Staudenknöterich

Reynoutria spp.

Zuletzt geändert: 11.06.2021
Icon

Tierseuchenkategorien:

Steckbrief

Der Staudenknöterich stammt ursprünglich aus Asien und ist eine 3-4 m hohe Staudenart, die sich vor allem an freien Ufern verbreitet. Dort führt sie zur Erosion des Erdreichs und lässt durch ihren dichten Wuchs keine anderen Pflanzen zu.

Aussehen

Es werden drei Arten bei den Staudenknöterichen unterschieden:

Der Japan-Knöterich (Reynoutria japonica Houtt.) ist eine bis zu 3 m hohe zweihäusige Staude mit kräftigen, kahlen, hohlen Stängeln, die meist dunkelrot angelaufen sind. Charakteristisch sind die dicken Rhizome. Die Pflanze bildet aus den Rhizomen zahlreiche Blatttriebe. Die Blätter sind wechselständig und haben eine familientypische Ochrea (Tute; häutige Röhre, die die Basis des folgenden Stängelglieds umschließt). Die Blätter sind breit-eiförmig (max. 20 cm lang), am Ende schmal zugespitzt und am Grunde rechtwinklig gestutzt oder leicht gerundet. Die Blütenstände sind vielblütig, die Blüten klein und weiß. Die Früchtchen sind dreikantig und geflügelt.

Der Sachalin-Knöterich (Reynoutria sachalinensis [F. Schmidt] Nakai) wird bis zu 4 m hoch. Im Gegensatz zum Japan-Knöterich sind die Blätter bis zu 30 cm groß und die Blattspreite ist am Grunde herzförmig abgerundet.

Der Bastard-Knöterich (Reynoutria x bohemica Chrtek & Chrtková) nimmt in vielen Merkmalen eine Zwischenstellung ein.

caption
Japan-Knöterich in der Blüte
Blütenstand des Japan-Knöterichs mit kleinen, hellen Blüten
caption
Sachalin-Knöterich in der Blüte
Blütenstand des Sachalin-Knöterichs mit kleinen, weißen Blüten und großen Blättern
caption
Austrieb im Frühjahr
Junger Staudenknöterich mit noch eingerollten Blättern
caption
Staudenknöterich Rhizom
Aus der Erde entfernte Pflanze mit Rhizom

Verbreitung

Der Japan-Staudenknöterich und der Sachalin-Knöterich stammen aus Gebieten in Ostasien (in China, Japan und Korea weit verbreitet, Russland -Ferner Osten). Seit etwa 1950 erfolgt eine sprunghafte Ausbreitung in Europa. Große Bestände entwickeln sich vor allem an gehölzfreien Uferabschnitten oder unter dem Schirm von uferbegleitenden Gehölzen. Der Staudenknöterich dringt in Staudenfluren ein. Häufig ist er auch auf urban-industriellen Brachflächen (Bahnanlagen), an Straßenrändern, Böschungen. In Wäldern wächst er weniger stark, kann hier aber auch bei genügend Licht dauerhaft vorkommen. Immer häufiger dringt der Staudenknöterich in Ackerflächen ein. Die Verbreitung der Staudenknöteriche erfolgt vorwiegend vegetativ, indem Rhizomstücke durch Fließgewässer oder den Menschen verschleppt werden.

caption
Staudenknöterich entlang eines Flusses
Verbreitung des Staudenknöterichs an einem Flussufer
caption
Staudenknöterich in einer Ackerfläche
Staudenknöterich breitet sich in einem Getreidefeld aus und wächst über die Ähren hinaus
caption
Staudenknöterich in einer Baumpflanzung
Staudenknöterich wächst rund um den Stamm eines neu gepflanzten Baumes

Wirtschaftliche Bedeutung

Die wirtschaftlichen Folgen der Staudenknöterich-Arten betreffen direkte Schäden an Gebäuden und Uferbefestigungen und Bekämpfungskosten an Ufern, auf Gleisanlagen und in Bauland und in der Landwirtschaft.

