Rotbrauner Leistenkopfplattkäfer

Cryptolestes ferrugineus

Zuletzt geändert: 28.05.2021
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Tierseuchenkategorien:

Steckbrief

Der Rotbraune Leistenkopfplattkäfer stammt aus warmen Gegenden und wird mit Getreideimporten immer wieder verbreitet. Als Sekundärschädling tritt er an gelagertem Getreide gemeinsam mit anderen Vorratsschädlingen auf.

Aussehen

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Rotbrauner Leistenkopfplattkäfer
Zeichnung eines Rotbraunen Leistenkopfplattkäfers

Der etwa 1,5 bis 2,0 mm große Käfer ist rotbraun gefärbt und zeigt eine schlanke, flache Körperform, welche es ihm erleichtert, sich in den Hohlräumen zwischen den Getreidekörnern fortzubewegen. Der Kopf des Schädlings trägt verhältnismäßig lange Fühler, der Halsschild zeigt auf beiden Seiten eine feine Längslinie. 

Die bis zu 4 mm großen, weißlichen bis cremefarbenen Larven tragen an ihrem Hinterende zwei dornartige Fortsätze.

Biologie

Der Rotbraune Leistenkopfplattkäfer gehört zur Familie der Plattkäfer (Cucujidae).

Die Käfer und Larven meiden das Licht, weshalb oft nur ein Bruchteil der Käfer an der Oberfläche des gelagerten Getreides zu finden ist, die Hauptmasse dagegen im Inneren. 

Die Käfer fliegen bei höheren Temperaturen. Ihre Weibchen legen bis zu 350 Eier in kleinen Spalten oder an Getreidekörnern ab. Die Larven durchlaufen in ihrer Entwicklung vier Stadien. Sie verpuppen sich anschließend in Spalten und Ritzen ihres Lagers oder des Nahrungssubstrats. Ihre Entwicklung ist zwischen 20 °C und 38 °C möglich. Unter optimalen Bedingungen (32 °C und 70-90 % rel. Feuchtigkeit) dauert die Entwicklung einer Generation vier bis fünf Wochen, bei 21 °C etwa zweieinhalb Monate. Eine Entwicklung ist selbst unter sehr trockenen Bedingungen und einer Getreidefeuchte von unter 12 % noch möglich. 

Die Lebensdauer der Käfer kann auch bei einer höheren Temperatur bis zu einem Jahr betragen, wobei sie bis zu etwa 17 Tagen lang hungern können. 

Gegen Kälte ist der Rotbraune Leistenkopfplattkäfer unempfindlich und selbst -5,5 °C werden von den Käfern einige Wochen lang ertragen. Eine Überwinterung in ungeheizten Lagerräumen ist daher in Mitteleuropa durchaus möglich. Oberhalb von 42 °C sterben sämtliche Stadien rasch ab.

Schadsymptome

Der Rotbraune Leistenkopfplattkäfer erzeugt kein typisches Fraßbild. Ein hoher Anteil an Bruchgetreide oder bereits angefressenen Körnern begünstigt seine Massenvermehrung, wobei der Embryo bevorzugt angenagt wird. Durch die verborgene Lebensweise der Schädlinge wird der Befall im Getreidelager sehr häufig spät bemerkt.

Bei hoher Befallsdichte und enormer Fraßtätigkeit von Käfern und Larven und den damit verbundenen Stoffwechselvorgängen kommt es zur Bildung von Wärmenestern (40 °C, hot spots) und einer Erhöhung der Feuchtigkeit im Lagergut. Dadurch siedeln sich Pilze und Bakterien leichter an. Das gelagerte Gut wird ungenießbar und nimmt einen jaucheähnlichen Geruch an. Durch die hohen Temperaturen im Lagergut entsteht an dessen Oberfläche Kondenswasser und das gelagerte Getreide beginnt dort unter Umständen auszuwachsen.

Wirtspflanzen

Wirtspflanzen des Rotbraunen Leistenkopfplattkäfers sind Bruchgetreide, Getreideprodukte aller Art, Nüsse, Gewürze, Ölsaaten und Futtermittel.

Die Entwicklung der Larven ist auch in losen Substraten wie Mehl möglich.

