Marmorierte Baumwanze

Halyomorpha halys

Zuletzt geändert: 03.05.2021
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Tierseuchenkategorien:

Steckbrief

Die Marmorierte Baumwanze ist eine aus Asien stammende Insektenart, die durch ihre Saugtätigkeit an Früchten wirtschaftliche Schäden verursachen kann. Auffällig wird sie für Menschen auch als „Lästling“ an Häusern und in Wohnungen im Herbst, wo sie auf der Suche nach Winterquartieren ist, dabei aber ungefährlich ist.

Aussehen

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Merkmale der Marmorierten Baumwanze
Marmorierte Baumwanze mit den im Text beschriebenen Merkmalen zu ihrem Aussehen

Die Marmorierte Baumwanze gehört zur Familie der Baumwanzen (Pentatomidae). Sie ist ca. 15 mm groß, braun-grau marmoriert gefärbt mit auffälligen schwarz-weiß gemusterten Seitenrändern am Hinterleib und mit schwarz-weiß gestreiften Fühlern. Auf der Körperunterseite befindet sich kein Fortsatz zwischen den Beinen.

Verwechslungsmöglichkeiten

Verwechslungen mit heimischen Arten sind möglich, z.B. mit folgenden Arten:

  • Beerenwanze (Dolycoris baccarum)
  • Holcostethus (= Peribalus) strictus 
  • Graue Gartenwanze (Rhaphigaster nebulosa)

Von der Grauen Gartenwanze ist die Marmorierte Baumwanze allerdings an einigen Merkmalen (z.B. kein langgestreckter Fortsatz an Körperunterseite zwischen den Beinen, helle Punkte hinter dem Halsschild, Streifen im durchsichtigen Teil der Flügel) deutlich unterscheidbar.

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Adulte Marmorierte Baumwanze
Marmorierte Baumwanze
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Körperunterseite (ventral) der Marmorierten Baumwanze
Körperunterseite der Marmorierten Baumwanze. Es gibt keinen Fortsatz zwischen den Beinen
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Eier und Larven der Marmorierten Baumwanze
Eier und Larven als Grüppchen auf der Unterseite eines Blatts

Biologie

Die adulten Wanzen werden im Frühling ab einer Temperatur von über 10°C aktiv und suchen nach geeigneten Wirtspflanzen, wo sie sich von Pflanzensaft ernähren. Nach mehreren Wochen Saugtätigkeit beginnen die Weibchen mit der Eiablage, die bis in den Spätsommer hinein erfolgt. Ihre Eigelege (Gruppen von 20 bis 30 Eiern) befinden sich an der Blattunterseite, ein Weibchen kann durchschnittlich mehr als 200 Eier legen, maximal bis zu ca. 450 Eier. Schon nach wenigen Tagen schlüpfen die Larven (Nymphen), die sich gerne gruppenweise auf den Pflanzen aufhalten. Nach 5 Nymphen-Stadien häuten sie sich zu adulten Wanzen. Die Entwicklung vom Ei bis zur adulten Wanze dauert ca. eineinhalb bis zwei Monate. Die Wanzen saugen vor allem an Früchten, aber auch an Blättern. Im Herbst verlassen sie ihre Wirtspflanzen und suchen nach Überwinterungsquartieren, wobei sie sich gerne in größerer Anzahl an Sonnenplätzen sammeln, wie z.B. an Hausfassaden und Fenstern, und dort für Menschen lästig, aber völlig harmlos, werden können. Die Überwinterung erfolgt als adulte Wanze in geschützten Bereichen, wie z.B. in Gartenhütten und Häusern.

In ihrer ursprünglichen Heimat (Asien) entwickeln sich fünf bis sechs Generationen pro Jahr, in Europa sind nur ein bis zwei Generationen (in wärmeren Gebieten) zu erwarten.

Schadsymptome

Die Marmorierten Baumwanzen stechen mit ihrem Saugrüssel Blätter und Früchte an, um den Pflanzensaft zu saugen. Dabei gelangt mit dem Speichel ein Eiweiß (Enzym) in das Pflanzengewebe, wodurch Flecken und Nekrosen entstehen und sich die Früchte später verfärben und verformen können. Die Früchte werden nicht nur unansehnlich und sind nicht mehr vermarktungsfähig, sondern die befallenen Pflanzenteile können auch absterben oder vorzeitig abfallen.

Diese Symptome sind oft nicht eindeutig der Marmorierten Baumwanze zuzuordnen, weil andere saugende Insekten, z.B. Weichwanzen (Miridae), ähnliche Schadbilder verursachen.

