbockkäfer ist irreführend, da er zwar in seiner Heimat Asien vor allem Zitrusbäume befällt, aber an zahlreichen anderen Laubbäumen ebenso erhebliche Schäden anrichtet. In der Europäischen Gemeinschaft ist der Zitrusbockkäfer als Quarantäneschadorganismus gelistet und daher meldepflichtig.

Aussehen

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Erwachsener Zitrusbockkäfer, © Matteo Maspero
Der erwachsene Zitrusbockkäfer ist glänzend schwarz mit hellen Flecken und langen gestreiften Fühlern

Der Zitrusbockkäfer, ein Vertreter der Familie der Bockkäfer (Cerambycidae), ist sehr auffällig und vom Aussehen her kaum mit anderen heimischen Bockkäferarten zu verwechseln. Er ist 2-4 cm lang, glänzend schwarz mit unregelmäßigen hellen Flecken auf den Flügeldecken und hat lange, blau-weiß geringelte Fühler. Die Flügeldeckenbasis ist gekörnt. Die Männchen sind meist kleiner als die Weibchen und haben längere Fühler, die das Hinterende (Flügeldecken) überragen.

Die cremefarbenen Larven haben einen langgestreckten, zylindrischen Körper und sind beinlos. Nach dem Schlüpfen sind sie ca. 5 mm lang und werden im Laufe ihrer Entwicklung bis zu 50-60 mm groß.

Die Eier sind ca. 5-6 mm lang und cremeweiß, kurz vor dem Larvenschlupf gelb-braun.

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Ei des Zitrusbockkäfers, © Matteo Maspero
Cremeweißes Ei wird unter einem Stück abgelöster Rinde sichtbar
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Larve des Zitrusbockkäfers, © Matteo Maspero
Larve im Holz
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Puppe des Zitrusbockkäfers, © Matteo Maspero
Puppe in einem Loch eines angeschnittenen Holzes

Biologie

In Asien schlüpfen die Käfer von Mai bis ca. Oktober (mit Schwerpunkt im Mai bis Juli), in Mitteleuropa etwa von Juni bis August. Die Weibchen beginnen zehn Tage nach dem Schlupf mit der Eiablage. Dazu schneiden sie mit den Mundwerkzeugen T-förmige Schlitze in die Rinde der oberirdischen Wurzeln oder der Stammbasis. Ein Weibchen legt in seinem Leben durchschnittlich bis zu 70 Eier einzeln ab. Nach etwa ein bis drei Wochen schlüpft die Larve und frisst zuerst im Stamm unter der Rinde (Kambialregion). Später breiten sich die Larvengänge ins holzige Gewebe (Splint- und Kernholz) der untersten Stammteile und Wurzeln aus. Die Larven erreichen dann schon eine Größe von 5 -6 cm. Die Überwinterung erfolgt im Larvenstadium und die Verpuppung dann im Frühjahr. Das Puppenstadium dauert etwa vier bis sechs Wochen, danach schlüpft der Käfer durch kreisrunde Ausbohrlöcher (mit ca. 1-1,5 cm Durchmesser) an der Stammbasis und an oberirdischen Wurzeln. Der Reifungsfraß der adulten Tiere erfolgt an Blättern, Blattstielen und der Rinde von jungen Zweigen.

Der Entwicklungszyklus des Zitrusbockkäfers dauert üblicherweise ein Jahr. Je nach klimatischen Bedingungen kann der Zyklus aber auch zwei Jahre lang sein, wie z.B. in Mitteleuropa.

Schadsymptome

Befallene Bäume sind aufgrund der versteckten Lebensweise der Larven nur sehr schwer zu erkennen. Erste Befallszeichen sind oft Bohrspäne am Stammfuß und im Wurzelbereich, die durch die Fraßtätigkeit der Larven entstehen. Auch die kreisrunden, ca. 1 cm großen Ausbohrlöcher der geschlüpften Käfer sind Anzeichen für einen Befall mit dem Zitrusbockkäfer. Weitere Hinweise auf ein Vorkommen ist das Auffinden der auffälligen Käfer selbst sowie die Fraßspuren der Zitrusbockkäfer an Blättern und Zweigen (Reifungsfraß). Der Reifungsfraß der Käfer führt zusätzlich zu Welkeerscheinungen.

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Sägemehl aus dem Bohrloch, © Matteo Maspero
Bohrspäne im Wurzelbereich eines Baumes
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Fraßgänge der Larve mit Sekundärinfektionen im Holz, © Matteo Maspero
Querschnitte von befallenem Holz mit Fraßgängen der Larve

Wirtspflanzen

Der Zitrusbockkäfer kann Pflanzen von mehr als 20 Familien als Wirtspflanzen nutzen, in seiner Heimat Asien bevorzugt Zitruspflanzen (Citrus spp.). Das mögliche Wirtspflanzenspektrum umfasst jedoch zahlreiche Laubgehölze, einschließlich Obst- und Ziergehölze. In Asien ist das Wirtspflanzenspektrum größer; hier zählen auch Nadelgehölze der Gattungen Cryptomeria spp. und Pinus spp. dazu.

