Pflaumenwickler

Grapholita funebrana

Warndienst
Zuletzt geändert: 02.08.2021
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Tierseuchenkategorien:

Steckbrief

Der Pflaumenwickler ist der wichtigste Schadschmetterling an Pflaumen und Zwetschken. Befallene Früchte verfärben sich bläulich und können frühzeitig vom Baum abfallen. Bei starkem Auftreten muss mit erheblichen Ernteeinbußen gerechnet werden.

Aussehen

Die Falter des Pflaumenwicklers sind etwa 8 mm lang und haben eine Flügelspannweite von 11–15 mm. Die Vorderflügel sind matt violett bis grau gefärbt, mit einer dunklen kommaförmigen Zeichnung an den Flügelspitzen, die Hinterflügel hingegen fast einheitlich graubraun. Die Pflaumenwicklerfalter können mit Faltern anderer Wicklerarten (z.B. dem Pfirsichtriebwickler, Grapholita molesta) verwechselt werden. Eine genaue Bestimmung kann nur im Labor anhand von mikroskopischen Präparaten oder molekulargenetisch erfolgen.

Die Eier des Pflaumenwicklers sind flachoval (uhrglasförmig) mit einem Durchmesser von ca. 0,7 mm und anfangs durchscheinend. Während der Embryonalentwicklung verfärben sich die Eier zunächst milchig, mit einem orange-rötlichen Ring. Abschließend entsteht das Schwarzkopfstadium.

Die daraus schlüpfenden Raupen sind zunächst weißlich und verfärben sich nachfolgend rötlich mit dunkel gefärbtem Kopf. Die Raupen werden etwa 10–12 mm lang, sind spärlich behaart und haben 16 Beine. Der Pflaumenwickler hat fünf Raupenstadien.

Das Puppenstadium ist 6-7 mm lang und hellbraun gefärbt und in einen Kokon eingesponnen.

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Eier des Pflaumenwicklers
Unreife Pflaumen, auf einer befindet sich das winzige Ei des Pflaumenwicklers
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Raupe des Pflaumenwicklers
Rötliche Raupe des Pflaumenwicklers auf einer violett verfärbten Pflaume
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Pflaumenwickler, adultes Tier
© Tomislav Jemrić, University of Zagreb, Faculty of Agriculture, Department of Pomology, Zagreb, Croatia
adulter Pflaumenwickler
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Pflaumenwickler
Zeichnung des Pflaumenwicklers und der Schadsymptome

Biologie

Der Pflaumenwickler kann pro Jahr drei sich zum Teil überlappende Generationen entwickeln. Die Überwinterung erfolgt großteils im Raupenstadium in Ritzen oder in Borkenschuppen am Stamm oder Spalten im Boden. Erst im nachfolgenden Frühjahr kommt es ab Temperaturen von 10°C zur Verpuppung. Der Schlupf der dämmerungsaktiven Falter aus den Puppen erfolgt wenige Wochen nach dem Blütenblattfall (etwa ab Ende April).

Die Weibchen legen ab Temperaturen über 12°C vorwiegend abends 40-80 Eier einzeln oder in kleinen Gruppen auf die Unterseite von jungen, unreifen Früchten ab. Nach ein bis zwei Wochen schlüpfen die Raupen (1. Larvenstadium), die sich in die Frucht einbohren und dort ca. drei bis fünf Wochen am Fruchtfleisch bis zum Ende des Raupenstadiums (5. Larvenstadium) fressen. Meistens entwickelt sich nur eine Raupe pro Frucht. Die ausgewachsenen Raupen der ersten Generation verlassen die Früchte und verpuppen sich in einem Kokon am Stamm oder im Boden. Der größere Teil dieser Tiere entwickelt sich innerhalb von ein bis vier Wochen zu den Faltern der zweiten Generation deren Schlupf ab etwa Juni beginnt. Der andere Teil der verpuppten Tiere der ersten Generation geht aber bereits im Sommer in Diapause und überwintert. In klimatisch begünstigten Regionen kann es, etwa ab Mitte August, auch noch zu einer dritten Generation kommen, bevor die ausgewachsenen Raupen der letzten Generation die Überwinterungsorte aufsuchen. 

Schadsymptome

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Raupe des Pflaumenwicklers in einer Frucht
Raupe des Pflaumenwicklers mit Kotkrümeln in einer halbierten Frucht

Aus Löchern in befallenen Früchten (Einbohrloch der jungen Raupe) tritt tropfenförmiger Gummifluss aus. Beim Befall durch die erste Pflaumenwickler-Generation zeigt sich zudem eine vorzeitige bläulich-violette Verfärbung der jungen Früchte, die bereits im Juni und Juli abfallen. Dieses Symptom wird häufig mit natürlichem Fruchtfall verwechselt. Der Befall durch die zweite Generation später im Jahr führt zu vorzeitig reifen Früchte (Notreife).

Innerhalb der befallenen Früchte ist das Fruchtfleisch zerstört und man findet Kotkrümel ebenso wie die Raupe (Pflaumenmade).

Wirtspflanzen

Hauptwirtspflanzen des Pflaumenwicklers sind kultivierte und wildwachsende Pflaumen (Prunus domestica), Zwetschken (Prunus domestica subsp. domestica) und Marillen (Prunus armeniaca). Darüberhinaus werden auch Pfirsich (Prunus persica), Schlehe (Prunus spinosa), Vogelkirsche (Prunus avium) und Mandel (Prunus dulcis) befallen.

Verbreitung

Pflaumenwickler treten in Europa, Asien und Teilen Afrikas an ihren Wirtspflanzen auf. 

Wirtschaftliche Bedeutung

Der Pflaumenwickler kann bis zu 100 % Ertragsausfall verursachen. 

Vorbeugung und Bekämpfung

  • Sortenwahl: Spätreifende Sorten werden stärker geschädigt. Daher sollten frühreifende Sorten angebaut werden. 
  • Im Haus-und Kleingarten können vom Pflaumenwickler befallene (abgefallene) Früchte regelmäßig aufgesammelt und vernichtet werden, bevor die Larven sich ausbohren und zur Verpuppung abwandern (ein Auffangen der Früchte mittels Plane oder Netz kann hilfreich sein; ev. durch Schütteln des Baumes nachhelfen; Früchte nicht kompostieren).
  • Gegen die überwinternden Raupen können Wellpappestreifen (in welchen sich die Raupen zur Überwinterung einspinnen) ab Juli auf den Stämmen angebracht, vor Abschluss der Verpuppung entfernt und mit den darin befindlichen Raupen vernichtet werden.
  • Gegen den Pflaumenwickler können Pheromone im Rahmen der Verwirrungstechnik eingesetzt werden. 
  • Mögliche Termine für biologische und chemische Behandlungsmaßnahmen: siehe Warndienst Pflanzengesundheit.
  • Pflanzenschutzmittel zur Bekämpfung des Pflaumenwicklers sind im Verzeichnis der in Österreich zugelassenen Pflanzenschutzmittel gelistet. 
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