Maiswurzelbohrer

Diabrotica virgifera virgifera

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Zuletzt geändert: 23.05.2018
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Männchen des Westlichen Maiswurzelbohrers
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Männchen des Westlichen Maiswurzelbohrers

Seit Beginn der 90er Jahre breitet sich ein neuer, gefährlicher Maisschädling in Europa aus, der Maiswurzelbohrer. In Nordamerika verursacht der etwa 5 mm große Käfer bereits seit Jahrzehnten hohe Ertragseinbußen und Bekämpfungskosten, was ihm den Spitznamen „Milliarden Dollar Käfer“ eingebracht hat. In Österreich trat Diabrotica virgifera virgifera zum ersten Mal im Jahr 2002 auf. Der ursprüngliche Status als Quarantäneschädling wurde 2014 wieder aufgehoben.

Männchen des Westlichen Maiswurzelbohrers
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Männchen des Westlichen Maiswurzelbohrers

Seit Beginn der 90er Jahre breitet sich ein neuer, gefährlicher Maisschädling in Europa aus, der Maiswurzelbohrer. In Nordamerika verursacht der etwa 5 mm große Käfer bereits seit Jahrzehnten hohe Ertragseinbußen und Bekämpfungskosten, was ihm den Spitznamen „Milliarden Dollar Käfer“ eingebracht hat. In Österreich trat Diabrotica virgifera virgifera zum ersten Mal im Jahr 2002 auf. Der ursprüngliche Status als Quarantäneschädling wurde 2014 wieder aufgehoben.

Schaderreger

Schaderreger

Der (westliche) Maiswurzelbohrer, Diabrotica virgifera virgifera (Le Conte), gehört zur Familie der Blattkäfer (Chrysomelidae), wie z.B. auch der Kartoffelkäfer oder das Getreidehähnchen. Auf dem amerikanischen Kontinent sind hunderte Arten der Gattung Diabrotica bekannt, in Europa kommt jedoch nur diese einzige Art vor. In Nordamerika können - neben dem hier beschriebenen - „Western corn rootworm“ noch drei weitere Diabrotica-Arten an Mais schädlich werden.Die etwa 5 - 6 mm langen Käfer haben einen schwarzen Kopf mit dunklen, fast körperlangen Fühlern, einen gelben Halsschild und schwarze Deckflügel mit seitlich gelegenen, gelben Streifen. Diese variieren in ihrer Breite bzw. fehlen auch manchmal. Der Hinterleib und die Beine sind gelb, letztere können stellenweise angedunkelt bis fast gänzlich dunkelbraun sein. Die Käfer krabbeln auf den Maispflanzen flink umher und können auch gut fliegen.In unseren Breiten treten die ersten Käfer ab Mitte Juni auf, die Hauptflugzeit erstreckt sich von Anfang Juli bis Anfang September. Der Käferflug endet mit den ersten Frösten im Oktober. Nach der Befruchtung führen die Weibchen zunächst einen zweiwöchigen Reifungsfraß an Blättern, Narbenfäden, Pollen und milchreifen Körnern der Maispflanzen durch. Danach legen sie durchschnittlich 300 – 400 Eier im Boden von Maisfeldern in einer Tiefe von 5 – 20 cm ab, benachbarte Felder können bis zu einer Entfernung von etwa 10 m vom Feldrand ebenfalls betroffen sein.

