Östliche Amerikanische Kirschfruchtfliege

Rhagoletis cingulata

Zuletzt geändert: 31.05.2021
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Tierseuchenkategorien:

Steckbrief

Die Östliche Amerikanische Kirschfruchtfliege (Rhagoletis cingulata) ist ein bedeutender nicht heimischer Schaderreger aus der Familie der echten Fruchtfliegen (Tephritidae). Etwas später in der Saison als die heimische Europäische Kirschfruchtfliege (Rhagoletis cerasi) tritt diese Art als Schädling an der Süßkirsche, ggfs. auch an Sauerkirsche, auf. Die in den Früchten fressenden Larven (Maden) zerstören das Fruchtfleisch und machen die Früchte ungenießbar.

Aussehen

Die erwachsenen Tiere sind 4 bis 5 mm lang und haben glashelle und von dunklen Bändern durchzogene Flügel. Auffällig ist das hellgelbe Rückenschildchen bei einem ansonsten glänzend schwarzen Körper. Die Östliche Amerikanische Kirschfruchtfliege ist aufgrund der Details der Flügelzeichnung von der heimischen Art unterscheidbar.

Die kopf- und beinlosen Larven (Maden) sind weiß bis cremefarben und bis zu 6 mm lang.

Biologie

Die Biologie der Östlichen Amerikanischen Kirschfruchtfliege entspricht im Wesentlichen jener der heimischen Europäischen Kirschfruchtfliege. Die Weibchen legen die Eier einzeln unter die Fruchthaut ab. Nach etwa drei bis sieben Tagen schlüpfen die Larven und fressen innerhalb der Frucht für zwei bis fünf Wochen wonach sie als ausgewachsene Larven die Früchte verlassen um sich im Boden zu verpuppen. Sie überwintern dort bis zum nächsten Frühjahr, da nur eine Generation je Jahr gebildet wird. Während die heimische Art ihren Schlupfbeginn etwa im Mai hat, wurde für die amerikanische Art beispielsweise in Deutschland beobachtet, dass der Schlupf zeitverzögert (etwa drei bis vier Wochen) später eintritt. Die Lebensdauer der Adulten liegt bei etwa ein bis zwei Monaten.

Schadsymptome

Befall durch Kirschfruchtfliegen kann man aufgrund des weichen und fauligen Fruchtfleisches innerhalb der Frucht, sowie aufgrund der Anwesenheit einer Made in der Umgebung des Kerns feststellen.

Wirtspflanzen

Die Süßkirsche (Prunus avium) sowie der japanische Pflaumenbaum (Prunus salicina) gelten als Hauptwirtspflanzen für diese Art. Jedoch ist die Östliche Amerikanische Kirschfruchtfliege auch ein bedeutender Schaderreger an Weichsel (Prunus cerasus) und kann sich auch an anderen Prunus-Arten entwickeln.

Verbreitung

Die Verbreitung dieser Art kann passiv oder aktiv geschehen. Die aktive Verbreitung erfolgt durch den Flug der Adulten über kurze Distanzen. Die wichtigste Verbreitungsart ist jedoch die Verschleppung mittels befallener Früchte (Handelsware, Gepäck von Reisenden) in zuvor nicht befallene Gebiete.

Die Östliche Amerikanische Kirschfruchtfliege ist im östlichen und südlichen Nordamerika heimisch und gelangte vor wenigen Jahrzehnten nach Europa. Sie konnte sich hier etablieren und wurde in jüngerer Vergangenheit, nach dem Erstnachweis für Österreich 2007, in einer Reihe von Bundesländern bei geringen Fangzahlen nachgewiesen.

Wirtschaftliche Bedeutung

Bisher wurde in Österreich nur sehr vereinzelt ein Auftreten dieser Art mittels Fallenfängen festgestellt. In Deutschland hingegen wurden bereits vor einigen Jahren Schäden an Sauerkirschen (>20 %) auf Befall durch diese Art zurückgeführt.

Vorbeugung und Bekämpfung

Es ist davon auszugehen, dass die Maßnahmen zur Vorbeugung und Bekämpfung gegen die heimische Kirschfruchtfliege auch gegen diese Art Wirksamkeit zeigen. Zu beachten ist das etwas spätere Auftreten der amerikanischen Art, was etwa die Sortenwahl (frühe Sorten werden weniger befallen) noch relevanter macht.

Phytosanitärer Status

Aufgrund des verbreiteten Auftretens dieser Art in Europa ist sie in der EU nicht mehr als Quarantäneschaderreger eingestuft. Ein Auftreten ist daher nicht meldepflichtig. Die EPPO listet sie auf der A2 Liste (= Schaderreger in EPPO Region lokal vertreten; Regulierung empfohlen).

Zu beachten ist jedoch, dass die Östliche Amerikanische Kirschfruchtfliege (R. cingulata) von der Westlichen Amerikanischen Kirschfruchtfliege (R. indifferens), welche bisher nicht in Europa auftritt und als Unionsquarantäneschädling gilt, nur für Spezialisten unterscheidbar ist.

Fachinformation

Forschung

Die AGES erhebt das Auftreten dieser und anderer Fruchtfliegenarten laufend im Rahmen der Erhebungen in Kooperation mit den amtlichen Pflanzenschutzdiensten.

Publikationen

Egartner A., Zeisner Z., Hausdorf H. & Blümel S.: First record of Rhagoletis cingulata (Loew) (Dipt., Tephritidae) in Austria; EPPO Bulletin 40, 158-162, 2010.

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