Der Käfer ist vor allem in gelagerten Getreidevorräten anzutreffen (Lagerhäuser, Silos, bäuerliche Betriebe, Lebensmittelverarbeitende Betriebe und Haushalte)

Verbreitung

Der Rotbraune Leistenkopfplattkäfer ist weltweit verbreitet.

Ausbreitung und Übertragung

Rotbraune Leistenkopfplattkäfer sind flugfähige Käfer. Durch den freien Handel mit Getreideprodukten sind sie wahrscheinlich nach Österreich gekommen. Die weitere Ausbreitung hier erfolgte dann durch fliegende adulte Käfer. Eine Übertragung wäre aber auch durch mit Eiern oder Larven kontaminierte Getreideprodukte denkbar.

Wirtschaftliche Bedeutung

Rotbraune Leistenkopfplattkäfer können im Lebensmittelhandel enorme wirtschaftliche Schäden verursachen. Sie konsumieren, kontaminieren und verderben einen erheblichen Teil der Nahrungsmittel, vor allem wenn schlechte Lagerbedingungen für Getreide und Lebensmittel die Vermehrung dieser Insekten begünstigen.

Vorbeugung und Bekämpfung

  • Allgemeine Hygienemaßnahmen 

    • periodische, gründliche Reinigung der Vorratslager
    • Schädlingsmonitoring
    • Temperaturmessung, Kühlung, Trocknung
    • Entsorgung von Gerümpel und Putzabfällen
    • Vernichtung bereits befallener Vorräte
    • mechanische Abhaltung der Käfer durch Abdichtung von Fenstern und Türen (Insektengitter), Isolierung von Decken, Wänden und Leitungen (Vermeidung von Kondenswasserbildung), Verputzen von Spalten, Rissen und porösen Wänden.
    • Gründliche Reinigung von Ernte- und Transportmaschinen sowie von Lagerräumen vor Einlagerung der Ernte.
    • Leerraumbehandlung mit einem anerkannten Insektizid oder Wärmebehandlung.
    • Kühlung des Lagergutes auf 10-13 °C

  • Nachweis:

    • Periodische Temperaturmessung: ein Anstieg der Temperatur im Lagergut gibt Auskunft über das Vorhandensein von Vorratsschädlingen
    • Probennahme mit einem Getreidestecher 
    • Siebung der Proben mit einem Durchlaufsieb 
    • Geräuschmessung: Feststellung der Fraßgeräusche der Larven durch Einbringen eines empfindlichen Mikrophons in die gelagerten Vorräte

  • Bekämpfung:

    • Inerte Stäube (Kieselgur) und Kontaktinsektizide ermöglichen bei entsprechender Verteilung im Lagergut eine erfolgreiche Bekämpfung adulter Käfer und Larven. In den Vorräten bereits abgelegte Eier werden jedoch nicht erfasst und führen bei über 15 °C zu einem neuerlichen Befall durch den Rotbraunen Leistenkopfplattkäfer.
    • Eine sichere Abtötung gelingt mit gasförmigen Mitteln (Phosphorwasserstoff, siehe Verzeichnis der in Österreich zugelassenen Pflanzenschutzmittel) einschließlich inerter Gase (Stickstoff, Kohlenstoffdioxid) bei Einhaltung der zur Behandlung vorgegebenen Dosierungen, Temperaturen, Einwirkungszeiten und bei entsprechender Gasdichtheit der zu behandelnden Vorratslager.
    • Thermische Behandlungen (60 °C für drei Minuten) bzw. Kältebehandlungen (unter -10 °C) sind möglich aber aufgrund des Energieaufwandes nur für kleinere Partien zielführend.

Fachinformation

Neben dem Rotbraunen Leistenkopfplattkäfer gibt es noch weitere, nahe verwandte Arten mit ähnlicher Lebensweise, wie C. pusillus, C. turcicus, C. capensis und C. ugandae. Darüber hinaus kommen auch noch bei uns im Freien überwinternde Arten wie C. ater, C. duplicatus und andere vor, die früher wohl mit Leistenkopfplattkäfern verwechselt wurden, aber keine Vorratsschädlinge darstellen.

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