Rapskrebs

Sclerotinia sclerotiorum

Zuletzt geändert: 15.07.2021
Icon

Tierseuchenkategorien:

Steckbrief

Der Rapskrebs ist eine durch den Pilz Sclerotinia sclerotiorum verursachte Pflanzenkrankheit. An den Stängeln der Rapspflanzen entstehen charakteristische weißlich-graue bis hellbraune Verfärbungen, wodurch diese Krankheit auch als „Weißstängeligkeit des Rapses“ bezeichnet wird.

Schadsymptome

caption
Sklerotien im Inneren eines befallenen Rapsstängels
Schwarze Überdauerungsstrukturen des Pilzes im Inneren eines der Länge nach aufgeschnittenen Rapsstängels

Erste Symptome werden etwa zum Zeitpunkt der Blüte sichtbar. Auffallend sind hierbei vergilbende Pflanzen, die rasch notreif werden. An den Stängeln dieser Pflanzen sind weißlich-graue bis hellbraune, stängelumfassende Verfärbungen zu erkennen, welche meist von den Blattachseln ausgehen. Das Stängelinnere unter dem verfärbten Gewebe ist in der Regel hohl. Oft ist Stängelbruch die Folge. Schneidet man den Stängel der Länge nach auf, befinden sich im Stängelinneren schwarze, bis zu 2 cm große und fallweise noch größere Überdauerungsstrukturen des Pilzes (= Sklerotien) und ein weißes, watteartiges Geflecht aus Pilzfäden (= Myzel). Bei hoher Luftfeuchtigkeit oder anhaltend nasser Witterung werden Myzel und die darauf erscheinenden Sklerotien auch außen am Stängel gebildet.

Wirtspflanzen

Der Schaderreger besitzt einen sehr breiten Wirtspflanzenkreis. Der Pilz kommt an fast allen krautigen Kulturpflanzen in gemäßigten Klimazonen vor. Daneben können auch Unkräuter befallen werden.

Verbreitung

Sclerotinia sclerotiorum ist weltweit verbreitet.

Ausbreitung und Übertragung

Sclerotinia sclerotiorum bildet 5 bis 20 mm große und fallweise noch größere Sklerotien, mit deren Hilfe der Pilz im Boden, an befallenen Pflanzenresten oder an perennierenden (=ausdauernden, mehrjährigen) Unkräutern überdauern kann. Im Erdreich können die Überdauerungsstrukturen des Pilzes bis zu zehn Jahre lebensfähig bleiben.

Die Sklerotien, welche sich nahe der Bodenoberfläche befinden, beginnen im Frühjahr zu keimen. Diese keimen entweder direkt mit Myzel, welches über die Wurzeln oder den Wurzelhals in die Pflanzen eindringen kann, oder aus den Sklerotien wachsen ein bis wenige Zentimeter große, gestielte und becherförmige Fruchtkörper (= Apothezien) mit der Vermehrung dienenden Sporen (= Ascosporen). Für die Keimung der Sklerotien müssen Temperaturen zwischen 6 und 10 °C herrschen. Eine Beschattung der Sklerotien und feuchter Boden sind für deren Keimung optimal.

Die Ascosporen werden von den Fruchtkörpern abgeschleudert und mit dem Wind verbreitet. Diese können Pflanzen über geschwächtes Gewebe und/oder Wunden infizieren. Abgefallene Blütenblätter, die sich in Blattgabeln und Seitentriebachseln verfangen, begünstigen ein Ansiedeln der Sporen und deren Keimung. Infektionen finden bei kühlem und feuchtem Wetter statt. Die optimale Temperatur für das Wachstum des Pilzes liegt bei 20°C, der Pilz kann aber noch bei 0°C wachsen.

Neben der eigenständigen Ausbreitung kann der Pilz auch durch das Saatgut übertragen werden.

Wirtschaftliche Bedeutung

Die Ertragsverluste können in manchen Jahren bis zu 30 % betragen. Große wirtschaftliche Bedeutung besitzt dieser Schaderreger neben Raps auch an Sonnenblume, Sojabohne, Ackerbohne, Erbse, Luzerne und den verschiedensten Gemüsekulturen.

Vorbeugung und Bekämpfung

  • Verwendung von gesundem Saatgut
  • Raps nicht in windgeschützten und feuchten Lagen anbauen
  • Durch rechtzeitigen Anbau für eine möglichst frühe Ernte sorgen
  • Pflanzenreste nach der Ernte zerschlagen und mindestens 10 cm tief einackern
  • Einen mindestens vierjährigen (besser sechsjährigen) Fruchtwechsel einhalten und auf die Anfälligkeit der Vorfrüchte achten. Nicht oder weniger anfällig sind Getreide, Mais, Rüben und Kartoffeln
  • Unkräuter bekämpfen, da diese potentielle Wirtspflanzen darstellen
  • Eventuell Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zur Bekämpfung des Rapskrebses
    (siehe Verzeichnis der in Österreich zugelassenen Pflanzenschutzmittel)
zur Übersicht
x