Häufige Wirtspflanzen sind: Ahorn (Acer spp.), Apfel (Malus spp.), Birne (Pyrus spp.), Birke (Betula spp.), Buche (Fagus spp.), Erle (Alnus spp.), Hainbuche (Carpinus), Hartriegel (Cornus spp.), Haselnuss (Corylus spp.), Kräuselmyrten (Lagerstroemia spp.), Pappel (Populus spp.), Platane (Platanus spp.), Rose (Rosa spp.), Ulme (Ulmus spp.), Weide (Salix spp.), Weißblühende Rosskastanie (Aesculus hippocastanum), Weißdorn (Crataegus spp.), Zitruspflanzen (Citrus spp.), Zwergmispel (Cotoneaster spp.), Zwetschke und Kirsche (Prunus spp.).

Verbreitung

Ursprünglich stammt der Zitrusbockkäfer aus Ostasien (China, Japan, Korea) gelegentlich kommt er auch in Malaysia, Myanmar, Philippinen, Sumatra, Taiwan und Vietnam vor.

Vor ca. 20 Jahren gab es die ersten Einschleppungen nach Nordamerika und Europa (im Jahr 2000 zum 1. Mal in Italien), wovon einige Ausbrüche ausgerottet werden konnten. Der EPPO Global Database sind detaillierte Angaben darüber zu entnehmen.

Ausbreitung und Übertragung

Das größte Risiko der Ausbreitung bzw. Einschleppung des Zitrusbockkäfers stellt der Handel von Pflanzen zum Anpflanzen dar. Besonders in importierten Ahornbäumen und Bonsais, z.B. Fächerahorn (Acer palmatum), können sich bereits unbemerkt Käferlarven, Eier und Puppen befinden. Aber auch mit Transportkisten und Containern aus Holz und Holzpaletten kann der Zitrusbockkäfer unbeabsichtigt eingeführt werden.

Die natürliche Verbreitung der Käfer scheint sich eher sehr lokal auf kurze Distanzen (weniger als 400 m, meist auf den Nachbarbaum) zu beschränken und ist selten weiter als ca. 2,5 km. Umgebungsfaktoren, wie z.B. klimatische Verhältnisse, Verfügbarkeit von Wirtspflanzen und Populationsdichte der Käfer sind die wichtigsten Faktoren, die das Ausbreitungsverhalten beeinflussen.

Wirtschaftliche Bedeutung

Die massiven Schäden entstehen durch die Fraßgänge der Larven in den Bäumen. Sie gehen tief ins Holz und verringern einerseits die Standfestigkeit der Bäume (Aushöhlung des Stammfußes), andererseits unterbrechen sie den Saft- und Nährstofftransport, und der Baum stirbt in Folge ab. Die Ausbohrlöcher des Schädlings sind außerdem ideale Eintrittsstellen für holzzersetzende Pilze.

Vorbeugung und Bekämpfung

Der Zitrusbockkäfer hat als Einwanderer in Europa praktisch keine natürlichen Feinde, weshalb für eine erfolgreiche Bekämpfung das frühzeitige Erkennen durch gezielte Kontrollen sehr wichtig ist. Aufgrund ihrer vorwiegend versteckten Lebensweise ist aber sowohl das Feststellen als auch die Bekämpfung der Käfer sehr schwierig.

Vorbeugende Maßnahmen

  • gezielte visuelle und mechanische (zerstörerische) Kontrollen nach Käfern, Larven, Bohrmehl, Ausbohrlöchern und Spuren vom Reifungsfraß der Käfer
  • Einsatz von Spürhunden für eine effektivere und nicht-destruktive Maßnahme zur Entdeckung der Zitrusbockkäfer, bevor es zu einer Verbreitung im Freiland kommt. Die dafür ausgebildeten Spürhunde können die im Holz und in den Wurzeln versteckten Entwicklungsstadien der Bockkäfer erschnüffeln.
  • Einsatz von spezifischen Lockstoffen (Pheromone); aber noch keine ausreichende Effizienz der Fallen

Bekämpfungsmaßnahmen

  • Rodung von befallenen Bäumen ist derzeit die einzig wirksame Maßnahme, um Larven- und Puppenstadien der Käfer zu vernichten und den adulten Käfern die Nahrungs- und Entwicklungsgrundlage zu entziehen.
  • Biologische Bekämpfungsverfahren mit entomopathogenen Pilzen, Nematoden oder parasitischen Insekten befinden sich noch im Versuchsstadium.
  • Chemische Bekämpfung: in Österreich besteht keine Möglichkeit zur Bekämpfung mit chemischen Pflanzenschutzmitteln, da es derzeit keine zugelassenen Präparate zur Bekämpfung von Bockkäfern gibt.

Bekämpfungsmaßnahmen werden von den zuständigen Amtlichen Pflanzenschutzdiensten in den Ländern angeordnet.

Phytosanitärer Status

Der Zitrusbockkäfer ist gemäß EU-Richtlinie 2000/29/EG als Quarantäneschadorganismus gelistet und unterliegt dadurch gesetzlichen Regelungen zur Verhinderung der Einschleppung und Ausbreitung in die bzw. in den Mitgliedsstaaten. Ein Auftreten des Zitrusbockkäfers ist daher meldepflichtig.

Fachinformation

Publikationen

Lethmayer, C. (2013): First data on the dispersal and potential spread of Anoplophora spp. – Journal of Entomological and Acaralogical Research 45 (s1), page 7.

Projekte

EU-ERANET EUPHRESCO-I-Projekt ANOPLORISK: “Risk Management for the EC listed Anoplophora species, A. chinensis and A. glabripennis”, 15.12.2010 – 15.12.2012

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