Für den Naturschutz sind vor allem die Bestände an den Ufern kleinerer Fließgewässer bedeutend. Die Bestände der Staudenknöteriche sind sehr geschlossen und lassen das Wachstum anderer Pflanzen nur sehr begrenzt zu. Dies führt zu einer Veränderung der Landschaft und zu punktueller Verdrängung einheimischer Arten (u.a. Pestwurz, Brennnessel und Zaunwinde). Es kommt es zu einer Erhöhung der Erosionsgefahr an Uferabschnitten. Die Staudenknöteriche sterben im Winter ab und durch die geringe Feinwurzelbildung wird das Erdreich bei Überschwemmungen nicht ausreichend abgesichert.

Vorbeugung und Bekämpfung

Eine nachhaltige Bekämpfung des Staudenknöterichs ist sehr schwierig, aufwendig und langwierig. Es besteht auch zurzeit kein Konsens über die „beste Art“ der Bekämpfung des Staudenknöterichs (siehe Links).

  • Mahd: Durch häufiges Mähen (Abschneiden) kann der Wuchs zurückgedrängt und die Population geschwächt werden. Eine Mahd wird jedoch durchaus kritisch gesehen. Wird die Mahd unsachgemäß durchgeführt, ist der Schaden größer als der Nutzen – die Verbreitung wird gefördert. Eine Mahd kann auf verschiedene Weise und mit verschiedenen Werkzeugen (Mäher, Trimmer) durchgeführt werden. Die Stängel müssen jedoch sauber (einzeln) abgeschnitten und ordnungsgemäß entsorgt werden. Dann ist das Mähen/Schneiden eine relativ sichere und einfache Bekämpfungsoption. Das Schnittgut sollte abtransportiert und einer professionellen Kompostieranlage (über 70°C) zugeführt werden, sonst empfiehlt sich das Trocknen auf versiegeltem Untergrund über mehrere Monate. Empfohlen werden mehrere (> 4) Schnitte pro Jahr bei einer Höhe von 40 cm über mehrere Jahre hinweg (mindestens 4). Eine regelmäßige Mahd ist u.a. sinnvoll, um z. B. die Zugänglichkeit oder Sichtbarkeit entlang einer Verkehrsinfrastruktur zu gewährleisten. 
  • Herbizide: Empfohlen wird der Einsatz von Glyphosat, und zwar am besten zu zwei Terminen im Jahr (Glyphosat im Sommer und Herbst) oder eine jährliche Anwendung von Glyphosat im Herbst mittels Stamminjektion in einer Dosierung von 65 kg/ha oder Blattspritzung in einer Dosierung von 3,6 kg/ha. Diese Maßnahmen wird aber dadurch erschwert, dass in vielen Lebensräumen (z. B. entlang von Flüssen) der Einsatz von Glyphosat nicht möglich ist (keine Zulassung).
  • Konkurrenzfähige Vegetation: Es ist generell sinnvoll, den Boden mit einer dichten, Schatten spendenden Vegetation zu bedecken. Sowohl Gräser als auch Holzpflanzen wirken als Konkurrenten für den Staudenknöterich. Dies ist darüber hinaus eine vielversprechende Maßnahme in Kombination mit anderen Methoden (z. B. Mähen/Schneiden).
  • Weitere verschiedene Maßnahmen sind u.a. das Abdecken mit Geotextilien oder Geomembranen oder Drahtgeflechten

Link

Jones D, Bruce G, Fowler MS, Law-Cooper R, Graham I, Abel A, Street-Perrott FA, Eastwood D (2018): Optimising physiochemical control of invasive Japanese knotweed. Biological Invasions 20: 2091–2105.

Martin F-M, Dommanget F, Lavallée F, Evette A (2020): Clonal growth strategies of Reynoutria japonica in response to light, shade, and mowing, and perspectives for management. NeoBiota 56: 89–110. 

Jones D, Fowler MS, Hocking S, Eastwood D (2020a): Please don’t mow the Japanese knotweed! NeoBiota 60: 19–23.

zur Übersicht
x