Die ovalen, beigefarbenen Eier sind etwa 0,3 mm groß und mit freiem Auge nicht sichtbar. Der Maiswurzelbohrer überwintert im Eistadium, eine Winterruhe von 3 – 4 Monaten ist für die weitere Entwicklung unerlässlich. Die 3 Stadien der Larvalentwicklung sind nach etwa 3 - 4 Wochen abgeschlossen. Die schlanken, weißlichen Larven haben 3 Beinpaare. Die Kopfkapsel und der Chitinschild am Hinterende sind braun. Die Größe variiert je nach Stadium zwischen 3 und 15 mm. Die ersten Larven können bereits Ende April schlüpfen, der Höhepunkt des Larvenauftretens liegt in den Monaten Mai und Juni. Nach ihrer Fraßzeit verpuppen sich die Larven im Boden in ovalen Erdkokons. Die weißliche, 3 - 4 mm lange Puppe lässt schon die Form des zukünftigen Käfers erkennen. Dieser arbeitet sich nach einer etwa einwöchigen Puppenruhe zur Bodenoberfläche vor. Der Maiswurzelbohrer hat eine Generation pro Jahr. Die Dauer der einzelnen Entwicklungsabschnitte des Schädlings ist von der Temperatur abhängig. Je nach Witterung kann sich daher z.B. der Zeitpunkt des Larvenschlupfs aus den Eiern im Frühjahr, die Dauer der Larven- und Puppenentwicklung oder die Flugzeiten der Käfer um mehrere Wochen verschieben.

Wirtspflanzen

Die Hauptwirtspflanze des Maiswurzelbohrers ist, wie der Name bereits sagt, Mais (Zea mays L.). Falls gar keine Maiswurzeln zur Verfügung stehen, können die Larven notfalls auch andere Gräser als Wirtspflanzen nutzen, was z.B. bereits für verschiedene Borstenhirsearten (Setaria spp.) nachgewiesen wurde. In diesen Fällen ist die Sterblichkeitsrate der Larven zwar sehr hoch, dennoch ist zu einem kleinen Prozentsatz auch eine vollständige Entwicklung bis zum Käfer möglich. Die Käfer sind zuweilen auch an Blüten (bzw. Pollen) anderer Pflanzen, wie z.B. an Sonnenblumen oder Kürbissen, zu finden, ohne dort jedoch Schaden anzurichten.

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Diabrotica-Ei
Diabrotica-Ei
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Larve des Maiswurzelbohrers im dritten Stadium
Larve des Maiswurzelbohrers im dritten Stadium
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Männchen des Westlichen Maiswurzelbohrers
Männchen des Westlichen Maiswurzelbohrers

Schadsymptome

Schadsymptome

Wirtschaftlich bedeutend sind in erster Linie die unterirdischen Schäden durch die Larven des Maiswurzelbohrers. Junglarven fressen zunächst an den Haarwurzeln, spätere Stadien fressen an den äußeren Schichten größerer Wurzeln bzw. bohren sich in das Wurzelgewebe ein (Name!). Diese Fraßschäden beeinträchtigen den Wasser- und Nährstofftransport, begünstigen Infektionen durch Pilze und führen zum Verlust der Standfestigkeit. Bei starkem Befall kann der Wurzelballen vollständig vernichtet werden, wodurch die Pflanzen ihre Standfestigkeit verlieren und leicht umbrechen. Manchmal können sich umgefallene Pflanzen wieder aufrichten und krümmen sich nach oben (Gänsehalssysmptom). Umgefallene Pflanzen können mechanisch nicht/kaum geerntet werden.

Die Käfer fressen an oberirdischen Teilen der Pflanzen, vorwiegend an Pollen, Narbenfäden, milchreifen Körnern und frischen Blättern („Fensterfraß“ wie beim Getreidehähnchen). Diese Schäden erlangen nur unter bestimmten Bedingungen Bedeutung, etwa wenn die Maisblüte mit der Hauptflugzeit der Käfer zusammenfällt und die Befruchtung der Kolben durch abgefressene Narbenfäden beeinträchtigt wird.

In den USA ist der Maiswurzelbohrer der bedeutendste Schädling an Mais. Verluste um 30% sind keine Seltenheit, in einzelnen Fällen wurden Spitzenwerte bis zu 80% Ernteverlust festgestellt. Die Kosten zur Bekämpfung des Schädlings sind enorm und haben ihm den Spitznamen „Milliarden-Dollar-Käfer“ eingebracht. In Europa wurden aus Serbien, Ungarn und der Slowakei bereits Verluste bis 50% gemeldet.

