Marmorierte Baumwanze

Halyomorpha halys

Zuletzt geändert: 10.04.2018
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Die Marmorierte Baumwanze (Halyomorpha halys) ist eine aus Asien eingeschleppte Insektenart, die durch ihre Saugtätigkeit an Früchten verschiedenster Pflanzen, besonders an Obstfrüchten wirtschaftlich erhebliche Schäden verursachen kann. Auffällig wird sie für Menschen auch als „Lästling“ an Häusern und in Wohnungen im Herbst, wo sie auf der Suche nach Winterquartieren ist, dabei aber ungefährlich ist.

Die Marmorierte Baumwanze ist nicht als Quarantäneschadorganismus gelistet.

Schadorganismus

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Halyomorpha halys
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Eier und Larven der marmorierten Baumwanze

Die Marmorierte Baumwanze (Halyomorpha halys) gehört zur Familie der Baumwanzen (Pentatomidae) und ist ca. 15 mm groß, braun-grau marmoriert gefärbt mit auffälligen schwarz-weiß gemusterten Seitenrändern am Hinterleib und mit schwarz-weiß gestreiften Fühlern.

Verwechslungen mit heimischen Arten sind möglich, wie z.B. mit der Beerenwanze (Dolycoris baccarum), Holcostethus (= Peribalus) strictus und insbesondere mit der Grauen Gartenwanze (Rhaphigaster nebulosa); von dieser ist sie allerdings an einigen Merkmalen (z.B. kein langgestreckter Fortsatz an Körperunterseite zwischen den Beinen, helle Punkte hinter dem Halsschild, Streifen im durchsichtigen Teil der Flügel) deutlich unterscheidbar.

Die adulten Wanzen werden im Frühling ab einer Temperatur von über +10°C aktiv und suchen nach geeigneten Wirtspflanzen, wo sie sich von Pflanzensaft ernähren. Nach mehreren Wochen Saugtätigkeit beginnen die Weibchen mit der Eiablage (bis in den Spätsommer). Ihre Eigelege (Gruppen von 20 bis 30 Eiern) befinden sich an der Blattunterseite, ein Weibchen kann durchschnittlich mehr als 200 Eier legen, maximal bis zu ca. 450 Eier. Schon nach wenigen Tagen schlüpfen die Larven (Nymphen), die sich gerne gruppenweise auf den Pflanzen aufhalten. Nach 5 Nymphen-Stadien häuten sie sich zu adulten Wanzen. Die Entwicklung vom Ei bis zur adulten Wanze dauert ca. 1,5 bis 2 Monate. Die Wanzen saugen vor allem an Früchten, aber auch an Blättern. Im Herbst verlassen sie ihre Wirtspflanzen und suchen nach Überwinterungsquartieren, wobei sie sich gerne in größerer Individuenzahl an Sonnenplätzen sammeln, wie z.B. an Hausfassaden und Fenstern, und dort für Menschen lästig, aber völlig harmlos, werden können. Die Überwinterung erfolgt als adulte Wanze in geschützten Bereichen, wie z.B. in Gartenhütten und Häusern.

In ihrer ursprünglichen Heimat (Asien) entwickeln sich 5 bis 6 Generationen pro Jahr, in Europa sind nur ein bis zwei Generationen (in wärmeren Gebieten) zu erwarten.

Symptome

Als Pflanzensauger stechen die Marmorierten Baumwanzen mit ihrem Saugrüssel das Pflanzengewebe von Blättern und Früchten an, um den Pflanzensaft zu saugen. Dabei gelangt mit dem Speichel ein Enzym in das Pflanzengewebe, wodurch Flecken und Nekrosen entstehen und später sich die Früchte verfärben und verformen können. Die Früchte werden nicht nur unansehnlich und sind nicht mehr vermarktungsfähig, sondern die befallenen Pflanzenteile können auch absterben oder vorzeitig abfallen.

Diese Symptome sind oft nicht eindeutig der Marmorierten Baumwanze zuzuordnen, weil andere saugende Insekten, z.B. Weichwanzen (Miridae), ähnliche Schadbilder verursachen.

Wirtspflanzen

H. halys ist eine sehr polyphage Wanzenart, die mehr als 150 verschiedene Pflanzenarten aus allen Kulturbereichen als Wirtspflanze nutzen kann, hauptsächlich Obstkulturen, aber auch Zierbäume und -sträucher sowie Waldbäume und Pflanzen von Gemüse- und Ackerkulturen und krautige Pflanzen. Sie bevorzugt Arten aus der Familie der Rosengewächse (Rosaceae), wie z.B. Apfel, Birne, Kirsche, Pfirsich, Nektarinen und Himbeeren, und Zitrusfrüchte. Häufige Wirtspflanzen sind auch unter den Ziergehölzen zu finden, wie z.B. Sommerflieder (Buddleia davidii), Blauglockenbaum (Paulownia tomentosa) und Trompetenbaum (Catalpa bignonioides), und Paprika und Tomaten unter den Gemüsekulturen.

Verbreitung

Die ursprünglich natürliche Verbreitung von H. halys befindet sich im Osten Asiens (östliches China, Taiwan, Korea, Japan). Von dort wurde sie wahrscheinlich mit Transportkisten nach Nordamerika im Jahr 2001 eingeschleppt, war aber wahrscheinlich schon seit 1996 vorhanden, und breitete sich dann sehr rasch und massiv aus. In Europa wurde sie erstmals in Liechtenstein (2004) und danach in der Schweiz (2007) festgestellt; inzwischen ist sie schon in vielen europäischen Ländern zu finden. In Österreich wurden die ersten Exemplare von H. halys in Wien und in Dornbirn (Vorarlberg) im Jahr 2015 entdeckt, im Herbst 2016 war die Marmorierte Baumwanze häufig in Wien an und in Häusern zu sehen, wo sie auf der Suche nach Überwinterungsplätzen war.

Die Verbreitung erfolgt über große Entfernungen mit Pflanzmaterial und unabsichtlich mit Packmaterial und anderen Gegenständen, über kurze Distanzen durch natürliche Ausbreitung der mobilen Wanzen selbst, da sie gute Flieger sind.

Bekämpfung

Da Halyomorpha halys erst vor wenigen Jahren nach Europa eingeschleppt wurde und Schäden bisher auf wenige Regionen beschränkt waren, gibt es erst wenig Erfahrung mit Bekämpfungsmöglichkeiten.
Internationale Untersuchungen mit breitenwirksamen Pflanzenschutzmitteln, verschiedenen Typen von Fallen, attract- & kill-Methoden und auch mechanischen Barrieren (z.B. klebrige Bänder um die Baumstämme) zeigten bisher nur teilweise Bekämpfungserfolge. In Österreich gibt es derzeit kein zugelassenes Pflanzenschutzmittel zur Bekämpfung von H. halys.
In China gibt es bei den Erzwespen (Chalcidoidea) mehrere Eiparasitoide, unter denen Vertreter von Trissolcus spp. (Familie Platygastridae) und Anastatus spp. (Familie Eupelmidae) die höchsten Parasitierungsraten (bis zu 85%) erreichen können. Der Einfluß von natürlichen Gegenspielern (Parasitoide, räuberische Insekten und Spinnen) in Europa ist noch nicht bekannt.

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