Tomatenbronzefleckenvirus

Zuletzt geändert: 06.07.2021
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Tierseuchenkategorien:

Steckbrief

Das Tomatenbronzefleckenvirus (Tomato spotted wilt virus, TSWV) hat einen sehr breiten Wirtspflanzenkreis. Weltweit entstehen durch das Virus immer noch große wirtschaftliche Schäden, da es sowohl in Gemüsekulturen als auch bei Zierpflanzen zu hohen Produktionsverlusten führen kann. Zu den wichtigsten Symptomen, die nach einer Infektion auftreten, gehören braune Ringe und Verfärbungen der Früchte, Blätter und Stängel.

Biologie

Das TSWV gehört zur Gruppe der Tospoviren und wird, wie alle Tospoviren durch Thripse übertragen.

Schadsymptome

Wie bei Infektionen mit anderen Virenarten kann es auch durch das Tomatenbronzefleckenvirus zu Stauchungen, Verformungen, Nekrosen und Chlorosen an verschiedenen Pflanzenteilen kommen. Ein relativ typisches Symptom für Infektionen mit dem TSWV an vielen Wirtspflanzen sind chlorotische oder braune Ringe, oft auch konzentrisch angeordnet. Diese Ringzeichnungen können auf Blättern, Früchten und Stängeln auftreten.

Besonders bei Tomaten, kommt es oft zu Braunfärbungen („Bronzeflecken“) oder schwarzen Strichen auf Blättern, Früchten und Stängeln. Triebspitzen können absterben (oft bei Paprika und Aubergine zu beobachten), was bei jungen Pflanzen zum Absterben der Pflanzen, bei älteren Pflanzen zur vermehrten Seitentriebbildung führen kann.

Die durch das Virus bedingten Verfärbungen und Verformungen der Früchte machen diese vermarktungsunfähig. Je nach Pflanzenart und -sorte und dem Entwicklungszustand der Pflanze kann die Symptomausprägung unterschiedlich sein.

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Verfärbungen an einer Paprikafrucht bedingt durch das TSWV
Nahaufnahme einer roten Paprikafrucht mit fleckenartigen gelbbraunen Verfärbungen
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Bronzefärbungen an Blättern können Symptome für das TSWV an Tomate sein
Blatt einer Tomatenpflanze mit Bronzefärbungen
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Dunkle Verfärbungen an Tomatenstängeln bedingt durch das TSWV
Dunkle fleckenartige Verfärbungen am Stängel einer Tomatenpflanze
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Typische Ringzeichnungen bedingt durch das TSWV an Paprika: zu sehen sind konzentrische, chlorotische Ringe auf den Blättern
Blatt einer Paprikapflanze mit gelbbraunen ringförmigen Verfärbungen
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TSWV an Chilli: zu sehen sind eine abgestorbene Triebspitze und dunkle Verfärbungen
abgestorbene Triebspitze einer Chilipflanze mit Verfärbungen an Stängel und Blättern
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TSWV an Ranunkeln: Zu sehen ist eine chlorotische Ringzeichnung
Blätter einer Ranunkel mit ringförmigen, gelben Verfärbungen

Wirtspflanzen

Das Tomatenbronzefleckenvirus kann über 350 unterschiedliche Pflanzenarten befallen, beispielsweise Tomaten, Paprika, Melanzani, Salat, verschiedenste Leguminosen, aber auch zahlreiche Zierpflanzen wie Gerbera, Zinnien, Ranunkeln, Verbenen etc.

Verbreitung

Das Tomatenbronzefleckenvirus ist weltweit verbreitet.

Ausbreitung und Übertragung

Die Übertragung des Tomatenbronzefleckenvirus erfolgt durch tierische Vektoren, nämlich Thripse, aber auch mechanisch.

Bei der Verbreitung kommt dem Kalifornischen Blütenthrips (Frankliniella occidentalis) die größte Bedeutung zu, wobei auch andere Thripsarten, wie z. B. Tabakblasenfuß (Thrips tabaci) und T. fusca das Virus übertragen können.

Die Virusaufnahme erfolgt durch Saugen, wobei nur die Larvenstadien L1 und L2 das Virus aufnehmen können, und eine Saugdauer (Akquisitionszeit) von etwa 30 Minuten nötig ist. Die Inkubationszeit (Zeit, bis der Thrips das Virus weitergeben kann) beträgt zwischen 3 und 10 Tage, wobei die maximale Infektiosität erst 22 bis 30 Tage nach der Virusaufnahme erreicht wird.

Ein infizierter Thrips kann das Virus sein ganzes Leben lang übertragen. Die Infektion neuer Pflanzen erfolgt nur durch erwachsene Thripse. Auch hierbei ist eine Saugzeit von etwa 15 Minuten notwendig. Es erfolgt keine Weitergabe des Virus an die Nachkommen.

Das TSWV kann auch mechanisch übertragen werden, wie z.B. bei Kulturarbeiten.

Laut EPPO (European and Mediterranean Plant Protection Organization) wird das TSWV als nicht saatgutübertragbar betrachtet.

Des Weiteren wird das Virus über Bewässerungssysteme, rezirkulierende Nährlösungen, infizierte Pflanzenreste im Substrat, Unkräuter oder durch Durchwuchs im Kompost verbreitet. Auch infizierte Jungpflanzen oder Stecklinge gelten als weiterer Verbreitungsweg.

Wirtschaftliche Bedeutung

Durch das Tomatenbronzefleckenvirus können große wirtschaftliche Schäden entstehen, da es sowohl in Gemüsekulturen als auch bei Zierpflanzen zu starken Ertrags- bzw. Produktionsverlusten führen kann.

Vorbeugung und Bekämpfung

Die Virenpartikel des TSWV befinden sich in allen Pflanzenteilen einer infizierten Pflanze. Im Pflanzensaft können diese ca. fünf Stunden infektiös bleiben, und können durch Erhitzen für 10 Minuten bei 45°C inaktiviert werden.

Sind Pflanzen bereits mit Viren befallen, sind keine kurativen Maßnahmen möglich. Wichtig sind deshalb vorbeugende Maßnahmen, um das Virus nicht in die Kulturen zu bekommen und nicht in den Beständen zu verbreiten. Dazu gehört unter anderem:

  • eine achtsame Kontrolle der Kulturen auf Thripse und deren Bekämpfung
  • die strenge Einhaltung sämtlicher Hygienemaßnahmen bei allen Kulturmaßnahmen
  • eine räumliche Trennung unterschiedlicher Kulturen bzw. Sorten
  • die Bekämpfung von Unkräutern in/um Folientunnel und Glashäuser
  • der Zukauf von gesunden Jungpflanzen aus sicheren Quellen und
  • die Entfernung von symptomatischen Pflanzen aus den Beständen.

Da auch andere Viren ähnliche Symptome verursachen, ist eine Untersuchung in einem diagnostischen Labor notwendig, um eine Infektion mit dem TSWV bestätigen zu können.

Wir weisen das TSWV und andere Tospoviren molekularbiologisch nach. Eine Analyse dauert in der Regel zwei Werktage.

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