Strichelmosaikvirus des Weizens

Wheat streak mosaic virus (WSMV)

Zuletzt geändert: 04.08.2021
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Tierseuchenkategorien:

Steckbrief

Das Strichelmosaikvirus des Weizens ist ein Schaderreger aus der Gruppe der Tritimoviren und spielt im Getreideanbau eine große Rolle. Das Virus wird vor allem durch die Gallmilbe Aceria tosichella übertragen und verursacht bei entsprechendem Befall beträchtliche Schäden.

Schadsymptome

Die mit dem Strichelmosaikvirus (Wheat streak mosaic virus, WSMV) infizierten Pflanzen bleiben gestaucht und vergilben.

Die Blätter zeigen am Beginn der Krankheit parallel zu den Adern verlaufende, unregelmäßige Vergilbungen. Weitere typische Symptome sind gefleckte Blätter mit grünen und chlorotischen Zonen. Mit Fortschreiten der Krankheit beginnen die vergilbten Blätter braun zu werden und sterben schließlich ab.

Die kranken Pflanzen bestocken schlecht und bleiben meist steril. Wenn ein Korn gebildet wird, ist es wesentlicher kleiner und leichter. Die Symptomausprägung und auch die Anzahl von befallenen Pflanzen in einem Bestand sind stark von der Sorte, den klimatischen Gegebenheiten, sowie dem gesundheitlichen Grundzustand der Pflanzen abhängig (NAVIA et al, 2013).

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WSMV an einer Wirtspflanze. Die typischen Symptome zeigen parallel zu den Adern verlaufende Vergilbungen
Blatt einer Getreidepflanze mit typischen Symptomen
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WSMV auf einer Weizenpflanze. Die Blätter sind gefleckt mit grünen und chlorotischen Zonen
Weizenpflanze, die typische Symptome von WSMV aufweist

Wirtspflanzen

Als Wirtspflanzen des Strichelmosaikvirus dienen alle Getreidearten und Mais, sowie verschiedenste ausdauernde Gräser. Vor allem der Weizen zählt zu den anfälligsten Ackerkulturen (sorten - und standortabhängig), wo hohe Ernteverluste und somit große wirtschaftliche Schäden entstehen können.

Verbreitung

In Österreich konnte erstmals im Jahr 2013 das Virus in einer Weizenpflanze aus Niederösterreich mit molekularbiologischen Methoden nachgewiesen werden. Durch die Ausbreitung des WSMV über Osteuropa (Russland, Rumänien, Bulgarien, Türkei, Ungarn, Slowakei, Kroatien) (CAB 2005) könnte das Virus auch für Österreich in Zukunft an Bedeutung gewinnen.

Ausbreitung und Übertragung

Die Verbreitung und die Übertragung des WSMV erfolgt durch die Gallmilbe Aceria tosichella. Diese ca. 0,1 mm große Gallmilbe gehört zur Überfamilie der Eriophyidae (KEIFER 1969), hat zwei Beinpaare und kann nur kurze Strecken auf den Blättern zurücklegen (RABENSTEIN et al. 2011). Da diese Gallmilbe sehr leicht ist, kann sie mit dem Wind schnell und einfach verfrachtet werden.

Biologie und Verbreitung der Gallmilbe

Die Gallmilbe überwintert auf den Wirtspflanzen als Ei, Larve, Nymphe oder als erwachsenes Tier. Sie infiziert sich während der Nahrungsaufnahme bei kranken Pflanzen mit WSMV. Die Gallmilbe überträgt die Viren anschließend auf weitere Wirtspflanzen und fungiert somit als Vektor (=Überträger) und trägt entscheidend zur Verbreitung der Krankheit bei (Navia et al, 2013). Aceria tosichella hat ein großes Wirtspflanzenspektrum. Über 90 Grasarten wurden in der Literatur bereits als Wirtspflanzen für diese Gallmilbe beschrieben. Die bedeutendsten Wirtspflanzen sind die landwirtschaftlich kultivierten Getreide- und Maissorten. Vor allem der Weizen ist eine bevorzugte Wirtspflanze der Gallmilbe (Navia et al, 2013).

