Schwarzrost des Getreides

Puccinia graminis

Zuletzt geändert: 04.08.2021
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Tierseuchenkategorien:

Steckbrief

Der Schwarzrost des Getreides ist ein Pilz, der Weizen, Roggen, Gerste und Hafer befällt. Anzeichen des Schwarzrosts sind rostfarbene, streifenförmige Sporenlager auf Blättern und Halmen. Nach einer gewissen Reifezeit bilden sich schwarze Sporen.

Biologie

Am Getreide bildet der Schwarzrost Sommersporen (Uredosporen) und Wintersporen (Teleutosporen) aus. Im Frühjahr keimen die Wintersporen und bilden Basidiosporen aus. Diese Sporen gelangen durch Windverfrachtung auf den Zwischenwirt, die Berberitze, die sie für ihre Entwicklung benötigen. Auf dem Zwischenwirt entstehen Sporenlager (Spermogonien auf den Blattoberseiten und Äzidiosporenlager auf den Blattunterseiten), in denen eine neue Art Sporen (Äzidiosporen) gebildet werden. Bei feuchtem Wetter werden die Äzidiosporen aus ihren Lagern geschleudert und durch den Wind verfrachtet. Gelangen sie auf Getreide, keimen sie dort bei Vorhandensein von tropfbar flüssigem Wasser in einem Temperaturbereich zwischen 5 und 18 °C und dringen schließlich durch die Spaltöffnungen in die Pflanzen ein. Auf Halmen und Blattscheiden entstehen dann die rostfarbenen Lager der Sommersporen (Uredosporenlager), die sich rasch vermehren und die Krankheit im Bestand verbreiten. Wenn das Getreide reif wird, bilden sich in denselben oder separaten Sporenlagern die Wintersporen, mit denen der Pilz auf befallenen Ernterückständen überwintert. Unter günstigen Bedingungen kann der Rostpilz auch mit den Sommersporen überwintern. In diesem Fall wird der Zwischenwirt ausgeschaltet. Sommersporen können auch über weite Entfernung durch den Wind verbreitet werden und unter günstigen Bedingungen das Getreide direkt infizieren. Günstige Bedingungen für eine Infektion des Getreides sind Tage mit einer Blattbenetzungsdauer von über acht Stunden und einer Temperatur höher als 15 °C.

Schadsymptome

Auf Halmen und Blattscheiden bilden sich rostfarbene Sporenlager (Uredosporen), die häufig streifenförmig angeordnet sind. Sie durchstoßen schließlich die Epidermis und die Reste der aufgerissenen Epidermis umgeben die Sporenlager. Die Rostpusteln können eine Länge von bis zu 1 cm erreichen. Ab einem bestimmten Reifestadium des Getreides werden in den Uredosporenlagern oder aber in eigenen Sporenlagern die schwarzen Teleutosporen (daher der Name Schwarzrost) gebildet, die polsterförmig aus dem Blattgewebe hervorragen. Diese Rostpusteln sind ebenfalls von den Resten der Epidermis umgeben. Durch die hohen Temperaturansprüche und dem Wirtswechsel im Entwicklungszyklus des Pilzes tritt der Schwarzrost relativ spät in der Saison auf, etwa ab Juni. Vor allem ist das Sommergetreide betroffen.

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Schadsymptome
Befallene Getreidepflanze mit rostfarbenen Uredosporenlagern
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Schadsymptome
Befallene Getreidepflanzen mit rostfarbenen Uredosporenlagern
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Verschiedene Getreidesorten weisen Unterschiede in der Anfälligkeit auf
Stark befallene Getreidesorte, rechts: weniger anfällige Sorte

Wirtspflanzen

Schwarzrost wird in drei Unterarten (formae speciales, kurz f. sp.) eingeteilt, die an unterschiedliche Pflanzenarten angepasst sind. Innerhalb jeder forma specialis bildet der Schwarzrost eine Reihe von physiologischen Rassen aus, die die unterschiedlichen Sorten befallen.

Puccinia graminis f. sp. tritici tritt an Weizen, den Gattungen Gerste (Hordeum), Walch (Aegilops), Hafer (Avena) und Quecken (Elymus) auf.

Puccinia graminis f. sp. secalis tritt an Roggen und Gerste sowie an den Gräsergattungen Knäuelgräser (Dactylis), Quecken (Elymus) und einigen anderen Gräsern auf.

Puccinia graminis f. sp. avenae tritt an Hafer sowie an Flughafer und weiteren Grasarten auf.
Zwischenwirt für alle f. sp. ist die Berberitze (Berberis vulgaris), auf der bestimmte Sporenlager (Äzidien und Spermogonien) gebildet werden.

Verbreitung

Schwarzrost ist weltweit verbreitet.

Wirtschaftliche Bedeutung

Bei starkem Befall können erhebliche Ertragseinbußen durch Minderung des Tausendkorngewichtes auftreten.

Vorbeugung und Bekämpfung

  • Anbau von resistenten oder weniger anfälligen Sorten
  • Befallene Ernterückstände sorgfältig in den Boden einarbeiten
  • Das Gras von den Feldrainen sorgfältig beseitigen
  • Bei der Neuanpflanzung von Windschutzstreifen keine Berberitzen setzen
  • Eventuell Einsatz von Pflanzenschutzmitteln (siehe Verzeichnis der in Österreich zugelassenen Pflanzenschutzmittel)

Fachinformation

Eine aktuelle Einstufung der Sortenanfälligkeit von Weizen gegenüber Schwarzrost ist auf der Homepage des BAES zu finden.

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