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Fensterfraß durch Diabrotica-Käfer
Fensterfraß durch Diabrotica-Käfer
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Gänsehalssymptom
Gänsehalssymptom
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Abgefressene Narbenfäden
Abgefressene Narbenfäden
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Wurzelschaden verursacht von Diabrotica-Larven
Wurzelschaden verursacht von Diabrotica-Larven

Bekämpfung

Kulturtechnische Bekämpfungsmaßnahmen

Frisch geschlüpfte Junglarven können nur ca. 0,5 m weit wandern. Wenn sie in diesem Radius um die Eiablagestelle nicht auf Nahrung (Maiswurzeln) stoßen, sterben sie ab. Die einfachste, effizienteste und billigste Bekämpfungsmethode ist daher eine Fruchtfolge mit Mais erst im 2., besser im 3. Jahr. Zusätzlich muss das Auflaufen von Mais in Folgekulturen verhindert werden, da diese Pflanzen als Wirtspflanzen dienen könnten. Auch an Kürbis und Soja und werden in der Nähe von Maisfeldern Eier abgelegt, sodass diese für die Fruchtfolge schlechter geeignet sind als beispielsweise Getreide. Die Fruchtfolge wird durch entsprechende Landesverordnungen geregelt.

Pflanzenstärkende Maßnahmen helfen bei der Bekämpfung, z. B. eine frühe Saat in ein optimal vorbereitetes Saatbett, ausreichende und zeitgerechte Düngung, fachgerechte Unkrautbekämpfung, Bewässerung, sowie die Auswahl von Sorten mit starkem Wurzelwachstum bzw. einer hohen Wurzelregeneration. In der klassischen Resistenzzüchtung werden Fortschritte gemacht, praxisreife Sorten stehen aber noch nicht zur Verfügung.

Chemische Bekämpfung

Die Bekämpfung der erwachsenen Käfer ist aufgrund der Kulturhöhe zur Hauptflugzeit nur mit Stelzentraktoren möglich. Eine Bekämpfung der Larven mit Bodeninsektiziden (derzeit nur Granulate) oder einer Beizung des Saatgutes wäre technisch einfacher. Informationen über den aktuellen Zulassungsstand der verschiedenen Pflanzenschutzmittel in Österreich gegen den Maiswurzelbohrer bietet das Verzeichnis der in Österreich zugelassenen Pflanzenschutzmittel

Biologische Bekämpfungsmethoden

Bei der biologischen Bekämpfung werden natürlich vorkommende Gegenspieler der Käferlarven im Boden verwendet, um diese auf natürliche Weise zu reduzieren. Entsprechende Methoden sind bereits untersucht (antagonistische Nematoden) oder befinden sich noch im Entwicklungsstadium. Derzeit läuft ein Forschungsprojekt des BMLFUW und der Bundesländer unter dem Namen „diacont“ mit dem Ziel, solche neuartigen Methoden zur Praxisreife zu bringen.


Zum Einsatz insektenpathogener Nematoden der Art Heterorhabditis bacteriophora wurden bereits umfangreiche Versuche vorgenommen. Dabei hat sich die Ausbringung der Nematoden als Suspension während der Aussaat bewährt. Während der Aussaat wird die Nematodensuspension mit Hilfe einer „Injektionsdüse“ hinter dem Andruckrad in die Saatfurche ausgebracht und sofort wieder mit Erde bedeckt. In der Nähe des Saatkorns können die Fadenwürmer nun - geschützt vor Licht und Trockenheit - den Zeitraum von etwa 4-6 Wochen bis zum Auftreten der ersten Käferlarven im Boden überdauern. Bisherige Versuchsergebnisse an der AGES spiegeln eine stetige Verbesserung der Versuchsmethodik wider und zeigten zunächst unterschiedliche Wirksamkeit, zuletzt einen Wirkungsgrad von 60 - 70 %. Eine zusammenfassende Darstellung unserer Feldversuche der letzten 5 Jahre finden Sie hier

Biotechnische Methoden

Durch Verwirrungstechnik mit Sexualduftstoffen, wie sie bereits im Obst- und Weinbau erfolgreich angewandt wurde, wird versucht, die Paarung der Käfer zu verhindern und dadurch Käferpopulationen zu reduzieren. Zuletzt erfolgte eine Notfallszulassung dieses Mittels für eine Saison.