Wirtschaftliche Bedeutung

Der Ertragsverlust ist von verschiedensten Faktoren abhängig. Einerseits spielt die Getreideart und Sorte für die Virusvermehrung und die Befallsstärke eine wesentliche Rolle, andererseits ist der Zeitpunkt der Infektion einer Pflanze von großer Bedeutung. Bei einer frühen Infektion (Herbst) sind höhere Verluste zu erwarten, als bei einer späten Infektion im Frühjahr. Studien aus den USA zeigten, dass bei Herbstinfektionen Verluste über 60 % auftraten, im Gegensatz zu einer Frühjahrsinfektion wo Verluste bis zu 15 % verzeichnet wurden (HUNGER et al, 1992). Weiters sind auch durch extremere klimatische Bedingungen gestresste Pflanzen anfälliger für das Virus und es muss mit einem erhöhten Ertragsausfall gerechnet werden.

Infolge der für die Zukunft vorausgesagten klimatischen Veränderungen, muss mit einem verstärkten Auftreten des Wheat streak mosaic virus und seinem Vektor gerechnet werden. Mit einer möglichen, durch den Überträger bedingten Ausbreitung der Krankheit über Osteuropa und durch Einschleppung über infiziertes Saatgut könnte diese Krankheit auch in Österreich an Bedeutung gewinnen.

In Österreich gibt es derzeit keine Informationen über das Auftreten der Gallmilbe Aceria tosichella und der tatsächlichen Ausbreitung des Virus WSMV. Ein Monitoring über das Vorkommen der Krankheit und der Gallmilbe in österreichischen Weizenanbauflächen wäre daher ein wichtiger erster Schritt, um das Risiko dieser Krankheit für den österreichischen Getreideanbau abschätzen zu können.

Vorbeugung und Bekämpfung

  • Das WSMV kann nicht direkt bekämpft werden
  • Die Ausbreitung der Viren kann ausschließlich über die Bekämpfung des Überträgers verhindert werden.
  • Gekeimtes Ausfallgetreide, welches als Nahrungsquelle für die Gallmilbe bzw. Reservoir für die Viren fungieren könnte, sollte sorgfältig beseitigt werden (MCMULLEN & WALDSTEIN, 2010). Durch diese pflanzenbauliche Maßnahme wird das Nahrungsangebot der Gallmilbe verringert und somit deren Vermehrung eingedämmt.
  • Laut Literatur ist die direkte Bekämpfung der Gallmilbe zurzeit keine Option für die Praxis.
  • Ein wichtiger Punkt ist der Anbau von gesundem Saatgut, um die primäre Einschleppung des Virus in den Getreidebestand zu verhindern.

Fachinformation

Die Viruspartikel des Strichelmosaikvirus des Weizens sind leicht flexible Stäbchen mit einer Größe von 700x15 nm.

Literaturliste

NAVIA Denise, SANTOS de Mendoca RENATA Skoracka, Anna, SZYDLO Wiktoria, KNIHINICKI Danuta,. HEIN Gary L, PEREIRA Paulo Roberto Valle da Silva, TRUOL Graciela, LAU Douglas: Wheat curl mite, Aceria tosichella, and transmitted viruses: an expanding pest complex affecting cereal crops. Exp. Appl. Acarol 59: 95-143, 2013. doi: 10.1007/s10493-012-9633-y

MCMULLEN Marcia, WALDSTEIN Daniel: Wheat streak mosaic. Plant Disease Management NDSU Extension Service. North Dakota State Univerity, September 2010.

KEIFER HH: Eriophyid Studies C-3 (Special publication). Agricultural Research Service, United States Department of Agriculture, 1969.

HUNGER RM, SHERWOOD JL, EVANS CK, MONTANA JR: Effects on planting date and inoculation date on severity of wheat streak mosaic in hard red winter wheat cultivars. Plant Disease 76, 1056-1060, 1992.

RABENSTEIN F., HABEKUSS A., HUSS H.: Brome Streak Mosaic Virus (BrSMV): Ein neues Gräser- und Getreidevirus in Österreich. Der Pflanzenarzt 5, 2011.
CAB: Distribution Maps of Plant Diseases. Map No.443 Edition 3 Issued April 2005 CAB International in associated with EPPO

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