Wirtspflanzen

Die Marmorierte Baumwanze ist eine sehr polyphage Wanzenart, die mehr als 100 verschiedene Pflanzenarten als Wirtspflanze nutzen kann. Hauptsächlich saugt sie an Obstkulturen, aber auch an Zierbäumen und -sträuchern sowie Waldbäumen, Pflanzen von Gemüse- und Ackerkulturen und krautigen Pflanzen. Sie bevorzugt Arten aus der Familie der Rosengewächse (Rosaceae), wie z.B. Apfel, Birne, Kirsche, Pfirsich, Nektarinen, Himbeeren und Zitrusfrüchte. Häufige Wirtspflanzen sind auch unter den Ziergehölzen zu finden, wie z.B. Sommerflieder (Buddleia davidii), Blauglockenbaum (Paulownia tomentosa) und Trompetenbaum (Catalpa bignonioides). Paprika und Tomaten zählen zu den bevorzugten Wirtspflanzen unter den Gemüsekulturen.

Verbreitung

Die ursprünglich natürliche Verbreitung der Marmorierten Baumwanze befindet sich im Osten Asiens (östliches China, Taiwan, Korea, Japan). Von dort wurde sie wahrscheinlich mit Transportkisten nach Nordamerika im Jahr 2001 eingeschleppt, war aber wahrscheinlich schon seit 1996 vorhanden, und breitete sich dann sehr rasch und massiv aus. In Europa wurde sie erstmals in Liechtenstein (2004) und danach in der Schweiz (2007) festgestellt; inzwischen ist sie schon in vielen europäischen Ländern zu finden. In Österreich wurden die ersten Exemplare der Marmorierten Baumwanze in Wien und in Dornbirn (Vorarlberg) im Jahr 2015 entdeckt, seit Herbst 2016 war die Marmorierte Baumwanze häufig in Wien an und in Häusern zu sehen, wo sie auf der Suche nach Überwinterungsplätzen war.

Ausbreitung und Übertragung

Die Ausbreitung erfolgt über große Entfernungen mit Pflanzmaterial und unabsichtlich mit Packmaterial und anderen Gegenständen, über kurze Distanzen durch natürliche Ausbreitung der Wanzen selbst, die gute Flieger sind.

Wirtschaftliche Bedeutung

Die Marmorierte Baumwanze kann durch ihre Saugtätigkeit an Früchten verschiedenster Pflanzen, besonders an Obstfrüchten, wirtschaftlich erhebliche Schäden verursachen.

Vorbeugung und Bekämpfung

Internationale Untersuchungen und Erfahrungen zur Bekämpfung der Marmorierten Baumwanze, wie z.B. mit verschiedenen Typen von Fallen, "attract & kill"-Methoden und auch mechanischen Barrieren (z.B. Einnetzungen, klebrige Bänder um die Baumstämme) und breitenwirksamen Pflanzenschutzmitteln, zeigten bisher nur teilweise Bekämpfungserfolge. In Österreich ist derzeit kein Pflanzenschutzmittel zur Bekämpfung speziell gegen die Marmorierte Baumwanze zugelassen, sondern gegen Baumwanzen allgemein (siehe Verzeichnis der in Österreich zugelassenen/genehmigten Pflanzenschutzmittel).

In China gibt es unter den Erzwespen (Chalcidoidea) mehrere Arten, die Eier von Halyomorpha halys parasitieren. Vertreter von Trissolcus spp. und Anastatus spp. können sehr hohe Parasitierungsraten (bis zu 85 %) erreichen. Zum Einfluss von heimischen natürlichen Gegenspielern (Parasitoide, räuberische Insekten und Spinnen) in Europa gegen die Marmorierte Baumwanze und dem potentiellen Einsatz von nicht-heimischen Erzwespen für eine biologische Schädlingsbekämpfung laufen derzeit verschiedene Forschungsarbeiten.

Phytosanitärer Status

Die Marmorierte Baumwanze ist nicht als Quarantäneschadorganismus gelistet.

Fachinformation

Verdachtsfälle

Bei Auffindung verdächtiger Wanzen (ähnliches Aussehen wie Marmorierte Baumwanze), können diese zur Abklärung der Art bzw. zur Identifizierung an die AGES übermittelt werden (siehe Service Pflanzengesundheit), wobei eine vorherige Kontaktaufnahme erwünscht ist. 

Forschung

Die AGES führt laufend Erhebungen zum Auftreten verschiedener eingeschleppter Organismen durch. Im Rahmen des internationalen, 2021 begonnenen EUPHRESCO-Projekts EPIDISARTH wird unter anderem auch die Verbreitung der Marmorierten Baumwanze in Österreich erhoben.

Publikationen

Lethmayer, C. (2017): Halyomorpha halys - Ausbreitung in Österreich. – Besseres Obst 12, 6.

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