Verbreitung

Verbreitung und Populationsentwicklung

Der Maiswurzelbohrer ist in Nordamerika seit Jahrzehnten weit verbreitet und vor allem im intensiv für den Maisanbau genutzten Mittleren Westen („corn belt“) ein gefürchteter Schädling. In Europa wurde er zum ersten Mal 1992 in der Umgebung von Belgrad festgestellt. Wahrscheinlich wurde er durch den Flugverkehr nach Serbien eingeschleppt. In den folgenden Jahren breitete sich der Maiswurzelbohrer auf natürlichem Wege am Balkan und in den benachbarten Regionen aus. Im Laufe von 15 Jahren entstanden auf diese Weise zwei große, zusammenhängende Befallsgebiete, eines im Südosten und Osten Europas, welches auch wichtige Maisanbaugebiete in Österreich einschließt, sowie ein zweites in Norditalien. Hinzu kommen zahlreiche kleinere, isolierte Befallsausbrüche, welche meistens in der Nähe von Flughäfen oder ähnlichen großen Güterumschlagplätzen liegen, z.B. in Italien, Frankreich, England, in den Niederlanden und in der Schweiz.

Eine weitere Ausbreitung in Europa lässt sich nicht verhindern, kann aber gebremst werden. Karten zur aktuellen Verbreitung des Maiswurzelbohrers in Europa und den USA finden sich im Internet auf den Seiten der Purdue-University.

In Österreich wurden die ersten Maiswurzelbohrer im Sommer 2002 nahe der slowakischen Grenze gefangen. Seitdem hat sich der Käfer kontinuierlich weiter nach Westen und Süden ausgebreitet und konnte sich in den wichtigen Maisanbaugebieten in Niederösterreich, Steiermark, Kärnten und im Burgenland etablieren. In Oberösterreich breiteten sich die flugfreudigen Käfer ab dem Jahr 2007 rasant aus. Starke Zuwachsraten und Neubefall mussten in den folgenden Jahren an zuvor befallsfreien Standorten festgestellt werden. An mehreren Standorten im Inntal, welche mit dem Verbreitungsgebiet in Bayern in Zusammenhang stehen, sowie im Raum Lienz, wurden im Jahr 2012 erste vereinzelte Käferfunde gemeldet. Im Herbst 2015 hat der Maiswurzelbohrer erstmals Vorarlberg erreicht.

Mehr Info

„Milliarden-Dollar Käfer“ als Filmstar

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DVD zum Maiswurzelbohrer "Der Milliarden-Dollar Käfer"
Titelbild - DVD zum Maiswurzelbohrer "Der Milliarden-Dollar Käfer"

In dem Film „Der Milliarden-Dollar Käfer“ werden die Biologie und das Verhalten des Maiswurzelbohrers veranschaulicht und Bekämpfungsmaßnahmen gegen den Schädling vorgestellt. Der Film besticht vor allem durch zahlreiche Nahaufnahmen. Sie zeigen den nur wenige Millimeter großen Schädling von einer Seite, die dem Auge des Betrachters am Feld großteils verborgen bleibt. Die DVD kann vom Institut für Nachhaltige Pflanzenproduktion der AGES zum Selbstkostenpreis von 32€ (inklusive Versand) bezogen werden.

pflanzengesundheitno@Spam@agesno.Spam.at

Forschungsprogramm der Bundesrepublik Deutschland und der Länder Bayern und Baden-Württemberg zur Bekämpfung des Westlichen Maiswurzelbohrers

http://diabrotica.jki.bund.de/


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